„Die Sprachdominanz in der Schweiz ist deutlich: Über 60% der Bevölkerung spricht hauptsächlich Deutsch, Rätoromanisch hingegen geben gerade mal 0,5% als Hauptsprache an. Rumantsch Grischun hat in der Schweiz aber den Status einer Landessprache. Mit der 1982 geschaffenen Amtssprache kann man also mit den Behörden kommunizieren. Die knapp 41’000 rätoromanisch sprechenden Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz pflegen aber lokale Idiome mit eigener Grammatik und Wörterbüchern. Tief im Osten im Unterengadin etwa wird von rund 7000 Personen Vallader gesprochen – von Dorf zu Dorf wiederum mit unterschiedlichem Dialekt. Das Idiom sei gefährdet, sagt Oliver Bendel. Der Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat einen Chatbot publiziert, der helfen soll, die Sprachgemeinschaft zu unterstützen und Vallader zu bewahren.“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Thomas Schwendener in Inside IT, der am 21. Juli 2023 erschienen ist. Dass die Wahl auf Vallader fiel, hing mit mehreren Entscheidungen und Zufällen zusammen. Vallader ist zunächst einmal kein ganz kleines Idiom. Zudem stand eine Text-to-Speech-Engine der Firma Slowsoft zur Verfügung. Denn das Ziel war, einen erweiterten Chatbot mit Sprachausgabe – neben Texteingabe und -ausgabe – zu bauen. Nur mit einem solchen können Kinder und Jugendliche, die das Zielpublikum bilden, die Sprache erlernen. Die von Dalil Jabou implementierte, auf GPT-4 basierende @llegra dürfte die erste KI ihrer Art sein. Weitere Projekte dieser Art sollen folgen, mit Fokus auf gefährdeten und ausgestorbenen Sprachen.
Mit Liebespuppen und Sexrobotern beschäftigt sich Prof. Dr. Oliver Bendel seit 2013, beginnend mit dem Fachartikel „Dr. Robot entdeckt die Moral“, veröffentlicht in IT for Health. 2015 stellte er in seinem Beitrag „Surgical, Therapeutic, Nursing and Sex Robots in Machine and Information Ethics“ für das Buch „Machine Medical Ethics“ (Springer) die Lustmaschinen in eine Reihe mit anderen Robotern aus dem Gesundheitsbereich und betrachtete sie aus ethischer Sicht. Es folgten weitere Artikel und Buchbeiträge und 2020 das vielbeachtete Buch „Maschinenliebe“ (Springer Gabler). Zuletzt erschien „Sexroboter als soziale Roboter für unterschiedliche Bedürfnisse und Anliegen“ im Herausgeberband „Faktor Mensch“ (Springer Vieweg). Christoph Holz, ein Podcaster, unterhielt sich mit dem Informations- und Maschinenethiker über verschiedene Themen in den Bereichen Soziale Robotik, Künstliche Intelligenz und Ethik. Die erste Folge „Maschinenliebe aus philosophischer Sicht“ wurde am 19. Juli 2023 veröffentlicht. Sie kann über Spotify abgerufen werden.
„Die Aussage, dass KI Texte generieren kann, sagt etwas über das Verständnis von Texten aus. Worin aber unterscheiden sich menschengemachte und computergenerierte Texte und welche Geltungsansprüche können jeweils erhoben, bestritten oder eingelöst werden? Was erwarten, befürchten und erhoffen sich die einzelnen Wissenschaften, wenn in ihren Diskursen Texte rezipiert werden, die mit generativer Text-KI erzeugt wurden? Wie verändert sich der Umgang mit Quellen? Wie kann digitale Hermeneutik mit KI umgehen? Und welche Konsequenzen ergeben sich für die Kriterien von Wissenschaftlichkeit, Relevanz und Urheberschaft?“ (Programm ZEVEDI) Diesen und anderen Fragen geht die Tagung „KI – Text und Geltung. Wie verändern KI-Textgeneratoren wissenschaftliche Diskurse?“ nach, die am 25. und 26. August 2023 an der TU Darmstadt stattfindet. Es tragen u.a. Prof. Dr. Doris Weßels (Fachhochschule Kiel), Prof. Dr. Oliver Bendel (Fachhochschule Nordwestschweiz), Dr. Steffen Albrecht (Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag) und Prof. Dr. Christian Stöcker (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) vor. Das Programm kann hier abgerufen werden.
