„Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bleibt Betreiber des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). Der zuständige Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung hat in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit auch in der nächsten Vertragslaufzeit von September 2023 bis August 2028 fortzusetzen.“ (Pressemitteilung Deutscher Bundestag, 21. Juni 2023) Dies meldete die Pressestelle des Deutschen Bundestags am 21. Juni 2023 in einer Pressemitteilung. Leiter des ITAS ist Prof. Dr. Armin Grunwald, einer der renommiertesten Technikphilosophen in Europa. Zuletzt legte das TAB laut Pressemitteilung eine Studie zu den Anwendungspotenzialen und möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen von KI-Systemen wie ChatGPT vor. „Weitere wesentliche Studien der letzten Monate beschäftigten sich mit den gesellschaftspolitischen und rechtlichen Herausforderungen von Data-Mining, dem Einfluss von Algorithmen in digitalen Medien auf die Meinungsbildung, den Herausforderungen von Beobachtungstechnologien im Bereich der zivilen Sicherheit oder den Innovationen des urbanen Holzbaus.“ (Pressemitteilung Deutscher Bundestag, 21. Juni 2023)
Abb.: Armin Grunwald und Oliver Bendel beim Berliner Kolloquium (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„Massenkonsum ist der Konsum von Massen von Waren durch Massen von Menschen. Es handelt sich um einen Aspekt der Massenproduktion und der Konsumgesellschaft. Von der Wirtschaft werden gezielt Bedürfnisse geweckt, etwa durch eine breite Werbung oder eine wechselnde Mode. Ihr Angebot gerät zum Überangebot und erlaubt den Konsumenten eine umfangreiche Auswahlmöglichkeit und eine lohnenswerte Schnäppchenjagd.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich. In einem zweiten Abschnitt wird auf Hintergrund und Entwicklung eingegangen, in einem dritten die ethische Perspektive eingenommen: „Umwelt- und Wirtschaftsethik widmen sich der Erzeugung von künstlichen Bedürfnissen im Zusammenhang mit Umweltzerstörung, Massentierhaltung und ungebremstem Wirtschaftswachstum und – vor allem in der Unternehmensethik – der Verantwortung von Unternehmen mit Blick auf die Massenproduktion. Die Konsumentenethik fragt nach der Verantwortung des Konsumenten, wobei der von ihm ausübbare Druck nicht nur in einer geänderten Nachfrage, sondern auch in der Propagierung einer veränderten Lebensweise und in Petitionen, Abstimmungen und Klagen bestehen kann.“ Der Beitrag ist am 20. Juni 2023 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/massenkonsum-125465 aufgerufen werden.
Der Beitrag „Mode“ ist am 20. Juni 2023 im Gabler Wirtschaftslexikon erschienen. Nach einer Einführung und der Darstellung von Geschichte und Hintergrund wird den Themenkomplexen „Mode und Wirtschaft“ und „Mode und Technik“ jeweils ein Abschnitt gewidmet. Im letzteren heißt es: „Wearables wie Smartphones, Smartwatches und Smartrings sowie Smartcams ergänzen Kopf, Körper und Kleidung. Datenbrillen bestimmen noch nicht den modernen und modischen Auftritt in der Öffentlichkeit, werden aber im Büro, in der Fabrik und im Haushalt immer selbstverständlicher. Kleidung selbst wird technifiziert und kann – Stichwort Smart Clothes – Strom leiten, der Eingabe und Erfassung dienen oder aber der Ausgabe, als Display für verschiedene Inhalte. Sie richtet sich zudem mit Mustern, 2D- oder 3D-Codes und Computerchips an Kameras, Sensoren und Systemen aus, um einerseits mit der Umgebung interagieren zu können, andererseits digitale Selbstverteidigung zu ermöglichen. Der Cyborg, der technische Strukturen in seine biologischen einpasst, sei es in invasiver (NFC-Chips) oder nichtinvasiver Form (smarte Kontaktlinsen, Datenbrillen), wird zum Anführer einer Mode des Transhumanismus und einer avantgardistischen Bewegung des Human Enhancement. Avatare und Hologramme als digitale Models verbannen die Mode in den Hintergrund und unterstreichen in virtuellen Umgebungen ihre Andersartigkeit in der Ähnlichkeit. Die Mode für soziale Roboter fällt in den Bereich des Robot Enhancement.“ Danach folgen Betrachtungen aus ethischer Perspektive. Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/mode-125144 aufgerufen werden.
