Die Medizinethik in der Informationsgesellschaft

Die Medizinethik hat die Moral in der Medizin zum Gegenstand, die Informationsethik die Moral (in) der Informationsgesellschaft. Der Artikel „Die Medizinethik in der Informationsgesellschaft“, der in der Zeitschrift Informatik-Spektrum erschienen ist, untersucht das Verhältnis zwischen der Informationsethik und den anderen Bereichsethiken am Beispiel der Medizinethik. Zentral ist die Abbildung mit dem „Ethik-Ei“, das aus dem „Ethik-Dekagon“ hervorgegangen ist. Darin wird die Informationsethik mit zehn weiteren Bereichsethiken in Beziehung gesetzt, und es werden Beispiele für Anwendungen in den Schnittbereichen genannt. Für Medizinethik und Informationsethik ist die Kontrolle und Überwachung von Patienten mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien ein wichtiges Thema. Der Artikel von Oliver Bendel ist seit dem 17. November 2012 als „Online-First“-Artikel auf SpringerLink verfügbar. Er erscheint zudem in einer der nächsten Print-Ausgaben.

Abb.: Eine Operation

Interview zur Maschinenethik

In einem Interview mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik (Hochschule für Wirtschaft, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW) vom 13. November 2012 erklärt der Philosoph und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel „den Begriff der Maschinenethik, in welchem Kontext diese entstanden ist und wozu wir sie brauchen“ (IWI-Blog). Nathalie Baumann, die zum Team des IWI gehört und auch journalistisch tätig ist, steigt ein mit der Frage: „Oliver Bendel, fahren Sie Ihr Auto noch oder fährt Ihr Auto Sie? Oder anders gefragt: Wie intelligent ist Ihr Auto?“ Nicht nur um das selbständig fahrende Auto geht es, sondern auch um Agenten, Roboter und Drohnen. Intensiv wird erörtert, inwieweit eine Maschine ein Subjekt oder ein Objekt der Moral und der Ethik sein kann. Am Schluss wird noch ein Blick auf Japan geworfen, wo faszinierende humanoide Roboter gebaut werden. Das Interview ist nachzulesen über blogs.fhnw.ch/iwi/ (Link nicht mehr gültig).

Abb.: Vorlesung an der FHNW (Foto: Gataric Fotografie)

Unternehmerische Verantwortung in der Informationsgesellschaft

Das nächste Wirtschaftssymposium Aargau widmet sich der unternehmerischen Verantwortung. Auf der Website www.wisym.ch ist zu lesen: „Wer seine unternehmerische Verantwortung wahrnimmt gegenüber den Mitarbeitenden, der Umwelt, der Gesellschaft und dem wirtschaftlichen Umfeld – abgestützt auf eine innere Grundhaltung –, gewinnt an Glaubwürdigkeit.“ Was er oder sie noch gewinnt, wird auf dem Symposium am 16. Januar 2013 zu klären sein. Zu den Referentinnen und Referenten gehören Crispino Bergamaschi, Peter Wippermann, Carolina Müller-Möhl und Marco Freiherr von Münchhausen. „Erfolgreiche Köpfe“ diskutieren bei den Talks mit Moderatorin und Redakteurin Christine Maier über die Verantwortung im Bereich der sozialen Medien (Oliver Bendel), die Umsetzung im Unternehmen (Monika Walser) sowie Burnout und Lebenskrise (Toni Brühlmann). Das Motto von Oliver Bendel lautet: „Für eine Definition der Unternehmensverantwortung in der Informationsgesellschaft braucht es Informationsethik und Wirtschaftsethik.“ Er fordert, dass sich die Wirtschaftsethik intensiv mit der Informationsethik auseinandersetzt und die Informationsethik konsequent in die Aus- und Weiterbildung eingebunden wird. Zudem wünscht er sich Informations- und Kommunikationsplattformen zu den beiden Bereichsethiken, die unabhängig von (IT-)Unternehmen und von religiösen Gruppierungen sind.

Abb.: Unternehmensverantwortung in der Informationsgesellschaft

Das „DVD-Seminar Ethik“ in der Rezension von diesseits.de

Die ZEIT AKADEMIE bietet ein „DVD-Seminar Ethik“ an. Kein Philosoph erörtert die „ethischen Grundfragen“, sondern ein Theologe. „Lernen Sie in 16 Vorlesungen die wichtigsten Begriffe und Positionen der Ethik praxisnah, anschaulich und im aktuellen Kontext kennen!“ (Werbetext der ZEIT AKADEMIE auf der Website) Die siebte Lektion trägt den Titel: „Informationszeitalter: Beherrschen uns die Medien?“ Obwohl Wolfgang Huber als Theologe vorgestellt wird, könnte der Leser und Kunde meinen, es handle sich um eine wissenschaftliche, eine philosophische Ethik, die hier betrieben wird. Es ist aber vom Ansatz her eine theonome Ethik, also eine Ethik, die sich auf eine göttliche Instanz bezieht. Die philosophische Ethik sucht nach Otfried Höffe „auf methodischem Weg … u. ohne letzte Berufung auf politische u. religiöse Autoritäten … oder auf das von alters her Gewohnte u. Bewährte allgemeingültige Aussagen über das gute u. gerechte Handeln“ (Höffe, Lexikon der Ethik, Eintrag Ethik). Es besteht, trotz des gemeinsamen Gegenstands der Moral, eine unüberbrückbare Kluft zwischen der theonomen und der philosophischen Ethik. In seiner Rezension „Die Dialektik der Ethik“ im Online-Magazin diesseits.de spricht Oskar Y. Martin die Kluft im konkreten Fall in deutlichen Worten an: Hubers „religiös motivierte Vorlesung“ sei „im Gewand eines neutralen Ethik-Seminars auf den Markt gebracht“ worden (diesseits.de, 1. September 2012). Und damit erweisen ZEIT AKADEMIE, Wolfgang Huber und die ihn interviewende Elisabeth von Thadden der wissenschaftlichen Ethik einen Bärendienst.

Abb.: Jede DVD hat ihren Nutzen