Das WI-Update 2022 widmet sich am Freitag, 23. September 2022 der Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Als Forschungsfeldleiter „GeoHealth Analytics“ an der FFHS in Zürich wird Dr. Joachim Steinwendner, so die Website der Veranstaltung, in den Themenbereich einleiten und über die Grundlagen der KI sprechen. Pascal Wyss zeige live anhand von praktischen Beispielen, wie KI-Systeme lernen und sich weiterentwickeln. Als Head of Artificial Intelligence & Automation bei der ti&m werde er auf die Frage, wohin sich die KI entwickelt, eine Antwort geben können. Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW stellt insbesondere ethische Überlegungen in Bezug auf soziale Roboter und Serviceroboter sowie integrierte künstliche Intelligenz an. So werden Chancen und Risiken der Gesichtserkennung sowie weiterer Technologien beleuchtet. Pascal Lamia wird, so die Website, über Cybersecurity referieren. Als Leiter Operative Cybersicherheit im NCSC sei er vertraut mit den aktuellen Bedrohungen und könne veranschaulichen, wie die Angreifer vorgehen. Die Fachtagung der Wirtschaftsinformatik findet in Zürich statt. Weitere Informationen über www.wi-update.ch.
Abb.: Oliver Bendel bei Dreharbeiten von 3sat (Foto: Sara Zarubica)
Dual-Use ist ein altbekanntes Problem. Meist ist damit gemeint, dass etwas sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienen kann. Letztere sind oft nicht im Sinne des Erfinders. Man kann den Begriff weiter fassen und ihn so verstehen, dass nützliche Instrumente und Technologien in den falschen Händen zu schädlichen werden. Das kennt man bereits von Messern und Fahrzeugen, und man kann auch aus vielen hilfreichen Robotern tödliche Waffen machen. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Krankheiten zu erkennen und zu bekämpfen oder aber Krankheiten – etwa durch biologische Waffen, die von ihr mitentwickelt werden – hervorzurufen. Genau zu diesem Thema befragte der Tages-Anzeiger den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. Das Interview erschien am 25. März 2022 in der gedruckten Ausgabe. Es ist auch online abrufbar.
Abb.: KI kann bei der Entwicklung biologischer Waffen helfen
Der Artikel „KI-gestütztes Recruiting – technische Grundlagen, wirtschaftliche Chancen und Risiken sowie ethische und soziale Herausforderungen“ von Gwendolin Wilke und Oliver Bendel ist am 7. März 2022 in der HMD – Praxis der Wirtschaftsinformatik erschienen. Aus dem Abstract: „Bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen setzen Firmen heute vermehrt auf die Unterstützung durch künstliche Intelligenz (KI). Die technischen Möglichkeiten reichen von Vorauswahlgesprächen mit Chatbots über die automatisierte Auswertung schriftlicher Bewerbungsdossiers hinsichtlich Fachkompetenz und Erfahrung bis hin zur maschinellen Analyse von
Videobewerbungen zur Bewertung von Softskills wie Selbstvertrauen, Enthusiasmus oder Kommunikationsfähigkeit. Auch Lernplattformen werden zur Vorauswahl und Überprüfung eingesetzt. Der Artikel erklärt die technischen Grundlagen und Möglichkeiten des KI-gestützten Recruitings und zeigt wirtschaftliche Chancen und Risiken auf. Ethische und soziale Herausforderungen werden diskutiert und verständliche und umsetzbare Handlungsempfehlungen für Unternehmen unterbreitet, damit sie rechtliche Vorgaben und ethische Richtlinien einhalten und auf Kritik reagieren können.“ Es handelt sich um eine Open-Access-Publikation, die über link.springer.com/article/10.1365/s40702-022-00849-w heruntergeladen werden kann.
