„Prostitution ist die Bereitstellung sexueller Dienstleistungen gegen Entgelt. Sie kann in Freiheit und Freiwilligkeit erfolgen oder unter Zwang (Zwangsprostitution), in Verbindung mit Menschenhandel und Sklaverei. Man spricht augenzwinkernd vom horizontalen Gewerbe (wobei es sich gerade beim schnellen Sex häufig um ein vertikales handelt), übertreibend vom ältesten Gewerbe der Welt und mehrdeutig von käuflicher Liebe. Die Existenzsicherung kann ebenso das Ziel sein wie die Beschaffung von Konsum- und Luxusgütern (in diesem Sinne meist Gelegenheitsprostitution, wie im Falle von Schülerinnen in Japan) oder (eher die Ausnahme) der Lustgewinn. In der Antike trat neben der Erwerbs- womöglich die Tempelprostitution auf.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. Auch die Perspektive der Wirtschaftsethik kann eingenommen werden: Handelt es sich um ein Gewerbe, das sittenwidrig ist? Oder die Perspektive der Informationsethik: Wie sind Vermittlungs- und Bewertungsplattformen einzustufen, auf denen Bilder von Prostituierten gezeigt und deren Dienstleistungen bewertet werden? Der Beitrag ist am 27. November 2018 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/prostitution-100063 heruntergeladen werden.
Unter der Überschrift “Die Maschine als Gespielin” berichtete die SonntagsZeitung am 21. Oktober 2018 über den zunehmenden Gebrauch von Liebespuppen und die Weiterentwicklung von Sexrobotern. Ein ähnlicher Artikel war bereits am 29. September des Jahres in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Oliver Bendel und Christian Weber hatten sich im Münchner Excelsior am Hauptbahnhof getroffen und waren von dort in Gedanken nach Dortmund gereist, wo sich das Bordoll befindet, und nach Barcelona und Moskau. Auch in der Schweiz, erzählte der Informations- und Maschinenethiker aus Zürich, legt sich das eine oder andere Etablissement eine Liebespuppe zu. Beispiele sind das Studio Elite in Luzern, die OltenGirls in Olten und der Lust-Tempel in Wohlen. Die Bereitstellung und Nutzung von Liebespuppen muss nach seiner Meinung erforscht werden, wie auch die Frage, ob man sie in Pflege und Therapie einsetzen kann. Der Beitrag in der SonntagsZeitung kann hier heruntergeladen werden.
Synthetische Stimmen kann man in vielfältiger Weise gestalten und anpassen. Man kann das Geschlecht vorgeben und das Alter, die Tonhöhe, die Klangfarbe und die Lautstärke variieren. Dafür steht zum Beispiel die Speech Synthesis Markup Language (SSML) zur Verfügung. Einige Befehle sind dafür geeignet, die Stimmen lebensechter zu machen. Selbst ein Flüstern kann man mit SSML inzwischen definieren, das ja nicht nur ein leises, sondern ein stimmloses Sprechen ist. Alexa wirkt damit noch menschlicher. Wie Google Duplex eindrucksvoll gezeigt hat, sind auch Pausen wichtig sowie Verzögerungslaute wie „Mmh“ und „Ähh“, also spezifische Sprechweisen. Die Einbindung von Kopf- und Körpergeräuschen könnte den Echtheitsgrad und die Überzeugungskraft weiter steigern. Wenn sich der virtuelle Assistent räuspert, wenn er die Nase hochzieht, die gar nicht vorhanden ist, dürfte kaum noch jemand denken, dass es sich um kein menschliches Gegenüber handelt. Ferner ist es möglich, Neben- und Hintergrundgeräusche zu integrieren. Übertreiben darf man es freilich nicht, und alle Geräusche müssen letztlich zusammenpassen.
Prof. Dr. Oliver Bendel stellte in seinem abendfüllenden Vortrag „Das automatische Verschwinden der menschlichen Arbeit“ im Stadthaus Ulm am 25. Oktober 2018 die Veränderungen in der Arbeitswelt durch Roboter und KI-Systeme vor und diskutierte sie aus den Perspektiven von Informationsethik und Maschinenethik. Am Ende ging er auf das bedingungslose Grundeinkommen ein, das er begrüßt, und auf die Robotersteuer, die er skeptisch sieht. Zudem stellte er ein eigenes Konzept vor, das des bedingungslosen Grundeigentums. Dieses weise in aller Schärfe auf die Ungerechtigkeit hin, dass die Erde bereits aufgeteilt sei und die Neuankömmlinge sich lebenslang abmühen müssten, um schließlich ein kleines Grundstück bzw. ein kleines Haus erwerben zu können, wenn dies überhaupt möglich sei. Zugleich werfe es die eine oder andere neue Ungerechtigkeit auf, der man begegnen müsse. Der Vortrag löste ein großes Echo aus und wurde auch in der Südwest Presse besprochen.
