Das „AAAI 2018 Spring Symposium on AI and Society: Ethics, Safety and Trustworthiness in Intelligent Agents“ an der Stanford University ging am 27. März 2018 um 9.15 Uhr in die zweite Runde (oder in die dritte, wenn man die Halbtage zählt). Den Invited Talk hielt Emma Brunskill, Stanford University, zum Thema „Beyond Expected Reward: Considerations for Reinforcement Learning in High Stakes Domains“. Sie stellte die Frage, wie ein Agent aus Erfahrung lernen kann, gute Entscheidungen zu treffen, wenn die Erfahrung kostspielig oder risikobehaftet ist. Die Session „Applications and Interactive Agents“ startete mit „Interactive Agent that Understands the User“. Piotr Gmytrasiewicz präsentierte ein assistierendes KI-System namens MARTHA. Emanuelle Burton stieß in „The Heart of the Matter“ vor und fragte nach der „Patient Autonomy as a Model for the Wellbeing of Technology Users“ (so der Untertitel). Sie stellte eine Case Study mit dem Titel „Joe the heart patient“ vor. In „The Uncanny Return of Physiognomy“ kritisierte Oliver Bendel neuere Verfahren der Gesichtserkennung, mit denen z.B. sexuelle Orientierungen und kriminelle Tendenzen festgestellt werden sollen, und ordnete sie Physiognomik, der Pseudowissenschaft von Lavater und Co. sowie Biometrik in ihrer unseriösen Form (in der Tradition von Peter Camper) zu.
Abb.: Auch am zweiten Tag war bestes Wetter in Stanford
Nach dem Lunch ging es beim Symposium „AI and Society“ am 26. März 2017 um 14.00 Uhr weiter mit der Session „Ethics and Moral Agents“. Umang Bhatt trug vor zum Thema „Maintaining The Humanity of Our Models“. Er ging auf eine Krankheitsdiagnose durch ein KI-System und später auf Obdachlose in L.A. ein und setzte dies in Beziehung zur Bias-Problematik. In „Ethics as Aesthetic for Artificial General Intelligence“ stellte Dan Ventura die Frage: „How can we ensure an AI agent behaves ethically?“ Er schlug den Schönheitssinn als Bestandteil der Metaethik vor. Rafal Rzepka betonte in „Importance of Contextual Knowledge in Artificial Moral Agents Development“, dass Fühlen, Beobachten und Zählen wichtig für moralisches Verhalten seien, wobei das Fühlen nicht die Domäne von Computern sei. Er setzt auf Geschichten als Grundlage für die Entscheidungen der Systeme. Abschließend fand die Discussion Session statt, moderiert von Venerable Tenzin Priyadashi und Judy Wajcman.
Das Symposium „AAAI 2018 Spring Symposium on AI and Society: Ethics, Safety and Trustworthiness in Intelligent Agents“ an der Stanford University begann am 26. März 2018 um 9 Uhr. Den Invited Talk hielt Vince Conitzer, Duke University, über „Moral Artificial Intelligence, Kidney Exchanges, and Societal Tradeoffs“. Er diskutierte ausführlich das Parking Game. Sodann stellte er die Moral Machine des MIT vor und ging auf einen „kidney exchange algorithm“ und „underdemanded pairs“ ein. Von 11.00 bis 12.30 Uhr fand die Session „Moral Decision Making“ statt. In „Towards Provably Moral AI Agents in Bottom-up Learning Frameworks“ forderten Nolan P. Shaw und Ryan W. Orr „robustness“, „simplicity“, „consistence“ und „universality“ von ihren moralischen Maschinen; diese sollen über neuronale Netzwerke von moralischen Agenten aller Art lernen. In „A Military AI System with Ethical Rules“ brachte Yetian Wang Knowledge Representation und Machine Learning zusammen. Der letzte Vortrag vor dem Mittagessen – das man in den Cafés der Umgebung bei Bilderbuchwetter einnahm – war „Preferences and Ethical Principles in Decision Making“. Das Thema von Kristen Brent Venable waren CP-Nets.
