Die Gendersprache hat sich durch die erfolgreiche Arbeit von Aktivisten und ihren lautstarken, haltungslosen oder ahnungslosen Mitläufern in Unternehmen, an Hochschulen, in den Medien, in den Verlagen und in den Behörden verbreitet. Von der Sprachgemeinschaft wird sie immer stärker abgelehnt, von Jungen wie Alten, Frauen wie Männern, Linken wie Rechten. Die seriöse, nichtaktivistische und nichtideologische Sprachwissenschaft war lange Zeit wie erstarrt, als wären Fundamentalisten über unser Kulturgut hergefallen und hätten es zerstört. Zerstört haben sie es bis heute nicht, aber beschädigt – dabei ist die Sprache nicht nur Kulturgut, sondern auch Kulturwerkzeug und stets in Gebrauch. Der Linguist Peter Eisenberg war einer der ersten, die öffentlich Widerspruch anmeldeten, wie auch der Betreiber von Belles Lettres, Daniel Scholten. 2021 erschien bei Springer das leicht verständliche Buch „Von Menschen und Mensch*innen“ von Fabian Payr, das inzwischen in der 2. Auflage vorliegt. Im Sommer 2023 folgten die „Studien zum genderneutralen Maskulinum“ von Eckhard Meineke im Universitätsverlag Winter. Der Professor i.R. für Geschichte der deutschen Sprache aus Jena liefert die bisher vollständigste und tiefgründigste Analyse generischer Formen und ideologischer Verformungen. Er lässt die genannten Experten und viele weitere Linguisten zu Wort kommen und seziert zugleich die unwissenschaftlichen Arbeiten der Genderfraktion. Auch zum Duden finden sich deutliche Worte: „In diesem Zusammenhang kann der ‚Duden‘ nicht länger als eine wissenschaftlich basierte, quasi-offizielle und vertrauenswürdige Instanz objektiver Sprachbeschreibung angesehen werden. Er ist ein Instrument feministischer Sprachpolitik. Hier wird mit suggestiven, falschen und sich selbst widersprechenden Angaben manipuliert.“ (Meineke 2023) Wenn man etwa „Bewohner“ nachschlägt, erhält man die Erklärung „männliche Person, die etwas bewohnt“. Am gleichen Ort werden unter den Beispielen „die Bewohner des Hauses“ angeführt. Damit wird die gerade gegebene Erklärung ad absurdum geführt, sofern auch weibliche Personen in einem Haus wohnen können. Meineke liefert solch anschauliches Material in Hülle und Fülle, nicht nur für Sprachwissenschaftler und Vertreter anderer Disziplinen, sondern auch für eine Sprachgemeinschaft, die viel klüger ist, als Aktivisten dies annehmen, und deren Sprachgebrauch sich trotz aller ideologischer Fehleinordnungen und moralischer Erhebungen durchsetzen wird. Ohne Zweifel wurde mit den „Studien zum genderneutralen Maskulinum“ das Standardwerk zum Thema geschaffen.
Abb.: Eintrag zu „Bewohner“ (Foto: Duden, invertierter Screenshot)
Erneut berichten Schweizer Medien über Trickbetrug mit synthetisierten Stimmen lebender Personen. Die Basler Zeitung interviewte am 7. August 2023 Prof. Dr. Oliver Bendel dazu, wie solche synthetischen Stimmen entstehen. Er forscht seit einem Vierteljahrhundert zu KI-Systemen und Robotern und seit sieben Jahren speziell auch zu synthetischen Stimmen. Grundsätzlich werden in solchen Fällen neuronale Netzwerke benutzt. Man kann sie mit der individuellen Stimme trainieren. Dafür braucht es 15 – 30 Minuten an Material. Die Zeit verkürzt sich auf wenige Sekunden, wenn man vorher ein Sprachmodell mit einigen tausend Stimmen trainiert hat und einige Voraussetzungen erfüllt sind. Zu diesen Voraussetzungen gehört, dass die individuelle Stimme einen Verwandten im Trainingsmaterial hat. Die Resultate können so oder so täuschend echt sein. Oft sind aber nicht die gewohnten Hintergrundgeräusche vorhanden, oder es fehlen typische Verhaltensweisen der Person, etwa das Nasehochziehen oder ein Stühlerücken. Es lohnt sich also, gut hinzuhören und im Zweifel auch einen Rückruf zu verlangen. Mehrere Aussagen aus dem Interview wurden in den Beitrag „Betrüger können mit KI die Stimmen lebender Personen imitieren“ aufgenommen, der am 9. August 2023 in der gedruckten Ausgabe der Basler Zeitung erschien. Bereits am Vortag war er in die Onlineauftritte von Tamedia aufgenommen worden.