Abb.: Das Ulmer Stadthaus vom Ulmer Münster aus gesehen
CONVERSATIONS 2018 was a cross-disciplinary workshop to advance chatbot research. It took place on 26 October in St. Petersburg, at the School of Journalism and Mass Communications. „Chatbots enable users to interact with digital services in natural language, through text or voice dialogue. Customer service and digital assistants are applications areas where chatbots already have substantial impact. Also in other application areas, such as health and fitness, education, and information services, a similar impact is foreseen.“ (Website Workshop) The event was open to all scientists and practitioners with an interest in chatbot research and design. Among the organizers were experts such as Asbjørn Følstad, SINTEF (Norway), and Symeon Papadopoulos, Centre for Research and Technology Hellas (Greece). Members of the program committee were among others Adam Tsakalidis, University of Warwick (UK), Despoina Chatzakou, Aristotle University of Thessaloniki (Greece), Eleni Metheniti, Saarland University (Germany), Frank Dignum, Utrecht University (Netherlands), and Oliver Bendel, School of Business FHNW (Switzerland). Further information on conversations2018.wordpress.com/.
Unter der Überschrift „AI love you“ berichtete die Süddeutsche Zeitung am 29. September 2018 über den zunehmenden Gebrauch von Liebespuppen und die Weiterentwicklung von Sexrobotern. Vorausgegangen war ein einstündiges Interview mit Oliver Bendel, der als Informations- und Maschinenethiker dieses Phänomen erforscht. Der Journalist und er trafen sich im Münchner Excelsior am Hauptbahnhof und reisten von dort in Gedanken nach Dortmund, wo sich das Bordoll befindet, und nach Barcelona und Moskau. Auch in der Schweiz, erzählte der Ethiker, legt sich das eine oder andere Etablissement eine Liebespuppe zu. So weit wie das Bordoll, wo es keine Menschen mehr gibt, die Besitzerin und die Kunden ausgenommen, treibt es aber noch niemand. Im Bordoll interessieren sich die meist jungen Männer auch für Fantasyfiguren, für Elfen und Manga- und Animemädchen. So etwas muss erforscht werden, wie auch die Frage, ob man Liebespuppen in Pflege und Therapie einsetzen kann. Dieser Frage widmet sich wiederum ein aktueller Beitrag von Oliver Bendel in der IT for Health. Der Beitrag in der Süddeutschen kann hier kostenpflichtig abgerufen werden.
VRODO hat ein Interview mit dem Roboterphilosophen, Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel geführt. Es ging um moralische Maschinen und am Rande auch um die Frage, ob Maschinen eines Tages Bewusstsein oder Selbstbewusstsein haben können. Für Oliver Bendel gehört zum Bewusstsein, dass eine innere Stimme ausruft: Ah, das ist ja die Welt! Diese innere Stimme kann seiner Meinung auch ein Tier haben. Jeder Igel, jede Kröte hat Bewusstsein. Zum Selbstbewusstsein gehört, dass die innere Stimme ausruft: Ah, das bin ja ich! Ein Affe hat Selbstbewusstsein. Der Roboterphilosoph denkt nicht, dass man ein echtes Bewusstsein von Maschinen wird schaffen können. Auf jeden Fall werde der Roboter nie mit seiner inneren Stimme ausrufen: Ah, das bin ja ich, der Roboter! „I, Robot“ – das sei Science-Fiction. Die Forschung über maschinelles Bewusstsein hält Oliver Bendel dennoch für wichtig. Bei einem der Symposien der AAAI Spring Symposia an der Stanford University wird es um dieses Thema gehen. Das Interview wurde von Maximilan Schreiner geführt und kann über the-decoder.de/was-ein-roboterphilosoph-ueber-maschinenmoral-denkt/ nachgelesen werden.