Das Handelsblatt hat mit Prof. Dr. Oliver Bendel über Bio- und Bodyhacking und Human Enhancement gesprochen. Es ging vor allem um die Anwendung im Berufsleben, etwa im Büro oder in der Fabrik. Mehrere Aussagen des Technikphilosophen wurden in dem Artikel „Wie Mikrochips und smarte Brillen die Leistung im Job erhöhen können“ zitiert. Anwendungen dieser Art kann man vor allem dem Human Enhancement zurechnen. Über Bio- und Bodyhacking, Human Enhancement und Animal Enhancement sowie Cyborgs schreibt Oliver Bendel seit Jahren. Zudem hält er Vorträge zum Thema, wie bei der Architekturbiennale in Venedig im Jahre 2021 („Human and Animal Enhancement in the Context of Architecture“). Mit Studenten und Studentinnen probierte er 2017 im Silicon Valley die HoloLens von Microsoft aus. Für das Arbeitsleben sind seiner Meinung nach Datenbrillen relevant, smarte Kontaktlinsen sowie passive und aktive Exoskelette. Wichtig ist es, den Bedürfnissen der Arbeitnehmer Rechnung zu tragen und die Privat- und Intimsphäre aller Beteiligten und Betroffenen zu schützen. Der Artikel ist am 16. Juni 2023 erschienen und kann über www.handelsblatt.com/karriere/biohacking-wie-mikrochips-und-smarte-brillen-die-leistung-im-job-erhoehen-koennen/29202186.html aufgerufen werden.
Abb.: Studentinnen mit der HoloLens im Jahre 2017 bei Microsoft im Silicon Valley
Der Beitrag zum Thema „Darf man Maschinen wehtun?“ (alternativer Titel: „Dürfen wir Maschinen verletzen?“) läuft am 15. Juni 2023 ab 19.05 Uhr bei Deutschlandfunk Kultur. Für das Hintergrundgespräch stand Prof. Dr. Oliver Bendel zur Verfügung. Er wird auch zweimal in dem Beitrag zitiert. Der Technikphilosoph streicht gerne heraus, dass KI-Systeme und Roboter Meister im Simulieren sind. Sie simulieren Intelligenz, Moral und Bewusstsein. Zugleich ist ihm wichtig, auf den tiefen Graben zwischen Menschen und Maschinen hinzuweisen. Er besteht darin, dass diese nicht empfinden und leiden können, dass sie keine echte Moral (zu der ein freier Willen gehört) und kein echtes Bewusstsein (zu dem eine Haltung zur Welt oder zum Ich gehört, die oft mit Überraschung, Freude und Angst einhergeht) haben. Da sie nicht empfinden und leiden können, kann man ihnen nicht wehtun. Und man darf ihnen auch in einem bestimmten Sinne wehtun, d.h. man kann mit ihnen im Prinzip machen, was man will, ohne Rücksicht auf sie als moralische Objekte (die sie nicht sind). Moralische Objekte können natürlich die Besitzer oder Benutzer der KI-Systeme und Roboter sein. Deshalb sollte man nicht unbedingt einen sozialen Roboter vor den Augen seines Besitzers oder Benutzers zerlegen, so wenig wie man einen Teddybären vor den Augen des Jungen oder Mädchens zerlegen sollte, dessen Spielkamerad er ist. Oliver Bendel ist wichtig, dass Maschinen keine Rechte haben können, auch keine Würde. Werte kann man ihnen zuschreiben. Schon Pflanzen sind Maschinen in dieser Hinsicht voraus. Die Bundesverfassung der Schweiz „verlangt, im Umgang mit Tieren, Pflanzen und anderen Organismen der Würde der Kreatur Rechnung zu tragen“ (Website BAFU). Der Technikphilosoph hält diese Verfassungsnorm für einen rechtlichen und zivilisatorischen Fortschritt. Er ist dafür, sich weiter für Pflanzen und Tiere einzusetzen, nicht für Maschinen, so sehr er sich mit diesen verbunden fühlt. Das Programm des Senders kann über www.deutschlandfunkkultur.de/programm aufgerufen werden.
Das Buch „Soziale Roboter“ (Hrsg. Oliver Bendel) hat 200.000 Downloads erreicht, nach nur eineinhalb Jahren. Es besteht aus fünf Teilen: „Grundlagen, -begriffe und -fragen“, „Soziale Robotik und andere Disziplinen“, „Gestaltung, Interaktion und Kommunikation“, „Anwendungsbereiche sozialer Roboter“ und „Die Zukunft sozialer Roboter“. Es sind, das Vorwort mitgezählt, 30 Beiträge, mit ca. 35 Abbildungen, bei ca. 570 Seiten. Der Untertitel lautet: „Technikwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche, philosophische, psychologische und soziologische Grundlagen“. Mit dabei sind führende Experten und Expertinnen der Sozialen Robotik, der Robotik, der Künstlichen Intelligenz, der Soziologie, der Psychologie und der Philosophie. Sie lehren und forschen an Hochschulen in der Schweiz, in Deutschland, in Österreich, in Dänemark und in Schweden. Auch ein Hersteller ist vertreten, der über den Einsatz seines Produkts berichtet. Das Fachbuch ist Ende 2021 bei Springer Gabler erschienen und kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-31114-8 heruntergeladen oder bestellt werden. Zudem ist es in jeder Buchhandlung verfügbar.