Abb.: Oliver Bendel in seinem Büro (Foto: Dominic Büttner)
Am 13. Juli 2023 tagte der Stiftungsrat der Daimler und Benz Stiftung im Carl-Benz-Haus in Ladenburg. Als Wissenschaftler mit dabei waren Prof. Dr. Hartmut Hillmer (Universität Kassel), Prof. Dr. Ralf Poscher (Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht) und – als Informations- und Maschinenethiker – Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW). Den Vorsitz hatte Renata Jungo Brüngger (Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG) inne. Am Abend hielt Korinna Hennig (Norddeutscher Rundfunk) – bekanntgeworden durch ihre Podcasts mit Prof. Dr. Christian Drosten – in Heidelberg den Vortrag „‚Schuld und Lüge‘ – Wissenschaftskommunikation und Vertrauen in Krisenzeiten“. Zudem wurde Dr.-Ing. Maren Scheel der Bertha-Benz-Preis 2023 verliehen, für ihre Doktorarbeit „Experimental Nonlinear Modal Analysis – Method development with particular focus on nonlinear damping“. „Sie hat ein innovatives Messverfahren entwickelt, mit dem gefährliche Schwingungen bei zusammengesetzten Strukturen – etwa bei Leichtbauteilen – vorhergesagt werden können. Die neue Methode eignet sich insbesondere für die Anwendung in der Luftfahrt, der Energieindustrie und im Automobilbau.“ (Website Daimler und Benz Stiftung) Den Vorstand der Stiftung bilden Prof. Dr. Julia Arlinghaus (Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung) und Prof. Dr. Lutz H. Gade (Universität Heidelberg). Geschäftsführer ist Dr. Jörg Klein.
Abb.: Beim Berliner Kolloquium 2019 (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„Die Webseite Techspot und der Guardian berichten, dass eine Gruppe von Verkehrsaktivisten mit dem Namen Safe Street Rebel in San Francisco eine lustige Art des Protestes gefunden hat, um autonom fahrende Autos von Waymo und Cruise außer Gefecht zu setzen: Sie setzen ihnen einfach Verkehrshütchen auf die Motorhaube.“ (Golem, 14. Juli 2023) Dies schrieb Golem am 14. Juli 2023. Prof. Dr. Oliver Bendel weist seit mehreren Jahren darauf hin, dass automatische und autonome Autos auf einfache Weise lahmgelegt werden können. Am 6. März 2018 fragte er in einem Artikel in einer Schweizer IT-Zeitschrift: „Scheitert autonomes Fahren an manipulierten Sensoren?“ … Eine Abschlussarbeit seines Studenten M. Hashem Birahjakli hat dann Methoden und Mittel systematisch zusammengestellt und untersucht. In einem Blogpost dazu heißt es: „The results of the work suggest that every 14-year-old girl or boy could disable a self-driving car. So far, hacking has been seen as the greatest threat to autonomous driving. But while not everyone can hack, almost everyone carries chewing gum or lipstick. The automotive industry should consider this threat seriously.“ Der Betreiber Waymo reagiert hilflos auf die Aktionen: „Ein Pressesprecher betonte, die Verkehrshütchenaktion zeuge von mangelndem Verständnis dafür, wie autonome Fahrzeuge funktionierten, und seien Vandalismus.“ (Golem, 14. Juli 2023) Tatsächlich wissen die Aktivisten sehr wohl, wie autonome Fahrzeuge funktionieren. Und genau das ist das Problem.
Abb.: So verwendet man Verkehrshütchen normalerweise
Am 14. Juli 2023 war die Abschlusspräsentation des Projekts „Little Teacher“, in dem Alpha Mini eine Hauptrolle spielt. Initiator war Prof. Dr. Oliver Bendel, der seit einem Vierteljahrhundert über Conversational Agents und soziale Roboter forscht. Andrin Allemann trug im Rahmen seiner Abschlussarbeit zum Projekt bei und hat die Implementierung durchgeführt. Alpha Mini ist in dieser Anwendung für die Schule oder das Lernen im Kinderzimmer gedacht. Er wurde mit einem Tablet bzw. Laptop (einem Microsoft Surface) verbunden. Er kann mit Hilfe von Bildern und Texten auf dem Display einfachen Lernstoff zu Geografie und Biologie vermitteln und die Kinder durch verbales, gestisches und mimisches Feedback motivieren. Es handelt sich also um einen kleinen Lehrer mit großen Möglichkeiten. Alpha Mini ist ein sozialer Roboter, der sich durch geringe Größe (und damit gute Transportfähigkeit) und weitgehende natürlichsprachliche und motorische Fähigkeiten auszeichnet. Er ist wesentlich günstiger als andere humanoide Roboter mit vergleichbaren Möglichkeiten. Allerdings hat er anders als Pepper kein integriertes Tablet. Im Projekt konnte gezeigt werden, dass eine Verbindung zwischen verschiedenen Komponenten einer Lernumgebung möglich ist und man damit Lernerfolg und Lernfreude unterstützen kann. Das Projekt war am 8. März 2023 gestartet. Projektabschluss ist am 11. August 2023. Bis dahin werden noch kleinere Fehler behoben und mehrere Tests durchgeführt. Die Ergebnisse werden in einem Paper veröffentlicht.