Am 12. September 2018 ist in der Zeitschrift IT for Health der Artikel „Sexroboter im Gesundheitsbereich“ von Oliver Bendel erschienen. Sexuelles Wohlbefinden dient der körperlichen und geistigen Gesundheit. Jeder Mensch erreicht es auf unterschiedliche Weise. Auch Alter und Geschlecht spielen mit hinein. Die einen streben einen täglichen Höhepunkt an, alleine, zu zweit oder zu dritt, andere begnügen sich mit einer monatlichen Umarmung, bei der sie den anderen Körper spüren. So oder so dient das sexuelle Wohlbefinden der Entspannung, der Ausgeglichenheit und der Zufriedenheit. Soweit die Theorie. In der Praxis können nicht alle Menschen sexuelles Wohlbefinden erreichen. Es fehlt ihnen vorübergehend oder dauerhaft ein Partner, weil sie scheu und zurückgezogen sind, sie niemanden ansprechen wollen oder können, sie nicht attraktiv genug, zu alt etc. sind. Sie sind aufgrund von Beeinträchtigungen nicht in der Lage, Sex bzw. einen Orgasmus zu haben. Oder ihre Praktiken sind nicht erwünscht bzw. nicht erlaubt. Welcher Grund es auch sein mag – Menschen, die sexuell aktiv sein wollen, aber nicht können, können leiden und erkranken. Sind für die Betroffenen vielleicht Sexroboter und Liebespuppen eine Lösung? Diese könnten sozusagen die sexuelle Grundversorgung sicherstellen, zudem in Pflege und Therapie eine Rolle spielen. Nach einführenden Bemerkungen und Überlegungen wird im Artikel dieser Frage nachgegangen.
Abb.: Eignen sich Liebespuppen und Sexroboter für den Gesundheitsbereich?
In der neuen Ausgabe der Zeitschrift cooperativ (2/18) widmet man sich der Frage, ob Roboter Moral brauchen. Oliver Bendel zeigt seit einigen Jahren, wie maschinelle Moral entsteht, aus der Maschinenethik heraus, in Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz und Robotik. Ob Roboter Moral brauchen, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Es bieten sich Stellvertretermaschinen mit einer Stellvertretermoral an, die der Besitzer oder Benutzer mit Hilfe eines Moralmenüs erzeugen kann, mit einer gewissen Freiheit, die auf der einen Seite von Voreinstellungen, auf der anderen Seite von Verordnungen und Gesetzen eingeschränkt wird. Stellvertretermaschinen dieser Art können in geschlossenen oder halboffenen Umgebungen unterwegs sein, etwa als Staubsaugerroboter im Haushalt oder als Sicherheitsroboter auf dem Betriebsgelände. Oliver Bendel kommt in dem Beitrag von Hermann Fritzl ebenso zu Wort wie Matthias Scheutz von der Tufts University School of Engineering und Bertram F. Malle von der Brown University. Der Artikel mit dem Titel „Brauchen Roboter Moral?“ kann über issuu.com/cooperativ_oegv/docs/cooperativ_02_18_web aufgerufen werden. Zudem steht er hier als PDF zur Verfügung.
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat einen Entwurf für Social-Media-Richtlinien vorgelegt. Ist das Dokument, das derzeit in den sozialen Medien kursiert, echt, ist man beim Sender nicht in der Lage, den Begriff richtig zu schreiben. Mehrmals ist von „ORF Social Media-Richtlinien“ die Rede. In den Medien wird die falsche Schreibweise teils stillschweigend korrigiert, was eine Verfälschung des Originals darstellt, teils kommentarlos übernommen. Aber weg vom Formalen, hin zum Inhaltlichen. Der Spiegel fasst zusammen, dass bei Inkrafttreten der Dienstanweisung die Mitarbeiter des ORF sich „nicht mehr politisch kommentierend äußern“ dürfen – „auch nicht als Privatpersonen“ (SPON, 27. Juni 2018). Sogar „Likes, Dislikes, Recommends, Retweets oder Shares“ seien zu unterlassen, denn eine „Meinungsbekundung“ (SPON, 27. Juni 2018) könne auch indirekt erfolgen. Die Zeitschrift spricht in der Überschrift ihres Artikels von einem „Maulkorb“. In ihrer Analyse stellt sie fest, dass sich mit der geplanten Verordnung „Vertreter der Regierungsparteien ÖVP und FPÖ im Stiftungsrat … durchgesetzt haben“ (SPON, 27. Juni 2018). SRF hatte ebenfalls rigide Richtlinien, die vor der No-Billag-Initiative etwas gelockert wurden, damit sich die Journalisten gegen diese aussprechen konnten. Grundsätzlich handelt es sich bei Social-Media-Richtlinien dieser Art um einen massiven Eingriff in die Meinungsfreiheit, der von Medien- und Informationsethik untersucht werden kann.
