Das Gehirn der Zukunft

„Die Digitalisierung hat längst alle Bereiche unseres Lebens durchdrungen und macht auch vor dem menschlichen Gehirn nicht Halt. Die neuen Möglichkeiten bringen Visionen von großen Entwicklungen in Wirtschaft, Forschung und natürlich auch der Hirnforschung mit sich, gleichzeitig gibt es weitreichende Diskussionen, ob alle möglich erscheinenden Entwicklungen ethisch vertretbar sind. Neuronale Netze, künstliche Intelligenz (KI), autonome Systeme – die Digitalisierung ist angewiesen auf neurowissenschaftliche Erkenntnisse. Neurowissenschaftler wiederum versprechen sich neue Wege für Forschung und Behandlung durch die rasanten Fortschritte der Digitalisierung.“ (Website GHS) Gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veranstaltet die Gemeinnützige Hertie-Stiftung diese Reihe, die laut Eigenaussage in Übersichtsvorträgen, Podiumsdiskussionen und Gesprächen in hochkarätiger Besetzung das „Gehirn der Zukunft“ umkreist. Bei der Veranstaltung „KI & Autonomes Fahren“ am 13. Mai 2019 tragen Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW), Dr. Corinna Bernarding (Universität des Saarlandes), Prof. Dr. Andreas Geiger (Max-Planck-Institut für intelligente Systeme) und Dr. Sebastian Söhner (Porsche AG) über automatisches und autonomes Fahren vor und diskutieren auf dem Podium miteinander. Weitere Informationen über www.ghst.de/gehirn/erforschen/veranstaltungen/#c11097.

Abb.: Wie sieht das Gehirn der Zukunft aus?

Roboter in der Gesellschaft

Im Februar 2019 ist „Roboter in der Gesellschaft: Technische Möglichkeiten und menschliche Verantwortung“ bei Springer erschienen, herausgegeben von Christiane Woopen und Marc Jannes. Die Beiträge stammen von Alin Albu-Schäffer („Von drehmomentgeregelten Roboterarmen zum intrinsisch nachgiebigen humanoiden Roboter“), Jochen J. Steil („Roboterlernen ohne Grenzen? Lernende Roboter und ethische Fragen“), Oliver Bendel („Die programmierte Moral“), Catrin Misselhorn („Moralische Maschinen in der Pflege? Grundlagen und eine Roadmap für ein moralisch lernfähiges Altenpflegesystem“), Hartmut Hirsch-Kreinsen („Autonome Systeme in der industriellen Arbeitswelt“) und Johannes Weyer („Autonome Technik außer Kontrolle? Möglichkeiten und Grenzen der Steuerung komplexer Systeme in der Echtzeitgesellschaft“). Norbert Lammert, ehemaliger Präsident des Deutschen Bundestags, schreibt zu „Roboterethik. Zur Rolle der Politik“. Das Buch geht zurück auf die Tagung „Roboterethik – Sie sind stark, klug, selbstständig. Und was wird aus uns?“, veranstaltet von ceres und Daimler und Benz Stiftung am 24. November 2015 in Berlin. Weitere Informationen über www.springer.com/gp/book/9783662577646#.

Abb.: Ein Roboter unter Menschen

Fachgespräch zur Robotik in der Pflege

Das öffentliche Fachgespräch zu Pflegerobotern am 20. Februar 2019 im Deutschen Bundestag zog zahlreiche Besucher an. Auch Politiker von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP waren durchgehend anwesend, zudem bekannte Technikethiker wie Prof. Dr. Armin Grunwald. Robotikerin Dr. Birgit Graf sprach über „Potenziale und Grenzen der Robotik für die Pflege – Stand der Technik und Anwendung, Herausforderungen für Forschung und Entwicklung“, Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler nahm eine „Einordnung und Bewertung aus Sicht der Pflegewissenschaft“ vor. „Ethisch-normative Herausforderungen der Pflegerobotik“ war der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker stellte Prototypen und Produkte vor und vor diesem Hintergrund ethische Überlegungen an. Auch auf den moralisierten Nao von Michael Anderson, Susan L. Anderson und Vincent Berenz ging er ein. Das Programm kann hier nachgelesen, ein Bericht hier abgerufen werden. Das Parlamentsfernsehen strahlt die Aufzeichnung des Fachgesprächs am 22. Februar 2019 ab 9 Uhr aus.