Der von Oliver Bendel herausgegebene Springer-Band „Soziale Roboter“ enthält, das Vorwort mitgerechnet, 30 Beiträge führender Expertinnen und Experten. Von Klaus Mainzer stammt die Abhandlung „Soziale Robotik und künstliches Bewusstsein: Technische und philosophische Grundlagen“. Aus dem Abstract: „Die Entstehung natürlichen Bewusstseins ist Gegenstand interdisziplinärer Forschung von Gehirnforschung, Neuro- und Kognitionspsychologie und Philosophie. Eine technische Umsetzung von Bewusstsein in der Robotik setzt eine hochentwickelte KI-Forschung voraus. Voraussetzung ist eine hybride KI, die symbolische KI und subsymbolische KI verbindet: Erkenntnistheoretisch entspricht hybride KI einem ‚hybriden‘ kognitiven System wie dem menschlichen Organismus, in dem die (‚unbewusste‘) Verarbeitung von Wahrnehmungsdaten mit (‚bewusstem‘) logischen Schließen verbunden wird. Hybrider KI werden daher höhere Intelligenzgrade zugesprochen als der Reduktion auf symbolische oder subsymbolische KI, die bereits in technischem Einsatz sind. Humanoide Roboter sind Hybridsysteme im Sinn hybrider KI mit symbolischer Wissensrepräsentation und verhaltensbasiertem Agieren, das die sensorisch-motorische Leiblichkeit und Veränderung von Umweltsituationen berücksichtigt.“ Ein Abschnitt „behandelt die Grundlagen humanoider Robotik im Human Robotics Project (HRP) mit seinen kognitivistisch-funktionalistischen Grundlagen, konnektionistischen Grundlagen bis zu hybriden kognitiven Robotern auf der Grundlage hybrider KI“. „Abschließend geht es … um die Frage, ob künstliches Bewusstsein in Zukunft technisch möglich und sinnvoll ist. Im Zentrum stehen zukünftige Schlüsseltechnologien wie kollektive Intelligenz in Cyberphysical Systems, neue Rechnerstrukturen mit neuromorphen Computern und Quantencomputer.“ Das Buch ist Anfang November 2021 erschienen und kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-31114-8 bezogen werden.
Abb.: AAAI 2019 Spring Symposium an der Stanford University zu künstlichem Bewusstsein
Insgesamt 30 Beiträge enthält der von Oliver Bendel herausgegebene Springer-Band „Soziale Roboter“, wenn man das Vorwort mitzählt. Von Felix Lindner stammt die Abhandlung „Soziale Robotik und KI: Wie sich Roboter autonom nach Werten und Normen verhalten können“. Aus dem Abstract: „Während im öffentlichen Diskurs Künstliche Intelligenz und Robotik häufig ganz selbstverständlich zusammengedacht werden, haben sich historisch zwei separate Disziplinen entwickelt: die Künstliche Intelligenz beschäftigt sich mit der Formalisierung und Algorithmisierung von Schlussfolgern und Problemlösen, und die Robotik befasst sich mit der maschinellen Wahrnehmung der Umwelt sowie der autonomen Ausführung von Handlungen. In diesem Kapitel wird die Soziale Robotik als ein Bindeglied zwischen den beiden Disziplinen aufgefasst. Soziale Roboter sind Roboter, die sich nach den Werten und Normen des sozialen Miteinanders richten. Damit dies möglich wird, müssen Verfahren aus der Robotik um eine soziale Dimension erweitert werden. Eine Möglichkeit besteht darin, Techniken aus der Künstlichen Intelligenz zu verwenden, um soziale Werte und Normen explizit zu modellieren. Der Beitrag thematisiert das sogenannte Value-Alignment-Problem in der Künstlichen Intelligenz im Allgemeinen und demonstriert anhand von sozialer Roboter-Navigation im Speziellen, wie Techniken aus der Künstlichen Intelligenz für die Soziale Robotik genutzt werden können, damit Roboter ihre Handlungen nach menschlichen Werten und Normen ausrichten.“ Das Buch ist Anfang November 2021 erschienen und kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-31114-8 bezogen werden.
„Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus schreibt den Aufbau und Betrieb eines KI-Voicebots, der zu unterschiedlichen Förderangeboten in den Bereichen Innovation, Investition und Digitalisierung informiert, mit einem Betrieb für 24 Monate und einer Verlängerungsoption für 12 Monate aus.“ (Website Ministerium) Mit diesen Worten beginnt eine Meldung auf der Website des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus in Baden-Württemberg. Weiter heißt es: „Durch die Implementierung eines KI-Voicebots soll ein Informationspunkt geschaffen werden, welcher über die wichtigsten Förderangebote, Auszeichnungen und Wettbewerbe im Bereich Innovation, Investition und Digitalisierung informiert. Die Zielsetzung umfasst konkret einen Kommunikationskanal, um den Informationszugang insbesondere für KMU zu verbessern. Datenbasis des KI-Voicebots sind aktuelle Förderprogramme, Auszeichnungen und Wettbewerbe des Landes Baden-Württemberg, die von dem Portal www.wirtschaft-digital-bw.de ausgelesen werden sollen. Ergänzend dazu soll eine ‚Erstberatung‘ zu Detailfragen zu einzelnen Förderprogrammen möglich sein.“ (Website Ministerium) Die Bewerbungsfrist für Entwickler von Sprachassistenten endet am Freitag, den 14. Januar 2022, um 13.00 Uhr. Weitere Informationen über wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/ausschreibungen/.
Die Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik widmet sich im Sommer 2021 dem Thema „Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung: Zukunft der Arbeit und Bildung mit intelligenten Maschinen?!“. Herausgegeben wird das Sonderheft von Prof. Dr. Sabine Seufert und ihren Kollegen. In der Verlagsinformation heißt es: „Die Autorinnen und Autoren reflektieren kritisch die Auswirkungen der KI auf die berufliche Bildung. In einem ersten Teil untersuchen sie die Implikationen von KI auf gewerblich-technische Berufe, Industrieberufe, IT-Berufe und Pflegeberufe. In einem zweiten Teil widmen sie sich Forschungsrichtungen zur KI in der Berufsbildung – von der Individualisierung durch Hybrid Intelligence über Learning Analytics, Augmented Reality und Virtual Reality bis zur beruflichen Rehabilitation und Lernortkooperation.“ (Information Franz Steiner Verlag) Der Beitrag von Prof. Dr. Oliver Bendel trägt den Titel „Strukturelle und organisationale Rahmenbedingungen für den Einsatz von Pflegerobotern“. Das Heft kann über elibrary.steiner-verlag.de/book/99.105010/9783515130752 bestellt werden. Eine Leseprobe ist hier erhältlich.
Abb.: P-Care im Pflegeheim (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„KI passt Lippenbewegungen an andere Sprachen an“ – so der Titel eines Artikels von Tobias Költzsch, der am 23. Mai 2021 bei Golem erschienen ist. „Das britische Unternehmen Flawless entwickelt eine auf Deepfake basierende Technologie, mit deren Hilfe synchronisierte Filme realistischer aussehen sollen. Das vom Regisseur Scott Mann mitgegründete Unternehmen will mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Lippenbewegungen von Schauspielern im Nachhinein anpassen, damit sie der synchronisierten Sprache entsprechen.“ (Golem, 23. Mai 2021) Dies wirft zahlreiche Fragen auf. Die Lippen gehören den Schauspielerinnen und Schauspielern, die Bewegungen ihrer Lippen zu ihrem Spiel. Wenn die Lippen nun anders aussehen und sich anders bewegen, könnte das zum einen Persönlichkeitsrechte verletzen, zum anderen die Qualität des Films beeinträchtigen. Insgesamt gibt es ethische, rechtliche und künstlerische Implikationen. Der Raub der Stimme ist schon seit einiger Zeit möglich – nun erfolgt ein „Mundraub“ der neuen Art.