The international workshop „Understanding AI & Us“ will take place in Berlin (Alexander von Humboldt Institute for Internet and Society) on 30 June 2018. It is hosted by Joanna Bryson (MIT), Janina Loh (University of Vienna), Stefan Ullrich (Weizenbaum Institute Berlin) and Christian Djeffal (IoT and Government, Berlin). Birgit Beck, Oliver Bendel and Pak-Hang Wong are invited to the panel on the ethical challenges of artificial intelligence. The aim of the workshop is to bring together experts from the field of research reflecting on AI. The event is funded by the Volkswagen Foundation (VolkswagenStiftung). The project „Understanding AI & Us“ furthers and deepens the understanding of artificial intelligence (AI) in an interdisciplinary way. „This is done in order to improve the ways in which AI-systems are invented, designed, developed, and criticised.“ (Invitation letter) „In order to achieve this, we form a group that merges different abilities, competences and methods. The aim is to provide space for innovative and out-of-the-box-thinking that would be difficult to pursue in ordinary academic discourse in our respective disciplines. We are seeking ways to merge different disciplinary epistemological standpoints in order to increase our understanding of the development of AI and its impact upon society.“ (Invitation letter)
Bei Spiegel Plus ist am 24. Mai 2018 der Artikel „Roboter als Altenpfleger – hier ist es bereits Realität“ von Stefan Schultz erschienen. Es wird auf Therapie- und Pflegeroboter eingegangen, wie sie etwa in der Schweiz eingesetzt werden. „Sie spielen mit Dementen und heben Senioren aus dem Bett: Was passiert, wenn Roboter immer mehr Aufgaben in der Pflege übernehmen? Eine Reportage aus einem der fortschrittlichsten Altersheime der Welt.“ (Spiegel, 24. Mai 2018) Dabei wird auch die Perspektive des Patienten eingenommen: „Für Irène Brehm, 65, ist es Liebe auf den ersten Blick. Fest hält sie die kleine Robbe im Arm, streichelt ihr Fell, liebkost ihre Schnurrhaare. Lacht, als die Robbe plötzlich losquiekt.“ (Spiegel, 24. Mai 2018) Zu Wort kommt mehrmals der in Zürich lebende Wirtschaftsinformatiker und Roboterphilosoph Oliver Bendel. Er hat im September 2017 für die Daimler und Benz Stiftung den Ladenburger Diskurs zu Pflegerobotern ausgerichtet – der dazugehörige Herausgeberband (Open Access) erscheint bei Springer im Herbst 2018. Der Artikel ist kostenpflichtig. Der Teaser kann hier gelesen werden.
Abb.: Demente werden immer häufiger mit Therapierobotern konfrontiert
„Erotik 4.0 – Gedankenspiel Sexroboter“ lautet der Titel einer Sendung bei SRF 2 Kultur, die am 13. Juni 2018 ab 9 Uhr ausgestrahlt wird. „In Dortmund gibt es ein Sexpuppen-Bordell, in Barcelona sogar schon ein Sexroboter-Bordell. Der Roboterphilosoph Oliver Bendel findet diese Entwicklung gefährlich. Denn noch wissen wir nicht, welche Folgen Sexroboter für uns Menschen haben, die empirische Forschung fehlt noch.“ (Website SRF) Er spricht sich nicht gegen die Entwicklung aus, sondern ist eben dafür, Forschung in diesem Bereich zu betreiben und die Anwendung genau im Auge zu behalten. In der „Kontext“-Sendung geht es zunächst um Harmony. „Wer ist sie und was kann sie?“ Dann wird die Frage gestellt: „Wie soll der Sexroboter aussehen?“ Oliver Bendel denkt laut über das Aussehen von Sexrobotern abseits der Stereotype nach. Schließlich findet ein „Gedankenspiel“ statt, und KI-Experte und Schachmeister David Levy, Roboterethikerin Kathleen Richardson und Roboterphilosoph Oliver Bendel kommen zu Wort. Weitere Informationen über www.srf.ch/sendungen/kontext/erotik-4-0-gedankenspiel-sexroboter.
