DALL-E 3 nähert sich Midjourney an

DALL-E in der Version 2 von OpenAI war zuletzt weit abgeschlagen. Mit Midjourney konnte es sich nicht messen, und sogar das niederschwellige Ideogram, eigentlich auf Schriften im Bild spezialisiert, übertraf es in einigen Aspekten. DALL-E 3 könnte dies ändern. Bei Tests, die der Ethiker und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel am Abend des 2. Oktober 2023 durchführte, gelangen einige Kunst- und Schmuckstücke. Allerdings zeigte sich auch deutlich, dass Füße und Hände immer noch eine Herausforderung für Bildgeneratoren darstellen. Auch Beine und Arme wirken oft unnatürlich. Mit Wasser kann DALL-E dagegen virtuos umgehen. Insgesamt scheinen die Prompts richtig gedeutet und gut umgesetzt zu werden. Kein Wunder, denn die Schnittstelle bildet ChatGPT. Es gibt die Prompts so an den Verwandten weiter, dass dieser sie verstehen kann, selbst wenn sich der Benutzer ungeschickt ausgedrückt oder verschrieben hat. Ausgegeben werden meistens zwei bis vier Kacheln mit 1024 mal 1024 Pixel. DALL-E 3 steht seit 2. Oktober 2023 über den Bing Image Creator bereit. Wie so oft bei Microsoft sind die Schreibweisen auf der Plattform falsch. Für die lange Dauer der Bilderstellung – zwischen 5 Minuten und einer Stunde – entschuldigt man sich mit den Worten: „Diese [!] ist unsere Schuld!“ …

Abb.: Ein von DALL-E 3 generiertes Bild einer Schnorchlerin

 

DALL-E 3 steht Allgemeinheit zur Verfügung

„Knapp eine Woche, nachdem OpenAI die neue Version von Dall-E 3 vorgestellt hat, steht sie nun über den Bing Image Creator zur kostenlosen Verfügung. Ursprünglich hatten die Entwickler angekündigt, das Tool nur für ChatGPT-Plus- und Enterprise-Kunden ab Anfang Oktober zu veröffentlichen.“ (Golem, 2. Oktober 2023) Dies meldete Golem am Spätnachmittag des 2. Oktober 2023. „Mit der Text-zu-Bild-KI verspricht OpenAI, Kenntnisse im Prompt Engineering überflüssig zu machen. Bei Dall-E 3 übernimmt ChatGPT diese Aufgabe und übersetzt die Bildbeschreibungen der Nutzer in Prompts, die für Dall-E 3 verständlich sind.“ (Golem, 2. Oktober 2023) Am Abend war das System zeitweise stark überlastet. Das Generieren eines Bildes dauerte 15 bis 30 Minuten. Erste Tests von Prof. Dr. Oliver Bendel verliefen erfolgversprechend. Die Qualität nähert sich Midjourney an, aber Füße und Hände sind immer noch eine Herausforderung … Auch eine moralische und rechtliche Dimension scheint es wieder zu geben: OpenAI legt „bei Dall-E 3 weiterhin Wert auf Sicherheit“ und „integriert Mechanismen, mit denen Missbrauch, Propaganda und Desinformationen“ (Golem, 2. Oktober 2023) vorgebeugt werden soll. Bei DALL-E 2 sorgte dies bereits für ärgerliche Einschränkungen, ebenso bei Ideogram. Man ist letztlich der Moral amerikanischer Machart ausgeliefert – dem neoviktorianischen Unternehmenskonservatismus, wie es ein KI-Experte im Austausch mit Oliver Bendel ausdrückte. DALL-E 3 zensiert ebenfalls, direkt bei den Prompts, und droht mit Konsequenzen bis hin zur Schließung des Accounts.

Abb.: Ein Mädchen springt vom Turm in den Pool (Bild: DALL-E 3)

