„Die Changetagung 8 vom 27./28. Januar 2022 in Basel lotet aus, wie es um das Verhältnis von Kooperation, Verlässlichkeit und Steuerung in Zeiten der Digitalisierung bestellt ist.“ (Website Changetagung) Mit diesen Worten wird die nächste Ausgabe der Changetagung angekündigt. Eine der Keynotes stammt von Prof. Dr. Oliver Bendel und trägt den Titel „Sind soziale Roboter verlässliche Partner? Fünf Dimensionen des Gelingens und Scheiterns“. Aus dem Abstract: „Der Beitrag widmet sich zunächst der Definition und den Merkmalen sozialer Roboter und stellt Beispiele aus verschiedenen Bereichen vor. Soziale Roboter sind sensomotorische Maschinen, die für den Umgang mit Menschen oder Tieren geschaffen wurden. Beispiele sind Spielzeugroboter wie Cozmo, Therapieroboter wie Paro, Pflegeroboter wie Lio und P-Care sowie Sexroboter wie Harmony. Soziale Roboter gewinnen Menschen und Tiere mit wohlvertrauten Verhaltensweisen für sich. Aus technischer und funktionaler Sicht sind simulierte Emotionen und simulierte Empathie zur Erreichung des Nutzens für Menschen wichtig, ebenso aus psychologischer, wenn Beziehungen initiiert und etabliert werden sollen. Aus philosophischer und speziell ethischer Sicht stellen sich freilich auch Fragen zu Täuschung und Betrug sowie zur informationellen Autonomie. Genau diesen geht der Beitrag, ausgehend von den Merkmalen und Beispielen sozialer Roboter, dann nach. Er arbeitet heraus, wie soziale Roboter einerseits verlässliche Partner sind, andererseits das Gegenteil, da ihnen echte Emotionen und echte Empathie fehlen, sie nur ein simuliertes Gegenüber darstellen und sie dazu prädestiniert sind, uns unsere Geheimnisse zu entreißen.“ Das vollständige Programm ist hier einsehbar.
In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen, das in Ausschnitten am 6. September 2018 in 10vor10 ausgestrahlt wurde, wurde der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel gefragt, ob es überhaupt und wozu es humanoide Roboter brauche. Er wies zunächst darauf hin, dass die Schaffung künstlicher Kreaturen ein Menschheitstraum sein. Man denke an Galatea von Pygmalion oder an Pandora und Talos von Hephaistos. Dann erklärte er, solche Roboter seien ein Spiegel des Menschen. Diese erblickten darin das, was sie sind und nicht sind, und sie verstünden, wie kompliziert ein Lächeln ist, wie schwer zu konstruieren. Nicht zuletzt gibt es Anwendungsbereiche, in denen humanoide Roboter sinnvoll sind, etwa die Hotelrezeption oder ein Bordell. Andere Bereiche eignen sich nicht oder nur bedingt. So muss der Pakethersteller nicht von seiner maschinellen Kopie ersetzt werden – es genügt ein kleiner, abstrakt gestalteter Roboter. Dass dieser dann zur Stolperfalle werden kann, ist ein anderes Thema. Der Beitrag, in dem Oliver Bendel zum Thema zu Wort kommt, kann hier aufgerufen werden.
Hiroshi Ishiguro von der Universität Osaka war einer der Keynote-Sprecher auf der Robophilosophy-Konferenz in Wien vom 14. bis 17. Februar 2018. Der Japaner baut, wie einige Ingenieure, humanoide Roboter. Allerdings sind diese keine Karikaturen wie Pepper. Sie sind möglichst detailgetreue Kopien von realen oder fiktionalen Menschen. Ein Beispiel ist der Geminoid, der künstliche Doppelgänger des Robotikers. In letzter Zeit konzentriert sich Ishiguro auf weibliche Roboter. Eine Frau aus dem Publikum fragte ihn, warum dies so sei. Seine Antwort war, dass weibliche Roboter alle Menschen ansprechen würden. Männliche Roboter dagegen würden viele Menschen erschrecken, vor allem Kinder. Auch sein Geminoid. Eine andere Frage war, warum er überhaupt Kopien herstellen würde und nicht Fabelwesen, warum er also nicht etwas völlig Neues hervorbringen würde, anstatt Altes zu vervielfältigen. Seine Antwort war, daran würde er denken, aber er habe zuerst das eine machen wollen, bevor er sich an dem anderen versuchen würde. Eine weitere Frage war die nach dem Uncanny-Valley-Effekt. Die erstaunliche Antwort war, dass seine Roboter nicht mehr im unheimlichen Tal anzusiedeln seien. Dabei ist etwa der Geminoid geradezu ein Paradebeispiel für diesen Effekt. Das Publikum war sichtlich fasziniert und irritiert. Hiroshi Ishiguro ist ein wichtiger Visionär der Robotik.