Abb.: Oliver Bendel mit Pepper (Foto: Sara Zarubica)
Am 9. Juni 2023 ist die elektronische Version des Buchs „Assistive Technologien, technische Rehabilitation und Unterstützte Kommunikation“ erschienen. Einen Tag später folgte die gedruckte Ausgabe. Die Herausgeber sind Martin Groß, Birgit Hennig, Stefan Kappel und Frank Wallhoff. Enthalten ist darin der Beitrag „Therapieroboter aus ethischer Sicht“ von Oliver Bendel. Aus dem Abstract: „Der vorliegende Beitrag geht auf Therapieroboter ein. Diese werden wie Pflegeroboter als soziale Roboter verstanden. Es werden die Ziele, Aufgaben und Merkmale geklärt, es werden Beispiele gegeben, sowohl aus der Psychotherapie als auch aus der Ergo- und Physiotherapie, die etwa der orthopädischen und sportmedizinischen Rehabilitation dienen können, und es findet eine Diskussion aus Sicht der klassischen Bereichsethiken und der Maschinenethik statt. Deutlich wird, dass manche Antworten bereits heute geliefert werden können, andere jedoch noch empirischer Forschung und analytischer Arbeit bedürfen. Nicht zuletzt hängen einige von der sich entwickelnden Praxis ab, etwa davon, welche Rolle der Therapeut und Betreuer in Zukunft spielt, welcher Art die Therapieroboter sind und welche Verbreitung sie haben.“ Erwähnt werden – mit Blick auf Demente und Autisten – u.a. Paro, Keepon, QRrobot und Moxie. Das Buch ist über Springer oder eine beliebige Buchhandlung erhältlich.
Abb.: Paro beim Berliner Kolloquium 2019 (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„‚Nao‘, wie die Maschine heißt, tanzt und singt mit den Kindern der inklusiven Kita im Lebenshilfehaus in Karlsruhe. Das geschieht im Rahmen eines Forschungsprojektes des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), das Künstliche Intelligenz und Robotik im Alltag ausprobiert. ‚Wir haben mehrere Experimente in Karlsruhe, weil wir unterschiedliche Gruppen von Nutzenden adressieren, von klein bis groß‘, erklärte KIT-Professor Tamim Asfour am Mittwoch. Bei dem Forschungsprojekt kämen Roboter unter anderem in der Kita, in der Schule, im Museum oder auch im Seniorenheim zum Einsatz.“ (Badische Zeitung, 7. Juni 2023) Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Valeria Nickel, der am 7. Juni 2023 in der Badischen Zeitung erschienen ist. Zu Wort kommt auch Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW, der sich seit vielen Jahren mit sozialen Robotern befasst. In einem Gespräch mit der Redakteurin von der dpa erklärte er, dass Smartphones und Tablets kleinen Kindern in ihrer Entwicklung schaden können, soziale Roboter hingegen alle Sinne ansprechen und trainieren. Den Einsatz von NAO, Moxie, QTrobot und anderen Modellen in der Kita hält er für unproblematisch, sofern sie entsprechend programmiert und Bestimmungen des Datenschutzes eingehalten werden. Insbesondere autistische Kinder können nach seiner Meinung von sozialen Robotern profitieren. Der Artikel ist über www.badische-zeitung.de/wie-roboter-in-inklusiven-kitas-helfen-koennen–266860715.html verfügbar.
Bar robots are mostly cobots, housed in a kiosk or behind the counter. They prepare coffee, as barista robots, or cocktails, as cocktail robots. Daily Mail Online reported on May 11, 2023: „New York City’s first coffee shop run by robot baristas is coming to Greenpoint, where a two-armed robot called ADAM will serve up potentially hundreds and hundreds of cups of coffee a day at Botbar.“ (Daily Mail Online, 11 May 2023) Two-armed bar robots are the exception so far. One of them is Toni from Makr Shakr. It accesses 158 different bottles hanging from the ceiling of the open bar and shakes and stirs the liquids. ADAM looks like an egg with a head. It has two extra-long arms with many degrees of freedom. „Beyond coffee-making, ADAM will have several other skills, including dancing for and waving at customers. The technological feat can produce up to 50 espresso drinks per hour. The new neighbor-hood haunt will also serve food.“ (Daily Mail Online, 11 May 2023) One of the few researchers investigating bar robots and other robots in the hospitality industry is Oliver Bendel. Together with Lea Peier, he presented the paper „How Can Bar Robots Enhance the Well-being of Guests?“ at the AAAI 2023 Spring Symposia in San Francisco. In it, two models developed and used in Switzerland were presented. A preprint is available here.