Die HMD ist eine traditionsreiche Fachzeitschrift für Wirtschaftsinformatik. Diejenigen Schwerpunkthefte, die besonderes Interesse wecken, werden in der Edition HMD in Buchform nochmals aufgelegt, indem ihre Beiträge modifiziert, aktualisiert und dann gebündelt werden. Anfang August 2023 ist der Band „Robotik in der Wirtschaftsinformatik“ erschienen. Herausgeber sind Sara D’Onofrio und Stefan Meinhardt. Prof. Dr. Oliver Bendel ist mit seinem Beitrag „Serviceroboter als klassische und als soziale Roboter“ vertreten. Aus dem Abstract: „Serviceroboter verbreiten sich stark, vor allem in den Bereichen Sicherheit, Transport und Reinigung, aber auch in Pflege und Therapie. Soziale Roboter sind ebenfalls auf dem Vormarsch, als Companion Robots oder als Unterhaltungs- und Spielzeugroboter. Das vorliegende Kapitel liefert zunächst eine Definition und Einteilung von Servicerobotern. Zudem werden soziale Roboter erklärt, unter Verwendung einer Systematisierung, die als Abbildung umgesetzt wurde, und es wird auf Robot Enhancement verwiesen. Dann geht das Kapitel auf ausgewählte Typen von Servicerobotern ein. Es werden Merkmale behandelt und Beispiele genannt, bis hin zu konkreten Produkten und Einsatzorten. Bei jedem Typ wird die Frage gestellt, ob man manche Beispiele den sozialen Robotern zuordnen kann oder ob künftige Beispiele mit sozialen Fähigkeiten denkbar sind.“ Das Buch kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-39621-3 heruntergeladen bzw. bezogen werden.
Abb.: Oliver Bendel mit Alpha Mini (Foto: Pascal Mora)
Der Chatbot @llegra, mit dem man im rätoromanischen Idiom Vallader kommunizieren kann, wurde im Jahre 2023 auf Basis von GPT-4 entwickelt. Er kann Text verarbeiten und ausgeben und verfügt dank einer Text-to-Speech-Engine von SlowSoft über eine Sprachausgabe. Zusätzlich wurde er mit einer manuell erstellten Wissensbasis ausgestattet. Darin finden sich Sätze aus Kinderbüchern, die von der Lia Rumantscha bereitgestellt wurden. Zur Seite stand immer wieder die FH Graubünden, mit der man kollegial verbunden ist. Nach Inside IT und Tages-Anzeiger hat nun SRF über das Projekt berichtet, das von Prof. Dr. Oliver Bendel initiiert wurde. Der Informations- und Maschinenethiker ist Sponsor des Low-Budget-Projekts. Implementiert hat den Prototyp sein Student Dalil Jabou, der zahlreiche technische Schwierigkeiten gemeistert hat. Es werden bis 11. August 2023 noch laufend Verbesserungen durchgeführt. Der Beitrag kann hier aufgerufen werden.
Abb.: Bei der Shift erwähnte Oliver Bendel den Chatbot bereits (Foto: Shift/Louis Rafael)
The International Conference on Social Robotics (ICSR 2023) is, next to Robophilosophy, the most important conference on social robotics. The deadline for paper submission is approaching. „The 15th International Conference on Social Robotics (ICSR 2023) will bring together researchers and practitioners working on the interaction between humans and intelligent robots and on the integration of social robots into our society. ICSR 2023 will take place in Doha as a face-to-face conference on December 4-7, 2023. This will be the first time that the conference will be hosted in Qatar and in the Middle East and North Africa region.“ (Website ICSR) The theme of this year’s ICSR is „Human-Robot Collaboration: Sea, Air, Land, Space and Cyberspace“. According to the organizers, the theme emphasizes on all physical and cyber-physical domains where humans and robots collaborate. Papers can be submitted until August 21, 2023. Notifications will be made by September 18 of that year. More information via icsr23.qa.
