Soziale Roboter bei der ICSR 2024 II

Die International Conference on Social Robotics (ICSR) wurde 2024 in Odense wie schon 2023 in Doha und 2022 in Florenz von einer ausgedehnten und sehenswerten Messe begleitet. Zugegen waren Roboter wie Navel (Navel Robotics), Furhat (Furhat Robotics), HospiBot (SDU Robotics, Universität zu Lübeck, Fachhochschule Kiel und weitere Partner) sowie TIAGo und TIAGo Pro (beide PAL Robotics). Furhat ist ein Kopf, in dessen Gesichtsmasken von innen Augen, Mund etc. projiziert werden. Es gibt unterschiedliche Gesichtsmasken, etwa von Erwachsenen, Kindern und Tieren. Ein Vorteil ist, dass überzeugend wirkende Mimik ohne die Hilfe von Motoren oder Displays umgesetzt werden kann. Verbunden ist der Roboterkopf mit einem Sprachmodell. Auf diese Weise kann er komplexe Gespräche führen und dabei umfangreiche Kenntnisse vorweisen. Erweitern kann man ihn zudem mit Perücken und Mützen – eine Form von Robot Enhancement.

Abb.: Der Furhat-Roboterkopf im Gespräch mit Tamara Siegmann

Soziale Roboter bei der ICSR 2024 I

Die ICSR wurde 2024 in Odense wie schon 2023 in Doha und 2022 in Florenz von einer ausgedehnten und sehenswerten Messe begleitet. Vor Ort waren Roboter wie Navel (Navel Robotics), Furhat (Furhat Robotics), HospiBot (SDU Robotics, Universität zu Lübeck, Fachhochschule Kiel und weitere Partner) sowie TIAGo und TIAGo Pro (beide PAL Robotics). Navel ist einem kleinen Jungen nachempfunden. Seine Augen bestehen aus zwei Komponenten, einem Display und einem darüberliegenden Glas, das die Augen auf dem Display plastisch erscheinen lässt. Die Arme sind einfach gestaltet und können nach oben und unten bewegt werden. Dadurch können Freude und Bedauern ausgedrückt und Begrüßungen begleitet werden. Navel wird in Krankenhäusern und Pflegeheimen eingesetzt. Er erhielt 2024 den Digital Health Award (DGP) von Novartis. Die Medien berichten rege über ihn, etwa das ZDF in Terra Xplore – Jasmina Neudecker war 2023 im Gespräch mit dem Gründer der Firma, Claude Toussaint.

Abb.: Oliver Bendel bei der ICSR 2024 mit Navel

Social, But Still Uncanny

The Uncanny Valley effect is a famous hypothesis. Whether it can be influenced by context is still unclear. In an online experiment, Katharina Kühne and her co-authors Oliver Bendel, Yuefang Zue, and Martin Fischer found a negative linear relationship between a robot’s human likeness and its likeability and trustworthiness, and a positive linear relationship between a robot’s human likeness and its uncaniness. „Social context priming improved overall likability and trust of robots but did not modulate the Uncanny Valley effect.“ (Abstract) Katharina Kühne outlined these conclusions in her presentation „Social, but Still Uncanny“ – the title of the paper – on 25 October 2024 at the International Conference on Social Robotics 2024 in Odense, Denmark. Like Yuefang Zue and Martin Fischer, she is a researcher at the University of Potsdam. Oliver Bendel teaches and researches at the FHNW School of Business. Together with Tamara Siegmann, he presented a second paper at the ICSR.

Fig.: Katharina Kühne during her talk

Modular Robotic Furniture

Friday morning of the ICSR 2024 (23 – 25 October 2024) was filled with an exciting and inspiring program. This included the Special Session Arts. The Robot Design Competition was organized as a parallel session. Fourteen projects of varying maturity were presented. There were three categories: „1. Innovative Idea: The entries, which are innovative but are in the early stages of conceptualization will be considered for this category; 2. Innovative Solution: The entries, which have demonstrated maturity of the proposed solution through prototypes will be considered for this category; 3. Innovative Product: The entries, which have targeted specific applications through a more matured robotics solutions as a potential product will be considered for this category.“ (Website ICSR) The judges included Amit Kumar Pandey (Rovial Space), Kimmo Vänni (Häme University of Applied Sciences HAMK), Mariacarla Staffa (University of Naples Parthenope), and Oliver Bendel (FHNW School of Business). The winner in the Innovative Solution category was „Modular Robotic Furniture“. The researchers presented adaptive furniture that is a side table one moment, a dining table for several people the next, and a container for dirty dishes or worn laundry the next.

Fig.: Dahyun Kang during her presentation

Honoring the Committee Members

Several honors and award ceremonies took place on the sidelines of the ICSR 2024 gala dinner. Members of the committees were called to the stage of the Anarkist – Beer and Food Lab. In 2024, the general chairs were Oskar Palinko and Leon Bodenhagen, both from the University of Southern Denmark. John-John Cabibihan, Qatar University, was general co-chair. The standing committee was chaired by Shuzhi Sam Ge, National University of Singapore. The program chairs included Kerstin Fischer, University of Southern Denmark, and the special session chairs included Ross Mead, Semio, USA. Competition chair was Amit Kumar Pandey, Rovial Space, France. The publicity chairs included Oliver Bendel, School of Business, University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland. The ICSR is, along with Robophilosophy, the most important conference on social robotics.

Fig.: Committee members on the stage (Photo: Tamara Siegmann)

„Robots in Prison“ at ICSR 2024

On October 24, 2024, Tamara Siegmann and Prof. Dr. Oliver Bendel (School of Business FHNW) presented their project „Robots in Prison“ at the ICSR in Odense (Denmark). They investigated whether collaborative and social robots can and should be used in prisons. One result was that modern industrial robots such as cobots and classic service robots such as transportation and cleaning robots hardly create any added value. Instead, they take work away from inmates. In contrast, social robots are conceivable and useful. They bring something to imprisonment that is common in freedom. And – an important point for resocialization – they can combat the loneliness of inmates. The International Conference on Social Robotics is the most important conference for social robotics alongside Robophilosophy. The paper „Social and Collaborative Robots in Prison“ will be published in a proceedings volume by Springer at the end of the year.

Fig.: Tamara Siegmann and Oliver Bendel at the ICSR 2024 (Photo: Katharina Kühne)

Urteil des BGH zur Panoramafreiheit bei Drohnenbildern

Am 23. Oktober 2024 hat der BGH ein neues Urteil gesprochen. Der NDR schrieb am selben Tag dazu: „Mithilfe von Drohnen gemachte Fotos öffentlich zugänglicher Kunstinstallationen sind nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) urheberrechtlich unzulässig. Die Drohnen-Aufnahmen seien nicht von der sogenannten Panoramafreiheit gedeckt.“ (NDR, 23. Oktober 2024) Bereits am 18. Oktober 2024 hatte der Sender in seinem Hamburger Studio Prof. Dr. Oliver Bendel zum Thema befragt. Der Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker hatte dafür plädiert, die Realität des modernen Menschen anzuerkennen, sein Cyborgdasein in der modernen Welt. Er trägt eine Brille, er steigt in Ballonen und Flugzeugen in den Himmel – und er steuert Drohnen durch die Lüfte. Ein Künstler muss damit rechnen, dass sein Kunstwerk im öffentlichen Raum aus allen Perspektiven wahrgenommen wird. Der BGH vermochte Gedankengängen dieser Art nicht zu folgen. Ein Ausschnitt aus dem Interview ist über die Website des NDR abrufbar.

Abb.: Diese Aufnahme von der Biennale di Venezia 2024 sollte legal sein

Startschuss für die Hochschule für Informatik FHNW

Alle vier Trägerkantone der FHNW haben im September und Oktober 2024 den Globalbeitrag von 204,7 Millionen Franken bewilligt. Dies meldete die Basler Zeitung am 16. Oktober 2024. Damit ist auch der Weg frei für die neue Hochschule für Informatik FHNW „mit Hauptstandort Brugg-Windisch und einem Nebenstandort in Basel“ (Basler Zeitung, 16. Oktober 2924). Sie soll Anfang 2025 gegründet werden und ihren Studienbetrieb im Herbst 2025 aufnehmen. Ab diesem Zeitpunkt soll sie die bestehenden Informatikstudiengänge der Hochschule für Technik FHNW übernehmen. In der Leistungsauftragsperiode 2025 – 2028 wird sie laut Plan weitere Aus- und Weiterbildungsangebote aufbauen sowie Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten entfalten. Ziel der neuen Hochschule ist es, in der Nordwestschweiz die von Wirtschaft und Verwaltung benötigten Informatiker aus- und weiterzubilden. Die Studiengänge und -angebote der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Wirtschaftsinformatik, Künstlicher Intelligenz und Robotik sind von dieser Neuerung nicht betroffen. Das Portfolio der HSW bleibt damit unverändert. Die Hochschule für Informatik FHNW wird die zehnte Hochschule unter dem Dach der Fachhochschule Nordwestschweiz sein.

Abb.: Eine Studentin am Campus Brugg-Windisch (Foto: Pati Grabowicz)

Chatbots und soziale Roboter als Freunde

Am Abend des 18. Oktober 2024 waren ZDF-Moderatorin Jasmina Neudecker und Prof. Dr. Oliver Bendel zu Gast im KörberHaus in Hamburg Bergedorf. Eingeladen hatte sie die Körber-Stiftung. Auf der Bühne sprachen sie über Beziehungen zu Chatbots, Sprachassistenten und sozialen Robotern. Oliver Bendel umgibt sich mit sozialen Robotern aller Art und erforscht sie aus technikphilosophischer, ethischer, ästhetischer und ontologischer Perspektive. Er entwickelt zusammen mit seinen Studenten und Studentinnen seit 2012 Chatbots und Sprachassistenten und pflanzt ihnen moralische Regeln ein. Zur Freundschaft hält er all diese Systeme nicht fähig. Dennoch können sie in bestimmten Situationen helfen, etwa wenn man sich einsam fühlt. Auch können sie, wie im Gespräch herausgearbeitet wurde, als Türöffner dienen. Nur müsse man, so Oliver Bendel, dann auch durch diese Tür treten. Und dort warten hoffentlich Menschen, mit denen man eine echte Freundschaft pflegen kann. Den Vortrag verfolgten zahlreiche Gäste vor Ort, zudem viele Benutzer im Livestream. Es gab so viele Fragen, dass überzogen werden musste. Beim gemeinsamen Umtrunk ging der Austausch dann weiter. Das Gespräch kann in der Mediathek der Körber-Stiftung aufgerufen werden.

Abb.: Jasmina Neudecker (Foto: ZDF/Frank Lübke, CC-Lizenz 4.0)

KI als Freund

Am 18. Oktober 2024 war Prof. Dr. Oliver Bendel zu Gast beim NDR in Hamburg. Vom Hotel im Gebäude der Elbphilharmonie war er am Morgen zum Studio in der Rothenbaumchaussee gefahren. Er sprach mit dem Moderator Philipp Cavert über Beziehungen zu Chatbots, Sprachassistenten und sozialen Robotern. Der Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker legte dar, dass diese Empathie und Emotionen zeigen, aber nicht im eigentlichen Sinne haben können. Die Benutzer reagieren wiederum mit Emotionen. Beziehungen dieser Art sind immer einseitig. Auf der anderen Seite ist nichts, was wirklich Interesse hat, was einen liebt oder hasst. Dennoch können Chatbots, Sprachassistenten und soziale Roboter in bestimmten Situationen helfen. So entwickelte Martin Spathelf unter der Betreuung von Oliver Bendel einen Sprachassistenten, der Astronauten auf einem Marsflug helfen könnte. Space Thea bewährte sich in sieben verschiedenen Szenarien und zeigte Empathie und Emotionen. Zusammen mit Tamara Siegmann untersuchte Oliver Bendel, ob man Roboter in Gefängnissen einsetzen kann und soll. Ein Befund war, dass sich Insassen soziale Roboter und Chatbots als Gesprächspartner wünschen. Mehr zum Gespräch – auf der Website betitelt mit „KI als Freund: Sinnvoll oder gefährlich?“ – findet sich über www.ndr.de/kultur/KI-als-virtueller-Freund-Sinnvoll-oder-gefaehrlich,ki312.html. Am Abend war Oliver Bendel dann im KörberHaus in Hamburg Bergedorf, wo er mit der ZDF-Moderatorin Jasmina Neudecker über dasselbe Thema diskutierte.

Abb.: Die Elbphilharmonie in Hamburg

Exposition Coloniale

Die Biennale di Venezia 2024 überzeugt u.a. mit dem deutschenserbischen („jugoslawischen“) und polnischen Pavillon. „Das Balkanland wird von Aleksandar Denić (Belgrad, 1963) vertreten, der sein Projekt im serbischen Pavillon ausstellt, der von Ksenija Samardžija kuratiert wird. Die Idee besteht darin, Räume und Orte des Transits, d. h. temporäre Wohnsitze, zu präsentieren, die zu sozialen Relikten oder Momenten der Angst werden, die eine Gesellschaft vermittelt, in der sich Fremde und Fremde immer wieder begegnen.“ (Website Finestre sull’Arte) Man kann in der „Exposition Coloniale“ aber auch einfach umhergehen und sich an den Relikten der Vergangenheit erfreuen, an einer Juxebox etwa, die tatsächlich funktioniert, an einer Telefonzelle oder an einem Fotoautomat. Manches wirkt wie aus der Zeit gefallen, anderes so, als wäre es gerade noch da gewesen. Die Ausstellung macht traurig und froh zugleich.

Abb.: Oliver Bendel im Fotoautomat

Quasihologramme auf der Biennale di Venezia

Die Biennale di Venezia 2024 überzeugt u.a. mit dem deutschen, serbischen („jugoslawischen“) und polnischen Pavillon. Im Schweizer Pavillon möchte Guerreiro do Divino Amor laut Pro Helvetia die bisher komplexeste und ehrgeizigste Installation seiner künstlerischen Laufbahn schaffen. Das Video „Das Wunder der Helvetia“ setze die Schweiz als Allegorie in Szene. Ein Korridor verbindet diesen Teil mit der Installation „Roma Talismano“. Hierbei handle es sich um einen phantasmagorischen Zwilling der römischen Zivilisation und zugleich „das über Jahrhunderte tradierte Symbol einer vermeintlichen moralischen, politischen und kulturellen Überlegenheit“. „Die brasilianische Künstlerin und Sängerin Ventura Profana verkörpert die Kapitolinische Wölfin, eine symbolträchtige, phantasmagorische Kreatur, die ein Lied singt über die Heldentaten der drei allegorischen Tiere – der Wölfin, des Lamms und des Adlers.“ (Website Pro Helevetia) In der Mitte des Raums erscheint Ventura Profana als Quasihologramm. Dafür werden 15 LED-Rotoren in einem Glaskasten verwendet. Auf Fotos offenbart sich die Technik, die gut mit Projektion oder Display konkurrieren kann.

Abb.: Das Hologramm von Ventura Profana

The Future Should Look Like the Future

Elon Musk presented the prototypes of his new Cybercab and his new Robovan in October 2024. In this context, he once again said: „The future should look like the future.“ (TechCrunch, 10 October 2024) This is an astonishing statement, because if you know a little about the history of robot and vehicle construction, you know that Elon Musk is orientating himself on ideas that were popular 20 to 80 years ago. Brass, copper, silver, gold, large surfaces – reminiscent of Elektro (1939) and his animal companion Sparko (1940) as well as futuristic vehicles such as Gil Spear’s Chrysler two-seater (1941). Science fiction and fantasy are also likely to play a role in the design of Tesla and co – think of steampunk and cyberpunk in general, and think of movies like „Metropolis“ (1927) and „I, Robot“ (2004). Elon Musk generally likes to mix ideas from fiction in his developments, for example the large language model called Grok, which takes its name from „Stranger in a Strange Land“ and is intended to fulfil claims formulated in „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. TechCrunch also points out the backward-looking nature of the Robovan: „The Robovan has a retro-futuristic look – somewhere between a bus from The Jetsons and a toaster from the 1950s. It features silver metallic sides with black details, and strips of light run-ning parallel to the ground along its sides, with doors that slide out from the middle.“ (TechCrunch, 10 October 2024) Robots and robotic vehicles could look very different in the 2020s.

Fig.: Ein „Metropolis“-Plakat

Zahlreiche Fachzeitschriften verletzen Persönlichkeitsrecht und Wissenschaftsfreiheit

Zahlreiche Fachzeitschriften verlangen in ihren Autorenrichtlinien eine sogenannte gender- oder geschlechtergerechte Sprache. Zum Teil schreiben sie sogar Gendersternchen oder Doppelpunkt im Wortinneren vor. Damit werden nicht nur die Regeln der deutschen Rechtschreibung, sondern auch Persönlichkeitsrecht und Wissenschaftsfreiheit – die man nicht nur als Abwehrrecht, sondern auch als Notwendigkeit in der integren wissenschaftlichen Praxis verstehen kann – verletzt. Beispiele sind Suchtmagazin aus der Schweiz, SUCHT aus Deutschland und IM+io, „das Fachmagazin des August-Wilhelm Scheer Instituts“, ebenfalls aus Deutschland, unter der Verantwortung des Herausgebers Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer. In den Autorenrichtlinien von IM+io heißt es: „Bitte gendern Sie mit dem Gender-Doppelpunkt. Anstelle von ‚Autor‘ bzw. ‚Autorin‘ also ‚Autor:in‘.“ Auf Nachfrage eines Autors hin wurden weitere Optionen eingeräumt, die Verwendung genderneutraler Begriffe oder ein erklärender Hinweis am Ende des Textes. Auf die Feststellung hin, dass generische Formen genderneutral seien, kam keine Antwort. Ein erklärender Hinweis wiederum, warum man keine Standardsprache verwendet, ist nicht nur unnötig, sondern unsinnig. Kein Mitglied einer Sprachgemeinschaft muss sich für den allgemeinen Sprachgebrauch rechtfertigen. Sich selbst beschreibt man übrigens mit generischen Ausdrücken: „Die Redaktion der IM+io besteht aus Wissenschaftlern, Fachredakteuren und Journalisten.“ (Website IM+io) Die genannte Fantasiesprache wird nicht nur von Hochschulen, Instituten, Verlagen und Herausgebern benutzt und gefördert, sondern auch von Internet- und IT-Konzernen wie X Corp. (X, vormals Twitter) und Microsoft (LinkedIn, Outlook).

Abb.: In der Chefetage eines IT-Konzerns (Bild: Ideogram)

Hat KI-Musik eine Seele?

Musikgeneratoren sind Audiogeneratoren, die Musik generieren. Dafür werden sie mit großen Datenmengen trainiert. Die KI-Systeme können Musikstücke komponieren und Musik produzieren, wobei sie bestimmte Stile und Stimmen imitieren können. Sie sind auch in der Lage, Songs zu remixen. Es sind zahlreiche Musikgeneratoren verfügbar, als Prototypen und Produkte, wie Soundraw, Boomy, Jukebox, AIVA und Mubert. Mit Audimee, Suno AI und Kits.ai kann man eigene Stimmen anlegen und trainieren. Auf TikTok fand sich im April 2023 ein neuer Musikclip der beiden kanadischen Sänger Drake und The Weeknd. Er wurde laut Golem vom Kanal ghostwriter977 veröffentlicht und ist nach Angaben des Benutzers mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt worden. Seitdem gab es mehrere weitere freundliche und feindliche Übernahmen von Stilen und Stimmen. Über dieses Thema, aber auch über die Konzerte von Miku Hatsune und die Voyage-Tour von ABBA, hat Bernd Lechler vom Deutschlandfunk mit Prof. Dr. Oliver Bendel – Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker aus Zürich – gesprochen. Entstanden ist die Sendung „Corso Spezial: Aura – Hat KI-Musik eine Seele?“, die am 3. Oktober 2024 ausgestrahlt wurde. Man kann sie über die DLF-Website und bei Spotify anhören.

Abb.: Eine Darstellung von Miku Hatsune (Bild: Ideogram)

Der Digital-Trust-Radar

Ende September 2024 wurde an der Hochschule für Wirtschaft FHNW ein Projekt abgeschlossen, das die Entwicklung eines Digital-Trust-Radars zum Ziel hatte. Gefördert wurde es von der Stiftung FHNW und vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Einen letzten Feinschliff erhält die Website nach den Benutzertests. Zum Hintergrund kann man sagen, dass immer mehr Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen zu künstlicher Intelligenz (KI) entstehen. Manche sind sehr allgemein, andere sehr konkret, bezogen auf einen Anwendungsbereich oder eine Nutzergruppe. Ein wesentlicher Aspekt bei der Durchführung von KI-Projekten und der Einführung von KI-Systemen ist Digital Trust. Die Entwickler müssen den Einrichtungen, die Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen zu künstlicher Intelligenz verantworten und vorlegen, vertrauen können, und sie müssen den Regeln selbst vertrauen können. Die Anbieter und Benutzer müssen beim Betrieb der KI-Systeme darauf vertrauen können, dass alle Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen beachtet wurden und das KI-System den Anforderungen entspricht. Die Endbenutzer müssen darauf vertrauen können, dass das KI-System den Anforderungen entspricht und es sich um vertrauenswürdige KI handelt. Der interaktive, webbasierte Digital-Trust-Radar schafft für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft spezifische Zugänge zu Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen, reichert sie mit Metainformationen an und fasst sie in aller Kürze zusammen. Das Projekt dauerte vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2024. Projektleiter war Prof. Dr. Oliver Bendel vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Brugg-Windisch. Co-Projektleiterin war Prof. Dr. Petra Asprion vom Competence Center Digital Trust an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Basel. Der Digital-Trust-Radar ist in der Beta-Version über radar.digitaltrust-competence.ch verfügbar.

Abb.: Studenten in Brugg-Windisch (Foto: Pati Grabowicz)

Around 70 International Organizations Demand the Break-up of the Large IT Groups

„The current model of the global digital economy is broken and dysfunctional, in part due to the stranglehold of a handful of powerful technology corporations who reap enormous profits while presiding over a growing and wide-ranging set of harms to people, society, the economy and the environment. A key source of these firms‘ unprecedented size and power is their control over essential digital services and infrastructure – granting them not only effective monopolies over markets such as advertising, retail, and social media, but also running the operating systems, software and cloud infrastructure that underpins much of the wider economy and many governments and businesses rely on.“ (Beyond Big Tech, September 2024) The executive summary of „Beyond Big Tech“ begins with these words. Under the heading „A positive vision for a new and fair digital economy“, the white paper states: „This white paper sets out an initial high-level framework for a long-term ‚Beyond Big Tech‘ agenda for states, policymakers, civil society, workers and other allies to dismantle these digital fiefdoms and encourage the emergence of a fair digital economy that is open, decentralised, and serves the common good, not just private profit.“ (Beyond Big Tech, September 2024) The document can be downloaded from www.lobbycontrol.de/wp-content/uploads/Beyond-Big-Tech-White-Paper.pdf.

Abb.: Big tech on the road

Herausgeberband „Pflegeroboter“ erreicht 500.000 Downloads

Der Sammelband „Pflegeroboter“ – Herausgeber ist der Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel aus Zürich – hat am 30. September 2024 eine halbe Million Downloads erreicht. Gezählt werden auf SpringerLink die Downloads des gesamten Werks sowie einzelner Kapitel. Dazu kommen Verkauf und Vertrieb über andere Plattformen und über Buchhandlungen (was in dieser Zahl nicht enthalten ist). Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das im November 2018 erschienene Buch ein Standardwerk zum Thema ist. In den letzten Jahren hat Oliver Bendel immer wieder das Verhältnis zwischen Servicerobotern und sozialen Robotern untersucht. Zudem wies er darauf hin, dass immer mehr Serviceroboter soziale Merkmale und Fähigkeiten erhalten, etwa Augen und Mund oder Töne, mit denen sie Emotionen ausdrücken können. Der 2021 veröffentlichte Band „Soziale Roboter“ geht auf solche Zusammenhänge und Entwicklungen ein. Das Buch „Pflegeroboter“ wurde in seiner Open-Access-Variante durch die Daimler und Benz Stiftung ermöglicht. Es kann hier kostenlos heruntergeladen oder in gedruckter Form kostenpflichtig bei Springer und im Buchhandel bestellt werden.

Abb.: Alpha Mini und Navel

Keynote bei der KI & Robotics4Retail-Konferenz

Am 25. September 2024 war der erste Tag der KI & Robotics4Retail-Konferenz 2024 in Bonn. Sie ist Teil des „ECR Tag 2024“, der im World Conference Center stattfindet. „Zahlreiche Praxisvorträge geben einen Einblick in die momentan wichtigsten KI- und Robotics-Themen im Handel und liefern wichtige Anregungen für Projekte im eigenen Unternehmen“ – so heißt es auf der Website. Die Keynote hielt Prof. Dr. Oliver Bendel zum Thema „Serviceroboter aus technischer, ökonomischer und ethischer Perspektive“. Aus der Beschreibung: „Serviceroboter haben sich als Reinigungs-, Transport- und Sicherheitsroboter verbreitet. Als Saug- und Wischroboter sind sie im Haushalt, am Flughafen und auf der Hotelanlage anzutreffen. Als Transportroboter fahren sie in der Fabrik und in Lagerhallen umher, verkehren im Restaurant zwischen Buffet und Küche oder bringen in Städten die Bestellungen zum Kunden. In der Form sozialer Roboter beraten und bedienen sie uns in Shopping Malls oder unterhalten unsere Kinder, während wir einkaufen. Vor der Tür stehen universelle Roboter, menschenähnliche Maschinen, die morgens in Produktion und Logistik helfen, nachmittags den Garten umgraben und abends mit uns Tennis spielen. Verbunden werden sie mit multimodalen Sprachmodellen, die ihre Steuerung und Wahrnehmung ermöglichen bzw. verbessern. Der Vortrag stellt Anwendungsfälle der genannten Art vor, ordnet sie aus technischer, wirtschaftlicher und ethischer Perspektive ein und wirft einen Blick in die Zukunft.“ Weitere Informationen über www.robotics-konferenz.de.

Abb.: Oliver Bendel bei seiner Keynote (Foto: EHI Retail Institute)

„The Animal Whisperer Project“ at ACI

The paper “The Animal Whisperer Project” by Oliver Bendel and Nick Zbinden will be presented at ACI 2024, which takes place in Glasgow this December. It is a conference that brings together the small community of experts in animal-computer interaction and animal-machine interaction. This includes Oliver Bendel, who has been researching in this field since 2012, with a background in animal ethics from the 1980s and 1990s. He initiated the Animal Whisperer project. The developer was Nick Zbinden, who graduated from the FHNW School of Business. From March 2024, three apps were created on the basis of GPT-4: the Cow Whisperer, the Horse Whisperer, and the Dog Whisperer. They can be used to analyze the body language, behaviour, and environment of cows, horses, and dogs. The aim is to avert danger to humans and animals. For example, a hiker can receive a recommendation on his or her smartphone not to cross a pasture if a mother cow and her calves are present. All he or she has to do is call up the application and take photos of the surroundings. The three apps are available as prototypes since August 2024. With the help of prompt engineering and retrieval-augmented generation (RAG), they have been given extensive knowledge and skills. Above all, self-created and labeled photos were used. In the majority of cases, the apps correctly describe the animals‘ body language and behavior. Their recommendations for human behavior are also adequate.

Abb.: The Cow Whisperer in action (Image: DALL-E 3)

Der Kontext des Uncanny-Valley-Effekts

Der Uncanny-Valley-Effekt ist eine berühmte Hypothese. Es ist bis heute unklar, ob er vom Kontext beeinflusst werden kann. Katharina Kühne hat mit ihren Mitautoren Oliver Bendel, Yuefang Zue und Martin Fischer in einem Onlineexperiment eine negative lineare Beziehung zwischen der Menschenähnlichkeit eines Roboters und seiner Sympathie und Vertrauenswürdigkeit gefunden, zugleich eine positive lineare Beziehung zwischen der Menschenähnlichkeit eines Roboters und seiner Unheimlichkeit. „Social context priming improved overall likability and trust of robots but did not modulate the Uncanny Valley effect.“ (Abstract) Die Schlussfolgerungen wird Katharina Kühne in ihrer Präsentation „Social, but Still Uncanny“ – so auch der Titel des Papers – bei der International Conference on Social Robotics 2024 in Odense (Dänemark) ziehen. Die Doktorandin forscht wie Yuefang Zue und Martin Fischer (Erstbetreuer) an der Universität Potsdam. Oliver Bendel (Zweitbetreuer) lehrt und forscht an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Er ist zusammen mit Tamara Siegmann mit einem zweiten Paper bei der ICSR vertreten.

Abb.: Letztes Jahr fand die ICSR in Doha statt

Social and Collaborative Robots in Prison

Tamara Siegmann and Prof. Dr. Oliver Bendel carried out the „Robots in Prison“ project in June and July 2024. The student, who is studying business administration at the FHNW School of Business, came up with the idea after taking an elective module on social robots with Oliver Bendel. In his paper „Love Dolls and Sex Robots in Unproven and Unexplored Fields of Application“, the philosopher of technology had already made a connection between robots and prisons, but had not systematically investigated this. They did this together with the help of expert interviews with the intercantonal commissioner for digitalization, several prison directors and employees as well as inmates. The result was the paper „Social and Collaborative Robots in Prison“, which was submitted to the ICSR 2024. The International Conference on Social Robotics is the most important conference for social robotics alongside Robophilosophy. The paper was accepted in September 2024 after a revision of the methods section, which was made more transparent and extensive and linked to a directory on GitHub. This year’s conference will take place in Odense (Denmark) from October 23 to 26. Last year it was held in Doha (Qatar) and the year before last in Florence (Italy).

Fig.: Tamara Siegmann with NAO