Der NDR wiederholt am 9. und 10. Juli 2023 die Sendung „Werden wir Roboter lieben?“, die auf ARTE in der Reihe „42 – Die Antwort auf fast alles“ am 19. Februar 2022 ausgestrahlt und von Nora Tschirner eingesprochen wurde. Es geht um soziale Roboter wie Sexroboter und um Vor- und Nebenformen wie Liebespuppen, zudem um andere Formen sozialer Roboter. Zu Wort kommen Prof. Dr. Peter Robinson, Computerwissenschaftler an der University of Cambridge, Dr. Hooman Samani, Robotiker an der University of Plymouth, Prof. Dr. Martin Fischer, Kognitionspsychologe an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Catrin Misselhorn, Philosophin an der Universität Göttingen, und Prof. Dr. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Er forscht seit fast 25 Jahren zu Conversational Agents und sozialen Robotern. 2020 hat er das Buch „Maschinenliebe“ herausgegeben, 2021 das Buch „Soziale Roboter“ … Weitere Informationen zur Sendung über www.ndr.de/fernsehen/42-Die-Antwort-auf-fast-alles,sendung1359076.html.
Abb.: Oliver Bendel bei ARTE mit Data (Foto: ARTE)
Seit März 2023 wird im Auftrag von Prof. Dr. Oliver Bendel der Chatbot @llegra für das rätoromanische Idiom Vallader entwickelt, das im Unterengadin zwischen Martina im Nordosten und Zernez im Südwesten sowie im Val Müstair auftritt und gefährdet ist. Der Entwickler Dalil Jabou hat auf das Sprachmodell GPT-4 gesetzt und alle wesentlichen technischen Probleme gelöst. Der Benutzer kann Text in Englisch, Deutsch oder Rätoromanisch eintippen und bekommt Text in Vallader ausgegeben. Zudem spricht @llegra das Idiom mit Hilfe eines Text-to-Speech-Systems der Firma SlowSoft aus Zürich. Ein kleiner Test mit einem Experten fand bereits statt und führte zu einer ersten Verbesserung. Oliver Bendel war am 9. Juli mit @llegra im Unterengadin unterwegs und suchte nach einer Testperson mit Vallader als Muttersprache. In Tarasp Fontana bei Scuol sprach er mehrere ältere Frauen an. Eine verwies auf eine Dame von vielleicht 78 Jahren, die sich in der Nähe befand und gerade vom Nordic Walking kam. Die Vallader-Sprecherin hörte sich die Antwort des Chatbots auf eine Frage zu Tarasp an und begann ungefragt, das Gesprochene ins Deutsche zu übersetzen. Dann wurde @llegra gefragt, ob sie Scuol kennt. Sie gab wiederum in Vallader eine längere Auskunft. Die ältere Dame bestätigte, dass die Aussprache gut und der Inhalt verständlich ist. Sie begann zu strahlen und fragte, ob es sich um künstliche Intelligenz handle. Oliver Bendel bestätigte dies, strahlte ebenfalls, fuhr weiter und ließ sich von @llegra in Scuol noch Informationen zum dortigen Museum d’Engiadina Bassa geben. Das Projekt wird im August 2023 abgeschlossen. Die Ergebnisse werden danach veröffentlicht.