Am 20. Juni 2023 hält Prof. Dr. Oliver Bendel einen Onlinevortrag für LeLa, das Lernlabor Hochschuldidaktik für Digital Skills, ein Kooperationsprojekt der fünf Zürcher Hochschulen ETH Zürich, PHZH, UZH, ZHAW und ZHdK. „Ethische Implikationen generativer KI“ sind das Thema. Zunächst klärt der Technikphilosoph den Begriff der generativen KI (engl. „generative AI“). Dann stellt er aus Sicht von Informations- und Maschinenethik verschiedene Überlegungen zu diesem Bereich an, wobei er vor allem auf ChatGPT fokussiert. So ist die Frage, woher die Daten für das zugrunde liegende Sprachmodell kommen und unter welchen Bedingungen das Reinforcement Learning from Human Feedback abläuft. Zudem dürfte relevant sein, welche Daten man beim Prompt preisgibt und welche Prompts auf welche Art und Weise zurückgewiesen werden. Ein weiteres Problemfeld ist das Halluzinieren der Sprachmodelle bzw. der darauf basierenden Anwendungen. Diese verdrehen Fakten und erfinden Referenzen. Mit Visual ChatGPT soll man über Texteingaben Bilder generieren und dann einzelne Elemente editieren können. Solche und andere Bildgeneratoren wie DALL-E, Stable Diffusion und Midjourney werfen wiederum zahlreiche ethische Fragen auf. GPT-3 und GPT-4 bzw. ChatGPT sind nicht nur für bzw. als Chatbots und Contentgeneratoren relevant, sondern auch für Industrie- und Serviceroboter. In diesem Bereich hat indes vor allem das Sprachmodell PaLM-E Aufmerksamkeit erregt. Indem Bilddaten und Daten zu Zuständen und Ereignissen integriert werden, werden Virtualität und Realität verbunden. Konkret kann der Benutzer mit Hilfe eines Prompts einem Roboter eine Anweisung geben, die dieser dann in seiner Umgebung ausführt, die er vorher beobachtet hat und weiter beobachtet. Dabei sind wiederum Herausforderungen vorhanden, etwa mit Blick auf Verlässlichkeit und Haftung. Weitere Informationen zur Reihe „AI or what the ChatGPT“ über dizh.ch/event/was-sind-die-ethische-implikationen-generativer-ki/.
Abb.: Mit Midjourney erstelltes Bild einer Schnorchlerin
DeepL gilt als eines der besten Übersetzungstools der Welt. Tatsächlich schneidet es in vielen Tests und Vergleichen besser ab als Google Translate und Co. Allerdings stellt sich die Frage, welche Regeln die Firma aus Köln im Deutschen umsetzt. Wenn man einen englischen Text hat, in dem der „user“ vorkommt, kann es sein, dass dieser mit „NutzerInnen“ übersetzt wird. Dieses Wort mit Binnen-I existiert aber nicht in der deutschen Sprache. Es handelt sich um gegenderte Sprache, um eine Fantasiesprache einer bestimmten Gruppe. Der Rechtschreibrat lehnt diese Schreibweise ebenso ab wie „Nutzer*innen“, „Nutzer:innen“ oder „Nutzer_innen“. Wenn aber ein Übersetzungstool nicht der amtlichen Rechtschreibung folgt, verfehlt es letztlich seinen Sinn und Zweck. Diejenigen, die es besser wissen, müssen den Text nachkorrigieren, und diejenigen, die es nicht besser wissen, bekommen eine falsche Sprache aufgedrängt. Ähnliches lässt sich bei DeepL Write beobachten, dem Redigiertool der gleichen Firma. „Die Ärzt*innen“ wurde bei einem Test als korrekt angesehen, obwohl diese Schreibweise in der amtlich fixierten Sprache nicht existiert. Erst als zweite Alternative wurde „Ärztinnen und Ärzte“ unterbreitet. Hier wäre übrigens „Ärzte und Ärztinnen“ vorzuziehen, wenn man zuerst die am wenigsten komplexe Form aufführen will. Ob sich das deutsche Unternehmen mit seiner politisch-moralischen Positionierung einen Gefallen tut, darf bezweifelt werden. Dass es alles andere als professionell verfährt, ist offensichtlich.