Abb.: Oliver Bendel bei seinem Vortrag (Quelle: TAB)

Pflegeroboter aus ethischer Sicht

„Die Blätter der Wohlfahrtspflege berichten knapp und dennoch umfassend über wichtige gesellschaftliche, soziale und rechtliche Entwicklungen sowie über fachliche Standards im Sozial- und Gesundheitswesen. Neben grundlegenden Beiträgen stehen Modellbeschreibungen und Arbeitshilfen. Die umfangreichen Fachinformationen bieten Orientierung in allen Tätigkeitsfeldern Sozialer Arbeit sowie in sozialen Diensten und Einrichtungen.“ (Website BdW) Im aktuellen Heft 1/2019 finden sich u.a. Beiträge von Gerd Stüwe und Nicole Ermel („Digitalisierung in der Sozialen Arbeit“), Lulzim Dragidella („Allein in der Fremde. Die Folgen der Flucht und deren Implikationen für die Soziale Arbeit“), Christian Müller („Digitalisierung und Datenschutz in der Sozialen Arbeit“), Christian Dopheide („Grenzerfahrungen. Über Orientierung in einer digitalisierten Welt und den Wert der Sozialen Arbeit“) und Oliver Bendel („Pflegeroboter aus ethischer Sicht“). Weitere Informationen über www.nomos-elibrary.de/10.5771/0340-8574-2019-1/bdw-blaetter-der-wohlfahrtspflege-jahrgang-166-2019-heft-1.

Abb.: Auch Nao-Roboter werden in Pflege und Betreuung eingesetzt

Überlegungen zur Stellvertretermoral

Die Maschinenethik bringt moralische und unmoralische Maschinen hervor. Die maschinelle Moral ist in der Regel festgelegt; es sind bestimmte Aktionen möglich, andere nicht. Ein alternativer Ansatz ist das Moralmenü. Über dieses überträgt der Besitzer oder Benutzer seine eigene Moral auf die Maschine. Diese agiert und reagiert so, wie er dies auch tun würde. Die Vorteile und Nachteile werden in dem Beitrag „Das Moralmenü: Moralische Maschinen mit einer Stellvertretermoral“ von Oliver Bendel diskutiert. Die Maschinen, um die es geht, sind LADYBIRD, der tierfreundliche Saugroboter, und Google Duplex. Telepolis, gegründet 1996, widmet sich seit Jahren immer wieder Roboterethik und Maschinenethik. Bei Heise Medien ist 2016 auch „Die Moral in der Maschine: Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik“ von Oliver Bendel erschienen. Der Beitrag wurde am 27. Januar 2019 veröffentlicht und kann über www.heise.de/tp/features/Das-Moralmenue-4285297.html abgerufen werden.

Abb.: Die Marienkäfer dürfen leben

Maschinelle Moral bei den Freidenkern

„Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz setzt sich für die Anliegen der Konfessionsfreien ein. Sie tritt ein für die Trennung von Staat und Kirche und für eine weltlich-humanistische Ethik, in der die Menschenrechte eine zentrale Rolle einnehmen. Und sie vertritt ein wissenschaftlich plausibles Weltbild.“ (Website Freidenker Schweiz) Eingeladen haben die Freidenkenden Mittelland den Roboterphilosophen und Freidenker Oliver Bendel aus Zürich. Er spricht am 11. Februar 2019 im Jugendstilsaal des Atrium-Hotels Blume in Baden zum Thema „Der Roboter entdeckt die Philosophie“. Er wird die Zuhörer laut Programm auf eine Reise mitnehmen. „Bei einer Station geht er der Frage nach, ob Roboter Rechte haben oder haben werden.“ Einer solchen Frage widmet sich traditionell die Roboterethik. Bendel ist der Meinung, dass Roboter und KI-Systeme bis auf weiteres keine Rechte haben und haben sollten. Bei einer nächsten – nun geht es um Maschinenethik – „wird er darstellen, wie man Entwickler und ihre Geschöpfe für die Philosophie gewinnt und wie man Roboterautos, Serviceroboter und Chatbots zu moralischen und unmoralischen Maschinen machen kann“ (Programm). Der Flyer zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Pepper in Japan