Ausgestorbene und gefährdete Sprachen werden in erster Linie durch Audiokonservierung und die Sammlung und Digitalisierung von Schriften bewahrt und durch gezielte Maßnahmen zum Spracherwerb gefördert. Eine weitere Möglichkeit wäre die Entwicklung von Conversational Agents, die diese Sprachen beherrschen. Damit hätte man einen interaktiven Gesprächspartner, mit dem man auf eine andere Art und Weise lernt. Der Chatbot @llegra, mit dem man im rätoromanischen Idiom Vallader kommunizieren kann, wurde im Jahre 2023 auf Basis von GPT-4 entwickelt. Er kann Text verarbeiten und ausgeben und verfügt über eine Sprachausgabe. Zusätzlich wurde er mit einer manuell erstellten Wissensbasis ausgestattet. Nach Inside IT hat nun der Tages-Anzeiger, die wichtigste Schweizer Zeitung neben der NZZ, über das Projekt berichtet, das von Prof. Dr. Oliver Bendel initiiert wurde. Der Informations- und Maschinenethiker ist auch Sponsor des Low-Budget-Projekts. Implementiert hat den Prototyp sein Student Dalil Jabou, der zahlreiche technische Schwierigkeiten gemeistert hat. Es werden bis 11. August 2023 noch laufend Verbesserungen durchgeführt. Der Artikel kann hier aufgerufen werden.
„Anti-car activists have come up with a novel and effective way of disabling driverless vehicles owned by Waymo and Cruise in San Francisco: placing traffic cones on their hoods. It’s the work of a group called Safe Streets Rebel, which has launched a protest dubbed ‚Week of Cone‘.“ (Techspot, 11 July 2023) This was reported by Techspot on 11 July 2023. Prof. Dr. Oliver Bendel has been pointing out for several years that automated and autonomous cars can be crippled in a simple way. On 6 March 2018, in an article in a Swiss IT journal, he asked, „Does autonomous driving fail because of manipulated sensors?“ … A thesis by his student M. Hashem Birahjakli then systematically compiled and examined methods and means. A blog post about it states: „The results of the work suggest that every 14-year-old girl or boy could disable a self-driving car. So far, hacking has been seen as the greatest threat to autonomous driving. But while not everyone can hack, almost everyone carries chewing gum or lipstick. The automotive industry should consider this threat seriously.“ The operator Waymo reacts helplessly to the actions. According to the German magazine Golem, a press spokesman emphasized that the traffic cone action shows a lack of understanding of how autonomous vehicles work and is vandalism. In fact, the activists know very well how autonomous vehicles work. And that is precisely the problem.
„Die Sprachdominanz in der Schweiz ist deutlich: Über 60% der Bevölkerung spricht hauptsächlich Deutsch, Rätoromanisch hingegen geben gerade mal 0,5% als Hauptsprache an. Rumantsch Grischun hat in der Schweiz aber den Status einer Landessprache. Mit der 1982 geschaffenen Amtssprache kann man also mit den Behörden kommunizieren. Die knapp 41’000 rätoromanisch sprechenden Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz pflegen aber lokale Idiome mit eigener Grammatik und Wörterbüchern. Tief im Osten im Unterengadin etwa wird von rund 7000 Personen Vallader gesprochen – von Dorf zu Dorf wiederum mit unterschiedlichem Dialekt. Das Idiom sei gefährdet, sagt Oliver Bendel. Der Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat einen Chatbot publiziert, der helfen soll, die Sprachgemeinschaft zu unterstützen und Vallader zu bewahren.“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Thomas Schwendener in Inside IT, der am 21. Juli 2023 erschienen ist. Dass die Wahl auf Vallader fiel, hing mit mehreren Entscheidungen und Zufällen zusammen. Vallader ist zunächst einmal kein ganz kleines Idiom. Zudem stand eine Text-to-Speech-Engine der Firma Slowsoft zur Verfügung. Denn das Ziel war, einen erweiterten Chatbot mit Sprachausgabe – neben Texteingabe und -ausgabe – zu bauen. Nur mit einem solchen können Kinder und Jugendliche, die das Zielpublikum bilden, die Sprache erlernen. Die von Dalil Jabou implementierte, auf GPT-4 basierende @llegra dürfte die erste KI ihrer Art sein. Weitere Projekte dieser Art sollen folgen, mit Fokus auf gefährdeten und ausgestorbenen Sprachen.