Kyoto to Catwalk

Eine aktuelle Ausstellung im Museum Rietberg in Zürich stellt die Geschichte des Kimonos dar, des ikonischen Kleidungsstücks aus Japan, das schon früh einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat. „KIMONO – Kyoto to Catwalk“ präsentiert laut Website den Kimono nicht als statisch und unveränderlich, sondern als ein äußerst „dynamisches und modisches Kleidungsstück“. „Über 100 prachtvolle Kimonos, Malereien und Holzschnitte aus dem 18. bis 20. Jahrhundert wie auch extravagante Kreationen zeitgenössischer Modedesigner zeigen die künstlerische und ästhetische Bedeutung dieses Kleidungsstücks in historischen und zeitgenössischen Kontexten auf und veranschaulichen, wie der Kimono sowohl in Japan als auch im Westen seit dem 17. Jahrhundert die Mode beeinflusst hat.“ (Website Museum Rietberg) Problemlos könnte man diese Ausstellung im Virtuellen fortsetzen. Bildgeneratoren wie Ideogram scheinen den Kimono geradezu zu lieben und statten ihn auf opulente Weise aus. Im KI-Zeitalter interpretieren sie seine Schönheit auf eine neue Weise. Die Ausstellung läuft seit dem 23. September 2023 und geht bis zum 23. Januar 2024. Weitere Informationen über rietberg.ch/ausstellungen/kimono.

Abb.: Ideogram zeigt eine europäische Frau im Kimono

Der künstliche Barkeeper

„Diskrete Fertigung und Prozessautomation – das sind die Fokusthemen der messtec drives Automation. Durch Markt- und Branchenanalysen, Unternehmensporträts sowie Technologie- und Applikationsberichte gibt das Medienkonzept mit seinen Print- und digitalen Formaten neue Impulse!“ (Website Wiley) Mit diesen Worten wirbt das Magazin von Wiley auf seiner Website. In der Ausgabe 8/2023, erschienen am 2. Oktober 2023, ist der dreiseitige Artikel „Der künstliche Barkeeper“ von Prof. Dr. Oliver Bendel und Lea Peier enthalten. Es handelt sich um den Auftakt einer dreiteiligen Serie, die auf das Paper „How Can Bar Robots Enhance the Well-being of Guests?“ zurückgeht und die in den Ausgaben 8/2023, 9/2023 und 1/2024 abgedruckt wird. Im Fokus stehen Barroboter wie Barney Bar und Robobarista, die an der Hochschule für Wirtschaft FHNW erforscht werden. Im ersten Teil werden Industrieroboter, Serviceroboter und soziale Roboter erklärt. Dabei spielt das Modell mit den fünf Dimensionen eine Rolle. Zudem wird auf Roboter in der Gastronomie eingegangen und eine Übersicht über Barroboter gegeben. Zwei Fotos zeigen die genannten Modelle, die aus der Schweiz stammen. Das ganze Heft kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Robobarista von Smyze (Foto: Lea Peier)

Hohe Nachfrage nach Buch zu sozialen Robotern

Das Buch „Soziale Roboter“ (Hrsg. Oliver Bendel) hat auf SpringerLink ca. 225.000 Downloads erreicht, nach nicht einmal zwei Jahren. Es besteht aus fünf Teilen: „Grundlagen, -begriffe und -fragen“, „Soziale Robotik und andere Disziplinen“, „Gestaltung, Interaktion und Kommunikation“, „Anwendungsbereiche sozialer Roboter“ und „Die Zukunft sozialer Roboter“. Es sind, das Vorwort mitgezählt, 30 Beiträge, mit ca. 35 Abbildungen, bei ca. 570 Seiten. Der Untertitel lautet: „Technikwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche, philosophische, psychologische und soziologische Grundlagen“. Mit dabei sind führende Experten der Sozialen Robotik, der Robotik, der Künstlichen Intelligenz, der Soziologie, der Psychologie und der Philosophie. Sie lehren und forschen an Hochschulen in der Schweiz, in Deutschland, in Österreich, in Dänemark und in Schweden. Auch ein Hersteller ist vertreten, der über den Einsatz seines Produkts berichtet. Das Fachbuch ist Ende 2021 bei Springer Gabler erschienen und kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-31114-8 heruntergeladen oder bestellt werden. Zudem ist es in jeder Buchhandlung verfügbar.