Abb.: In einem Café beim Museum in Scuol mit @llegra
Ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon geht auf Kunstleder ein. Pflanzen- und Pilzleder wird ein eigener Abschnitt gewidmet: „Kunstleder aus Pflanzen (und ihren Früchten) oder Pilzen hat den Markt aufgemischt. Man verwendet u.a. Kakteen, Ananasblätter und Apfel- oder Traubenreste respektive das Wurzelgeflecht von Waldpilzen. Die Materialien können vielseitig verarbeitet werden, zu Hüllen, Börsen, Taschen, Gürteln und Schuhen sowie zu Kleidungsstücken wie Röcken und Jacken. Manche Shops bieten ausschließlich Produkte aus Kunstleder dieser Art an. Wie bei Echtleder ergeben sich mit der Zeit gewisse Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen, die durchaus gewünscht und anziehend sein können. Es sind die ersten biobasierten Kunstleder verfügbar, die ohne Kunststoff auskommen.“ Im letzten Abschnitt wird die Perspektive der Ethik eingenommen: „Die Lederherstellung und -verwendung ist umstritten, weil Tiere gehalten bzw. getötet werden müssen und das Gerben sowohl die Gesundheit von Menschen als auch die Umwelt belastet. Die Lederindustrie könnte dasselbe Schicksal ereilen wie die Pelzindustrie und den gleichen Auftrieb erhalten wie die Lebensmittelindustrie mit ihren Fleischimitaten aus Pflanzen oder aus dem Labor (In-vitro-Fleisch). Die Umweltethik untersucht zusammen mit der Tierethik die moralischen Implikationen von Tierhaltung, -tötung und -häutung, zusammen mit der Wirtschaftsethik die von Lederproduktion und -vertrieb.“ Der Beitrag von Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kunstleder-125517 aufgerufen werden.
„Umweltzerstörung ist die Zerstörung der natürlichen Umwelt von Mensch und Tier durch Menschen. Die Lebensbedingungen verschlechtern sich und die Ressourcen der Natur bzw. Arten und Lebewesen werden im Zuge von Rohstoffgewinnung, Landschaftsverbrauch und Übernutzung vernichtet bzw. ausgerottet und getötet. Umweltverschmutzung ist hingegen die Verschmutzung der natürlichen Umwelt von Mensch und Tier durch Menschen, etwa mit Schadstoffen und Abfällen. Sie kann in Umweltzerstörung münden. In beiden Fällen handelt es sich um Formen der Umweltbelastung und um Förderer von Klimawandel und Gefährder von Artenvielfalt.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon, der am 4. Juli 2023 erschienen ist. Im zweiten Abschnitt erfährt man einiges über Hintergrund und Entwicklung des Phänomens. Hingewiesen wird auf die Umweltzerstörung, die in der Antike stattfand. Auch auf die Industrialisierung ab dem 18. Jahrhundert wird eingegangen. Im dritten Abschnitt ist die Ethik im Spiel: „Die Wirtschaftsethik fragt nach den Grenzen des Wirtschaftswachstums und der Verantwortung von Unternehmen (Unternehmensethik) und Konsumenten (Konsumentenethik) in Bezug auf den Erhalt der natürlichen Umwelt. Technikethik und Informationsethik widmen sich zusammen mit den Ingenieurwissenschaften, einschließlich der Informatik und der Robotik, dem Umwelt- und Naturschutz mit technischen und computerbasierten Mitteln.“ Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/umweltzerstoerung-125516 abgerufen werden.
Abb.: Solche Landschaften wie auf Big Island müssen erhalten bleiben
„Das Büro (fr. ‚bureau‘: urspr. ‚Tuch‘, später ‚Amtsstube‘) ist der Arbeitsplatz bzw. der Arbeitsraum in einem Unternehmen oder einer Verwaltung. In ihm finden Denk-, Lese-, Schreib-, Zeichen- und Rechentätigkeiten statt, es wird mit Geräten interagiert und mit Menschen und Organisationen kommuniziert.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon, der am 4. Juli 2023 erschienen ist. Im zweiten Abschnitt heißt es: „Bürotätigkeiten im 21. Jahrhundert hängen fast vollständig von der Digitalisierung ab. Datenbrillen und 3D-Welten (darunter das Metaverse) gewinnen im Büro der Zukunft ebenso an Bedeutung wie generative KI. Experimentiert wird mit Hologrammen bzw. Pseudohologrammen als Avataren. In Großraumbüros erlauben Cube-Systeme, sozusagen Büros in Büros, die Durchführung von Audio- und Videokonferenzen sowie Minimeetings, ohne die Allgemeinheit zu stören. Ferner werden Zonen für weitere Bedürfnisse eingerichtet.“ Im dritten Abschnitt werden ethische Überlegungen angestellt: „Informationsethik und Wirtschaftsethik untersuchen die moralischen Implikationen der Bürotätigkeit und von Arbeit überhaupt, in Bezug auf Überwachung, Entfremdung, Ausbeutung und Ersetzung (u.a. durch Systeme der KI). Die Unternehmensethik beschäftigt sich außerdem mit Compliance-Fragen und mit Fragen von Diversity und Inclusion, etwa mit Blick auf die Barrierefreiheit.“ Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/buero-125514 abgerufen werden.
Synthetische Stimmen mit individuellen Zügen lebender Personen werden mehr und mehr für Trickbetrug verwendet. Ein solchen Fall gab es im Sommer 2023 im Aargau in der Schweiz. Ein Mann wurde von seiner vermeintlichen Frau angerufen, ohne dass er zunächst erkannte, dass es sich um eine mit Hilfe von Machine Learning generierte Stimme und damit um einen Trickbetrug handelte. Der Lokalsender Tele M1 interviewte am 4. Juli 2023 Prof. Dr. Oliver Bendel dazu, wie solche synthetischen Stimmen entstehen. Er forscht seit einem Vierteljahrhundert zu KI-Systemen und Robotern und seit sieben Jahren speziell auch zu synthetischen Stimmen. Grundsätzlich werden in solchen Fällen neuronale Netzwerke benutzt. Man kann sie mit der individuellen Stimme trainieren. Dafür braucht es 15 – 30 Minuten an Material. Die Zeit verkürzt sich auf wenige Sekunden, wenn man vorher ein Sprachmodell mit einigen tausend Stimmen trainiert hat und einige Voraussetzungen erfüllt sind. Die Resultate können so oder so täuschend echt sein. Oft sind aber nicht die gewohnten Hintergrundgeräusche vorhanden, oder es fehlen typische Verhaltensweisen der Person, etwa das Nasehochziehen oder ein Stühlerücken. Es lohnt sich also, gut hinzuhören und im Zweifel auch einen Rückruf zu verlangen. Mehrere Aussagen aus dem Interview wurden in den Beitrag „Schockanrufe: So gelangen die falschen Polizisten an die Stimmen der Opfer“ der abendlichen Nachrichtensendung aufgenommen. Weitere Informationen zum Sender über www.telem1.ch.
The Robotics Innovation Center (RIC) at the German Research Centre for Artificial Intelligence (DFKI) in Bremen wants to clear the seabed of discarded ammunition in the North Sea and Baltic Sea. This was reported by the online magazine Golem. The researchers are using the autonomous underwater vehicle Cuttlefish, developed at DFKI, as a test platform. According to Golem, the robot has been equipped with two deep-sea-capable gripper systems. These are designed to enable flexible handling of objects under water, even difficult objects such as explosive devices. The AI-based control system allows the robot to change its buoyancy and centre of gravity during the dive. According to the online magazine, the AUV is equipped with numerous sensors such as cameras, sonars, laser scanners, and magnetometers. This is how it is supposed to approach an object without colliding with it. The system will certainly be effective – whether it is efficient remains to be seen.
Das Schweizer Magazin Bref hat im Juni 2023 ein Interview mit Prof. Dr. Oliver Bendel abgedruckt. Es geht darin u.a. um künstliche Intelligenz, etwa um Sprachmodelle, die ChatGPT und Bildgeneratoren wie DALL-E zugrunde liegen – und eigenen Projekten wie @ve und @llegra. Mit diesen Chatbots sollen tote und gefährdete Sprachen wiederbelebt bzw. gerettet werden. In früheren Projekten pflanzten die Teams um Oliver Bendel den Chatbots im Kontext der Maschinenethik vor allem moralische Regeln ein. Gegen Ende des Interviews heißt es: „Wir sollten immer daran denken: Die KI ist ein Werkzeug. Wir haben es geschaffen und wir haben die Macht, es zu gestalten und zu kontrollieren. Als Maschinenethiker habe ich dafür gesorgt, dass unseren Chatbots moralische Regeln eingepflanzt werden, an die sie sich strikt halten. Sie erkennen Probleme des Benutzers, die wir vorausgesehen haben, verhalten sich ihm gegenüber moralisch adäquat und machen immer wieder deutlich, dass sie nur Maschinen sind. Das alles ist sehr verlässlich.“ Das Interview kann über brefmagazin.ch/artikel/der-digitale-graben-wird-durch-die-ganze-welt-gehen/ aufgerufen werden.
Abb.: Der Maschinenethiker Oliver Bendel (Foto: Shift/Louis Rafael)
For years there has been a trend to add social features to service robots, such as delivery, security and cleaning robots, and also to industrial robots, resulting in cobots. They do not usually become fully social robots, but they benefit from having eyes and mouths or making sounds – or from being able to get very close to people without hurting or hindering them. Amazon is riding this wave with its Proteus transport robot. It can be found in a huge department store in Reading, Massachusetts. A Wired editor writes about his first encounter with two Proteus models: „Their round eyes and satisfied grins are rendered with light emitting diodes. They sport small lidar sensors like tiny hats that scan nearby objects and people in 3D. Suddenly, one of them plays a chipper little tune, its mouth starts flashing, and its eyes morph into heart shapes. This means, I am told, that the robot is happy.“ (Wired, 26 June 2023) „Why would a robot be happy?“, asks the editor Sophie Li, a software engineer at Amazon. She explains that being able to express happiness can help Proteus work more effectively around people. „Proteus carries suitcase-sized plastic bins filled with packages over to trucks in a loading bay that is also staffed by humans. The robot is smart enough to distinguish people from inanimate objects and make its own decisions about how to navigate around a box or person in its path. But sometimes it needs to tell someone to move out of the way – or that it is stuck, which it does by showing different colors with its mouth. Li recently added the heart eyes to let Proteus also signal when it has completed a task as planned.“ (Wired, 26 June 2023) The market for real social robots is still in its infancy. Care and therapy robots, entertainment and toy robots, or sex robots – there is a constant up and down, with companies emerging and disappearing, products appearing and disappearing. It is uncertain whether all social robots will be needed. What is certain is that social features will help to improve modern industrial robots and classic service robots.
„Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bleibt Betreiber des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). Der zuständige Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung hat in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit auch in der nächsten Vertragslaufzeit von September 2023 bis August 2028 fortzusetzen.“ (Pressemitteilung Deutscher Bundestag, 21. Juni 2023) Dies meldete die Pressestelle des Deutschen Bundestags am 21. Juni 2023 in einer Pressemitteilung. Leiter des ITAS ist Prof. Dr. Armin Grunwald, einer der renommiertesten Technikphilosophen in Europa. Zuletzt legte das TAB laut Pressemitteilung eine Studie zu den Anwendungspotenzialen und möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen von KI-Systemen wie ChatGPT vor. „Weitere wesentliche Studien der letzten Monate beschäftigten sich mit den gesellschaftspolitischen und rechtlichen Herausforderungen von Data-Mining, dem Einfluss von Algorithmen in digitalen Medien auf die Meinungsbildung, den Herausforderungen von Beobachtungstechnologien im Bereich der zivilen Sicherheit oder den Innovationen des urbanen Holzbaus.“ (Pressemitteilung Deutscher Bundestag, 21. Juni 2023)
Abb.: Armin Grunwald und Oliver Bendel beim Berliner Kolloquium (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„Massenkonsum ist der Konsum von Massen von Waren durch Massen von Menschen. Es handelt sich um einen Aspekt der Massenproduktion und der Konsumgesellschaft. Von der Wirtschaft werden gezielt Bedürfnisse geweckt, etwa durch eine breite Werbung oder eine wechselnde Mode. Ihr Angebot gerät zum Überangebot und erlaubt den Konsumenten eine umfangreiche Auswahlmöglichkeit und eine lohnenswerte Schnäppchenjagd.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich. In einem zweiten Abschnitt wird auf Hintergrund und Entwicklung eingegangen, in einem dritten die ethische Perspektive eingenommen: „Umwelt- und Wirtschaftsethik widmen sich der Erzeugung von künstlichen Bedürfnissen im Zusammenhang mit Umweltzerstörung, Massentierhaltung und ungebremstem Wirtschaftswachstum und – vor allem in der Unternehmensethik – der Verantwortung von Unternehmen mit Blick auf die Massenproduktion. Die Konsumentenethik fragt nach der Verantwortung des Konsumenten, wobei der von ihm ausübbare Druck nicht nur in einer geänderten Nachfrage, sondern auch in der Propagierung einer veränderten Lebensweise und in Petitionen, Abstimmungen und Klagen bestehen kann.“ Der Beitrag ist am 20. Juni 2023 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/massenkonsum-125465 aufgerufen werden.