„Der automatisierte Verkehr fasziniert und irritiert. Die Meinungen gehen auseinander, auf den Plätzen, auf den Podien, in den Medien. Ich bin überzeugt, dass das autonome Auto nichts in den Innenstädten verloren hat. Zu viele Dinge, Lebewesen und Ereignisse, die es zu beurteilen hat, zu viele Situationen, in denen Kommunikation gefragt ist, ein Handzeichen, ein Blickkontakt. Der hoch- und vollautomatische bzw. autonome PKW gehört auf die Autobahn. Dort trägt er dazu bei, die Zahl der Unfälle zu reduzieren. Und gerät kaum in Situationen, in denen er moralische Urteile fällen und z.B. zwischen menschlichen Opfern entscheiden müsste.“ (ICTkommunikation, 22. März 2018) In den Städten sollten nach der Meinung von Oliver Bendel keine autonomen Autos fahren, aber autonome Busse und Shuttles, mit geringer Geschwindigkeit, auf virtuellen Schienen bzw. auf speziellen Spuren. Der Gastbeitrag „Im smarten Shuttle unterwegs“ des Informations- und Maschinenethikers für die ICTkommunikation ist am 22. März 2018 erschienen und kann über ictk.ch/inhalt/im-smarten-shuttle-unterwegs aufgerufen werden.
„Immer wieder hat Facebook Daten illegal genutzt und herausgegeben. Benutzer und Datenschützer haben das Unternehmen immer wieder erfolgreich zurückgedrängt. Aber es ist wie das Ungeheuer, dem man zwei Köpfe abschlägt und dem gleich vier neue Köpfe wachsen. Niemand scheint Anstoß daran zu nehmen, ein Akteur in einem offenbar illegalen Netzwerk zu sein. Bei Privatpersonen ist das befremdlich genug; aber dass tausende achtbare Unternehmen und Hochschulen auf der Plattform aktiv und auch noch stolz darauf sind, ist erstaunlich. Ein Teil der organisierten Kriminalität zu sein, ist nicht mehr nur in Italien oder in Russland selbstverständlich. Es ist auf der ganzen Welt verbreitet und chic. … Die Meldungen, dass Privatpersonen und Staatsdiener gegen die Unternehmen klagen, nehmen zu. Es sind Jurastudenten darunter, die sich profilieren wollen, und Benutzer, die ernsthaft um ihre Daten besorgt sind. Und Datenschützer verschiedener Länder. Vielleicht resultiert ja eine Massenbewegung daraus, und man kann eines Tages Facebook einen Daumen zeigen, der nach unten weist.“ (Oliver Bendel, „Die Rache der Nerds“, 2012)
Im März 2017 erfuhr die connectUS-Delegation der Hochschule für Wirtschaft FHNW am MIT von dem autonomen Dreirad, das dort entwickelt wurde. Sie wurde durch die heiligen Hallen der berühmten Hochschule geführt und durfte einen Blick auf die aktuellen Prototypen werfen. Auf der Website heißt es: „The PEV is a low-cost, agile, shared-use autonomous bike that aims to solve the ‘last-mile’ urban mobility challenge of today, and to become a healthy, sustainable alternative to cars for cities of tomorrow. The PEV can be either an electrically-assisted tricycle for passenger commute or an autonomous carrier for delivering packages.“ Auch die Universität Magdeburg setzt auf das autonome Dreirad, wie MDR am 20. März 2018 meldete: „Selbstfahrende Autos sind schon länger im Gespräch, selbstfahrende Fahrräder aber haben die wenigsten bisher gesehen. Die Uni Magdeburg erforscht, wie Fahrräder autonom durch die Stadt fahren können, um Nutzern flexibel zur Verfügung zu stehen. Für Einkäufe oder andere Transporte könnte man sie dann mieten.“ (Website MDR, 20. März 2018) Oliver Bendel, der Mitglied der Delegation war, ist skeptisch gegenüber autonomen Dreirädern, da diese die Komplexität in Städten erhöhen und Kollisionen nicht zu vermeiden sein werden, ähnlich wie bei Servicerobotern.