Abb.: ARI von PAL Robotics bei der ICSR 2022

„Alpha Mini für die Schule“ wird ausgezeichnet

Andrin Allemann wurde für seine Bachelorarbeit „Alpha Mini für die Schule“ an der Hochschule für Wirtschaft FHNW ausgezeichnet. In dem Dokument, das von Prof. Dr. Regula Altmann-Jöhl (Direktorin) und Prof. Dr. Charlotte Hofstetter (Mitglied der Hochschulleitung) am 28. September 2023 unterschrieben wurde, heißt es: „Wir gratulieren Ihnen zum erfolgreichen Abschluss in Wirtschaftsinformatik (Bachelor of Science FHNW). Es freut uns Ihnen mitzuteilen, dass Sie unter allen Kandidatinnen und Kandidaten Ihres Studienjahrgangs die beste Bachelor-Arbeit erzielt haben.“ Das Projekt, dessen zentraler Bestandteil diese Arbeit war, fand von Februar bis August 2023 statt. Initiator und Betreuer war Prof. Dr. Oliver Bendel. Ziel war es, eine Lernanwendung mit einem kostengünstigen sozialen Roboter zu erstellen, der über die gleichen motorischen Fähigkeiten wie NAO und die gleichen Fähigkeiten zur Wissensvermittlung wie Pepper (der mit einem Display ausgerüstet ist) verfügt. Die Wahl fiel auf den kleinen Alpha Mini von Ubtech. Es war mit einigem technischen Aufwand möglich, ihn mit einem externen Gerät, einem Microsoft Surface, zu koppeln. Auf diesem läuft ein Lernspiel, das für den Unterricht in der Primarschule geeignet ist. In einem Video wird gezeigt, wie ein Mädchen die Lernanwendung ausprobiert und der soziale Roboter Feedback und Erklärungen gibt, in sprachlicher Form und mit Hilfe seiner mimischen und gestischen Fähigkeiten. Ebenfalls für die beste Bachelorarbeit wurde Dalil Jabou geehrt. Er hatte unter der Betreuung von Oliver Bendel @llegra entwickelt, einen Chatbot für Vallader.

Abb.: Alpha Mini macht Liegestützen

Article on the Ethical Challenges of AI-based Image Synthesis

The article „Image Synthesis from an Ethical Perspective“ by Prof. Dr. Oliver Bendel was submitted on 18 April and accepted on 8 September 2023. It was published on 27 September 2023. From the abstract: „Generative AI has gained a lot of attention in society, business, and science. This trend has increased since 2018, and the big breakthrough came in 2022. In particular, AI-based text and image generators are now widely used. This raises a variety of ethical issues. The present paper first gives an introduction to generative AI and then to applied ethics in this context. Three specific image generators are presented: DALL-E 2, Stable Diffusion, and Midjourney. The author goes into technical details and basic principles, and compares their similarities and differences. This is followed by an ethical discussion. The paper addresses not only risks, but opportunities for generative AI. A summary with an outlook rounds off the article.“ The article was published in the long-established and renowned journal AI & Society and can be downloaded here.

Fig.: Are there biases in image generators? (Image: Ideogram)

Das Zensieren beim Generieren

Ideogram schien im August 2023 als recht freier und freizügiger Bildgenerator zu starten. Inzwischen werden auffällig viele Bilder zensiert. Dabei ist gar nicht der Prompt entscheidend, sondern das Bild selbst. Wenn der Plattform beim Generieren auffällt, dass das Bild problematisch sein könnte, wird es nicht zu Ende gebracht, sondern durch eine Kachel mit einer Katze ersetzt, die ein Schild mit der Aufschrift «MAYBE NOT SAFE» in den Pfoten hält. Ein Prompt lautete: „Die Skulptur Galatea, die der schönen Aphrodite ähnelt, erschafft sich selbst, photo, cinematic“. Die Skulptur von Pygmalion sollte sich also selbst ermächtigen. Man sah die vier Bilder entstehen, bei zweien waren Brüste zu erkennen, für den Benutzer und auch die Plattform selbst, was offenbar dazu führte, dass die Bilder noch vor der Fertigstellung in die besagten Warnhinweise umgewandelt wurden. Unproblematisch dagegen nach wie vor die fotorealistischen Bilder von Frauen in freizügiger Pose, solange sie Bikinis oder Hotpants tragen. Genau hier scheint, wie bei anderen amerikanischen Plattformen auch, das Problem zu liegen, nämlich in der Sichtbarkeit der Brustwarzen, ganz egal, ob es sich um Menschen oder Skulpturen handelt. Ein weiterer Versuch ließ bei einem von vier Bildern genau diese erkennen, bis sie unter dem Fell der Katze verschwanden. Bei einer anderen Skulptur hatte Ideogram selbst die Brustwarzen abgedeckt, die eine mit ihrer Hand, die andere mit etwas Schmuck aus Lehm oder Stein. Ihr blieb das Schicksal der Schwester erspart.