Der Beitrag „Mode“ ist am 20. Juni 2023 im Gabler Wirtschaftslexikon erschienen. Nach einer Einführung und der Darstellung von Geschichte und Hintergrund wird den Themenkomplexen „Mode und Wirtschaft“ und „Mode und Technik“ jeweils ein Abschnitt gewidmet. Im letzteren heißt es: „Wearables wie Smartphones, Smartwatches und Smartrings sowie Smartcams ergänzen Kopf, Körper und Kleidung. Datenbrillen bestimmen noch nicht den modernen und modischen Auftritt in der Öffentlichkeit, werden aber im Büro, in der Fabrik und im Haushalt immer selbstverständlicher. Kleidung selbst wird technifiziert und kann – Stichwort Smart Clothes – Strom leiten, der Eingabe und Erfassung dienen oder aber der Ausgabe, als Display für verschiedene Inhalte. Sie richtet sich zudem mit Mustern, 2D- oder 3D-Codes und Computerchips an Kameras, Sensoren und Systemen aus, um einerseits mit der Umgebung interagieren zu können, andererseits digitale Selbstverteidigung zu ermöglichen. Der Cyborg, der technische Strukturen in seine biologischen einpasst, sei es in invasiver (NFC-Chips) oder nichtinvasiver Form (smarte Kontaktlinsen, Datenbrillen), wird zum Anführer einer Mode des Transhumanismus und einer avantgardistischen Bewegung des Human Enhancement. Avatare und Hologramme als digitale Models verbannen die Mode in den Hintergrund und unterstreichen in virtuellen Umgebungen ihre Andersartigkeit in der Ähnlichkeit. Die Mode für soziale Roboter fällt in den Bereich des Robot Enhancement.“ Danach folgen Betrachtungen aus ethischer Perspektive. Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/mode-125144 aufgerufen werden.
Das Handelsblatt hat mit Prof. Dr. Oliver Bendel über Bio- und Bodyhacking und Human Enhancement gesprochen. Es ging vor allem um die Anwendung im Berufsleben, etwa im Büro oder in der Fabrik. Mehrere Aussagen des Technikphilosophen wurden in dem Artikel „Wie Mikrochips und smarte Brillen die Leistung im Job erhöhen können“ zitiert. Anwendungen dieser Art kann man vor allem dem Human Enhancement zurechnen. Über Bio- und Bodyhacking, Human Enhancement und Animal Enhancement sowie Cyborgs schreibt Oliver Bendel seit Jahren. Zudem hält er Vorträge zum Thema, wie bei der Architekturbiennale in Venedig im Jahre 2021 („Human and Animal Enhancement in the Context of Architecture“). Mit Studenten und Studentinnen probierte er 2017 im Silicon Valley die HoloLens von Microsoft aus. Für das Arbeitsleben sind seiner Meinung nach Datenbrillen relevant, smarte Kontaktlinsen sowie passive und aktive Exoskelette. Wichtig ist es, den Bedürfnissen der Arbeitnehmer Rechnung zu tragen und die Privat- und Intimsphäre aller Beteiligten und Betroffenen zu schützen. Der Artikel ist am 16. Juni 2023 erschienen und kann über www.handelsblatt.com/karriere/biohacking-wie-mikrochips-und-smarte-brillen-die-leistung-im-job-erhoehen-koennen/29202186.html aufgerufen werden.