Transportdrohne stürzt in den Zürichsee

Am 28. Juni 2018 wurde an dieser Stelle auf Transportdrohnen der Schweizerischen Post eingegangen. Das Projekt – es werden Laborproben befördert – wurde mit Interesse aufgenommen. Eine kleine Warnung war auch enthalten: „Es kann allerdings Kollisionen mit anderen Drohnen und mit Vögeln geben, und ein Absturz kann für Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer gefährlich sein.“ Die Strecke über den Zürichsee thematisierte Oliver Bendel beim BMAS-Workshop „Leitlinien einer künftigen Finanzierung des Sozialstaats“ am 11. Januar 2019 in Berlin, und er wies auf Chancen und Risiken hin. Der Tages-Anzeiger schrieb am 25. Januar 2019: „Kurz nach 10.20 Uhr stürzte im unteren Seebecken eine Postdrohne ab. Das meldete die Stadtpolizei … Fest steht inzwischen, dass das Fluggerät rund 200 Meter vom Ufer entfernt im Bereich des Bads Mythenquai ins Wasser gefallen und vermutlich versunken ist.“ (Tages-Anzeiger, 25. Januar 2019) Man muss sich der Gefahr von Kollisionen und Abstürzen intensiv widmen und sowohl den Streckenverlauf als auch die technischen Mittel überprüfen. Grundsätzlich ist der Drohneneinsatz in diesem Kontext zu begrüßen, und die Schweizerische Post fällt hier wie andernorts – beim SmartShuttle – durch Innovationen auf.

Abb.: Eine Drohne über dem Wasser

George Soros zum Sozialkreditsystem

George Soros hielt am 24. Januar 2019 eine Rede beim WEF. Der Tages-Anzeiger berichtete unter der Überschrift „Xi Jinping ist der gefährlichste Gegner offener Gesellschaften“ darüber (Link nicht mehr gültig). Der US-Milliardär ging auf das Sozialkreditsystem in China ein. „Es wird das Schicksal des Einzelnen den Interessen des Einparteienstaates in einer in der Geschichte beispiellosen Weise unterordnen.“ (Tages-Anzeiger, 25. Januar 2019) Soros beunruhigen vor allem mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Kontrollinstrumente. Diese seien „nützliche Werkzeuge für autoritäre Regime, stellten aber eine fatale Bedrohung für offene Gesellschaften dar“. Offene Gesellschaften hätten weitere Feinde, etwa „Putins Russland“. „Und das gefährlichste Szenario liege gerade darin, dass sich diese Feinde miteinander verschwörten und voneinander lernten, wie sie ihr Volk besser unterdrücken können.“ (Tages-Anzeiger, 25. Januar 2019) Auf die Frage, auf welcher Seite die IT- und Internetkonzerne im Kampf für eine freie Gesellschaft stehen, sagte Soros: „Google und Facebook sind auf der Seite ihrer eigenen Portemonnaies.“ (Tages-Anzeiger, 25. Januar 2019)

Abb.: In Shenyang im Nordosten der Volksrepublik

The Moral Rights of Reverse Cyborgs

Robots have no rights from a philosophical and ethical point of view and cannot currently get any rights. You only have such rights if you can feel or suffer, if you have a consciousness or a will to live. Accordingly, animals can have certain rights, stones cannot. Only human beings have human rights. Certain animals can be granted basic rights, such as chimpanzees or gorillas. But to grant these animals human rights makes no sense. They are not human beings. If one day robots can feel or suffer, if they have a consciousness or a will to live, they must be granted rights. However, Oliver Bendel does not see any way to get there at the moment. According to him, one could at best develop „reverse cyborgs“, i.e. let brain and nerve cells grow on technical structures (or in a robot). Such reverse or inverted cyborgs might at some point feel something. The newspaper Daily Star dealt with this topic on 28 December 2018. The article can be accessed via www.dailystar.co.uk/news/latest-news/748890/robots-ai-human-rights-legal-status-eu-proposal.