Mit Liebespuppen und Sexrobotern beschäftigt sich Prof. Dr. Oliver Bendel seit 2013, beginnend mit dem Fachartikel „Dr. Robot entdeckt die Moral“, veröffentlicht in IT for Health. 2015 stellte er in seinem Beitrag „Surgical, Therapeutic, Nursing and Sex Robots in Machine and Information Ethics“ für das Buch „Machine Medical Ethics“ (Springer) die Lustmaschinen in eine Reihe mit anderen Robotern aus dem Gesundheitsbereich und betrachtete sie aus ethischer Sicht. Es folgten weitere Artikel und Buchbeiträge und 2020 das vielbeachtete Buch „Maschinenliebe“ (Springer Gabler). Zuletzt erschien „Sexroboter als soziale Roboter für unterschiedliche Bedürfnisse und Anliegen“ im Herausgeberband „Faktor Mensch“ (Springer Vieweg). Christoph Holz, ein Podcaster, unterhielt sich mit dem Informations- und Maschinenethiker über verschiedene Themen in den Bereichen Soziale Robotik, Künstliche Intelligenz und Ethik. Die erste Folge „Maschinenliebe aus philosophischer Sicht“ wurde am 19. Juli 2023 veröffentlicht. Sie kann über Spotify abgerufen werden.
„Die Aussage, dass KI Texte generieren kann, sagt etwas über das Verständnis von Texten aus. Worin aber unterscheiden sich menschengemachte und computergenerierte Texte und welche Geltungsansprüche können jeweils erhoben, bestritten oder eingelöst werden? Was erwarten, befürchten und erhoffen sich die einzelnen Wissenschaften, wenn in ihren Diskursen Texte rezipiert werden, die mit generativer Text-KI erzeugt wurden? Wie verändert sich der Umgang mit Quellen? Wie kann digitale Hermeneutik mit KI umgehen? Und welche Konsequenzen ergeben sich für die Kriterien von Wissenschaftlichkeit, Relevanz und Urheberschaft?“ (Programm ZEVEDI) Diesen und anderen Fragen geht die Tagung „KI – Text und Geltung. Wie verändern KI-Textgeneratoren wissenschaftliche Diskurse?“ nach, die am 25. und 26. August 2023 an der TU Darmstadt stattfindet. Es tragen u.a. Prof. Dr. Doris Weßels (Fachhochschule Kiel), Prof. Dr. Oliver Bendel (Fachhochschule Nordwestschweiz), Dr. Steffen Albrecht (Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag) und Prof. Dr. Christian Stöcker (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) vor. Das Programm kann hier abgerufen werden.
Abb.: Oliver Bendel in seinem Büro (Foto: Dominic Büttner)
Am 13. Juli 2023 tagte der Stiftungsrat der Daimler und Benz Stiftung im Carl-Benz-Haus in Ladenburg. Als Wissenschaftler mit dabei waren Prof. Dr. Hartmut Hillmer (Universität Kassel), Prof. Dr. Ralf Poscher (Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht) und – als Informations- und Maschinenethiker – Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW). Den Vorsitz hatte Renata Jungo Brüngger (Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG) inne. Am Abend hielt Korinna Hennig (Norddeutscher Rundfunk) – bekanntgeworden durch ihre Podcasts mit Prof. Dr. Christian Drosten – in Heidelberg den Vortrag „‚Schuld und Lüge‘ – Wissenschaftskommunikation und Vertrauen in Krisenzeiten“. Zudem wurde Dr.-Ing. Maren Scheel der Bertha-Benz-Preis 2023 verliehen, für ihre Doktorarbeit „Experimental Nonlinear Modal Analysis – Method development with particular focus on nonlinear damping“. „Sie hat ein innovatives Messverfahren entwickelt, mit dem gefährliche Schwingungen bei zusammengesetzten Strukturen – etwa bei Leichtbauteilen – vorhergesagt werden können. Die neue Methode eignet sich insbesondere für die Anwendung in der Luftfahrt, der Energieindustrie und im Automobilbau.“ (Website Daimler und Benz Stiftung) Den Vorstand der Stiftung bilden Prof. Dr. Julia Arlinghaus (Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung) und Prof. Dr. Lutz H. Gade (Universität Heidelberg). Geschäftsführer ist Dr. Jörg Klein.
