Kann man Gedanken aus dem Gehirn auslesen?

Der Wissenschaftsjournalist Tim Reinboth hat am 30. Mai 2026 in Golem den Artikel „Aus Hirndaten mentale Bilder dekodieren“ veröffentlicht. Der Teaser lautet: „Gedanken aus unserem Gehirn auszulesen, gilt als Science-Fiction. Neue Forschung zeigt jedoch, dass so etwas Ähnliches langsam funktioniert.“ Der Text beginnt mit den Worten: „Keine Gehirn-Computer-Schnittstelle und kein neurowissenschaftlicher Ansatz kann Gedanken lesen. Daher weiß auch Tomoyasu Horikawa nicht genau, was im Kopf seiner Probanden vorgeht. Allerdings hat er mit einer neuen Methode Szenen rekonstruiert, die sich Probanden in einem Magnetresonanztomografen (MRT) vorstellten, und ließ sie einen Computer in Worte fassen.“ (Golem, 30. Mai 2026) Zu Wort kommt Prof. Dr. Oliver Bendel, der sich seit Jahren mit Brain-Computer-Interfaces beschäftigt – und schon als Student ein wenig Geld dazuverdiente, indem er Psychologen an der Universität Konstanz seine Gehirnaktivitäten messen ließ, während er verstörende Bilder anschauen musste. Die Möglichkeit des Gedankenlesens schließt er nicht grundsätzlich aus – man befindet sich im Moment ganz am Anfang, macht aber erstaunliche und beunruhigende Fortschritte, die Informationsethik und KI-Ethik auf den Plan rufen. Der Artikel kann hier aufgerufen werden.

Abb.: Eine Lösung von BrainScope

„Off the Record“ zu Servicerobotern und sozialen Robotern

Nach generativer KI ist Robotik das Thema der Stunde, und natürlich kann man beides verbinden. Am 21. Mai 2026 lud Walder Wyss im Rahmen von „Off the Record“ ab 18 Uhr zu einem Robotikevent ins Kraftwerk Zürich ein. Es waren Freunde und Kunden der Anwaltskanzlei eingeladen. Es ging um klassische Serviceroboter ebenso wie um Allzweckroboter – und um soziale Roboter. Auf dem Panel waren Prof. Dr. Oliver Bendel, Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker, der sich seit einem Vierteljahrhundert intensiv mit Chatbots, Sprachassistenten und sozialen Robotern beschäftigt, und Sylvia Stocker, CEO von Arabesque. Es moderierten Ramona Wyss und Florian Gunz. Seit 27. Mai 2026 stehen die Fotos zur Veranstaltung zur Verfügung. Zu sehen sind auf ihnen nicht nur die genannten Personen, sondern auch die Roboter, die im Raum waren, wie Unitree G1, Mars und Pepper. Im Imageflyer schreibt die Anwaltskanzlei über sich: „We are a dynamic law firm with flat structures and a very friendly atmosphere. More than 300 legal experts make Walder Wyss one of the most successful Swiss commercial law firms. Our clients include national and international companies, publicly held corporations and family businesses as well as public law institutions and individuals.“ (Imageflyer Walder Wyss)

Abb.: Florian Gunz, Sylvia Stocker und Oliver Bendel (Foto: Walder Wyss)

Ehemalige Mitarbeiter kritisieren Robotaxis von Tesla

Wie Golem am 28. Mai 2026 meldete, soll Tesla laut einem Reuters-Bericht die Fähigkeiten seiner Robotaxis und des Systems „Full Self Driving“ deutlich übertreiben. Ehemalige Mitarbeiter und ein früherer Ingenieur erklärten demnach, dass die Fahrzeuge nur mit großem Zusatzaufwand in bestimmten Gebieten wie Austin eingesetzt werden könnten und keineswegs überall zuverlässig funktionierten. Besonders problematisch seien weiterhin gefährliche Situationen im Straßenverkehr: Mitarbeiter hätten Videos gesehen, in denen die Fahrzeuge etwa Katzen, Hunde oder Rehe anfuhren. Zudem habe es Beinaheunfälle mit spielenden Kindern gegeben. Auch grundlegende Fahrmanöver wie das Anhalten für Einsatzfahrzeuge oder das Einhalten von Sicherheitsabständen hätten oft nicht funktioniert. Mehrere frühere Mitarbeiter erklärten laut Reuters, sie würden selbst nicht in einem Robotaxi von Tesla mitfahren, weil sie dem System nicht vertrauten.