Fig.: Who gets the brain implanted?

Zivile Drohnen bedrohen die zivile Luftfahrt

Ethik kann selten Probleme lösen. Sie kann aber auf Probleme und Konflikte aufmerksam machen. Im Februar 2015 erschien der Beitrag „Private Drohnen aus ethischer Sicht: Chancen und Risiken für Benutzer und Betroffene“ von Oliver Bendel in der Springer-Zeitschrift Informatik-Spektrum. Es wird darin ausgeführt, dass die private Drohne mit einer anderen Drohne, einem Flugzeug, einem Luftschiff oder einem Fesselballon zusammenstoßen und dadurch Menschen erschrecken oder verletzen kann. Sie kann, so der Artikel, abstürzen und in Lebewesen hineinfliegen. Selbst wenn sie nur wenige Kilogramm wiegt, hat ein Zusammenprall laut Oliver Bendel erhebliches Zerstörungspotenzial. Die verbreitete Vorgabe, dass man nur auf Sicht fliegen darf, womit die unvermittelte Sicht gemeint ist, mindere die Gefahr, beseitige sie aber nicht vollends. Was die Ethik nicht leisten kann, kann das Recht leisten. Von Anfang an hätte man größere Drohnen wie bewilligungspflichtige Waffen behandeln müssen. Inzwischen gibt es in mehreren Ländern entsprechende Verordnungen. Vielleicht hätte ein Vorfall wie in London Gatwick vermieden werden können. Der Beitrag kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Eine Drohne in der Luft

Sprachaufzeichnungen aus dem Schlafzimmer

„Amazon gibt intime Alexa-Sprachdateien preis“, meldete Heise News. „Die Sprachaufzeichnungen stammen hörbar aus der Intimsphäre fremder Personen, beispielsweise aus Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad.“ (Heise News, 20. Dezember 2018) In „Die Spione im eigenen Haus“ von Oliver Bendel, erschienen in „Wissen – Macht – Meinung: Demokratie und Digitalisierung“ (2018), heißt es: „Sobald die Geräte in Situationen und Umgebungen benutzt werden, die als vertraut und geschützt eingestuft werden, wie es bei Kommunikations- und Transaktionsgeräten wie Echo (und mit Einschränkungen bei Smartphone und Notebook) der Normalfall ist, tauchen weitere Risiken für Privatheit, Intimsphäre und Datenschutz auf … In nicht- oder teilöffentlichen Räumen spricht man anders, teilt man etwas anderes mit, hat man Privat- und Betriebsgeheimnisse, und die Diskrepanz zwischen dem Vermögen der Geräte, die permanent etwas aufnehmen, abspeichern und weitergeben können, und dem Bedürfnis nach Privatsphäre, Persönlichkeitsschutz und Geheimhaltung ist groß. Das Eindringen in den Bereich der Sexualität kann als besonders gravierend angesehen werden – man denke nur, auf der stimmlichen Ebene, an das Stöhnen oder, auf der semantischen Ebene, an Kosewörter oder … Dirty Talk.“ Das Buch ist direkt bei Velbrück (und nicht nur bei Amazon) erhältlich. Die Texte der Autoren wurden gegendert, aus einer Ideologie heraus (Meinung) und auch gegen ihren Willen (Macht). Totalitarismus statt Demokratie, könnte man sagen. Bereits 2015 ist von Oliver Bendel „Der kleine Lauschangriff: Auditive Systeme aus Sicht der Ethik“ in Telepolis erschienen, wo ebenfalls auf Echo und Alexa eingegangen wurde.