„Sex robots are coming, but the argument that they could bring health benefits, including offering paedophiles a ’safe‘ outlet for their sexual desires, is not based on evidence, say researchers. The market for anthropomorphic dolls with a range of orifices for sexual pleasure – the majority of which are female in form, and often boast large breasts, tiny waists and sultry looks – is on the rise, with such dummies selling for thousands of pounds a piece.“ (Guardian, 5 June 2018) These are the initial words of an article in the well-known British daily newspaper Guardian, published on 5 June 2018. It quotes Susan Bewley, professor of women’s health at Kings College London, and Oliver Bendel, professor at the School of Business FHNW. Oliver Bendel is not in favor of a ban on the development of sex robots and love dolls. However, he can imagine that the area of application could be limited. He calls for empirical research in the field. The article can be accessed via www.theguardian.com/science/2018/jun/04/claims-about-social-benefits-of-sex-robots-greatly-overstated-say-experts.
„Ein Chip unter der Haut kann heute Haustüren öffnen oder die Visitenkarte speichern. In Zukunft soll man mit ihm bezahlen oder sich sogar direkt mit dem Internet verbinden können. Eine Technologie mit vielen Chancen – aber mit welchen Risiken?“ So fängt die Beschreibung einer Sendung von Lionel Mattmüller an, die am 30. Mai 2018 ab 9 Uhr auf SRF Kultur (Kontext) ausgestrahlt wird. Sie trägt den Titel „Cyborg – wenn der Mensch zur Maschine wird“. Und weiter: „Intelligente Prothesen, künstliche Hände – sie erleichtern Menschen mit einer Behinderung oder Krankheit das Leben. Aber die Technik geht weiter: Immer häufiger ergänzen auch gesunde Menschen ihren Körper mit Technik, beispielweise mit einem Chip-Implantat. Der Mensch vollzieht ein Upgrade an sich selbst. ‚Kontext‘ beleuchtet dieses Phänomen und fragt auch: Brauchen wir das?“ (Website SRF) „Im Studio diskutiert Moderator Bernard Senn mit Oliver Bendel, Philosoph und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz, und mit Jannes Jegminat, Neuroinformatiker.“ (Website SRF)
Die Deutsche Welle war Ende Mai 2018 im Gespräch mit Oliver Bendel. Anlass war ein Treffen zwischen Angela Merkel und Experten für Künstliche Intelligenz. Der Informations- und Maschinenethiker empfiehlt eine Unterscheidung zwischen Forschung und Entwicklung auf der einen Seite und Anwendung auf der anderen. Er ist für die Freiheit der Forschung. Für ihn endet sie erst da, wo die Freiheit und Unversehrtheit von anderen beginnt, von Menschen und Tieren. Dagegen muss man nach seiner Ansicht die eine oder andere Anwendung von KI bereits jetzt einschränken, etwa dann, wenn Massenüberwachung stattfindet. Die Deutsche Welle über sich selbst auf ihrer Website: „Die Deutsche Welle (DW) ist der Auslandssender Deutschlands. In journalistischer Unabhängigkeit vermitteln wir ein umfassendes Deutschlandbild, stellen weltweite Ereignisse und Entwicklungen aus europäischer Perspektive dar, greifen deutsche und andere Sichtweisen auf. So fördern wir das Verständnis zwischen den Kulturen und Völkern. Zugleich schaffen wir einen Zugang zur deutschen Sprache.“ (Website Deutsche Welle) Das Interview kann über www.dw.com/de/jetzt-machen-wir-gro%C3%9Fartige-spr%C3%BCnge/a-43964092 aufgerufen werden.
„Amazon spricht von einer ‚unwahrscheinlichen‘ Verkettung von Ereignissen: Ein Paar aus den USA berichtet, ihr Alexa-Lautsprecher habe ein Gespräch in seiner Wohnung aufgenommen und dann ungefragt an einen Kontakt im Adressbuch verschickt.“ (SPON, 25. Mai 2018) In Wirklichkeit ist diese Verkettung von Ereignissen gar nicht so unwahrscheinlich. Es fängt an beim Codewort. Oliver Bendel hat 2015 in seinem Artikel „Der kleine Lauschangriff: Auditive Systeme aus Sicht der Ethik“ für Telepolis geschrieben: „Das Codewort ist der nicht ganz ungebräuchliche Mädchenname ‚Alexa‘.“ Dass man das System versehentlich aktivieren kann, weil man diesen Namen (oder ein ähnliches Wort) sagt, war jederzeit klar. Was dann kam, hat man schon bei verschiedenen Konferenzen beobachtet. Wenn der Redner dort Alexa oder Google Assistant erwähnt, setzen sich im Zuschauerraum mehrere Smartphones in Betrieb. Die Assistenten werden durch die Begriffe aufgeweckt und werten die Rede laufend aus. Dann beginnen sie selbst zu sprechen. Und warten auf Aussagen, die sie als Anweisungen verstehen. Es kann sich alles Mögliche daraus ergeben. Alexa hat eben ein Privatgespräch aufgezeichnet und verschickt. Zum Glück ging es nur um „Holzfußböden“ (SPON, 25. Mai 2018).