Roboterphilosophie ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit Robotern sowie mit Erweiterungsoptionen wie künstlicher Intelligenz befasst. Dabei geht es vor allem (aber nicht nur) um mehr oder weniger autonome Serviceroboter, Pflege-, Transport- und Kampfroboter eingeschlossen. Beteiligt sind Disziplinen wie Erkenntnistheorie, Ontologie, Ästhetik und Ethik, darunter Roboterethik und Maschinenethik; die Technikphilosophie kann einerseits als übergeordnete Instanz verstanden werden, andererseits auch als gleichgestellte, insofern sie Roboter meist lediglich als technische Hilfsmittel und weniger als künstliche Mitgeschöpfe und Zeitgenossen begreift und die Roboterphilosophie mit ihrer spezifischen Perspektive neben sich braucht. In seinem Beitrag für das Wirtschaftslexikon von Springer Gabler erklärt Oliver Bendel, was Roboterphilosophie ist und will. Der Beitrag ist am 21. März 2018 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/roboterphilosophie-54555 aufgerufen werden.
Bei einem Unfall mit einem Uber-Roboterauto ist in Tempe (Arizona) am 19. März 2018 eine Frau ums Leben gekommen. Sie schob ihr Fahrrad, als sie die Fahrbahn betrat. Der Insasse des Fahrzeugs griff nicht ein. Ralf Keuper vom Deutschlandfunk war am 20. März 2018 im Gespräch mit dem Roboterphilosophen, Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel, der 2012 eine Formel entwickeln ließ, die mögliche Unfallopfer qualifizieren und quantifizieren konnte, wobei er auf der European TA Conference in Prag, wo er diese Anfang 2013 vorstellte, davon abriet, sie autonomen Autos mitzugeben. Er plädiert seit Jahren dafür, hoch- und vollautomatisierten Individualverkehr in erster Linie auf Autobahnen stattfinden zu lassen. Was Uber und Co. in amerikanischen Städten machen, hält er für leichtfertig, unabhängig vom aktuellen Fall. Immer wieder hat er sich auch ein Bild vor Ort gemacht, etwa in San Francisco, wo selbstständig fahrende Autos im dichtesten Verkehr anzutreffen sind. Er rät dazu, solche Tests einzustellen. Der Beitrag „Das automatisierte Auto hat noch einen sehr langen Weg vor sich“ wurde in der Sendung „Forschung aktuell“ ausgestrahlt und ist über www.deutschlandfunk.de/forschung-aktuell.675.de.html aufrufbar.
In Indien findet das IT-Business bzw. das Mediengeschäft zuweilen auch auf der Straße statt. Touristen werden fotografiert, die Bilder an Ort und Stelle ausgedruckt. Den Strom für das Gerät holt man sich aus der Umgebung oder auf andere Weise. Was mit den Dateien und Daten passiert, ist unklar, wie auch im Empire State Building, wo man die Besucher fast zum Shooting zwingt (und wo Beherzte dennoch einfach weitergehen, während die Kamera ins Leere schießt). Vor dem Gateway of India macht sich vermutlich kaum einer Gedanken über die informationelle Autonomie und den Datenschutz, weder der Fotograf noch der oder die Fotografierte. Überhaupt spielt das Bild eine große Rolle, und es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht von Einheimischen angesprochen und zum Gruppenbild mit Dame (oder Herrn) aufgefordert wird. In Mumbai kämpft jeder ums Überleben, außer diejenigen, die am Juhu-Strand wohnen und ab und zu im Bollywood-Studio einen Hindi-Film drehen, und diejenigen, die ihre Kinder in die Schweiz zum Skifahren schicken, wo wiederum Bilder geschossen werden, die in Indien landen (und auf Servern überall in der Welt).
Der QR-Code wurde vor etwa 25 Jahren von der japanischen Firma Denso Wave, einer Tochter von Toyota, entwickelt. Er ist ein sogenannter 2D-Code. Es können in ihm u.a. Webadressen, Telefonnummern, SMS und freier Text enthalten sein. In Indien werden QR-Codes breit eingesetzt. Das Department of Biotechnology des Ministry of Science & Technology hat auf seiner Website in einem der Exemplare die Kontaktdaten von Prof. K. VijayRaghvan (Secretary of the Department) untergebracht. The Economic Times titelte am 8. Oktober 2017: „How India leads the way in the interoperability of QR code for payments“. Im Sanjay-Gandhi-Nationalpark in Mumbai findet man die quadratischen Alleskönner ebenfalls, auf einem Plakat neben dem Jungle Guru. Bei allen Möglichkeiten und Vorteilen – QR-Codes weisen, wie Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Gabler betont, auch Sicherheitsrisiken auf. „Das grundsätzliche Problem ist, dass man ihnen nicht ansieht, was sie enthalten. Ein Mensch vermag kaum zwischen einem originären und einem manipulierten oder gefälschten Code zu unterscheiden. Reader und Generatoren können dazu missbraucht werden, Daten von Anwendern einzusammeln. Weiterhin ist es möglich, auf Gegenstände aufgebrachte QR-Codes zu überkleben und auszutauschen. Auf diese Weise kann ein Benutzer auf Websites mit fragwürdigen Informationen oder mit Malware gelockt und dem Anbieter auf unterschiedliche Weise geschadet werden.“ (Gabler Wirtschaftslexikon) Auch Malware selbst kann in einem 2D- oder 3D-Code untergebracht sein.