Abb.: Charger von Tesla

Der Reiz der Realität

Das Kundenmagazin Centaur von Rossmann gibt es seit März 2002. Das Heft hat über 100 Seiten und liegt in den Filialen des Unternehmens aus. Es erreicht bei einer Druckauflage von über 900.000 Exemplaren und mit seiner Onlinepräsenz ca. 2,5 Millionen Interessierte. In der Ausgabe vom Juni 2026 gibt es ein eineinhalbseitiges Interview mit Prof. Dr. Oliver Bendel. Der Technikphilosoph und Maschinenethiker äußert sich im Beitrag „Der Reiz der Realität“ zu Gegenbewegungen im Zeitalter der Digitalisierung und zur Frage, wann Roboter – Pflegeroboter ebenso wie Allzweckroboter – selbstverständlicher Teil unseres Alltags sein werden. Anna Kentrath, die Leiterin der Unternehmenskommunikation von Rossmann, schreibt in ihrem Editorial: „Wir spüren einer wachsenden Sehnsucht nach: der Lust am Analogen, an echten Begegnungen und haptischen Erlebnissen. Das ist keine Flucht vor der digitalen Welt, die uns ja auch Freiheiten schenkt. Es ist eine bewusste Ergänzung, ein ‚Korrektiv‘, wie es unser Experte Prof. Oliver Bendel nennt.“ Das Kundenmagazin für den Monat Juni kann seit dem 27. Mai 2026 über www.rossmann.de/de/kataloge/centaur/index.html aufgerufen und heruntergeladen werden.

Abb.: Das Cover der Juni-Ausgabe (Bild: Rossmann)

Vom Schäfchenplakat zum Gewaltspiel

Das Schäfchenplakat der Schweizerischen Volkspartei (SVP) von 2007 wurde für die Ausschaffungsinitiative erstellt. Es zeigte drei weiße Schafe, die ein schwarzes Schaf von einer roten Fläche mit weißem Kreuz kicken. Wegen seiner Nähe zur Bildsprache der NS-Propaganda sowie seiner fremdenfeindlichen und rassistischen Ausrichtung wurde es international stark kritisiert. Fast 20 Jahre später erlebt man rund um die 10-Millionen-Initiative ein Déjà-vu. Das Egerkinger Komitee lancierte ein von Gewalt und Rassismus geprägtes Computerspiel. Eine Spielfigur an der Grenze muss dafür sorgen, dass bestimmte Ausländer nicht in die Schweiz einreisen. Man „schlägt mit dem Stoppschild auf die Personen ein, diese zerploppen“ (Blick, 21. Mai 2026). Neu ist, dass Schweizer Hochschullehrer und wissenschaftsnahe Experten die Initiative ganz offen unterstützen. Wie blicken sie auf ihre Kollegen an den Hochschulen? Soll man auch diese hinauskicken oder schlagen, bis sie zerploppen? Immerhin haben sich swissuniversities und der ETH-Rat klar gegen die Initiative positioniert. Nun wäre noch zu wünschen, dass sich die Hochschulleitungen direkt an ihre ausländischen Arbeitskräfte wenden und ihnen ihre Solidarität zusichern.

Abb.: In der Schweiz gab es wiederholt fremdenfeindliche und rassistische Kampagnen

Der Roboter als Prügelknabe der Nation

Die Neue Berliner Redaktionsgesellschaft war im Gespräch mit Prof. Dr. Oliver Bendel über die Robotersteuer. Diese ist eine Ausprägung der Maschinensteuer, die man wiederum als Wertschöpfungsabgabe begreifen kann. Die Idee ist, die Existenz oder den Betrieb bzw. die Arbeit von Robotern (womöglich auch von KI-Systemen) in der Produktion, in der Logistik und in anderen Bereichen zu besteuern und die Gelder entweder dem System der Sozialversicherung oder beispielsweise dem Bildungswesen zuzuführen.  Gegen die Robotersteuer spricht, dass nicht klar ist, was man genau besteuern soll. Welche Roboter und KI-Systeme sind betroffen? Um welche Arbeit geht es konkret? Die Innovationskraft von Unternehmen könnte gebremst werden, und es werden damit womöglich Entwicklung und Einsatz von Robotern, die Menschen ergänzen und entlasten, gehemmt und Wege zur Befreiung von der Bürde des beruflichen Alltags blockiert. Für die Robotersteuer spricht, dass der Roboter als Risiko für die Vollbeschäftigung im Vollzeitmodell erkannt und eine sozialpolitische Antwort auf die zunehmende Automatisierung gefunden wird. Es liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, über den man diskutieren kann. Vielleicht ist der Roboter aber einfach der Prügelknabe der Nation. Die Artikel „Zahlt am Ende der Roboter?“ und „Die Rechnung sollen die Roboter zahlen“ mit Aussagen von Oliver Bendel erschienen am 8. Mai 2026 u.a. in der Südwest Presse, in der Lausitzer Rundschau und im Oranienburger Generalanzeiger.