Das Magazin What’s N3xt wartet in seiner Ausgabe 1/2021 mit Beiträgen zu Robotik und KI auf. In „Uns fehlen Helden!“ erklärt ein bekannter Investor, „was ihn antreibt und warum er auf technologische Innovationen steht“. „Mit 10‑xDNA beschreibt Frank Thelen die Denkweise, die erforderlich ist, um die vor uns liegenden technologischen Fortschritte und Innovationen zu erfassen und zu nutzen.“ (What’s N3xt, 1/2021) In „Nächste Ausfahrt Zukunft“ steht Ranga Yogeshwar Rede und Antwort. „Wir vertrauen Algorithmen, die wir nicht mal nachvollziehen können. Und diese Systeme lernen schneller, als wir Menschen es tun. Neuronale Netze und Machine Learning sind Teil unseres täglichen Lebens geworden.“ (What’s N3xt, 1/2021) „KI trifft Ethik“ wird mit den folgenden Worten angeteasert: „Wie kriegt man menschliche Moral in künstliche Intelligenzen?“ (What’s N3xt, 1/2021) Die Antwort kennt der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel, der moralische Maschinen baut, Chatbots und Serviceroboter, die moralischen Regeln folgen. Das gesamte Magazin kann hier heruntergeladen werden.
Die Künstliche Intelligenz (KI) hat nach Dekaden des Auf- und Abschwungs im 21. Jahrhundert eine enorme Bedeutung in Forschung und Praxis erlangt. Maschinenethik und Maschinelles Bewusstsein (Künstliches Bewusstsein) konnten zur gleichen Zeit ihre Begriffe und Methoden in die Öffentlichkeit tragen, wo sie mehr oder weniger gut verstanden wurden. Eine Grafik versucht seit 2018 die Begriffe und Zusammenhänge von Künstlicher Intelligenz, Maschinenethik und Maschinellem Bewusstsein zu klären. Sie wird ständig weiterentwickelt und dadurch präziser, aber auch komplexer. Seit Anfang 2021 liegt eine neue Version vor. In ihr wird noch deutlicher gemacht, dass die drei Disziplinen bestimmte Fähigkeiten (meist von Menschen) nicht nur abbilden, sondern auch erweitern können.
Die Emmy Noether Research Group „The Phenomenon of Interaction in Human-Machine Interaction“ und das Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin (LMU München) veranstalten eine Vortragsreihe zu – so die Auskunft auf der Website – einigen der drängendsten Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Umsetzung und Nutzung der KI in der Medizin stellen. Jeder Termin besteht aus drei kurzen Vorträgen renommierter Experten auf dem jeweiligen Gebiet, gefolgt von einer Diskussion am Round Table. Alle Vorträge werden bis auf weiteres online (Zoom) gehalten (Website der Forschungsgruppe). Am 19. November 2020 (18.00-19.30 Uhr) wird das Thema „KI in der medizinischen Robotik“ behandelt. Referieren werden Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW (mit einem Vortrag zu Pflegerobotern aus ethischer Sicht), Prof. Dr. Manfred Hild von der Beuth Hochschule für Technik Berlin und Dr. Janina Loh von der Universität Wien. Weitere Informationen über interactionphilosophy.wordpress.com.