In einem weiteren KI-(Kunst-)Projekt wurde ein Haiku von Oliver Bendel angepasst, mit Hilfe von Google Translate ins Japanische übersetzt und mit Hilfe der Text-to-Speech-Engine von IBM Watson eingesprochen, unter Verwendung von SSML. Zuerst werden von Emi – so der Name der künstlichen Stimme – die Metainformationen durchgegeben, dann wird das Gedicht selbst vorgetragen. Dieses stammt aus dem Band „handyhaiku“ (1. Aufl. 2010, ein Buch, in dem jedes Gedicht zusätzlich in einem QR-Code steckt) und lautet dort so: „an den waenden mein / vernachlaessigtes handy / auf steckdosenjagd“ … Das Haiku kann über www.handyroman.net/handyhaiku/einstieg.html heruntergeladen werden (Link nicht mehr gültig). Das Projekt hat auch ethische Implikationen. Was bedeutet es, wenn Texte automatisch übersetzt werden? Bleiben sie verständlich? Können sie missverständlich sein? Können sie weitreichende Folgen haben? Was bedeutet es, wenn künstliche immer mehr menschliche Stimmen ablösen? Wenn sie in irgendeinem Sinne perfekt sind und der Mensch danach strebt, diese Perfektion zu erreichen? Oder wenn sie imperfekt sind und das Kind diese Imperfektion imitiert? Genau dies passiert bereits, wenn Pepper ein Familienmitglied in Japan ist, wie Aldebaran bzw. SoftBank vor einiger Zeit auf einer Konferenz in Krakau mitteilte.
Im Rahmen von connectUS besuchten die Studierenden und Dozenten bzw. Forscher der FHNW im Jahre 2017 auch ein Basketballspiel in Oakland. In der ersten Reihe saß Drake, ein kanadischer Rapper, der mindestens so viel Aufmerksamkeit erregte wie das übrige Geschehen. In der ersten Reihe könnten in der Zukunft auch Roboter sitzen, die von den Spielern lernen. Und die dann aufstehen, mitmischen und dabei weiterlernen. Golem berichtete am 16. März 2018 über Cue, einen 1,90 Meter großen, humanoiden Sportroboter, der aus einem Aluminiumskelett besteht, über das eine Kunststoffhaut gezogen wurde. „Er steht auf einer kleinen Plattform, in der die Steuerung untergebracht ist. Als Vorbild nahmen die Toyota-Techniker, die den Roboter in ihrer Freizeit gebaut haben, Sakuragi Hanamichi, eine Figur aus der Manga-Serie Slam Dunk.“ (Golem, 16. März 2018) Im Moment kann Cue vor allem eins, nämlich den Ball im Korb versenken. Der Basketballroboter „wirft aus einer Entfernung von etwa 3,6 Metern auf den Korb“. „Gesteuert wird er dabei durch künstliche Intelligenz. Um ihn zu trainieren, ließen ihn die Entwickler 200.000 Mal auf den Korb werfen. Inzwischen ist Cue absolut schusssicher.“ (Golem, 16. März 2018) Ein besonders guter Mitspieler wäre er laut Golem dennoch nicht: „Er kann nicht laufen. Für ein dynamisches Spiel eignet er sich demnach nicht. Aber er könnte jeweils für Freiwürfe eingewechselt werden.“ (Golem, 16. März 2018) Bis Basketballspieler arbeitslos werden, dauert es also noch eine Weile.
The book chapter „Co-robots from an Ethical Perspective“ by Oliver Bendel was published in March 2018. It is included in the book „Business Information Systems and Technology 4.0“ (Springer). The abstract: „Cooperation and collaboration robots work hand in hand with their human colleagues. This contribution focuses on the use of these robots in production. The co-robots (to use this umbrella term) are defined and classified, and application areas, examples of applications and product examples are mentioned. Against this background, a discussion on moral issues follows, both from the perspective of information and technology ethics and business ethics. Central concepts of these fields of applied ethics are referred to and transferred to the areas of application. In moral terms, the use of cooperation and collaboration robots involves both opportunities and risks. Co-robots can support workers and save them from strains and injuries, but can also displace them in certain activities or make them dependent. Machine ethics is included at the margin; it addresses whether and how to improve the decisions and actions of (partially) autonomous systems with respect to morality. Cooperation and collaboration robots are a new and interesting subject for it.“ The book can be ordered here.
The tentative schedule of AAAI 2018 Spring Symposium on AI and Society at Stanford University (26 – 28 March 2018) has been published. On Tuesday Emma Brunskill from Stanford University, Philip C. Jackson („Toward Beneficial Human-Level AI … and Beyond“) and Andrew Williams („The Potential Social Impact of the Artificial Intelligence Divide“) will give a lecture. Oliver Bendel will have two talks, one on „The Uncanny Return of Physiognomy“ and one on „From GOODBOT to BESTBOT“. From the description on the website: „Artificial Intelligence has become a major player in today’s society and that has inevitably generated a proliferation of thoughts and sentiments on several of the related issues. Many, for example, have felt the need to voice, in different ways and through different channels, their concerns on: possible undesirable outcomes caused by artificial agents, the morality of their use in specific sectors, such as the military, and the impact they will have on the labor market. The goal of this symposium is to gather a diverse group of researchers from many disciplines and to ignite a scientific discussion on this topic.“ (AAAI website)
„Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule für Wirtschaft FHNW erforschten in einem Projekt, ob Social Bots oder Cyborgs die No-Billag-Abstimmung in der Schweiz zu beeinflussen versuchten. Social Bots sind in sozialen Medien wie Facebook und Twitter unterwegs. Wenn sie Meinungen verbreiten bzw. beeinflussen sollen, nennt man sie auch Meinungsroboter. Cyborgs sind im vorliegenden Zusammenhang reale Nutzer, die ihr Kommunikationsvolumen mit Automatisierungstools steigern. Im Projekt wurde auf die Kommunikation zur Abstimmung auf Twitter fokussiert.“ (Medienmitteilung FHNW) Untersucht wurde die heiße Phase der Abstimmung vom 7. Januar bis zum 4. März 2018 (Abstimmungssonntag). In diesen gut acht Wochen gab es auf Twitter knapp 200000 Wortmeldungen (Tweets, Retweets, Replies) zur Abstimmung. Sie stammten von 26000 Accounts, von denen 19.5 % Befürworter und 80.5 % Gegner der Initiative waren. „Pro- und Contra-Tweets traten hingegen im Verhältnis 35:65 auf. Die Gegner der Initiative konnten mehr Personen mobilisieren, die Befürworter vermochten dies mit erhöhter Betriebsamkeit auszugleichen.“ (Medienmitteilung FHNW) Das Forschungsprojekt wird mit Mitteln der Hasler Stiftung finanziert. Die Projektleitung haben Prof. Dr. Stefan Gürtler (Datenerhebung und -auswertung) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Abschlussbericht) inne.
Abb.: Ein Cyborg-Girl an einer Wand an der Limmat in Zürich
Moderne Autos verfügen über zahlreiche Sensoren, je nach Einordnung und Zählweise zwischen 40 und 200. Die einen sind aktiv, die anderen sind passiv, einige richten sich nach innen, einige nach außen. Beim teil-, hoch- und vollautomatisierten Fahren und bei autonomen Autos spielen vor allem Sensoren eine Rolle, mit deren Hilfe die Umgebung erfasst, untersucht und bewertet wird. Dazu gehören Ultraschallsensoren, Radar- und Lidarsysteme, Infrarotkameras und 2D- und 3D-Kameras. Weil sich diese Sensoren nach außen richten, kann man sie von außen auch physisch manipulieren. Dies ist eine Gefahr, die bisher nur wenig thematisiert wurde. Man bemerkte durchaus, dass Fahrzeuge sich optisch täuschen lassen, dass sie mit Signalen attackiert oder dass ihre Signale gestört werden können, ganz abgesehen von klassischen Hackingmethoden. Aber man vernachlässigte, was mit einfachen Mitteln möglich ist. Der Beitrag „Scheitert autonomes Fahren an manipulierten Sensoren?“ von Oliver Bendel beleuchtet diese Gefahr. Er ist am 6. März 2018 in der ICTkommunikation erschienen und kann über ictk.ch/inhalt/scheitert-autonomes-fahren-manipulierten-sensoren abgerufen werden.
An einem Fraunhofer-Institut wurde vor 15 Jahren „Das gläserne Produkt“ von Oliver Bendel konzipiert. Es wird in seinem Buch „Die Rache der Nerds“ beschrieben: „Der Kunde interessiert sich im Tante-Emma-Laden oder im Supermarkt für ein bestimmtes Produkt. Er scannt mit dem Handy eine ID auf der Verpackung ein. Die ID wird mit einem persönlichen Profil gematcht, das auf dem Handy oder einem Server liegt. Auf dem Display wird eine Empfehlung angezeigt, etwa mithilfe eines Ampelsystems. Der Kunde weiß sofort, ob sich das Produkt für ihn eignet (grün) oder nicht (rot). Oder ob er sich anderweitig informieren sollte (gelb).“ Neben Vegetariern stellte man sich Allergiker und Diabetiker als Zielgruppen vor. Inzwischen hat sich viel getan. Es gibt Informationssysteme und Deklarationsfortschritte. In Deutschland wird z.B. Käse, der mit mikrobiellem Lab hergestellt wird, oftmals direkt auf der Verpackung als vegetarisch gekennzeichnet. In der Schweiz weigern sich Coop und Migros, das zu tun bzw. die Produzenten dazu anzuhalten. Zudem haben sie kaum hochwertige vegetarische Hart- und Halbhartkäse im Angebot, wie Gluschtig, Bachtelberger oder bestimmte Emmentaler-Sorten. Aus der Perspektive eines Vegetariers, der Milchprodukte wie Käse verzehrt, Kälberlab aber ablehnt, haben sie weder ein gläsernes noch ein gutes Produkt.
„Heute wurde ich, wenn ich richtig gezählt habe, 6-mal geduzt. Ich bin 40 Jahre alt, sehe aus wie 42 und fühle mich wie 44. Es handelte sich nicht um Menschen und Automaten, mit denen ich mich genderungerecht verbrüdert oder cyborgmäßig vereinigt hätte. Und wir sind im deutschsprachigen Raum, wo man jahrzehntelang nicht ohne weiteres geduzt wurde. Seit kurzem wohne und arbeite ich wieder in der Schweiz, wo man sich viel und gerne duzt. Ich mag das, man kann Vertrautheit herstellen, auf einer Ebene kommunizieren. Vielleicht wird die Bedeutung des Duzens diesbezüglich übertrieben; aber angenehm ist es ohne jeden Zweifel. Trotzdem wurde ich, wenn ich heute 6-mal geduzt wurde, 4-mal zuviel geduzt. Mindestens.“ So beginnt ein Artikel von Oliver Bendel, der vor zehn Jahren bei mediensprache.net veröffentlicht wurde, über www.mediensprache.net/de/essays/5/ … Wer noch weiter in die Vergangenheit reisen will, die einem hier und dort wie die Gegenwart erscheint, sei auf „Aus Grüßen und Kuscheln wird Gruscheln“ verwiesen, erschienen 2007, erreichbar über www.mediensprache.net/de/essays/4/ …
Bill Gates ist euphorisch, Oliver Bendel skeptisch. Der Microsoft-Gründer fordert eine Robotersteuer. Der Roboterphilosoph begrüßt die Diskussion darüber, sieht aber mehr Nach- als Vorteile. Er wird in Edison mit den Worten zitiert: „Es ist nicht klar, was man genau besteuern soll, welche Systeme betroffen sind und um welche Arbeit es überhaupt geht.“ (Edison, 1. März 2018) Bereits heute zeige sich: Die Tätigkeiten von Mensch und Maschine gehen fließend ineinander über. Die Robotersteuer ist – so wird es von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler erklärt – eine Ausprägung der Maschinensteuer, die man wiederum als Wertschöpfungsabgabe begreifen kann. „Die Idee ist, den Betrieb respektive die Arbeit von Robotern (allenfalls von Agenten) in der Produktion und in anderen Bereichen zu besteuern und die Gelder entweder dem System der Sozialversicherung oder bspw. dem Bildungswesen zuzuführen. Auch eine Kopplung an das bedingungslose Grundeinkommen wird vorgeschlagen. Zugleich ist die Frage, ob im Gegenzug die Arbeit von Menschen steuerlich entlastet werden soll.“ (Gabler Wirtschaftslexikon) Der Artikel ist am 1. März 2018 in Edison erschienen, einem Magazin des Handelsblatts, und kann über edison.handelsblatt.com/ertraeumen/bill-gates-fordert-auch-roboter-sollen-steuern-zahlen/20997628.html abgerufen werden.
Abb.: Oliver Bendel bei einer Veranstaltung von Audi (Foto: Audi)
In love and sex, the voice is a decisive factor. It not only matters what is said, but also how it is said. Pitch, volume and personal expression are important to attract and retain potential partners. The same goes for sex robots and love dolls, and is true for chatbots and virtual assistants with sexual orientation as well. If you are not working with ordinary recordings, they all need artificial voices (if you decide to use voices at all). The synthetization of voices, or speech synthesis, has been an object of interest for centuries. Today, it is mostly realized with a text-to-speech system (TTS), an automaton that interprets and reads aloud. This system refers to text which is available for instance in a knowledge base or on a website. Different procedures have been established to adjust the artificial voice. A recently published article by Oliver Bendel examines how the Speech Synthesis Markup Language (SSML) can be used for sex robots and love servants. Existing tags, attributes and values are categorized in the present context and new ones are proposed to support the purpose of the special machines. In addition, a short ethical discussion takes place. The article „SSML for Sex Robots“ is part of the new Springer book „Love and Sex with Robots“ …
Fig.: The artificial voices of love dolls and sex robots must be specially designed
Mit dem Bertha-Benz-Preis zeichnet die Daimler und Benz Stiftung jedes Jahr eine Ingenieurin aus, die eine herausragende Promotion in Deutschland mit dem Dr.-Ing. abgeschlossen hat. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert. Vorschlagsberechtigt sind die Leitungsgremien von Universitäten und selbstständigen Forschungsinstituten. Eigene Bewerbungen sind nicht möglich. Aus den Ausschreibungsunterlagen: „Neben der wissenschaftlichen Originalität der Arbeit werden die praktische und die gesellschaftliche Relevanz der Forschungsergebnisse bewertet. Die Ausschreibung richtet sich also insbesondere an Dissertationen mit einem ausgeprägten Anwendungsbezug; berücksichtigt wird demnach auch, ob z.B. Patente beantragt oder bereits erteilt wurden.“ (Website Daimler und Benz Stiftung) Der Stichtag für Nominierungen ist der 1. März 2018. Weitere Informationen über www.daimler-benz-stiftung.de.
In a few days the book „Love and Sex with Robots“, edited by David Levy and Adrian D. Cheok, will be published. From the information on the Springer website: „This book constitutes the refereed proceedings of the Third International Conference on Love and Sex with Robots, LSR 2017, held in December 2017, in London, UK. The 12 revised papers presented together with 2 keynotes were carefully reviewed and selected from a total of 83 submissions. One of the biggest challenges of the Love and Sex with Robots conference is to engage a wider scientific community in the discussions of the multifaceted topic, which has only recently established itself as an academic research topic within, but not limited to, the disciplines of artificial intelligence, human-computer interaction, robotics, biomedical science and robot ethics etc.“ Included are contributions by Oliver Bendel („SSML for Sex Robots“), Sophie Wennerscheid („Posthuman desire in robotics and science fiction“) and Dr. Rebekah Rousi („Lying cheating robots – robots and infidelity“). The book can be pre-ordered via www.springer.com/de/book/9783319763682. Already on the market is the book with the same title, which contains the contributions of the LSR 2016 at Goldsmiths.