Abb.: Der Roboter als Prügelknabe der Nation

Das „Robodog“-Projekt im Buch „Tier-Maschine-Interaktion“

Im neuen Buch „Tier-Maschine-Interaktion“ von Oliver Bendel (Springer Gabler, 2026) werden zahlreiche Projekte vorgestellt, die Begegnungen zwischen Tieren und Robotern bzw. Drohnen zum Gegenstand haben. Dazu gehört die „Robodog“-Studie, die 2025 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW durchgeführt wurde. Selina Rohr untersuchte, wie Haushunde auf den vierbeinigen Roboter Unitree Go2 – von Projektinitiator Oliver Bendel Bao genannt – reagieren und wie ihre Besitzer solche Roboter in gemeinsam genutzten öffentlichen Räumen wahrnehmen. Es zeigte sich, dass die meisten Hunde vorsichtig, aber nicht aggressiv waren. Das Interesse nahm zu, sobald sich der Roboter bewegte, während visuelle Modifikationen kaum Wirkung zeigten. Solche Projekte sind wichtig, weil Begegnungen zwischen Tieren und Robotern ständig zunehmen, in der Landwirtschaft, aber auch in Ballungsgebieten und Haushalten. Gerade erleben robotische Vierbeiner wie Spot und Unitree Go2 sowie robotische Zweibeiner wie Digit, Apollo, Figure 03 und NEO einen Boom, wobei letztere als Allzweckroboter vermarktet werden. Sie alle müssen nicht nur menschenfreundlich, sondern auch tierfreundlich gestaltet werden. Das Buch „Tier-Maschine-Interaktion“ kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-50921-7 heruntergeladen bzw. erstanden werden.

Abb.: Eine Begegnung im „Robodog“-Projekt (Foto: Selina Rohr)

Reading Between the Laughs

The paper „Reading Between the Laughs: A Human-Referenced Audio Evaluation of MLLMs for Social Robotics“ by Sahan Hatemo, Katharina Kühne, and Oliver Bendel has been accepted at ICSR + Art 2026. In this work, the researchers investigated whether today’s leading AI models can distinguish authentic from non-authentic laughter based solely on audio signals. The results revealed striking differences in model behavior: OpenAI systems showed a strong tendency to interpret most laughter as genuine, while Gemini models were generally more skeptical. Despite these contrasting biases, several models performed significantly better than chance, with Gemini 2.5 Pro achieving the strongest overall results. Their analysis also demonstrated that less capable models often relied on superficial cues such as pitch, disproportionately labeling higher-pitched laughter as less authentic, whereas the top-performing model appeared to focus on more sophisticated voice quality features, suggesting a deeper understanding of laughter authenticity. These findings highlight the growing potential of multimodal large language models in social robotics, where accurately interpreting subtle social signals like laughter could play an important role in trust, communication, and relationship building between humans and robots. The 18th International Conference on Social Robotics will take place in London, UK, from 1-4 July 2026. ICSR is the leading international forum that brings together researchers, academics, and industry professionals from across disciplines to advance the field of social robotics.