Abb.: Mehr ist kaum möglich (Photo: Ideogram)

ChatGPT will See, Hear, and Speak

OpenAI reported on September 25, 2023 in its blog: „We are beginning to roll out new voice and image capabilities in ChatGPT. They offer a new, more intuitive type of interface by allowing you to have a voice conversation or show ChatGPT what you’re talking about.“ (OpenAI Blog, 25 September 2023) The company gives some examples of using ChatGPT in everyday life: „Snap a picture of a landmark while traveling and have a live conversation about what’s interesting about it. When you’re home, snap pictures of your fridge and pantry to figure out what’s for dinner (and ask follow up questions for a step by step recipe). After dinner, help your child with a math problem by taking a photo, circling the problem set, and having it share hints with both of you.“ (OpenAI Blog, 25 September 2023) But the application can not only see, it can also hear and speak: „You can now use voice to engage in a back-and-forth conversation with your assistant. Speak with it on the go, request a bedtime story for your family, or settle a dinner table debate.“ (OpenAI Blog, 25 September 2023) More information via openai.com/blog/chatgpt-can-now-see-hear-and-speak.

Fig.: ChatGPT will see you (Image: Ideogram)

Artifacts with Handicaps

The technology philosopher and writer Oliver Bendel published the book „ARTIFACTS WITH HANDICAPS“ on 24 September 2023. The information about the author reads: „Oliver Bendel featuring Ideogram and GPT-4“. In fact, the entire work was created with the help of generative AI. It consists of 11 images, each followed by a short story. This one deals with the imperfection of representation. Once a hand looks like that of a mummy, once a skateboard floats in the air above the wheels. But there is also one or another representation that looks perfect. In this case, the story explains what is different about the person, their history, or their behavior. Ultimately, it is about the otherness and the fact that this is in fact a special feature. The book is freely available and can be distributed and used as desired, with credit given to the authors, i.e. the artist and the AI systems. Oliver Bendel has been writing experimental literature, including digital literature, for 40 years. As of 2007, he was one of the best-known cell phone novelists in Europe. In 2010, he attracted attention with a volume of haiku – „handyhaiku“ – in which the poems were printed in the form of QR codes. In 2020, the volume „Die Astronautin“ was published, in which the poems are printed in the form of 3D codes. The standard work „Die Struktur der modernen Literatur“ („The Structure of Modern Literature“) by Mario Andreotti devotes two pages to the writer’s work.

Fig.: One of the images (Image: Ideogram)

Living Beings and Artifacts

The online event „Artificial Intelligence & Animals“ took take place on 16 September 2023. Speakers were Prof. Dr. Oliver Bendel (FHNW University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland), Yip Fai Tse (University Center for Human Values, Center for Information Technology Policy, Princeton University), and Sam Tucker (CEO VegCatalyst, AI-Powered Marketing, Melbourne). Panelists were Ian McDougall (Executive Vice President and General Counsel, LexisNexis London), Jamie McLaughlin (Animal Law Commission Vice President, UIA), and Joan Schaffner (Associate Professor of Law, George Washington University). Oliver Bendel „has been thinking on animal ethics since the 1980s and on information and machine ethics since the 1990s“. „Since 2012, he has been systematically researching machine ethics, combining it with animal ethics and animal welfare. With his changing teams, he develops animal-friendly robots and AI systems.“ (Website Eventbrite) Yip Fai Tse co-wrote the article „AI ethics: the case for including animals“ with Peter Singer. Sam Tucker is an animal rights activist.

Fig.: A frog in an artificial environment

Bei Kinderpuppen ist Vorsicht geboten

Den „F.A.Z. Podcast für Deutschland“ gibt es an jedem Werktag auf die Ohren. Redakteure und Moderatoren sind Corinna Budras, Livia Gerster, Felix Hoffmann, Kathrin Jakob, Sandra Klüber, Andreas Krobok, Kati Schneider, Simon Strauß und Theresa Weiß. Am 19. September 2023 sprach Simon Strauß mit Prof. Dr. Oliver Bendel über Liebespuppen und Sexroboter. Der Wirtschaftsinformatiker und Technikphilosoph ging dabei auf neuere Entwicklungen ein, nicht nur in technischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn nach seiner Beobachtung ist der Markt für Liebespuppen und Sexroboter durchaus nicht gesichert. Das BordDoll in Dortmund hat gerade seine Pforten geschlossen, angeblich wegen Personalmangels – denn die Puppenkörper müssen gut gereinigt und sicher verstaut werden. Vielleicht aber auch, weil die Nachfrage nach sechs Jahren gesunken ist. Auf den Seiten des führenden Anbieters für Sexroboter – RealDoll, Realbotix und Abyss Creations sind im Grunde eine Firma – muss man Harmony regelrecht suchen. Realbotix hat gar Denise in den Vordergrund gestellt, eine recht bieder wirkende Roboterfrau, die Besucher eher an der Rezeption eines Hotels als auf der Matratze eines Bordells empfangen soll. Deutlich wurde der Wirtschaftsinformatiker und Technikphilosoph in Bezug auf Kinderpuppen: Diese dürfen seiner Ansicht nach höchstens im Rahmen einer Therapie eingesetzt werden und nicht frei erhältlich und nutzbar sein. Es brauche empirische Forschung in diesem Bereich, die aber kaum stattfinde. Der Podcast „Sex mit Robotern: Wie KI unser Liebesleben revolutioniert“ steht über www.faz.net/podcasts/f-a-z-podcast-fuer-deutschland/sex-mit-robotern-wie-ki-unser-liebesleben-revolutioniert-19185247.html zur Verfügung.