Abb.: Studentinnen mit der HoloLens im Jahre 2017 bei Microsoft im Silicon Valley
Der Beitrag zum Thema „Darf man Maschinen wehtun?“ (alternativer Titel: „Dürfen wir Maschinen verletzen?“) läuft am 15. Juni 2023 ab 19.05 Uhr bei Deutschlandfunk Kultur. Für das Hintergrundgespräch stand Prof. Dr. Oliver Bendel zur Verfügung. Er wird auch zweimal in dem Beitrag zitiert. Der Technikphilosoph streicht gerne heraus, dass KI-Systeme und Roboter Meister im Simulieren sind. Sie simulieren Intelligenz, Moral und Bewusstsein. Zugleich ist ihm wichtig, auf den tiefen Graben zwischen Menschen und Maschinen hinzuweisen. Er besteht darin, dass diese nicht empfinden und leiden können, dass sie keine echte Moral (zu der ein freier Willen gehört) und kein echtes Bewusstsein (zu dem eine Haltung zur Welt oder zum Ich gehört, die oft mit Überraschung, Freude und Angst einhergeht) haben. Da sie nicht empfinden und leiden können, kann man ihnen nicht wehtun. Und man darf ihnen auch in einem bestimmten Sinne wehtun, d.h. man kann mit ihnen im Prinzip machen, was man will, ohne Rücksicht auf sie als moralische Objekte (die sie nicht sind). Moralische Objekte können natürlich die Besitzer oder Benutzer der KI-Systeme und Roboter sein. Deshalb sollte man nicht unbedingt einen sozialen Roboter vor den Augen seines Besitzers oder Benutzers zerlegen, so wenig wie man einen Teddybären vor den Augen des Jungen oder Mädchens zerlegen sollte, dessen Spielkamerad er ist. Oliver Bendel ist wichtig, dass Maschinen keine Rechte haben können, auch keine Würde. Werte kann man ihnen zuschreiben. Schon Pflanzen sind Maschinen in dieser Hinsicht voraus. Die Bundesverfassung der Schweiz „verlangt, im Umgang mit Tieren, Pflanzen und anderen Organismen der Würde der Kreatur Rechnung zu tragen“ (Website BAFU). Der Technikphilosoph hält diese Verfassungsnorm für einen rechtlichen und zivilisatorischen Fortschritt. Er ist dafür, sich weiter für Pflanzen und Tiere einzusetzen, nicht für Maschinen, so sehr er sich mit diesen verbunden fühlt. Das Programm des Senders kann über www.deutschlandfunkkultur.de/programm aufgerufen werden.
Das Buch „Soziale Roboter“ (Hrsg. Oliver Bendel) hat 200.000 Downloads erreicht, nach nur eineinhalb Jahren. Es besteht aus fünf Teilen: „Grundlagen, -begriffe und -fragen“, „Soziale Robotik und andere Disziplinen“, „Gestaltung, Interaktion und Kommunikation“, „Anwendungsbereiche sozialer Roboter“ und „Die Zukunft sozialer Roboter“. Es sind, das Vorwort mitgezählt, 30 Beiträge, mit ca. 35 Abbildungen, bei ca. 570 Seiten. Der Untertitel lautet: „Technikwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche, philosophische, psychologische und soziologische Grundlagen“. Mit dabei sind führende Experten und Expertinnen der Sozialen Robotik, der Robotik, der Künstlichen Intelligenz, der Soziologie, der Psychologie und der Philosophie. Sie lehren und forschen an Hochschulen in der Schweiz, in Deutschland, in Österreich, in Dänemark und in Schweden. Auch ein Hersteller ist vertreten, der über den Einsatz seines Produkts berichtet. Das Fachbuch ist Ende 2021 bei Springer Gabler erschienen und kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-31114-8 heruntergeladen oder bestellt werden. Zudem ist es in jeder Buchhandlung verfügbar.
Abb.: Oliver Bendel mit Pepper (Foto: Sara Zarubica)
Am 9. Juni 2023 ist die elektronische Version des Buchs „Assistive Technologien, technische Rehabilitation und Unterstützte Kommunikation“ erschienen. Einen Tag später folgte die gedruckte Ausgabe. Die Herausgeber sind Martin Groß, Birgit Hennig, Stefan Kappel und Frank Wallhoff. Enthalten ist darin der Beitrag „Therapieroboter aus ethischer Sicht“ von Oliver Bendel. Aus dem Abstract: „Der vorliegende Beitrag geht auf Therapieroboter ein. Diese werden wie Pflegeroboter als soziale Roboter verstanden. Es werden die Ziele, Aufgaben und Merkmale geklärt, es werden Beispiele gegeben, sowohl aus der Psychotherapie als auch aus der Ergo- und Physiotherapie, die etwa der orthopädischen und sportmedizinischen Rehabilitation dienen können, und es findet eine Diskussion aus Sicht der klassischen Bereichsethiken und der Maschinenethik statt. Deutlich wird, dass manche Antworten bereits heute geliefert werden können, andere jedoch noch empirischer Forschung und analytischer Arbeit bedürfen. Nicht zuletzt hängen einige von der sich entwickelnden Praxis ab, etwa davon, welche Rolle der Therapeut und Betreuer in Zukunft spielt, welcher Art die Therapieroboter sind und welche Verbreitung sie haben.“ Erwähnt werden – mit Blick auf Demente und Autisten – u.a. Paro, Keepon, QRrobot und Moxie. Das Buch ist über Springer oder eine beliebige Buchhandlung erhältlich.
Abb.: Paro beim Berliner Kolloquium 2019 (Foto: Daimler und Benz Stiftung)