Abb.: Oliver Bendel bei einem Vortrag in Berlin (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
Chatbots gibt es seit ca. 60 Jahren, wenn man Joseph Weizenbaums Eliza als Startpunkt nimmt. Um die Jahrtausendwende fand ein regelrechter Hype statt. Die Deutsche Bank konnte mit Cor@ auftrumpfen, Artificial Life mit Luci, Roy und Alma. Zu dieser Zeit wurde viel Wert auf den Avatar gelegt – ein Begriff, der von Oliver Bendel im „Lexikon der Wirtschaftsinformatik“ von 2001 definiert wurde. Heute haben Chatbots und Sprachassistenten wieder eine hohe Sichtbarkeit, und sie können mit KI-Systemen aller Art verbunden werden, etwa zur Emotionsanalyse (Sprache und Bild) und zur Textgenerierung über GPT-2 oder GPT-3. Weniger Wert wird erstaunlicherweise auf die Visualisierung gelegt, auf diese Sichtbarkeit im wörtlichen Sinne. Bei Chatbots ist sie in den Hintergrund getreten, bei Sprachassistenten war sie kaum je vorhanden, wenn man von der Gatebox absieht, in der ein Hologram Girl wohnt. Es ist an der Zeit, sich an Cor@ der Deutschen Bank, an Leo von Schweppes und an viele weitere Musterbeispiele zu erinnern, sie mit neueren Konzepten wie den Neons zu verbinden und dem Benutzer zu erlauben, etwas nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Dies kann wichtig sein, wenn Mimik und Gestik eine Rolle spielen, wenn bei Schwerhörigkeit oder Taubheit von den Lippen abgelesen (oder Gebärdensprache verwendet) werden soll – oder einfach, um ein Erlebnis für alle Sinne zu schaffen. Eine Einführung zu Chatbots ist im Buchbeitrag „Von Cor@ bis Mitsuku“ von Oliver Bendel verfügbar, abgedruckt im „Handbuch Digitale Wirtschaft“ (Hrsg. Tobias Kollmann, Springer 2019).
Abb.: Die Chatbots von Artificial Life im Jahre 2000/2001
Die Mitglieder der Ethikkommissionen der Schweiz sind zu der diesjährigen Weiterbildung mit dem Thema „Künstliche Intelligenz in der Humanforschung – Wissenschaftliche, rechtliche und ethische Herausforderungen“ ins Landesmuseum Zürich eingeladen. Die Veranstaltung wird durchgeführt von swissethics, der Dachorganisation der Kantonalen Ethikkommissionen. Sie wird eröffnet von Prof. Dr. Julia Vogt (ETH Zürich). Ihr Vortrag trägt den Titel „Künstliche Intelligenz: eine wissenschaftliche Herausforderung in der Forschung“. Danach spricht Prof. Dr. med. Adrian Egli (Universitätsspital Basel) über „Herausforderungen künstlicher Intelligenz in der Mikrobiologie“. Nach der Pause geht es um „Apps, Algorithmen und Roboter in der Medizin: Haftungsrechtliche Herausforderungen“ – das Gebiet von Prof. Dr. iur. Corinne Widmer Lüchinger (Universität Basel). Den Abschluss bildet der Vortrag von Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) mit dem Titel „Therapie- und Pflegeroboter: Ethische Herausforderungen“. Das Programm kann hier aufgerufen werden. Weitere Informationen über www.swissethics.ch/aus-fortbildung/fuer-ek-mitglieder.
„Wer hat Angst vor der KI?“ Dieser Frage geht Carmen Gräf am 16. Juli 2020 von 22 bis 23 Uhr bei RBB Kultur nach. „Erst lernten die Computer rechnen, dann organisieren, analysieren, sprechen und schließlich – denken. Dank Künstlicher Intelligenz. Nun ist die Forschung dabei, den Computern auch das Fühlen beizubringen. Eine neue Stufe Künstlicher Intelligenz entsteht. Das sorgt für jede Menge Hoffnung und Euphorie, aber auch für Angst und Unbehagen. Wird die Maschine den Menschen überholen oder kann der Mensch die digitalen Potentiale sinnvoll nutzen? Ein Einblick in aktuelle Diskussionen, Forschungen und Anwendungen.“ (Website RBB Kultur) Erwähnt werden auch die Entwicklungen des Informations- und Maschinenethikers Oliver Bendel, konkret der LIEBOT, der systematisch die Unwahrheit sagt, und HAPPY HEDGEHOG, der igelfreundliche Rasenmähroboter. Die Sendung ist ein Jahr lang in der ARD-Mediathek abrufbar. Weitere Informationen sind hier erhältlich.