Abb.: Beim Berliner Kolloquium 2019 (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„Die Webseite Techspot und der Guardian berichten, dass eine Gruppe von Verkehrsaktivisten mit dem Namen Safe Street Rebel in San Francisco eine lustige Art des Protestes gefunden hat, um autonom fahrende Autos von Waymo und Cruise außer Gefecht zu setzen: Sie setzen ihnen einfach Verkehrshütchen auf die Motorhaube.“ (Golem, 14. Juli 2023) Dies schrieb Golem am 14. Juli 2023. Prof. Dr. Oliver Bendel weist seit mehreren Jahren darauf hin, dass automatische und autonome Autos auf einfache Weise lahmgelegt werden können. Am 6. März 2018 fragte er in einem Artikel in einer Schweizer IT-Zeitschrift: „Scheitert autonomes Fahren an manipulierten Sensoren?“ … Eine Abschlussarbeit seines Studenten M. Hashem Birahjakli hat dann Methoden und Mittel systematisch zusammengestellt und untersucht. In einem Blogpost dazu heißt es: „The results of the work suggest that every 14-year-old girl or boy could disable a self-driving car. So far, hacking has been seen as the greatest threat to autonomous driving. But while not everyone can hack, almost everyone carries chewing gum or lipstick. The automotive industry should consider this threat seriously.“ Der Betreiber Waymo reagiert hilflos auf die Aktionen: „Ein Pressesprecher betonte, die Verkehrshütchenaktion zeuge von mangelndem Verständnis dafür, wie autonome Fahrzeuge funktionierten, und seien Vandalismus.“ (Golem, 14. Juli 2023) Tatsächlich wissen die Aktivisten sehr wohl, wie autonome Fahrzeuge funktionieren. Und genau das ist das Problem.
Abb.: So verwendet man Verkehrshütchen normalerweise
Am 14. Juli 2023 war die Abschlusspräsentation des Projekts „Little Teacher“, in dem Alpha Mini eine Hauptrolle spielt. Initiator war Prof. Dr. Oliver Bendel, der seit einem Vierteljahrhundert über Conversational Agents und soziale Roboter forscht. Andrin Allemann trug im Rahmen seiner Abschlussarbeit zum Projekt bei und hat die Implementierung durchgeführt. Alpha Mini ist in dieser Anwendung für die Schule oder das Lernen im Kinderzimmer gedacht. Er wurde mit einem Tablet bzw. Laptop (einem Microsoft Surface) verbunden. Er kann mit Hilfe von Bildern und Texten auf dem Display einfachen Lernstoff zu Geografie und Biologie vermitteln und die Kinder durch verbales, gestisches und mimisches Feedback motivieren. Es handelt sich also um einen kleinen Lehrer mit großen Möglichkeiten. Alpha Mini ist ein sozialer Roboter, der sich durch geringe Größe (und damit gute Transportfähigkeit) und weitgehende natürlichsprachliche und motorische Fähigkeiten auszeichnet. Er ist wesentlich günstiger als andere humanoide Roboter mit vergleichbaren Möglichkeiten. Allerdings hat er anders als Pepper kein integriertes Tablet. Im Projekt konnte gezeigt werden, dass eine Verbindung zwischen verschiedenen Komponenten einer Lernumgebung möglich ist und man damit Lernerfolg und Lernfreude unterstützen kann. Das Projekt war am 8. März 2023 gestartet. Projektabschluss ist am 11. August 2023. Bis dahin werden noch kleinere Fehler behoben und mehrere Tests durchgeführt. Die Ergebnisse werden in einem Paper veröffentlicht.
Der NDR wiederholt am 9. und 10. Juli 2023 die Sendung „Werden wir Roboter lieben?“, die auf ARTE in der Reihe „42 – Die Antwort auf fast alles“ am 19. Februar 2022 ausgestrahlt und von Nora Tschirner eingesprochen wurde. Es geht um soziale Roboter wie Sexroboter und um Vor- und Nebenformen wie Liebespuppen, zudem um andere Formen sozialer Roboter. Zu Wort kommen Prof. Dr. Peter Robinson, Computerwissenschaftler an der University of Cambridge, Dr. Hooman Samani, Robotiker an der University of Plymouth, Prof. Dr. Martin Fischer, Kognitionspsychologe an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Catrin Misselhorn, Philosophin an der Universität Göttingen, und Prof. Dr. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Er forscht seit fast 25 Jahren zu Conversational Agents und sozialen Robotern. 2020 hat er das Buch „Maschinenliebe“ herausgegeben, 2021 das Buch „Soziale Roboter“ … Weitere Informationen zur Sendung über www.ndr.de/fernsehen/42-Die-Antwort-auf-fast-alles,sendung1359076.html.
Abb.: Oliver Bendel bei ARTE mit Data (Foto: ARTE)
Seit März 2023 wird im Auftrag von Prof. Dr. Oliver Bendel der Chatbot @llegra für das rätoromanische Idiom Vallader entwickelt, das im Unterengadin zwischen Martina im Nordosten und Zernez im Südwesten sowie im Val Müstair auftritt und gefährdet ist. Der Entwickler Dalil Jabou hat auf das Sprachmodell GPT-4 gesetzt und alle wesentlichen technischen Probleme gelöst. Der Benutzer kann Text in Englisch, Deutsch oder Rätoromanisch eintippen und bekommt Text in Vallader ausgegeben. Zudem spricht @llegra das Idiom mit Hilfe eines Text-to-Speech-Systems der Firma SlowSoft aus Zürich. Ein kleiner Test mit einem Experten fand bereits statt und führte zu einer ersten Verbesserung. Oliver Bendel war am 9. Juli mit @llegra im Unterengadin unterwegs und suchte nach einer Testperson mit Vallader als Muttersprache. In Tarasp Fontana bei Scuol sprach er mehrere ältere Frauen an. Eine verwies auf eine Dame von vielleicht 78 Jahren, die sich in der Nähe befand und gerade vom Nordic Walking kam. Die Vallader-Sprecherin hörte sich die Antwort des Chatbots auf eine Frage zu Tarasp an und begann ungefragt, das Gesprochene ins Deutsche zu übersetzen. Dann wurde @llegra gefragt, ob sie Scuol kennt. Sie gab wiederum in Vallader eine längere Auskunft. Die ältere Dame bestätigte, dass die Aussprache gut und der Inhalt verständlich ist. Sie begann zu strahlen und fragte, ob es sich um künstliche Intelligenz handle. Oliver Bendel bestätigte dies, strahlte ebenfalls, fuhr weiter und ließ sich von @llegra in Scuol noch Informationen zum dortigen Museum d’Engiadina Bassa geben. Das Projekt wird im August 2023 abgeschlossen. Die Ergebnisse werden danach veröffentlicht.
Abb.: In einem Café beim Museum in Scuol mit @llegra
Ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon geht auf Kunstleder ein. Pflanzen- und Pilzleder wird ein eigener Abschnitt gewidmet: „Kunstleder aus Pflanzen (und ihren Früchten) oder Pilzen hat den Markt aufgemischt. Man verwendet u.a. Kakteen, Ananasblätter und Apfel- oder Traubenreste respektive das Wurzelgeflecht von Waldpilzen. Die Materialien können vielseitig verarbeitet werden, zu Hüllen, Börsen, Taschen, Gürteln und Schuhen sowie zu Kleidungsstücken wie Röcken und Jacken. Manche Shops bieten ausschließlich Produkte aus Kunstleder dieser Art an. Wie bei Echtleder ergeben sich mit der Zeit gewisse Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen, die durchaus gewünscht und anziehend sein können. Es sind die ersten biobasierten Kunstleder verfügbar, die ohne Kunststoff auskommen.“ Im letzten Abschnitt wird die Perspektive der Ethik eingenommen: „Die Lederherstellung und -verwendung ist umstritten, weil Tiere gehalten bzw. getötet werden müssen und das Gerben sowohl die Gesundheit von Menschen als auch die Umwelt belastet. Die Lederindustrie könnte dasselbe Schicksal ereilen wie die Pelzindustrie und den gleichen Auftrieb erhalten wie die Lebensmittelindustrie mit ihren Fleischimitaten aus Pflanzen oder aus dem Labor (In-vitro-Fleisch). Die Umweltethik untersucht zusammen mit der Tierethik die moralischen Implikationen von Tierhaltung, -tötung und -häutung, zusammen mit der Wirtschaftsethik die von Lederproduktion und -vertrieb.“ Der Beitrag von Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kunstleder-125517 aufgerufen werden.
„Umweltzerstörung ist die Zerstörung der natürlichen Umwelt von Mensch und Tier durch Menschen. Die Lebensbedingungen verschlechtern sich und die Ressourcen der Natur bzw. Arten und Lebewesen werden im Zuge von Rohstoffgewinnung, Landschaftsverbrauch und Übernutzung vernichtet bzw. ausgerottet und getötet. Umweltverschmutzung ist hingegen die Verschmutzung der natürlichen Umwelt von Mensch und Tier durch Menschen, etwa mit Schadstoffen und Abfällen. Sie kann in Umweltzerstörung münden. In beiden Fällen handelt es sich um Formen der Umweltbelastung und um Förderer von Klimawandel und Gefährder von Artenvielfalt.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon, der am 4. Juli 2023 erschienen ist. Im zweiten Abschnitt erfährt man einiges über Hintergrund und Entwicklung des Phänomens. Hingewiesen wird auf die Umweltzerstörung, die in der Antike stattfand. Auch auf die Industrialisierung ab dem 18. Jahrhundert wird eingegangen. Im dritten Abschnitt ist die Ethik im Spiel: „Die Wirtschaftsethik fragt nach den Grenzen des Wirtschaftswachstums und der Verantwortung von Unternehmen (Unternehmensethik) und Konsumenten (Konsumentenethik) in Bezug auf den Erhalt der natürlichen Umwelt. Technikethik und Informationsethik widmen sich zusammen mit den Ingenieurwissenschaften, einschließlich der Informatik und der Robotik, dem Umwelt- und Naturschutz mit technischen und computerbasierten Mitteln.“ Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/umweltzerstoerung-125516 abgerufen werden.
Abb.: Solche Landschaften wie auf Big Island müssen erhalten bleiben
„Das Büro (fr. ‚bureau‘: urspr. ‚Tuch‘, später ‚Amtsstube‘) ist der Arbeitsplatz bzw. der Arbeitsraum in einem Unternehmen oder einer Verwaltung. In ihm finden Denk-, Lese-, Schreib-, Zeichen- und Rechentätigkeiten statt, es wird mit Geräten interagiert und mit Menschen und Organisationen kommuniziert.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon, der am 4. Juli 2023 erschienen ist. Im zweiten Abschnitt heißt es: „Bürotätigkeiten im 21. Jahrhundert hängen fast vollständig von der Digitalisierung ab. Datenbrillen und 3D-Welten (darunter das Metaverse) gewinnen im Büro der Zukunft ebenso an Bedeutung wie generative KI. Experimentiert wird mit Hologrammen bzw. Pseudohologrammen als Avataren. In Großraumbüros erlauben Cube-Systeme, sozusagen Büros in Büros, die Durchführung von Audio- und Videokonferenzen sowie Minimeetings, ohne die Allgemeinheit zu stören. Ferner werden Zonen für weitere Bedürfnisse eingerichtet.“ Im dritten Abschnitt werden ethische Überlegungen angestellt: „Informationsethik und Wirtschaftsethik untersuchen die moralischen Implikationen der Bürotätigkeit und von Arbeit überhaupt, in Bezug auf Überwachung, Entfremdung, Ausbeutung und Ersetzung (u.a. durch Systeme der KI). Die Unternehmensethik beschäftigt sich außerdem mit Compliance-Fragen und mit Fragen von Diversity und Inclusion, etwa mit Blick auf die Barrierefreiheit.“ Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/buero-125514 abgerufen werden.
Synthetische Stimmen mit individuellen Zügen lebender Personen werden mehr und mehr für Trickbetrug verwendet. Ein solchen Fall gab es im Sommer 2023 im Aargau in der Schweiz. Ein Mann wurde von seiner vermeintlichen Frau angerufen, ohne dass er zunächst erkannte, dass es sich um eine mit Hilfe von Machine Learning generierte Stimme und damit um einen Trickbetrug handelte. Der Lokalsender Tele M1 interviewte am 4. Juli 2023 Prof. Dr. Oliver Bendel dazu, wie solche synthetischen Stimmen entstehen. Er forscht seit einem Vierteljahrhundert zu KI-Systemen und Robotern und seit sieben Jahren speziell auch zu synthetischen Stimmen. Grundsätzlich werden in solchen Fällen neuronale Netzwerke benutzt. Man kann sie mit der individuellen Stimme trainieren. Dafür braucht es 15 – 30 Minuten an Material. Die Zeit verkürzt sich auf wenige Sekunden, wenn man vorher ein Sprachmodell mit einigen tausend Stimmen trainiert hat und einige Voraussetzungen erfüllt sind. Die Resultate können so oder so täuschend echt sein. Oft sind aber nicht die gewohnten Hintergrundgeräusche vorhanden, oder es fehlen typische Verhaltensweisen der Person, etwa das Nasehochziehen oder ein Stühlerücken. Es lohnt sich also, gut hinzuhören und im Zweifel auch einen Rückruf zu verlangen. Mehrere Aussagen aus dem Interview wurden in den Beitrag „Schockanrufe: So gelangen die falschen Polizisten an die Stimmen der Opfer“ der abendlichen Nachrichtensendung aufgenommen. Weitere Informationen zum Sender über www.telem1.ch.