Abb.: Bei Kinderpuppen ist Vorsicht geboten (Image: Ideogram)

Menschen verzeiht man, Maschinen nicht

Beim „Digital Ethics Summit“ am 14. September 2023 in Düsseldorf – keine Fachtagung, sondern eine populärwissenschaftliche und mediengetriebene Veranstaltung – trat u.a. der Germanist und Philosoph Richard David Precht auf. Er wird seitdem mit dem Satz „Wir verzeihen Maschinen nicht, was wir Menschen verzeihen müssen.“ zitiert. Dieser Gedanke tritt allerdings im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren und in anderen Zusammenhängen seit über zehn Jahren in unterschiedlichen Varianten auf. Die Süddeutsche Zeitung zitiert den Rechtswissenschaftler Eric Hilgendorf im Mai 2012 mit den Worten „Menschen verzeiht man Fehler, Robotern nicht“. In einem Interview mit dem Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel aus dem Jahre 2016, ausgehend von humanoiden Robotern mit hoheitlichen Aufgaben, heißt es: „Eine Möglichkeit ist, dass die Maschinen eines Tages so verlässlich und intelligent werden, dass wir ihnen vertrauen. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie wie wir Fehler machen, wir ihnen diese Fehler aber nicht verzeihen, nicht verzeihen können, weil es eben Maschinen sind.“ Im Artikel „Cloud am Steuer“ von 2014 wird er mit Blick auf autonome Autos mit den Worten zitiert: „Vielleicht würden die Menschen den Maschinen dann irgendwann auch mehr erlauben – und mehr verzeihen.“ In Artikeln und Interviews wies Oliver Bendel immer wieder darauf hin, dass man Menschen eher verzeiht als Maschinen und dass dies Folgen hat für die Akzeptanz des autonomen Fahrens, bei dem zwangsläufig Unfälle passieren. Eigentlich stammt die Diskussion aber aus den 1970er- und 1980er-Jahren. In seinem zweiten Studium in den 1990ern hat Oliver Bendel in einer Arbeit zur Informationsethik u.a. William Bechtel zitiert: „If we accept this result that some computers could be held responsible for their decisions if they were adaptable systems that learned to behave in particular ways in their environment, there will be conditions under which we will forgive them and not hold them responsible. These would be much the same as the circumstances under which we would cease to hold humans responsible.“ Schon damals hat sich Oliver Bendel dagegen verwahrt, dass Computer, KI-Systeme und Roboter Verantwortung übernehmen können.

Abb.: Das Interview im legendären YPS

BABYCLON, a Robotic Baby

The Copernicus Science Centre’s exhibition „The Future is Now“ helps to face and understand the challenges of today’s world in all its complexity. „It shows different technological solutions and encourages to look at them in a critical way. It also takes notice of the relationships between our personal values and the values of others.“ (CSC website) The exhibition is divided into three parts. Two of them can already be visited: „Digital Brain?“ and „Mission: Earth“. The last part („Human 2.0“) is scheduled to open on 15 October 2024. Part of the „Digital Brain“ („#Relationships“) is BABYCLON, a robotic baby. According to the organizers, this will allow visitors to test the uncanny valley effect on themselves. „Are we ready to meet our machine lookalikes? Not really. It turns out that the more indistinguishable from humans a robot is, the weirder feelings it evokes. See for yourself if the ‚uncanny valley‘ effect works on you.“ (CSC website) This is not exactly what the uncanny valley thesis means. It is about very high expectations of very human-like robots, which are then disappointed by, for example, Sophie’s weird smile or BABYCLON’s strange behavior. More information at www.kopernik.org.pl/en/education-and-information-campaigns/exhibition-future-today.