Abb.: Schlafende (Foto eines „sleep“-Bilds von Gottfried Helnwein)

Für die akademische Freiheit in Europa

In Europa formiert sich Widerstand gegen die Versuche von bestimmten Regierungsvertretern, von Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretikern und Pseudowissenschaftlern, die akademischen Institutionen und Disziplinen und letztlich die akademische Freiheit zu zerstören. Auf der Website von swissuniversities wird gemeldet: „Vertreterinnen und Vertreter von zehn europäischen Rektorenkonferenzen, darunter auch swissuniversities, haben sich am 13. Dezember in Wien getroffen für eine Diskussion über die Rolle der Hochschulen in der heutigen Gesellschaft. Sie haben eine Erklärung unterschrieben, mit welcher namentlich die akademische Freiheit, die wissenschaftliche Integrität in Lehre und Forschung und die institutionelle Autonomie als wesentliche Elemente für die Entwicklung von Hochschulen festgehalten werden. Die Unterzeichner betonen den Beitrag der Hochschulen für die Gesellschaft, indem diese interkulturelles Verständnis, gleichberechtigten Zugang zur Bildung und staatsbürgerliches Engagement fördern.“ Weitere Informationen über www.swissuniversities.ch und uniko.ac.at.

Abb.: Auch die Schweiz hat die Wiener Erklärung unterzeichnet

Pflegeroboter im Deutschen Bundestag

Im Deutschen Bundestag widmet man sich am 20. Februar 2019 den Chancen und Risiken von Pflegerobotern. Robotikerin Dr. Birgit Graf spricht über „Potenziale und Grenzen der Robotik für die Pflege – Stand der Technik und Anwendung, Herausforderungen für Forschung und Entwicklung“, Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler nimmt eine „Einordnung und Bewertung aus Sicht der Pflegewissenschaft“ vor. „Ethisch-normative Herausforderungen der Pflegerobotik“ ist der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker. Daneben gibt es Kommentare aus der Perspektive der Technikfolgenabschätzung (Dr. Bettina-Johanna Krings, KIT/ITAS), der Forschungsförderung (Christine Weiß, VDI/VDE-IT), der Pflegeträger (Alexander Huhn, Caritas-Zentrum Garmisch-Partenkirchen) und der Pflegekräfte (Peter Tackenberg, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)). Die Einführung wird Dr. Christoph Kehl vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) halten. Das Programm kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Im Reichstag

Einsatz von Pflegerobotern für Ältere

Der Beitrag „Erfahrungen aus dem Einsatz von Pflegerobotern für Menschen im Alter“ von Michael Früh und Alina Gasser beschreibt die Erfahrungen bei der Entwicklung, Erprobung und Kommerzialisierung von Pflegerobotern aus Sicht der Firma F&P Robotics AG. „Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Robotik in der Pflege sind noch immer weit verbreitet. Die Haltung von F&P ist es, dass nicht das Ersetzen von Mitarbeitern, sondern die sinnvolle Zusammenarbeit von Mensch und Roboter gefördert werden soll. F&P ist ein Pionier in den Bereichen Personal- und Pflegerobotik und testet derzeit den Einsatz von Robotern in Alten- und Pflegeheimen. Im ersten Teil des Beitrags werden verschiedene Serviceroboter von F&P beschrieben und deren Einsatzbereiche und Nutzen erläutert. Im Rahmen einer Masterarbeit der Universität Basel wurde eine Studie bezüglich der Akzeptanz älterer Menschen gegenüber Pflegerobotern durchgeführt. Die Resultate werden im zweiten Teil präsentiert.“ (Früh und Gasser 2018) Der Beitrag ist im Buch „Pflegeroboter“ (herausgegeben von Oliver Bendel) enthalten, das im November 2018 bei Springer Gabler erschienen ist und über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden kann.

Abb.: Lio von F&P mit Brille

Ein Chatbot mit Emotionserkennung

Der BESTBOT ist eine unmoralische Maschine in einer moralischen. Er ähnelt einer Matrjoschka, der Holzpuppe, in der weitere Holzpuppen stecken. Dies betonte Oliver Bendel in einem Gespräch mit dem Tages-Anzeiger. In die offene Welt würde er den Chatbot deshalb nicht entlassen. Dieser bleibt im Labor der Maschinenethik. Der BESTBOT wurde 2018 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW entwickelt. Bereits im März 2018 stellte der Informations- und Maschinenethiker im Rahmen der AAAI Spring Symposia sein Paper „From GOODBOT to BESTBOT“ vor, das die Grundlage für das Projekt legte. David Studer programmierte den Chatbot in Java. Der BESTBOT ist ein vernetztes System, das Suchmaschinen und Lexika benutzt. Er analysiert die Texteingaben des Benutzers mit textbasierter Emotionserkennungssoftware. Zugleich wird Gesichtserkennung eingesetzt, wiederum mit Emotionserkennung. Wenn der Benutzer zum Beispiel angibt, dass es ihm gut geht, sein Gesicht aber anderes verrät, spricht der Chatbot diesen Widerspruch an. Dieser erkennt sowohl kleine als auch große Sorgen. Dies ist ohne Zweifel von hohem Nutzen, gerade wenn der Benutzer sich etwas antun will. Zugleich kann Gesichtserkennung, vor allem im Zusammenhang mit Emotionserkennung, hochproblematisch sein. Oliver Bendel rät davon ab, solche Systeme bei der automatisierten Kommunikation und im öffentlichen Raum einzusetzen. Der ganzseitige Artikel im Tages-Anzeiger zum BESTBOT ist am 12. Dezember 2018 erschienen und kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Der Chatbot verfügt über Emotionserkennung

Beitrag zu robotischer Sexualassistenz

„Pflege und Pflegeroboter zielen darauf ab, Menschen mit Pflegebedarf zu betreuen, Krankheiten zu verhüten und Gesundheit zu fördern. Das umfasst die ganzheitliche Sorge um das Wohlbefinden und schließt auch das sexuelle Wohlbefinden als wichtigen Gesundheitsfaktor und als Menschenrecht mit ein.“ (Döring 2018) Der Beitrag „Sollten Pflegeroboter auch sexuelle Assistenzfunktionen bieten?“ behandelt zunächst den Stellenwert des sexuellen Wohlbefindens und konkretisiert die sexuellen Anliegen von Menschen mit Pflegebedarf. „Die bisherigen Angebote der Sexualassistenz für Menschen mit Pflegebedarf werden beschrieben. Auf dieser Grundlage plädiert der Beitrag dafür, im Sinne einer besseren Förderung sexuellen Wohlbefindens von Menschen mit Pflegebedarf in Zukunft auch Konzepte der robotischen Sexualassistenz zu entwickeln und zu evaluieren.“ (Döring 2018) Der Beitrag ist im Buch „Pflegeroboter“ (herausgegeben von Oliver Bendel) enthalten, das im November 2018 bei Springer Gabler erschienen ist und über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden kann.

Abb.: Sollten Pflege- auch Sexroboter sein?

Weniger Ethik, mehr Recht

Microsoft gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der Gesichtserkennung. Man hat in den letzten Jahren mächtige Systeme geschaffen, die man in Displays mit Kameras integrieren oder an Chatbots ankoppeln kann – der BESTBOT ist ein Beispiel dafür. Nun hat das Unternehmen vor Gesichtserkennung gewarnt und nach dem Gesetz gerufen. Das ist nicht merkwürdig, sondern folgerichtig. Man hat eine Technologie entwickelt und ihre Chancen und Risiken untersucht. Man hat erkannt, dass Diskriminierung, Zerstörung der Privatsphäre und staatliche Totalüberwachung drohen. Es ist wichtig, zwischen Forschung und Entwicklung auf der einen und Anwendung auf der anderen Seite zu unterscheiden. Manchmal muss man eine Technologie auf die Welt bringen und dann im Einsatz beschränken, bis hin zum Verbot auf bestimmten Gebieten. Der Einschätzung des Konzerns mag eine ethische Reflexion vorausgegangen sein, vielleicht auch nur eine moralische Diskussion (der Spiegel wirft dem Konzern gar vor, sich zum Moralwächter aufzuschwingen). Wichtig ist aber, dass man dabei nicht stehenbleibt (und Microsoft ruft gerade nicht nach der Moral). Denn die Ethik vermag selten Probleme zu lösen. In diesem Fall braucht es weniger Ethik, mehr Recht.