The Robotics Innovation Center (RIC) at the German Research Centre for Artificial Intelligence (DFKI) in Bremen wants to clear the seabed of discarded ammunition in the North Sea and Baltic Sea. This was reported by the online magazine Golem. The researchers are using the autonomous underwater vehicle Cuttlefish, developed at DFKI, as a test platform. According to Golem, the robot has been equipped with two deep-sea-capable gripper systems. These are designed to enable flexible handling of objects under water, even difficult objects such as explosive devices. The AI-based control system allows the robot to change its buoyancy and centre of gravity during the dive. According to the online magazine, the AUV is equipped with numerous sensors such as cameras, sonars, laser scanners, and magnetometers. This is how it is supposed to approach an object without colliding with it. The system will certainly be effective – whether it is efficient remains to be seen.
Das Schweizer Magazin Bref hat im Juni 2023 ein Interview mit Prof. Dr. Oliver Bendel abgedruckt. Es geht darin u.a. um künstliche Intelligenz, etwa um Sprachmodelle, die ChatGPT und Bildgeneratoren wie DALL-E zugrunde liegen – und eigenen Projekten wie @ve und @llegra. Mit diesen Chatbots sollen tote und gefährdete Sprachen wiederbelebt bzw. gerettet werden. In früheren Projekten pflanzten die Teams um Oliver Bendel den Chatbots im Kontext der Maschinenethik vor allem moralische Regeln ein. Gegen Ende des Interviews heißt es: „Wir sollten immer daran denken: Die KI ist ein Werkzeug. Wir haben es geschaffen und wir haben die Macht, es zu gestalten und zu kontrollieren. Als Maschinenethiker habe ich dafür gesorgt, dass unseren Chatbots moralische Regeln eingepflanzt werden, an die sie sich strikt halten. Sie erkennen Probleme des Benutzers, die wir vorausgesehen haben, verhalten sich ihm gegenüber moralisch adäquat und machen immer wieder deutlich, dass sie nur Maschinen sind. Das alles ist sehr verlässlich.“ Das Interview kann über brefmagazin.ch/artikel/der-digitale-graben-wird-durch-die-ganze-welt-gehen/ aufgerufen werden.
Abb.: Der Maschinenethiker Oliver Bendel (Foto: Shift/Louis Rafael)
For years there has been a trend to add social features to service robots, such as delivery, security and cleaning robots, and also to industrial robots, resulting in cobots. They do not usually become fully social robots, but they benefit from having eyes and mouths or making sounds – or from being able to get very close to people without hurting or hindering them. Amazon is riding this wave with its Proteus transport robot. It can be found in a huge department store in Reading, Massachusetts. A Wired editor writes about his first encounter with two Proteus models: „Their round eyes and satisfied grins are rendered with light emitting diodes. They sport small lidar sensors like tiny hats that scan nearby objects and people in 3D. Suddenly, one of them plays a chipper little tune, its mouth starts flashing, and its eyes morph into heart shapes. This means, I am told, that the robot is happy.“ (Wired, 26 June 2023) „Why would a robot be happy?“, asks the editor Sophie Li, a software engineer at Amazon. She explains that being able to express happiness can help Proteus work more effectively around people. „Proteus carries suitcase-sized plastic bins filled with packages over to trucks in a loading bay that is also staffed by humans. The robot is smart enough to distinguish people from inanimate objects and make its own decisions about how to navigate around a box or person in its path. But sometimes it needs to tell someone to move out of the way – or that it is stuck, which it does by showing different colors with its mouth. Li recently added the heart eyes to let Proteus also signal when it has completed a task as planned.“ (Wired, 26 June 2023) The market for real social robots is still in its infancy. Care and therapy robots, entertainment and toy robots, or sex robots – there is a constant up and down, with companies emerging and disappearing, products appearing and disappearing. It is uncertain whether all social robots will be needed. What is certain is that social features will help to improve modern industrial robots and classic service robots.