Abb.: Reading between the laughs

Where Sexuality Meets AI and Robotics: Inside the SAGA 2026 Conference

Those who had already arrived on Sunday or Monday were welcomed to Montreal with beautiful sunshine and mild temperatures. The Clock Tower Beach had been prepared, though it was not yet open. On Thursday, April 30, 2026, the SAGA conference took place at the Judith-Jasmin Pavilion Extension in slightly cooler weather. Renowned experts such as David Lafortune and Simon Dubé were among the hosts, alongside rising stars like Valérie A. Lapointe. Through a series of outstanding presentations and panels, the conference explored the theme „Sexuality and Generative AI: Benefits, Risks, and Paths for Action“. This included both generative AI and other AI systems on computers, as well as those embedded in robots and physical systems. The talks, delivered in English and French, were translated live with the help of AI. Both on stage and in the audience were sexologists, psychologists, and philosophers, as well as practitioners from a wide range of fields. There was no hesitation – neither among participants nor in engaging with the topics discussed. This conference was made possible through the financial support of the Social Sciences and Humanities Research Council (SSHRC). The program can be viewed here.

Fig.: The Clock Tower Beach in April 2026

Ein Roboter vertreibt Wildschweine

Laut einem Artikel von Golem hat der Allzweckroboter Edek, auch bekannt als Edward Warchocki, in Polen für Aufsehen gesorgt, als er Wildschweine aus einem Stadtgebiet vertrieben hat. Robotische Wildscheuchen hat es immer wieder gegeben. Ein Beispiel ist Super Monster Wolf von JA Kisarazushi/Universität Tokio aus dem Jahre 2017. Mobile und humanoide Modelle sind aber rar. Edek basiert auf einem Unitree G1 und soll durch angepasste Software besonders menschlich und kommunikativ wirken. Er wurde bereits in zahlreichen Alltagssituationen gezeigt, etwa im Bus, im Supermarkt und im Parlament. Inzwischen dient der Roboter auch als Marketinginstrument, wird für Veranstaltungen vermietet und in Werbekampagnen eingesetzt, unterstützt durch Sponsoring und Product Placement, etwa durch das Tragen einer Luxusarmbanduhr. Die Entwickler sehen in ihm einen Vorboten einer nahen Zukunft, in der Allzweckroboter im öffentlichen Raum präsent sind und positiv von Menschen aufgenommen werden. Das Thema berührt auch die Tier-Maschine-Interaktion und steht im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Buch von Prof. Dr. Oliver Bendel, das am 20. April 2026 bei Springer Gabler erscheint.

Abb.: Der Unitree G1 in Venedig

Chatbots for Dead, Endangered, and Extinct Languages

On April 8, 2026, the article „Chatbots for Dead, Endangered, and Extinct Languages: Possibilities and Limitations of Generative AI for Continuing Education“ by Oliver Bendel was published in Wiley Industry News. The focus is on how chatbots based on generative AI can contribute to the preservation and promotion of dead, endangered, and extinct languages in continuing education (as well as in vocational training). Following an introduction to the technical and conceptual foundations, several projects at the FHNW School of Business are presented and discussed from technical, ethical, and didactic perspectives. These dimensions are revisited in the next section and expanded into general and overarching considerations. Finally, possible and necessary steps are outlined that go beyond the purely technological discourse. Additionally, an outlook is provided on future possibilities related to new versions of large language models. This article provides the first comprehensive overview of the projects initiated by Oliver Bendel that are dedicated to dead, endangered, and extinct languages, including @ve (for Latin), @llegra (for Vallader), and kAIxo (for Basque), as well as Cleop@tr@ (Egyptian). It can be accessed via the publisher’s website or downloaded here as a PDF.

Fig.: Oliver Bendel at the Karnak Temple (Photo: Stefanie Hauske)

Der Allzweckroboter im Haushalt

In der Sonderbeilage „Wohnen“ der Sonntagszeitung vom 12. April 2026 kommt Prof. Dr. Oliver Bendel zu Wort. Der Technikphilosoph forscht zu sozialen Robotern und Servicerobotern. Seit 2024 hat er auch mehrere Artikel zu Allzweckrobotern geschrieben, die als Vorformen von echten universellen Robotern gelten. Diese werden oft fälschlicherweise mit humanoiden Robotern gleichgesetzt, zu denen beispielsweise Pepper und Alpha Mini gehören. Allzweckroboter wie Digit, Apollo und Figure 03 sind in Fabriken mit sehr eingeschränkten Tätigkeiten zu finden. Figure 03 und NEO sind unter anderem wegen ihrer textilen Oberfläche interessant und dafür gedacht, sich in Haushalten nützlich zu machen. Oliver Bendel glaubt, dass dies in zwei Wellen erfolgen könnte. Zunächst werden Tausende Exemplare verkauft, die dann in realen Umgebungen lernen. Nach den entsprechenden Fortschritten könnten womöglich Millionen von Exemplaren ausgeliefert werden. Dem könnten allerdings Sicherheitsrisiken und Datenschutzprobleme sowie Akzeptanz- und Platzprobleme entgegenstehen. Einst gab es die Vision, dass in jedem Haushalt ein Computer stehen würde. Daraus wurden mehrere in unterschiedlichen Formen. Ob soziale Roboter und Serviceroboter ein ähnliches Schicksal teilen werden, wird die Zukunft zeigen.