Fig.: The robot baby (Photo: Katharina Kühne)

Das BorDoll hat seine Pforten geschlossen

Das BorDoll in Dortmund hat im Sommer 2023 nach sechs Jahren seine Pforten geschlossen, anscheinend weil kein geeignetes Personal mehr für die Liebespuppen gefunden werden konnte. Es war über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden. Die Inhaberin, Evelyn Schwarz, stand auch der Wissenschaft Rede und Antwort. Ein Interview mit ihr ist in dem Buch „Maschinenliebe“ – herausgegeben von Oliver Bendel – erschienen. Geführt wurde es von Leonie Weber, die damals an der Universität Witten-Herdecke studierte und forschte. Sie hat auch mit einer Sexarbeiterin gesprochen und dadurch einem breiten Publikum wichtige Einblicke in die Sexarbeit geliefert, etwa zum Scheitern des sogenannten nordischen Modells. Evelyn Schwarz machte deutlich, dass viele junge, schüchterne Männer in ihr Etablissement kommen, wo sie sich für Fantasyfiguren interessieren, für Mangamädchen und Elfen. Über die Gründe kann man nur spekulieren, aber wahrscheinlich versuchen Fantasyfans, Gamer und Cosplayer, ihre Erlebnisse in der Fiktionalität und Virtualität in der Realität wiederzufinden. Wie aus dem BorDoll-Forum hervorgeht, wurden die Liebespuppen bereits alle verkauft, vermutlich an Puppenliebhaber, die in den eigenen vier Wänden ihrer Leidenschaft frönen wollen. In Deutschland wird damit das Cybrothel in Berlin zur ersten Adresse. Man darf gespannt sein, wie die Betreiber ihr Projekt, das zwischen Künstlichkeit und Kunst angesiedelt ist, immer wieder neu erfinden werden.

Abb.: Ein KI-generiertes Bild einer Liebespuppe (Bild: Ideogram)

Springer VS scheitert mit KI-generiertem Werk

Tai Tan Mai, Martin Crane und Marija Bezbradica von der Dublin City University veröffentlichten im Sommer 2023 bei Springer VS das Buch „Educational Data Mining und Learning Analytics: Ein maschinell generierter Forschungsüberblick“. Dessen Ziel ist es, einschlägige Artikel von Forschern zusammenzufassen. Es wird z.B. in der Schweiz in der gedruckten Version für 88.50 CHF angeboten. Stutzig macht bereits die Rubrik „About this book“, die orthografische und grammatikalische Fehler enthält. Wenn man durch das Buch blättert, kommen einem ständig solche Passagen entgegen: „Unter allen für die Bildung verfügbaren digitalen Ressourcen sind Massive Open Online Courses. (MOOC) als großartige Online-Tools, die den Lernprozess für jede Art von Inhalt erleichtern können.“ Über weite Strecken ergibt das Buch keinerlei Sinn. Das ist aber nicht das einzige Problem. Professor Marco Kalz von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg meldete sich am 15. September 2023 auf LinkedIn mit einem Artikel, in dem er einen Plagiatsverdacht äußerte: „After reading the text more intensively, which should be a summary of our paper according to the introduction, I had the impression that the text itself is not a summary, but a direct translation of our original publication. This left me really confused and I translated the so-called summary back into English to see that my initial impression was right. A large proportion of text is not summarized but just translated and put into this chapter without quoting the original text.“ Nach seiner Darstellung konfrontierte er den Verlag und die Autoren mit seinen Befunden, allerdings ohne Erfolg. In dem Artikel, der auch auf seiner Website unter dem Titel „AI destroys principles of authorship. A scary case from educational technology publishing.“ zu finden ist, nimmt er ausführlich Stellung zu dem Fall. Die drei Herausgeber schreiben in ihrem Vorwort: „Ein besonderer Dank gilt auch den Mitarbeitern von Springer Nature für ihre Mitarbeit bei der Erstellung des vorliegenden Werks.“ Um wen es sich dabei handelt, ist nicht ersichtlich – Lektoren sind nicht aufgeführt. Insgesamt muss man eher von einem Machwerk sprechen. Springer VS ist mit diesem KI-generierten Buch in jeder Hinsicht gescheitert.