Kinofenster ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Es wurde 1996 als Printmagazin initiiert. Im Jahre 2000 erfolgte die Umstellung zu einem Onlineangebot. Der aktuelle Schwerpunkt im Juli 2020 widmet sich, ausgehend von dem Film „Hi, AI“, künstlicher Intelligenz und moralischen Maschinen. „Humanoide Roboter sind nicht mehr nur Science Fiction. Im Dokumentarfilm Hi, AI beobachtet Regisseurin Isa Willlinger den Einzug solcher menschenähnlicher Maschinen in unseren Alltag. Begleitend zum Film stellt eine Sequenzanalyse drei Visionen von künstlerischer Intelligenz und ein Hintergrundtext das Motiv des Androiden-Roboters im Kino vor. Zudem sprechen wir mit Kate Darling und Oliver Bendel über Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz.“ (Website Kinofenster) In „Hi, AI“ tritt übrigens Harmony auf, ein bekannter Sexroboter. Er begleitet einen Trucker bei einem Roadtrip durch die USA. Die Interviews und die Materialien sind über www.kinofenster.de abrufbar.
Abb.: Henry, der Bruder von Harmony (Foto: Realbotix)
Umarmungen und Berührungen durch soziale Roboter fühlen sich anders an als solche durch Menschen. Wärme und Weichheit helfen dabei, die Akzeptanz zu verbessern. Und dennoch ist der Effekt nicht derselbe. Grundsätzlich ist wichtig, dass uns eine andere Person umarmt, also wir das nicht selbst tun, und diese Person in einem bestimmten Verhältnis zu uns steht. Sie kann uns vertraut oder fremd sein, und es sollte ein Vertrauen, ein Interesse oder eine Begierde vorhanden sein. Wie es sich bei einem Roboter verhält, muss mit Blick auf das Modell und die Situation untersucht werden. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW läuft derzeit das mehrstufige HUGGIE-Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Bendel, inspiriert von Arbeiten von Ishiguro (Hugvie) und Forschung im Zusammenhang mit dem HuggieBot. Den Auftakt macht eine Onlinebefragung im ganzen deutschsprachigen Raum von Ümmühan Korucu und Leonie Brogle, über die Erkenntnisse dazu gewonnen werden sollen, wie Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts eine Umarmung durch einen sozialen Roboter beurteilen. Bei Krisen, Katastrophen und Pandemien, die mit längerer Isolation einhergehen, könnten Ersatzhandlungen dieser Art durchaus eine Rolle spielen. Auch Gefängnisse und längere Reisen durch den Weltraum sind mögliche Anwendungsgebiete. Über ww3.unipark.de/uc/HUGGIE/ gelangt man zur Befragung (bis ca. Mitte Mai). In einer späteren Phase des Projekts soll ein sozialer Roboter gebaut werden, dessen Umarmungen als angenehm empfunden werden. Dies bedeutet aber nicht, dass man solche durch Menschen im Alltag verdrängen will.
Abb.: Bäume umarmen einen nicht, aber man kann sie umarmen
Es existieren mehrere Markup Languages. Die bekannteste ist sicherlich die Hypertext Markup Language (HTML). Im Bereich der KI hat sich AIML etabliert. Für synthetische Stimmen wird SSML eingesetzt. Die Frage ist, ob damit die Möglichkeiten mit Blick auf autonome Systeme ausgeschöpft sind. In dem Beitrag „Das Moralmenü: Moralische Maschinen mit einer Stellvertretermoral“ von Prof. Dr. Oliver Bendel wurde zum ersten Mal eine Morality Markup Language (MOML) vorgeschlagen. Eine Studienarbeit unter der Betreuung des Informations- und Maschinenethikers hat 2019 untersucht, welche Möglichkeiten bestehende Sprachen hinsichtlich moralischer Aspekte haben und ob eine MOML gerechtfertigt ist. Die Ergebnisse wurden im Januar 2020 vorgestellt. Eine Bachelorarbeit an der Hochschule für Wirtschaft FHNW geht ab Ende März 2020 einen Schritt weiter. In ihr sollen Grundzüge einer Morality Markup Language erarbeitet werden. Es sollen die Grundstruktur und spezifische Befehle vorgeschlagen und beschrieben werden. Es sind die Anwendungsbereiche, Vorteile und Nachteile einer solchen Markierungssprache darzustellen. Auftraggeber der Arbeit ist Prof. Dr. Oliver Bendel, Betreuerin Dr. Elzbieta Pustulka.