Abb.: NEO im Haushalt (Foto: 1X/Courtesy of 1X)

Die FAZ im freien Fall III

Was für die einen das Kreuzworträtsel ist, ist für die anderen das Zählen von Rechtschreib- und Grammatikfehlern in Zeitungen. In der einst so sprachsicheren FAZ findet man kaum noch fehlerfreie Teaser. Und auch die Texte lassen immer mehr zu wünschen übrig. Über Deklinationsfehler und Fehler bei Zusammen- und Getrenntschreibung wurde schon berichtet, ebenso über andere Fehler bei der Wortbildung. Eine weitere Kategorie sind redundante Geschlechtsspezifizierungen. In der Ausgabe vom 9. April 2026 heißt es über Averil Cameron: „Die Pionierin inspirierte ganz besonders ihre weiblichen Kolleginnen.“ („Die Erste ihrer alten Schule“). Hängt dieser Missgriff mit den Bemühungen um eine Gendersprache zusammen? In anderen Fällen gibt es darüber keinen Zweifel. Am 8. April begann ein Satz mit den Worten „Die Forschenden sind …“ – dabei hatte der Titel korrekt „Forscher entdecken unbekannte Insel in der Antarktis“ gelautet. Alle Menschen sind Forschende, aber nur wenige sind Forscher. Diese forschen von Berufs wegen. Und keinesfalls ständig. „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ ist seit den 1960er-Jahren der Werbespruch der FAZ. Damit waren schon immer die Leser gemeint und nicht die Redakteure. Und schon gar nicht die Praktikanten, die für die Teaser zuständig sind.

Abb.: Die FAZ hat ihren Sitz in Frankfurt (Foto: Bücherradfahrer, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

Chatbots für tote, gefährdete und ausgestorbene Sprachen

Am 8. April 2026 ist der Artikel „Chatbots für tote, gefährdete und ausgestorbene Sprachen: Möglichkeiten und Grenzen generativer KI für die Weiterbildung“ von Oliver Bendel bei Wiley Industry News erschienen. Im Zentrum steht die Frage, wie Chatbots auf der Basis generativer KI zur Erhaltung und Förderung toter, gefährdeter und ausgestorbener Sprachen in der Weiterbildung (sowie in der Ausbildung) beitragen können. Nach einer Einführung in die technischen und konzeptionellen Grundlagen werden mehrere Projekte an der Hochschule für Wirtschaft FHNW vorgestellt und in technischer, ethischer und didaktischer Hinsicht diskutiert. Diese Dimensionen werden im nächsten Abschnitt wiederaufgenommen und ins Allgemeine und Übergreifende geführt. Am Ende werden mögliche und notwendige Schritte skizziert, die über den rein technologischen Diskurs hinausweisen. Zudem wird ein Ausblick auf künftige Möglichkeiten gegeben, die mit neuen Versionen von großen Sprachmodellen zusammenhängen. Mit dem Artikel liegt zum ersten Mal eine Gesamtschau zu den von Oliver Bendel initiierten Projekten vor, die sich toten, gefährdeten und ausgestorbene Sprachen widmen, darunter @ve (für Latein), @llegra (für Vallader) und kAIxo (für Baskisch) sowie Cleop@tr@ (Ägyptisch). Er kann über die Website des Verlags aufgerufen oder hier als PDF heruntergeladen werden.

Abb.: Oliver Bendel auf dem Nil (Foto: Stefanie Hauske)

Automatische Übersetzungen ins Deutsche auf X

X bietet nun automatische Übersetzungen englischsprachiger Tweets ins Deutsche an. Die Ergebnisse sind verheerend, wie eine Stichprobe zeigt. Der Tweet „The first image taken from the Moon’s far side, showing Earth rising beyond the lunar horizon, captured by Orion.“ wird übersetzt mit „Das erste Bild, das von der mondabgewandten Seite des Mondes aufgenommen wurde und den aufsteigenden Erdball jenseits des Mondhorizonts zeigt, aufgenommen von Orion.“ … Aus „HMND 01 Alpha received tasks via the SAP Joule agent layer” wird „HMND 01 Alpha hat Aufgaben über die SAP Joule Agent-Schicht erhalten“, aus „A landmark peer-reviewed study just dropped. Here’s what it found.“ wird „Eine bahnbrechende, peer-reviewed Studie ist gerade erschienen. Hier ist, was sie gefunden hat.“ Auffällig auch die Übersetzung von „Don’t throw your children’s drawings away!“: „Wegwerfen Sie nicht die Zeichnungen Ihrer Kinder!“ … Man findet also u.a. fehlerhafte Übertragungen und falsche Wortbildungen und insgesamt eine zu starke Orientierung an der englischen Syntax. Und fragt sich, ob das das Werk von Grok oder ein noch unbekanntes Experiment von Elon Musk ist.

Abb.: Ein Blick ins Wörterbuch würde helfen

SAGA Conference Program Now Available Online

The upcoming „SAGA: Sexuality and Generative AI“ symposium, taking place on April 30, 2026 at the Université du Québec à Montréal, explores how generative AI is reshaping intimacy, desire, relationships, and sexual expression. The first block, titled „Societal Impacts“, brings together a set of talks that examine how emerging technologies are already influencing human connection and cultural norms. Brian Willoughby (Brigham Young University, United States) opens with „Engagement with Romantic AI: Implications for Young Adult Dating and Relationships“, addressing how AI companions may alter expectations and behaviors in modern dating. Arnaud Anciaux (Université Laval, Canada) follows with „Toward a Great Bypass? Property, Consent, and Value Creation in AI-Generated Sexual Content“, focusing on legal and ethical questions around ownership and consent. Émilie Gaudet (Université de Montréal, Canada) contributes “AI-Generated Pornography and Problematic Pornography Use“, exploring the psychological and societal risks associated with synthetic sexual media. Finally, Oliver Bendel (FHNW School of Business, Switzerland) looks ahead in „Physical AI and the Future of Intimacy“, considering how embodied AI systems could transform intimate relationships. The program also features „Panel 1 – Technological Solutions to the Challenges of AI“, with contributions from Sophie Mortimer (UK Revenge Porn Helpline, United Kingdom), Alex Georges (AetherLab, United States), and Madelaine Thomas (Image Angel, United Kingdom), who discuss practical responses to harms such as non-consensual content and digital abuse. Overall, the symposium is structured into four thematic blocks and includes two panels, offering a compact yet wide-ranging exploration of one of the most sensitive and rapidly evolving intersections of technology and human life. The SAGA conference program is now available online and can be downloaded here.

Fig.: Sex toys are also being linked to AI

Die Sprache der Tiere

Ticro Goto ist Historiker und Ethnologe. Er studierte an der Kunsthochschule Kassel, der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Cyberfakte“ (2016), „Der Ewige Palast“ (2024) und „Kreativer Suizid: Rauchen, Hunger und die Lüge vom inneren Kind“. Er schreibt und forscht auch zu Schweinen und hat ihnen in seinem Buch „Seuchen“ ein ganzes Kapitel gewidmet. Mit Prof. Dr. Oliver Bendel war er im Gespräch über Tierethik, Maschinenethik und Tier-Maschine-Interaktion. Der Podcast erschien am 28. März 2026 auf kokos-und-zitrone.de. Zuletzt kamen dort Pero Mićić, Falco Aust und Gunter Dueck zu Wort. Auf seiner Website schreibt Ticro Goto: „Oliver Bendel und ich sprechen darüber, warum wir Maschinen bauen mussten, um zu beweisen, dass Tiere keine Maschinen sind. Über Mähroboter mit Gewissen und Schweine, die klüger sind als Hunde. Über KI, die Walgesang entschlüsselt und Fledertieren beim Streiten zuhört.“ Der Podcast mit dem Titel „Die Sprache der Tiere“ kann über kokos-und-zitrone.de/p/die-sprache-der-tiere angehört werden.