Abb.: So stellt sich Ideogram das Cover vor

NASA ernennt Direktor für UAP-Erforschung

„Die Nasa hat einen neuen Direktor für die Erforschung unbekannter Phänomene. Das ist gut – außer für Alien-Gläubige. Es soll sachlicher werden. Und Ufo heißt jetzt UAP.“ Dies schreibt die ZEIT am 15. September 2023. Allerdings ist dieser Begriff schon seit einer Weile verbreitet. Der Beitrag von Oliver Bendel im Gabler Wirtschaftslexikon vom 28. Juni 2022 erklärt: „Unidentified Aerial Phenomena (UAPs), Nichtidentifizierte oder Unbekannte Luftphänomene, sind Himmelserscheinungen, die nicht sofort oder nicht ohne Weiteres identifiziert bzw. erklärt … werden können. Die meisten von ihnen stellen sich als bekannte Naturspektakel wie Polarlichter und Blitze oder als gewöhnliche Flugobjekte heraus. Nur wenige entziehen sich für längere Zeit einer fachlichen Einschätzung respektive wissenschaftlichen Erklärung. Im Volksmund spricht man im Englischen von Unidentified Flying Objects (UFOs), im Deutschen von Unbekannten Flugobjekten. Damit werden von Leichtgläubigen oft Außerirdische in Zusammenhang gebracht, die die Menschheit besuchen oder heimsuchen.“ Der ZEIT-Artikel stellt ganz richtig fest: „UAP steht für einen nüchternen, einen wissenschaftlichen Blick auf Berichte über Sichtungen am Himmel und in der Luft, die sich nicht zuordnen lassen.“ (ZEIT, 15. September 2023)

Abb.: Ein KI-generiertes Bild einer Astronautin (Bild: Ideogram)

Küss mich, KI!

„Der Fortschritt der Technik lässt unsere Beziehungen nicht unberührt: Sexroboter offerieren neue Formen der Befriedigung, Chatbots versprechen emotionale Nähe, quasi auf Knopfdruck. Kann die KI uns dadurch bieten, was wir sonst so schmerzlich vermissen – etwas mehr Leichtigkeit bei der Suche nach Intimität?“ Mit diesen Worten beginnt der Artikel „Küss mich, KI!“ von Antonia Siebeck im Philosophie Magazin. Zu Wort kommt Prof. Dr. Oliver Bendel, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt und sich weder in die Eutopie eines David Levy noch in die Dystopie einer Kathleen Richardson mitnehmen lässt. Den gelegentlichen Aufruf eines Chatbots wie Replika in der Adultversion oder den gelegentlichen Gebrauch eines Sexroboters wie Harmony hält er für unproblematisch. Problematisch wird es, wenn man die Beziehung für eine hält, die für beide Seiten etwas bedeutet. Das tut sie nicht, sie ist einseitig, auch wenn die Blickkontakte, die Unterhaltungen oder – man denke an Replika – die Tagebucheinträge dagegen zu sprechen scheinen. Die Maschine hat kein Interesse an dem ihr anvertrauten Menschen, sie fühlt nichts für ihn, sie macht sich nichts aus ihm, sie schert sich weder um eine gemeinsame Vergangenheit noch um eine gemeinsame Zukunft. Von daher stellt ein Kuss kein Problem dar, auch nicht der Akt, aber eine Liebe, die letztlich unerfüllt bleiben muss. Problematisch wird es zudem, wenn man Replika in der Virtualität demütigt und vergewaltigt und sich in der Realität des Stammtischs oder des Sportvereins damit brüstet. Denn dies ist eine Grenzüberschreitung, die ihre Folgen hat, ein Rollenspiel, das aus der Rolle fällt. Die Onlineausgabe des Magazins kann über https://www.philomag.de aufgerufen werden.

Abb.: Die erste Seite des dreiseitigen Artikels

In der Schweiz verkehren autonome Züge

Wie verschiedene Schweizer Medien melden, etwa Tages-Anzeiger und Watson, startet der Regionalverkehr Bern–Solothurn (RBS) im Oktober 2023 Testfahrten mit einem automatischen oder autonomen Zug. Dieser ist „nur auf Strecken unterwegs, wo es Leerfahrten gibt“ (Watson, 13. September 2023). Damit würde man laut Medien das geforderte Sicherheitsniveau erfüllen. „Den Testfahrten vorausgegangen seien – unter anderem zur Klärung dieser Frage – umfangreiche Abklärungen und Studien. Derzeit werde zusätzlich überprüft, ob eine Raumüberwachung des Bahnübergangs notwendig ist, der sich auf der Strecke zwischen dem Bahnhof Bätterkinden und dem Wendegleis befindet.“ (Watson, 13. September 2023) Weltweit verkehren viele U-Bahnen fahrerlos und weitgehend unfallfrei. Auch mit Shuttles, die auf virtuellen Schienen mit geringer Geschwindigkeit fahren, hat man seit Jahren gute Erfahrungen gemacht – hier wurde in der Schweiz mit dem SmartShuttle Pionierarbeit geleistet. Es liegt nahe, in diesem Land den Zugverkehr zu automatisieren. Ohne Zweifel wird in ein paar Jahren auch der Personentransport in dieser Form stattfinden.

Abb.: Ein Zug der SBB in Solothurn

Der interaktive, webbasierte Digital-Trust-Radar

Es entstehen immer mehr Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen zu künstlicher Intelligenz (KI). Manche sind sehr allgemein, andere sehr konkret, bezogen auf einen Anwendungsbereich oder eine Nutzergruppe. Ein wesentlicher Aspekt bei der Durchführung von KI-Projekten und der Einführung von KI-Systemen ist Digital Trust. Die Entwickler müssen den Einrichtungen, die Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen zu künstlicher Intelligenz verantworten und vorlegen, vertrauen können, und sie müssen den Regeln selbst vertrauen können. Die Anbieter und Benutzer müssen beim Betrieb der KI-Systeme darauf vertrauen können, dass alle Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen beachtet wurden und das KI-System den Anforderungen entspricht. Die Endbenutzer müssen darauf vertrauen können, dass das KI-System den Anforderungen entspricht und es sich um vertrauenswürdige KI handelt. Der interaktive, webbasierte Digital-Trust-Radar schafft für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft spezifische Zugänge zu Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen, fasst diese zusammen und bewertet sie. Dabei werden Bereiche wie Ethik und Recht, Cybersicherheit sowie Technik und Methodik unterschieden. Der Einstieg erfolgt über Themen, Branchen oder Rollen. Das Projekt dauert vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2024 und wird von der Stiftung FHNW sowie vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW gefördert. Projektleiter ist Prof. Dr. Oliver Bendel. Weitere Informationen sind über digitaltrust-competence.ch/projects erhältlich.

Abb.: So stellt sich Ideogram ein Magazin zu Digital Trust vor

Image Synthesis from an Ethical Perspective

The article „Image Synthesis from an Ethical Perspective“ by Prof. Dr. Oliver Bendel from Zurich has gone into production at Springer and will be published in a few weeks. From the abstract: „Generative AI has gained a lot of attention in society, business, and science. This trend has increased since 2018, and the big breakthrough came in 2022. In particular, AI-based text and image generators are now widely used. This raises a variety of ethical issues. The present paper first gives an introduction to generative AI and then to applied ethics in this context. Three specific image generators are presented: DALL-E 2, Stable Diffusion, and Midjourney. The author goes into technical details and basic principles, and compares their similarities and differences. This is followed by an ethical discussion. The paper addresses not only risks, but opportunities for generative AI. A summary with an outlook rounds off the article.“ The article will be published in the long-established and renowned journal AI & Society.

Fig.: The image of a woman generated with Ideogram

Roncalli zeigt Tiere als Hologramme

Wie Golem am 11. September 2023 meldete, zeigt der Zirkus Roncalli Tiere nur noch als Hologramme. Damit dürfte neben die berühmten ABBA-Shows mit ihren humanoiden ABBAtaren neue Spektakel mit animaloiden Darstellern treten. Es handelt sich wie bei „Voyage“ in London um Pseudo- oder Quasihologramme. Das Magazin schreibt hierzu: „Als technisch besonders herausfordernd habe sich dabei die Tatsache erwiesen, dass das Publikum im Zirkus in einer kreisförmigen Anordnung um die Show herum sitze. Um die verschiedenen Sichtperspektiven zu erfassen, kommen letztendlich elf um die Manege herum platzierte Hochleistungsbeamer zum Einsatz. Die hochauflösenden 3D-Bilder projiziere der Zirkus auf ein feinmaschiges Netz, das den Aufführungsraum umgebe und das, sobald das Licht ausgehe, nahezu unsichtbar sei.“ (Golem, 11. September 2023) Als Tierschützer hat sich Roncalli schon seit geraumer Zeit positioniert – nun kommt der Status des Technikförderers dazu. Tatsächlich haben Hologramme enormes Potenzial und dürften nicht nur Shows und Events, sondern auch die Zusammenarbeit in und zwischen Unternehmen sowie die Ausstattung von Smart Homes verändern. Zudem könnten sie – wie im Buchbeitrag „Hologram Girl“ beschrieben – zu neuen Objekten der Begierde werden.

Abb.: Ein mit Ideogram generiertes Bild eines Elefanten