Wie Golem und Gizmodo melden, hat Google im Frühjahr 2018 den Satz „Don’t be evil“ aus seinem Verhaltenskodex entfernt. Das Motto war von Anfang an umstritten. Es klingt zunächst einmal pathetisch und naiv. Zudem kollidiert es mit der gelebten Praxis. Google hat immer wieder systematisch Recht gebrochen und moralische Standards nicht eingehalten, etwa im Zusammenhang mit seiner Suchmaschine, mit seinem E-Mail-Dienst, mit Google Street View und Google Books. Das Unternehmen hat Persönlichkeits- und Grundrechte missachtet und ist mit einer gut gefüllten Kriegskasse gegen Gegner vorgegangen. Zugleich wurden wertvolle Projekte wie Google Arts & Culture (vormals Google Art Project) lanciert, die Menschen auf der ganzen Welt den virtuellen Zugang zu Museen und zur Kunst ermöglichen. Anfang April 2018 protestierten Mitarbeiter gegen das Militärprojekt Maven. Die Streitfrage ist, ob die im Unternehmen entwickelte künstliche Intelligenz für militärische Zwecke verwendet werden soll. In ihrem offenen Brief beziehen sich die Verfasser auch auf das Motto „Don’t be evil“. Also auf ein Motto, das es nun nicht mehr gibt.
Zur Bundestagswahl in Deutschland baten Zeitungen und Zeitschriften zur Online-Abstimmung. „Die Problematik der Online-Abstimmung ist insgesamt zur Zeit technisch nicht befriedigend gelöst, obgleich einige Anbieter wie der Kölner Stadtanzeiger doch einiges dazu investiert haben … Wie grotesk das werden kann, wenn unkontrollierte Abstimmungen durch Roboter, also durch Software-Mechanismen, unterlaufen werden … Wahlen.de hat es zum Glück natürlich nicht gelassen. Der Kontrollmechanismus zur Abstimmung wurde, nachdem die Attacke durch den automatisch wählenden Software-Roboter zunächst drei Tage unbemerkt blieb, verändert. Man konnte danach, wie schon erwähnt, bei wahlen.de nur noch einmal am Tag abstimmen (Meldung: „doppelte Stimmabgabe ist am selben Tag nicht möglich“). Am nächsten Tag konnte man neues Wahlschicksal spielen.“ Das Zitat stammt aus dem Buch „Die Mondlandung des Internet“ (UVK), das Rainer Kuhlen unter der Mitarbeit von Oliver Bendel geschrieben hat. Es ist vor 20 Jahren zur Bundestagswahl 1998 erschienen, was deutlich macht, dass die Probleme von damals mehr oder weniger die Probleme von heute sind.
2013 wurden für eine Maschine mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten sieben Metaregeln entwickelt, an die sie sich halten sollte. Diese sind so aktuell wie nie zuvor, seit Google Duplex durch die Medien geistert und Entwickler wie Benutzer beschäftigt. Eine Regel des GOODBOT lautete, er solle dem Benutzer klarmachen, dass er eine Maschine ist, eine andere, er solle nicht lügen. Es folgte, ebenfalls im Kontext der Maschinenethik, das LIEBOT-Projekt (2016), mit dem Erkenntnisse zu Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit, auch in Bezug auf Quellen, verbunden waren. Momentan entwickelt Oliver Bendel den BESTBOT. Alle drei Maschinen wurden im Rahmen der AAAI Spring Symposia (2016 – 2018) an der Stanford University sowie auf der ISAIM 2018 in Fort Lauderdale vorgestellt, der LÜGENBOT auch auf Konferenzen in Krakau (2016) und München (2016). Vor dem Hintergrund der bisherigen Projekte und in Anbetracht der jüngsten Entwicklungen – Google Assistant bzw. Duplex wurde erwähnt, aber auch Siri und Alexa haben neuartige Fähigkeiten – verfasste Oliver Bendel zehn Regeln (oder Metaregeln), die eine Diskussionsgrundlage sein sollen, mit Blick auf (auch moralisch) gute virtuelle Assistenten und Chatbots (die sozusagen eine Selbstverpflichtung abgeben). Sie sind insgesamt nicht erschöpfend (so wird etwa nicht auf die Stimme eingegangen), und sie sind jeweils nicht immer ausreichend, aber sie bieten Leitplanken und einen Ausgangspunkt für Richtlinien. Speziell für Sprachassistenten bietet sich das Moralmenü (MOME) an.