Abb.: Ein Kolibri in Santa Barbara

Zu Begriffsverwirrungen rund um KI und Robotik

Gaben sich bis vor kurzem noch alle als Experten für Künstliche Intelligenz (KI) aus, sind nun alle Experten für Robotik. Insgesamt ergeben sich Bedeutungsverschiebungen und Begriffsverwirrungen. So ist oft von KI die Rede, wenn eigentlich generative KI gemeint ist. Damit verbunden sind grundsätzliche Einschätzungen, die aber lediglich auf bestimmte KI-Systeme zutreffen. Weiterhin trifft man ständig auf „KI-Chatbots“. Allerdings basieren alle Chatbots auf Formen künstlicher Intelligenz. Früher gab es vor allem regelbasierte Systeme, heute setzt man auf ML- bzw. LLM-basierte (wobei „ML“ für „Machine Learning“ steht, „LLM“ für „Large Language Model“). Dennoch ist die alte Welt der symbolischen KI keineswegs untergegangen. Auch von „KI-Deepfakes“ und „AI Deepfakes“ hört man – dabei steht „Deep“ für „Deep Learning“, womit KI (genauer gesagt eine Form von Machine Learning) bereits angesprochen ist. Ebenfalls beliebt ist der Begriff des humanoiden Roboters. Es handelt sich dabei eigentlich um menschenähnlich gestaltete sensomotorische Maschinen. Zu ihnen gehören soziale Roboter wie NAO, Pepper und Alpha Mini ebenso wie Modelle, die als Allzweckroboter vermarktet werden, etwa Digit, Apollo und Figure 03. Allzweckroboter sind in aller Regel humanoide Roboter, aber nicht alle humanoiden Roboter sind Allzweckroboter – und dennoch wird allenthalben so getan. Auch der Begriff der Humanoiden verbreitet sich. Dieser ist allerdings bereits belegt, er ist breiter angelegt, denn er bezeichnet sowohl menschenähnliche Artefakte als auch menschenähnliche Lebewesen (etwa fiktive Aliens wie die Vulkanier). Man darf immer neue Begriffe einführen, man darf alte umdeuten. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn jahrzehntelange Bemühungen der Bestimmung und Klärung vorhanden sind und in den Fachgemeinschaften ein Konsens besteht. Man sorgt durch den unreflektierten Gebrauch nicht nur für Begriffsverwirrungen in der Gegenwart, sondern auch mit Blick in die Vergangenheit – ältere Texte werden mehr und mehr unverständlich, selbst wenn sie die Grundlagen von Robotik und Künstlicher Intelligenz darstellen.

Abb.: Der Wearable Social Robot Eiliko bei Sonnenuntergang

Social Robot Companions in the Learning Domain

The elective module „Soziale Roboter“ by Prof. Dr. Oliver Bendel will be held again from March 30 to April 1, 2026, at FHNW in Olten. It is primarily aimed at prospective business AI students, but students of information systems can also take part. Luca Marie Leisten has been invited as a guest speaker.  She is a third-year doctoral student in learning sciences and human-robot interaction at ETHZ and EPFL. With a background in psychology and social sciences, Luca’s research focuses on social robot companions in the learning domain. Specifically, she is interested in investigating the barriers and opportunities of social robot deployment as well as the perception of different robots. In this context, Luca is testing the long-term effects of affordable DIY robotic toolkits using a mix of quantitative and qualitative methods. Unitree Go2, Alpha Mini, Cozmo, Vector, AIBI, Eilik, Furby, Booboo, and Hugvie from Oliver Bendel’s private Social Robots Lab will also be on site. Social Robotics Girl, a so-called GPT specializing in this topic, will be available as a tutor throughout the event. Key works include „Soziale Roboter“ (2021) and „300 Keywords Soziale Robotik“ (2021). At the end of the elective module, students design social robots – also with the help of generative AI – that they find useful, meaningful, or simply attractive. The elective module has been offered since 2021 and is very popular at the university.