Im Gabler Wirtschaftslexikon ist am 25. Februar 2020 ein Beitrag von Oliver Bendel zu COVID-19 erschienen. Darin werden auch wirtschaftliche und technische Implikationen gestreift. So heißt es in einem Abschnitt: „COVID-19 führte vor Augen, dass Digitalisierung und Technologisierung hilfreich bei Krisen und Katastrophen sein können. In China lieferten Serviceroboter in Spitälern und auf Quarantänestationen Medikamente und Nahrungsmittel aus, und Drohnen spürten Personen ohne Atemmaske auf. Wer in Krisengebieten zuhause bleiben musste, konnte über einen Computerarbeitsplatz und elektronische Lernanwendungen weiterhin seinen Aufgaben nachkommen und sich weiterbilden. Globalisierung ist ein Motor der Verbreitung des Virus, aber auch ein Faktor bei seiner Bekämpfung: Umgehend wurde weltweit an einem Medikament gegen SARS-CoV-2 geforscht.“ Der Technikphilosoph ist der Meinung, dass sich in Zukunft immer mehr Krisen und Katastrophen ereignen und sich möglichst viele Länder mit Kohorten von Robotern ausstatten sollten, um die Herausforderungen zu meistern. Insbesondere sind Sicherheits-, Transport- und Pflegeroboter sowie Desinfektionsroboter gefragt. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/covid-19-122147 abgerufen werden.
Abb.: In der U- und S-Bahn herrscht Ansteckungsgefahr
Im Februar oder März 2020 erscheint das Buch „Digitalisierung und Ethik in Medizin und Gesundheitswesen“ (Hrsg. Prof. Dr. Stefan Heinemann und Prof. Dr. David Matusiewicz). Es enthält Beiträge u.a. von Dr. Ulrich Eberl, Dr. Henri Michael von Blanquet, Dr. Julia Schäfer, Dr. Barbara Buchberger, Prof. Dr. med. Klaus Juffernbruch, Prof. Dr. Jochen A. Werner und Prof. Dr. Oliver Bendel. Aus der Verlagsinformation: „Wenn digitale Technologien wie künstliche Intelligenz, Blockchain und Robotik auf die Medizin treffen, entstehen zwangsläufig ethische Fragestellungen. Diese lassen sich nicht ohne Weiteres mit medizinisch-technologischen, rechtlichen oder ökonomischen Argumenten allein beantworten. Dabei kommen stetig neue, drängende Themenfelder hinzu, die eben auch unter ethischen Aspekten beachtlich sind: die sich wandelnde Rolle der Patienten, die neue Verantwortung von Ärzten und Pflegenden, neue digitale Möglichkeiten in der Medizin, die gesellschaftliche Legitimität eines möglichen dritten Datengesundheitsmarktes, eine zukunftsfeste Ausbildungslandschaft für den Gesundheits-/Medizinbereich, Grenzen der digitalen Forschung, Ethik der Smart Hospitals im Klinikalltag und viele mehr.“ (Website MWV) Weitere Informationen über www.mwv-berlin.de/produkte/!/title/digitalisierung-und-ethik-in-medizin-und-gesundheitswesen/id/636.