Können Roboter bald selbstständig Gefühle wie Hass oder Liebe entwickeln? Dies hat der WDR im April 2018 den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel gefragt. Der Kontext war die Angst, die wir vor Maschinen haben oder haben können. Er antwortete: „Maschinen werden solche Gefühle meines Erachtens nicht entwickeln können, da diese biologisch-chemische und genetisch-hormonelle Grundlagen brauchen. Die Vorstellung, dass sie solche Gefühle haben, kann natürlich Angst machen. Und emotionale Roboter wie Pepper zeigen Gefühle – aber haben eben keine. Eine wichtige Frage ist, ob sie überhaupt Gefühle zeigen sollen. Und ob sie uns weismachen sollen, dass sie Menschen oder ähnlich wie Menschen sind.“ Uns ist in Europa die Angst vor künstlichen Kreaturen gleichsam eingepflanzt. Diese dachten wir uns bereits vor tausenden Jahren aus. Bei Homer und Ovid finden sich Schreckensgestalten wie Talos und Pandora, wobei die künstliche Frau in der Literatur einige Wandlungen erlebt hat. Später ging es ähnlich weiter, mit der Eisernen Jungfrau, dem Golem, Frankensteins Monster. Auch Ausnahmen gibt es, bereits in der Antike, wie Galatea, von Pygmalion erschaffen und von Aphrodite zum Leben erweckt. Das Interview kann über www1.wdr.de/wissen/technik/roboter-maschinenethik-interview-100.html nachgelesen werden.
Die Hersteller humanoider Roboter ahmen gerne Frauen nach. Es gibt mehrere Gründe dafür, und manche hat auch Hiroshi Ishiguro genannt, der in Wien bei der Konferenz „Robophilosophy“ neben Joanna Bryson und Oliver Bendel eine Keynote gegeben hat. Frauen wirken, so eine Annahme, vertrauenswürdiger und anziehender auf uns als Männer. Gerade Kinder erschrecken nicht vor ihnen, selbst wenn es gar keine Menschen sind. Eine andere Annahme ist, dass Frauen und ihre künstlichen Ebenbilder vieles gemeinsam haben, weil Frauen selbst künstliche Elemente in sich und auf sich tragen. Die meisten Frauen schminken sich, überdecken Unreinheiten und Farbveränderungen, entfernen Haare, manche korrigieren scheinbare Mängel und Fehler mit Hilfe von Einspritzungen und Schönheitsoperationen. Tatsächlich sehen manche Frauen, die viel an sich gemacht haben und haben machen lassen, ein wenig aus wie Roboter, und genau das ist günstig für die Hersteller. Das Resultat sind Maschinen wie Sophia und Erica (die von Ishiguro geschaffen wurde). Sie sind künstliche Geschöpfe, gestaltet nach der künstlichen Schönheit der Frau. Dass es auch anders geht, zeigt ein männlicher humanoider Roboter, der Werbung für „Westworld“ macht. Mit viel Akribie hat man ihm Haare verpasst, auf den Armen, im Gesicht, kleine Warzen und Male. Gerade dadurch sieht er besonders real (und interessant) aus. Es wäre an der Zeit, einen weiblichen Roboter zu schaffen, der sich an der natürlichen Schönheit der Frau orientiert. Nicht, um das eine oder das andere Verhalten zu kritisieren, sondern um Stereotype aufzubrechen. Künstlerisch und technisch möglich ist das allemal. Ishiguros Geminoid ist übrigens ein eigener Fall. Er orientiert sich an der künstlichen Schönheit des Mannes.
Abb.: Roboter können Stereotype festigen und aufbrechen