Abb.: Bei Microsoft im Silicon Valley

16.000 Tweets

Am 4. Dezember 2018 wurde von @Infoethik der 16.000 Tweet abgesetzt. In der Kurzbeschreibung heißt es: „Tweets zu Informationsethik und Maschinenethik und zu Medien-, Technik-, Wirtschafts-, Politik-, Medizin- und Umweltethik sowie Religionskritik.“ Es handelt sich um einen klassischen Kurznachrichtendienst, über den auf Artikel, Studien, Ausschreibungen und Veranstaltungen hingewiesen wird. Die Tweets von Oliver Bendel haben einen strengen Aufbau: Auf den zitierten Titel folgt der Link zum Beitrag, darauf eine Zusammenfassung, die häufig ein weiteres Zitat enthält. In seltenen Fällen steht anstelle der Zusammenfassung ein Kommentar. Jeder Tweet wird verschlagwortet, i.d.R. mit Hashtags zu den Bereichsethiken (oder zur Disziplin der Maschinenethik) oder zur Künstlichen Intelligenz. „Informationsethik“ ist wie die Plattformen informationsethik.net und maschinenethik.net der philosophischen Ethik verpflichtet und eine Alternative zu religiösen und wirtschaftlichen Vereinnahmungen der Ethik. Diese finden nicht nur in Medien-, Wirtschaftsethik und Medizinethik statt, sondern zunehmend auch mit Blick auf die Informationsethik, die Roboterethik und die Maschinenethik.

Abb.: Die Tweets zur Ethik erreichen viele Benutzer

Sozial interagierende Roboter in der Pflege

„In naher Zukunft werden Roboter immer häufiger in den Lebensbereichen von Alltagsnutzerinnen und -nutzern anzutreffen sein. Sehr deutlich wird dies am Beispiel von Haushalts- und Pflegerobotern, denen im Hinblick auf eine alternde Gesellschaft verstärkt die Rolle des Mitbewohners und Weggefährten zukommen wird. Damit einher geht der Wunsch, die Mensch-Roboter-Kommunikation menschzentrierter zu gestalten. Es geht nicht mehr lediglich um die effiziente Durchführung von Aufgaben, sondern auch darum, für den Menschen ein angenehmes Interaktionserlebnis zu schaffen und ein Vertrauensverhältnis zu dem Roboter herzustellen.“ (Janowski et al. 2018) Der Beitrag „Sozial interagierende Roboter in der Pflege“ von Kathrin Janowski, Hannes Ritschel, Birgit Lugrin und Elisabeth André diskutiert „den aktuellen Stand in Forschung und Entwicklung im Bereich sozial interagierender Roboter, die über multimodale soziale Hinweisreize mit pflegebedürftigen Menschen kommunizieren“ (Janowski et al. 2018). Er ist im Buch „Pflegeroboter“ (herausgegeben von Oliver Bendel) zu finden, das im November 2018 bei Springer Gabler erschienen ist und über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden kann.

Abb.: Modell eines Co-Robots von Kuka

Werden Therapie- und Pflegeroboter akzeptiert?