Abb.: Paro zieht die Menschen an (Bild: Daimler und Benz Stiftung)
Die Firma Neon greift mit ihren Neons ein altes Konzept auf, nämlich das der Avatare. Im Lexikon für Wirtschaftsinformatik unterschied Oliver Bendel vor zwanzig Jahren zwischen zwei verschiedenen Typen. Zum zweiten schrieb er: „Avatare können zum anderen eine beliebige Figur mit bestimmten Funktionen repräsentieren. Solche Avatare treten – beispielsweise als Kundenberater und Nachrichtensprecher – im Internet auf oder bevölkern als Spielpartner und -gegner die Abenteuerwelten von Computerspielen. Sie haben häufig ein anthropomorphes Äußeres und eigenständige Verhaltensweisen oder sogar regelrechte Charaktere …“ (Lexikon der Wirtschaftsinformatik, 2001) Genau diesen Typ greift nun die Firma auf, die zum Samsung-Konzern gehört und von Pranav Mistry gegründet wurde, wobei man freilich die heutigen Möglichkeiten nutzt. „Es handelt sich um virtuelle Figuren, die komplett am Computer erzeugt werden und quasi in Echtzeit autonom reagieren sollen; Mistry sprach von unter 20 Millisekunden Latenz.“ (Heise Online, 8. Januar 2019) Die Neons sollen Emotionen zeigen, wie auch einige soziale Roboter, die den Markt erobern, und damit Bindungen erleichtern und festigen. „Der KI-getriebene Charakter sei weder Sprachassistent a la Bixby noch eine Schnittstelle ins Internet. Es sei stattdessen ein Freund, der mehrere Sprachen spricht, neue Skills lernen und sich mit anderen Services verbinden kann, erklärte Mistry auf der CES.“ (Heise Online, 8. Januar 2019)
Abb.: Neons sollen Gefühle zeigen, die sie nicht haben
Die Euroforum-Konferenz „Automatisation & Data Analytics: Praktische Nutzung von KI in Versicherungen“ findet am 12. und 13. März 2020 in München statt. „Robotics und KI gesteuerte Prozessautomatisierung bieten der Assekuranz sowohl im Antrags- als auch Schadenmanagement die Chance zur Erhöhung von Qualität, Effizienz und Kundenzufriedenheit. Am ersten Konferenztag stellen Experten der Versicherer Allianz, VKB, Cosmos, Gothaer und das Start-up Joonko erfolgreiche Automatisierungsprojekte vor, berichten über ihre Umsetzungserfahrungen und geben Tipps und Tricks.“ (Website Konferenz) „Zukünftig wird ein Versicherer, der es schafft, eine gute Datenaufbereitung, -Qualität und -Sicherheit herzustellen, entscheidende Wettbewerbsvorteile haben. Doch bisher hängen die Daten der Versicherer unstrukturiert in Silos fest und können nicht für KI-Systeme genutzt werden. Am zweiten Konferenztag zeigen Experten von Google, Allianz, Markel, Coya und getsafe auf, wie Versicherer ihre Datensilos aufbrechen und aktivieren können.“ (Website Konferenz) Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben Input. Dr. Andrea Cornelius spricht über die „Einführung von KI-Projekten“, Prof. Dr. Oliver Bendel über „KI und Big Data in der Versicherung aus ethischer Sicht“. Der Flyer kann hier heruntergeladen werden.
Auf Bayern 2 ging es am 17. Oktober 2019 um „KI in der Ethik“. „Wer ist dafür verantwortlich, wenn ein autonom fahrendes Auto in eine Menschenmenge rast? Wie gehen wir damit um, wenn Algorithmen darüber entscheiden, ob jemand zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird? Und was bedeutet es, wenn zukünftig Softwareprogramme festlegen, ob ein Kredit vergeben werden soll oder nicht? Wollen wir, dass Maschinen nach messbarer Faktenlage entscheiden, wer eine lebensrettende Operation bekommt und wer nicht? Künstliche Intelligenz wird immer häufiger in Bereichen eingesetzt, die mehr Übersicht erfordern als ein streng regelkonformes Vorgehen. Vor allem, wenn Maschinen mit Menschen kommunizieren, interagieren oder zusammenarbeiten sollen. Nach welchen ethischen Vorgaben sollen sie programmiert werden? Welche moralischen roten Linien sind dabei für uns in welchem Zusammenhang nicht zu überschreiten? Und mit welcher Begründung?“ (Website Bayern 2) Befragt wurde für den Beitrag, der über www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-1909066.html abgerufen werden kann, u.a. der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel.