MOOC zur Technikethik

Der Coursera-Kurs „Technology and Ethics“ von Robert Bailey (The Ohio State University) findet ab 21. April 2014 statt und dauert sieben Wochen. Das Arbeitspensum beträgt laut Anbieter 3 bis 5 Stunden pro Woche, die Sprache ist Englisch. Der Kursinhalt wird wie folgt beschrieben: „Example technologies at play today include nuclear energy; biological manipulations for warfare; robots for taking care of the elderly, and enhancing human capability; the use of technology for surveillance; the cultural changing power of the media which can create unlimited arrays of images real and virtual to support a point of view; and the internet with its world wide connectivity.“ (Website des Anbieters) Ob im Falle der Pflege- und Haushaltsroboter auch die Maschinenethik einbezogen wird, ist nicht bekannt. Die Informationsethik wird – neben der Medizinethik – sicherlich berücksichtigt. Weitere Informationen über www.coursera.org/course/techethics.

Abb.: Roboter können auch in der Pflege eingesetzt werden

Buridans Robot oder: Der moderne Esel

Buridans Esel ist in der ursprünglichen Version von Aristoteles ein Mann, der zwischen Speis und Trank verenden muss, weil er genauso hungrig wie durstig ist. Schon dieser Mann ist offensichtlich ein Esel, weil er sich nicht zwischen verschiedenen Dingen mit gleichen Reizen entscheiden kann. Buridan selbst, der zu Unrecht als Urheber des Gleichnisses gilt, spricht von einem Wanderer und einem Segler, in einem Kommentar zu einem Text des alten Griechen auch von einem Hund, der zwei Lebensmittel – um es frei zu übertragen – ratlos beäugt und beschnuppert. Das Grautier haben vermutlich die Gegner des Philosophen und Physikers aus dem 14. Jahrhundert erfunden, um die vermeintliche Eselei zu veranschaulichen. Es handelt sich aber keineswegs um eine solche, sondern um ein Gedankenexperiment, das bis heute von Interesse und Bedeutung ist. Dieses Experiment wird im Artikel „Buridans Robot“ von Oliver Bendel in der modernen Welt durchgeführt. Es geht um maschinelle Dilemmata und mögliche Lösungsstrategien. Der Artikel ist am 20. November 2013 bei Telepolis erschienen.

Abb.: Diese Esel verhungern nicht

Der Lügenbot

In seinem Artikel „Der Lügenbot und andere Münchhausen-Maschinen“ geht Oliver Bendel der Frage nach, ob Chatbots, Roboter und andere Maschinen lügen können. Dabei betont er die Sprachlichkeit des Lügens. Wer etwas sagen kann, so der Autor, der kann auch die Unwahrheit sagen. Den meisten Maschinen unterstellen wir, dass sie die Wahrheit sagen. Wir vertrauen den Aussagen einer Anna von Ikea, einer Siri von Apple und von Wolfram Alpha. Aber alle drei könnten ganz anders, wenn sie – oder ihre Entwickler – wollten. Man könnte Lügenmaschinen bauen, die mit falschen Versprechungen locken, das Blaue vom Himmel erzählen – und uns letztlich irritiert und verunsichert zurücklassen. Das müssen auch Unternehmen berücksichtigen, und sie müssen etwas dafür tun, damit unser Vertrauen in die Maschinen gerechtfertigt ist. Der Artikel ist am 11. September 2013 auf der Plattform CyberPress erschienen und direkt über www.mittelstandswiki.de/wissen/Gastbeitrag:Maschinenethik aufrufbar.

Abb.: Er ist bekannt für seine Lügen

Roboterethik im Gabler Wirtschaftslexikon

Im Gabler Wirtschaftslexikon wird seit 3. Juli 2013 die Roboterethik definiert. Diese kann man sowohl der Maschinen- als auch der Menschenethik zuordnen. In der Roboterethik werde danach gefragt, ob ein Roboter ein Subjekt der Moral sein und wie man diese implementieren kann. Auch der Roboter als Objekt der Moral sowie sein Einfluss auf Menschen sei von Belang. Oliver Bendel erklärt in seinem Beitrag den Begriff der Roboterethik, nimmt die Perspektive der Robotik ein, erwähnt die Robotergesetze von Asimov und gibt eine Einschätzung der Disziplin und einen Ausblick auf ihre weitere Entwicklung. Der Beitrag ist direkt über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/roboterethik.html abrufbar. Er wurde dem Sachgebiet „Grundlagen der Wirtschaftsinformatik“ zugewiesen. Für das Gabler Wirtschaftslexikon schreiben nach eigenen Angaben über „150 Experten aus Wissenschaft und Praxis“. Mehr als „25.000 Stichwörter stehen kostenlos“ bereit.

Abb.: Trau Robotern nicht

Weder Wahrheits- noch Lügenmaschinen?

Das Buch „Können Roboter lügen?“ von Raúl Rojas enthält „Essays zur Robotik und Künstlichen Intelligenz“, die von 2011 bis 2013 in der Online-Zeitschrift Telepolis erschienen sind. Rojas ist Professor für Künstliche Intelligenz an der Freien Universität Berlin. Im Kontext der Maschinenethik (und der Roboterethik) ist vor allem der dritte Teil interessant. Im Vorwort heißt es: „Der dritte Teil über Robotik und KI gibt einen Einblick in die Arbeit, die in den letzten Jahren auf diesem Gebiet geleistet worden ist. Wir wären froh, mit Robotern die Eleganz eines Insekts bei der Bewältigung von Hindernissen zu erreichen. Wir können aber schon heute kleine und große Roboter – z.B. autonome Fahrzeuge – mit kognitiven Architekturen ausstatten, die eine effiziente und nützliche Funktionalität erlauben. Die Kapitel über Roboter, die lügen, bzw. über das Watson-System zeigen die zwei Seiten der Medaille: Wie weit die künstliche Intelligenz gekommen ist und wie weit entfernt sie doch noch vom Ziel bleibt.“ Rojas gelangt zum Schluss: „Roboter kennen die Wahrheit nicht, deswegen können sie nicht lügen.“ Das Buch wurde Ende Mai 2013 im Heise Zeitschriften Verlag veröffentlicht und ist u.a. in der Kindle-Edition erhältlich.

Abb.: Der berühmte Baron

Einladung zum FESTIVAL DE ROBOTIQUE

EPFL und NCCR Robotics laden am 20. April 2013 zum sechsten Mal zum FESTIVAL DE ROBOTIQUE ein. Das Motto lautet „Dans les étoiles!“ – eine Hommage an die Roboter und den Weltraum. Mit Spannung werden die Veranstaltungen „Coupe Roberta 2013“ und „Grand Concours Robopoly“ erwartet. Und die bunten, hübschen Astropoden, die laut Website von den Sternen kommen und sich wackelnd vorwärts bewegen. Nach ihrer Reise durch das Universum und fern der Heimat werden sich diese Roboter, so die Annahme der Veranstalter, einsam fühlen. Die Besucher sollen ihnen deshalb ein neues Zuhause bauen, mit Hindernissen, Durchgängen und Tunneln. Man wird sehen, wie sich die Astropoden dort zurechtfinden. Neben ihnen gibt es weitere faszinierende Roboter, mit denen man kommunizieren und interagieren kann. Dabei kann man sie auch in moralischer Hinsicht auf die Probe stellen und überprüfen, ob sie Anforderungen genügen, wie sie in der Maschinenethik formuliert werden. Das Festival findet an der École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL in Lausanne statt. Weitere Informationen über festivalrobotique.epfl.ch (Link nicht mehr gültig).

Abb.: Roboter und Weltraum

Roboter auf Tour

25 Jahre AI Lab Zürich werden gefeiert. Es kommen Roboter aus aller Welt. Und sicherlich Menschen aus dem ganzen Land. Mit Blick auf den 9. März 2013 wird auf der Website robotsontour.com mit folgenden Worten geworben: „Das AI Lab lädt die modernsten Roboter weltweit nach Zürich ein. Nebst einem Weltrekordversuch wird Roboy präsentiert: das erste Roboterkind der Schweiz! Ausserdem haben Sie die Gelegenheit, berühmte Roboter aus Hollywood-Filmen persönlich zu treffen sowie Baxter, Geminoid, Kenshiro und viele weitere revolutionäre Roboter kennenzulernen.“ Am Tag davor, am 8. März, findet von 9.00 bis 17.00 Uhr im Café Sphères ein wissenschaftliches Symposium statt, eröffnet von Rolf Pfeifer persönlich; es „präsentieren Spitzenforscher aus der ganzen Welt ihre Ideen zu Robotik und wie wir in Zukunft mit diesen Maschinen zusammenleben werden“. Von 16.20 bis 17.30 Uhr diskutieren Experten zu Fragen wie: „Will, in 10 years time, robots take over care for the elderly? Personal service robots for everyone in the near future: myth or reality?“ Und man widmet sich informations- und maschinenethischen Themen: „Ethical implications of home robots, personal robots and human sexuality“. Weitere Informationen zu „Robots on Tour“ („World Congress and Exhibition of Robots, Humanoids, Cyborgs and more“) finden sich auf der angegebenen Website.

Abb.: Im Sphères tritt auch Rob Spence auf, der sich Eyeborg nennt (Foto: Rob Spence)

Towards a Machine Ethics

Am 15. März 2013 trägt Oliver Bendel bei der European TA Conference in Prag zum Thema „Towards a Machine Ethics“ vor. Das Abstract, das im Frühjahr im Tagungsband veröffentlicht wird, hebt mit den Worten an: „There is an increasing use of autonomous machines such as agents, chatbots, algorithmic trading computers, robots of different stripes and unmanned ground or air vehicles. They populate the modern world like legendary figures and artificial creatures in Greek mythology – with the main difference being that they are real in the narrow sense of the word. Some are only partially autonomous (acting under human command) while others are completely autonomous within their area of action. A genuinely autonomous machine should be able to act in a moral way, able to make decisions that are good for humans, animals and the environment. But what does it mean for machines to behave morally? Should they learn moral rules? Should they evaluate the consequences of their acts? Or should they become a virtuous character, following Aristotle? How is it possible to implement the classical normative models of ethics and is there a need for new ones?“ Der erste, zweite und dritte Abschnitt des Beitrags wird knapp zusammengefasst; dann wird auf den vierten eingegangen: „Fourthly, the paper tries to answer the question if and how it is possible to implement the classical normative models of ethics and which models should be preferred. Seven important normative approaches are described and estimated relating to their suitability for machine processing. Then the focus shifts to duty-based ethics, ethics of responsibility and virtue ethics that seem to be serious candidates. With a short technical analysis it can be shown that they fit to machine processing, apart from some limitations. The most promising approach may be the combination of the selected normative models. It is not only similar in the ’normal‘ human ethics, but also an opportunity to balance out weaknesses of the autonomous machines and to allow them alternatives. In addition, other methods like orientation on reference persons and social media evaluation could be used.“ Am Ende werden Wichtigkeit und Schwierigkeit des jungen Forschungsgebiets der Maschinenethik gleichermaßen betont und persönliche und allgemeine Einschätzungen gegeben.

Abb.: Unterwegs in Prag

Die Moral der Maschinen

„Ein schöner Tag im Sommer 2015. Der New Autonomous Car, kurz NAC genannt, fährt die Strasse am Fluss entlang. Mit seiner elegant geschwungenen Schnauze, die fast ein Schnabel ist, ist er ein Augenschmaus. Die Ente am gegenüberliegenden Ufer wirkt aufgeregt. Am nicht vorhandenen Steuer sitzt die junge Nobelpreisträgerin Kim. Ein bisschen schneller, sagt sie zu NAC, der das als Eingriff in seine Autonomie empfindet. Beleidigt erhöht er trotzdem das Tempo.“ So fängt eine Geschichte an, die einen Artikel von Oliver Bendel zur Maschinenethik einleitet. Die Maschinenethik hat die Moral von Maschinen zum Gegenstand, etwa von Agenten, Robotern und Drohnen und überhaupt von autonomen Systemen. Sie kann als Teilbereichsethik innerhalb von Informationsethik und Technikethik eingeordnet werden. Am Ende (bzw. am Anfang) muss jemand sterben. Wer das ist und was dazu führt, ist seit dem 24. Oktober 2012 in der Schweizer Online-Zeitschrift inside-it.ch nachzulesen.

Abb.: Die Moral der Autos

Maschinenethik im Gabler Wirtschaftslexikon

Im Gabler Wirtschaftslexikon wird seit 28. August 2012 auch die Maschinenethik definiert. Diese wird der Informationsethik zugeordnet und ins Verhältnis zur „Menschenethik“ gesetzt. Es geht unter anderem um die Frage, ob und wie autonome Maschinen – etwa Agenten, Roboter und Drohnen – in moralischer Weise handeln sollen und können. Schon vor Jahrzehnten hat man in Wissenschaft und Literatur über diese Frage nachgedacht; aber eine entsprechende „Teilbereichsethik“ (als Teil der Bereichsethik der Informationsethik) ist erst in den letzten Jahren entstanden. Offensichtlich wird die Notwendigkeit gesehen, das Verhalten von Maschinen in den Kontext der Moral zu stellen und Ethiker und Vertreter der Künstlichen Intelligenz (sowie Informatiker und Wirtschaftsinformatiker) darüber nachdenken zu lassen. Oliver Bendel definiert in seinem Beitrag den Begriff der Maschinenethik, diskutiert die Eignung normativer Modelle an, stellt wichtige Anwendungsbereiche dar und betont die hohe Relevanz der Teilbereichsethik. Der Beitrag ist direkt über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/maschinenethik.html abrufbar. Er wurde dem Sachgebiet „Grundlagen der VWL“ zugewiesen. Für das Gabler Wirtschaftslexikon schreiben nach eigenen Angaben über „150 Experten aus Wissenschaft und Praxis“. Mehr als „25.000 Stichwörter stehen kostenlos“ bereit.

Abb.: Maschinenethik kann als Ingenieursdisziplin betrieben werden