Fig.: Luca Marie Leisten

Assistive Glasses as a Case Study

The master’s thesis „Inclusive AI for Wearables: Assistive Glasses as a Case Study“, written by Myriam Rellstab at the FHNW School of Business, examines the concept and design potential of AI-supported assistive glasses as an inclusive form of wearable technology. The project is supervised by Prof. Dr. Oliver Bendel, whose research focuses on Inclusive AI and Inclusive Robotics, with additional input from Steve Weidel, a blind accessibility consultant. The research begins with a proposal phase in April 2026, followed by the main thesis work starting in summer or autumn 2026 and concluding in December 2026. The study investigates how AI-supported glasses could assist people with visual and hearing impairments by enhancing perception and accessibility, while also offering value for users without impairments. In this way, the work positions assistive glasses not as a purely medical device, but as an inclusive technology with broader relevance. Possible functions include real-time object recognition, speech-to-text transcription, environmental awareness, and contextual information overlays. A particular focus is placed on multimodal large language models, which enable the integration of visual, auditory, and textual data, as well as on vibration-based feedback systems that support non-visual and non-auditory interaction. Using assistive glasses as a case study, the thesis analyzes technological possibilities, user needs, and design considerations for inclusive AI wearables. It may include a conceptual system design, an exploration of use cases, and an evaluation of accessibility, usability, and ethical aspects. The aim is to develop a conceptual framework or prototype approach that demonstrates how inclusive AI wearables can be designed to benefit diverse user groups.

Fig.: Two women wearing futuristic glasses

A New Paper on Queering Sex Robots

A new article titled „Queering Sex Robots Beyond Diversifying Design? Insights from Queer Lacanian Psychoanalysis and New Materialism“ (van der Horst & Puzio, 2026) has been published in Philosophy & Technology. The authors argue that queering sex robots should go beyond diversifying their physical design and instead involve a broader reconsideration of sexuality, identity, and human-technology relations. The paper starts from a critique widely discussed in the literature: current sex robot models largely reproduce heteronormative and stereotypical representations of femininity. Similar observations and related arguments can be found in earlier contributions in the volume „Maschinenliebe“ (Bendel 2020). In that book, Tanja Kubes addresses the topic in her chapter „Queere Sexroboter“, while Oliver Bendel discusses transformations of gender and embodiment in „Trans-Formers“. Both contributions also refer to examples such as the Harmony robot from Realbotix/RealDollX. The main novelty of the new article lies in its theoretical framework, which combines Queer Lacanian psychoanalysis and New Materialism. Given the thematic overlap and the small number of publications on queer perspectives on sex robots, it is somewhat surprising that the earlier contributions in „Maschinenliebe“ are not referenced. This book is predominantly written in German, but in times of large language models this should hardly pose a barrier. Moreover, the chapters by Kubes and Bendel have already been cited in several English-language academic publications.

Abb.: Kokeshi aus dem Cybrothel (Foto: Cybrothel)

Chatbots for Inmates

Insassen in Schweizer Justizvollzugsanstalten haben nur begrenzten Zugang zu digitalen Technologien und wenig Kontakt zur Außenwelt. Zugleich verbringen sie jeden Tag einige Stunden in ihren Zellen. Das Projekt „Chatbots for Inmates“ (Kurztitel) will hier ansetzen: Ein LLM-basierter Chatbot soll als virtueller Buddy dienen, der Gespräche ermöglicht, Einsamkeit vermindert sowie soziale und digitale Kompetenzen stärkt. Das Projekt wurde von Tamara Siegmann, Gründerin des Start-ups SIEG – Smart Innovation Engineering Group by Siegmann und Studentin an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, initiiert. Sie ist Projektleiterin, Prof. Dr. Oliver Bendel Projektverantwortlicher, Stephan Vonschallen Projektmitarbeiter. Anwendungspartner ist die JVA Lenzburg mit ihrem Direktor Marcel Ruf. Der Chatbot soll offline auf Tablets der Gefangenen laufen. In einer Pilotphase wird die Lösung zunächst auf 2 oder 3, später auf 30 Tablets getestet. Es wird untersucht, ob ein digitaler Gesprächspartner das Wohlbefinden der Insassen verbessert und sie beim Aufbau von Kompetenzen für die Zeit nach der Haft unterstützt. Das Projekt hat am 1. März 2026 begonnen und wird durch einen Innovationsscheck von Innosuisse und das Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW unterstützt. Bereits 2024 haben Tamara Siegmann und Oliver Bendel ein Projekt zu Schweizer Gefängnissen durchgeführt und untersucht, ob man dort kollaborative und soziale Roboter einsetzen kann und soll. Das Paper kann hier heruntergeladen bzw. erstanden werden.

Abb.: Tamara Siegmann mit dem LLM-basierten Roboterkopf Furhat