„Um den steigenden Versorgungsbedarf im Gesundheitsbereich bei gleichzeitigem Mangel an Fachkräften zu sichern, wird zunehmend auch auf den Einsatz von Robotik gesetzt. Eine breite Vielfalt an Geräten wird dabei für verschiedene Nutzergruppen und Anwendungssituationen entwickelt. Die Geräte wecken einerseits Hoffnungen, aber auch Befürchtungen bei nichtprofessionellen und professionellen Nutzergruppen. Ob ein Roboter von Nutzenden tatsächlich akzeptiert wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab.“ (Becker 2018) Mit diesen Worten beginnt der Abstract des Beitrags von Heidrun Becker mit dem Titel „Robotik in der Gesundheitsversorgung: Hoffnungen, Befürchtungen und Akzeptanz aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer“, der im November 2018 im Buch „Pflegeroboter“ (herausgegeben von Oliver Bendel aus Zürich) bei Springer Gabler erschienen ist. Dieses bündelt technische, wirtschaftliche, medizinische, pflegewissenschaftliche und ethische Reflexionen über Pflegeroboter und andere Serviceroboter im Gesundheitsbereich. Die Open-Access-Ausgabe hat die Daimler und Benz Stiftung ermöglicht und kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Was ist, wenn der Roboter die Medikamente bringt?

 

Zur ambivalenten Rolle der Ethik

Der Abstract des Buchbeitrags „Wege zu verantwortungsvoller Forschung und Entwicklung im Bereich der Pflegerobotik: Die ambivalente Rolle der Ethik“ von Christoph Kehl beginnt mit folgenden Worten: „Obwohl die Entwicklungsarbeiten an Pflegerobotern bis in die 1980er Jahre zurückreichen, waren die bisherigen Bemühungen nicht von größeren Erfolgen gekrönt. Zwar wurde eine Vielzahl an Produktvisionen und Prototypen hervorgebracht, diese haben jedoch in aller Regel noch nicht den Weg in den Pflegemarkt gefunden. Dies hängt nicht nur mit technischen Schwierigkeiten zusammen, sondern lässt sich auch auf die bislang stark technikfokussierte Ausrichtung der Forschungs- und Entwicklungspraxis zurückführen: Offenbar ist es noch nicht gelungen, Angebote zu entwickeln, die von Kostenträgern und Endkunden ausreichend akzeptiert werden. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag der Frage nach, wie sich eine verantwortungsvolle Forschungs- und Entwicklungspraxis gestalten lässt, die den hohen Anforderungen an Serviceroboter-Anwendungen im Pflegebereich gerecht wird.“ (Kehl 2018) Der Experte für Technikfolgenabschätzung geht insbesondere auf die ambivalente Rolle der Ethik in diesem Zusammenhang ein. Der Beitrag, der im Buch „Pflegeroboter“ (herausgegeben von Oliver Bendel) erschienen ist, kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Pepper in Zürich

Pflegeroboter aus Sicht von Pflege und Ethik

„In Zukunft ist ein wachsender Einsatz von Pflegerobotern zu erwarten, denen möglicherweise zwei Hauptfunktionen zugeschrieben werden können: Beitrag zur Verringerung einer sich ausweitenden Personallücke in der Pflege; Erleichterung der Pflege hinsichtlich physischer und psychischer Arbeitsbelastungen, teilweise auch durch Substitution originär pflegerischer Teilaufgaben im Bereich der Ernährung, Medikation, Aktivierung/Mobilisierung.“ (Remmers 2018) So beginnt der Abstract des Beitrags „Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht pflegerischen Handelns und ethischer Anforderungen“ von Hartmut Remmers, der im neuen Buch „Pflegeroboter“ (herausgegeben von Oliver Bendel) veröffentlicht wurde. Und weiter: „Aus fachwissenschaftlicher Sicht stellen sich dabei Fragen, inwieweit und in welchem Ausmaße originär pflegerische Tätigkeiten wie die der persönlichen, vertrauensbildenden Beziehungsarbeit unterstützt/verbessert werden können oder (teil-)ersetzt werden sollen. Aus ethischer Perspektive stellen sich damit zusammenhängende Fragen, inwieweit durch den Einsatz von Robotern die Personalität des Menschen in verschiedenen Facetten seiner auch leiblich verstandenen Rezeptivität und seiner Spontaneität gegenseitigen Ausdruckshandelns und Ausdrucksverstehens gewahrt bleibt.“ (Remmers 2018) Der Beitrag kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Nao reicht seine Hand