In Radio SRF 3 (Input) wurde am 28. Januar 2018 zwischen 20.00 bis 21.00 Uhr die Sendung „Wie Roboter Gefühle in uns auslösen“ ausgestrahlt. „Immer mehr Roboter kommen in unser Leben. Schon jetzt mähen sie unsere Rasen und betreuen uns im Alter. Wie müssen Roboter sein, damit wir sie akzeptieren, sie sympathisch finden und Seite an Seite mit ihnen arbeiten und leben können? Input-Redaktorin Mariel Kreis will es herausfinden – anhand der Roboter-Robbe Paro für demente Menschen, den beiden humanoiden Robotern Sophia und Pepper. Und anhand ihres eigenen Staubsauger-Roboters Franz.“ (Website Radio SRF 3) Im Gespräch war Mariel Kreis mit Prof. Dr. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker aus Zürich, und Dr. Martina Mara, Roboterpsychologin aus Linz. Die Sendung kann über www.srf.ch/sendungen/input/wie-roboter-gefuehle-in-uns-ausloesen aufgerufen werden.
Die 2. VDI-Konferenz „Humanoide Roboter“ am 5. und 6. Dezember 2017 beschäftigte sich wieder – wie die 1. VDI-Konferenz mit diesem Titel – mit „dem Menschen nachempfundenen Robotern“ (Website VDI). Am 6. Dezember 2017 sprach Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) über „SSML für humanoide Serviceroboter“. Es ging darum, wie man künstliche Stimmen so manipuliert, dass sie z.B. zu Informations- und Navigationsrobotern passen. Am Rande stellte er auch Fragen aus der Ethik heraus, etwa mit Blick auf die Stimmen von Pflegerobotern. Der Postprint kann hier heruntergeladen werden. Es folgte Dr.-Ing. Hendrik Wöhrle vom DFKI mit einem Vortrag über „Eingebettete Biosignalverarbeitung und integrierte Regelung eines Ganzkörper-Exoskelettes für die Neuro-Rehabilitation“. Der Moderator, Prof. Dr. Frank Kirchner vom DFKI, ging zusammen mit dem jungen Wissenschaftler auf Fragen aus dem Publikum ein. Prof. Dr. Elisabeth André (Universität Augsburg) referierte dann zur „Personalisierung der Mensch-Roboter-Interaktion durch sozialsensitives Lernen“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz hatten sich an beiden Tagen interessiert an ethischen Fragestellungen gezeigt. Dem soll bei der nächsten Durchführung verstärkt Rechnung getragen werden.
Auch die 2. VDI-Konferenz „Humanoide Roboter“ beschäftigt sich mit „dem Menschen nachempfundenen Robotern“ (Website VDI). Zwar seien Roboter insbesondere in Bezug auf Wahrnehmung und Intelligenz „noch weit vom Menschen entfernt“, aber die Entwicklung von humanoiden Robotern werde „mit enormem Tempo vorangetrieben“. „Das Themenspektrum der Konferenz reicht dabei von Design und Gestaltung über die kognitive Planung bis hin zu Anwendungsbeispielen der Roboter.“ (Website VDI) Am 6. Dezember 2017 spricht Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) über die „Speech Synthesis Markup Language (SSML) für humanoide Serviceroboter“, Prof. Dr. Elisabeth André (Universität Augsburg) zur „Personalisierung der Mensch-Roboter-Interaktion durch sozialsensitives Lernen“, Prof. Dr. Sven Behnke (Universität Bonn) über „Humanoide Roboter für den Einsatz in menschenfeindlichen Umgebungen“. Die Konferenz findet vom 5. bis 6. Dezember 2017 in Aschheim bei München statt. Weitere Informationen über www.vdi-wissensforum.de/weiterbildung-automation/humanoide-roboter/.