Abb.: Ein scherzhaft verwendeter Genderstern in Zürich
Stefan Sommer von der Süddeutschen Zeitung hat Prof. Dr. Oliver Bendel Fragen zu Hologrammen gestellt, die Tote auf Bühnen und in Filmen „lebendig“ machen sollen, und zu Apps, mit denen man sich und andere verewigen kann. Einführend bemerkte der Technikphilosoph zu den Hologrammen: „Meist handelt es sich um Projektionen, wobei man durchsichtige Vorhänge, Glas, Metall bzw. mit Metall beschichtete Oberflächen verwendet. Ich nenne sie auch Pseudohologramme oder Quasihologramme. Grundsätzlich hat man den Eindruck, dass sich ein Körper im Raum befindet. Sehr bekannt sind die Pseudohologramme von Tupac und Hatsune Miku. Der Unterschied ist, dass der Rapper verstorben war und durch die Technologie ‚wiederbelebt‘ wurde, Hatsune Miku aber nie gelebt hat – man hat zuerst ihre Stimme erfunden und später ergänzt durch das Pseudohologramm. Bei ABBA liegt der Fall wiederum anders. Die Mitglieder leben noch, haben sich aber unsterblich gemacht, wiederum mit Pseudohologrammen, die in einer speziell dafür konstruierten Bühne in London erscheinen. Ich habe eines der Konzerte besucht. Die Wirkung ist immens. Es sind alte Fans vor Ort, die spätestens bei ‚Dancing Queen‘ ihre Rollatoren wegwerfen und zu tanzen beginnen.“ Es folgten weitere Ausführungen zu den Apps und zum digitalen Nachlass. Mehrere Statements wurden für den Artikel „Jung, erfolgreich, tot.“ verwendet, der am 1. Juni 2023 im Onlinemagazin Jetzt der Süddeutschen Zeitung erschienen ist.
„In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit dem Zusammenleben von sozialen Robotern mit Menschen und mit dem Potenzial von künstlicher Intelligenz. Auf seinem Gebiet ist er eine Autorität.“ (Website SRF) Mit diesen Worten wird vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) eine Sendung mit Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich angekündigt. Es geht darin um „Chancen und Grenzen von Pflege- und Sexrobotern“. „Der Professor für Maschinen- und Roboterethik an der Fachhochschule Nordwestschweiz, Oliver Bendel, erzählt im Gespräch ‚Gast am Mittag‘ um 13 Uhr, warum es Umarmungsroboter braucht, was junge Männer an Sexrobotern, die aussehen wie Feen, anzieht und warum er eine Patientenverfügung zum Einsatz von Therapierobotern erstellt hat. Das Gespräch führt Sandra Schiess.“ (Website SRF) „Gast am Mittag“ mit Prof. Dr. Oliver Bendel läuft am 29. Mai 2023 auf SRF 1. Zusätzlich erscheint an diesem Tag ein Interview mit ihm in schriftlicher Form auf der Website.
Abb.: Der Gründer von Abyss Creations mit seiner Harmony (Foto: Realbotix)
Am 26. Mai 2023 ist Heft 4/2023 der Zeitschrift messtec drives Automation erschienen. Darin enthalten ist der Beitrag „Die Mächtigkeit von Sprachmodellen“ von Prof. Dr. Oliver Bendel. Er geht auf Anwendungen ein, die man noch wenig kennt, die aber relevant sein werden für Service- und Industrieroboter und für Brain-Computer-Interfaces. In diesem Bereich hat vor allem das Sprachmodell PaLM-E für Aufmerksamkeit gesorgt. Indem Bilddaten und Daten zu Zuständen und Ereignissen integriert werden, werden Virtualität und Realität miteinander verbunden. Konkret kann der Benutzer mit Hilfe eines Prompts einem Roboter eine Anweisung geben, die dieser dann in seiner Umgebung ausführt, die er vorher beobachtet hat und weiter beobachtet. Aber nicht nur Google und TU Berlin forschen auf diesem Gebiet – in dem Paper „ChatGPT for Robotics“ hat auch Microsoft erste Ergebnisse vorgestellt. Sprachmodelle mit solchen Wahrnehmungs- und Steuerungsmöglichkeiten wären interessant für Lio und Optimus oder für soziale Roboter im Bildungsbereich, die nicht nur kommunizieren, sondern in vielfältiger Weise interagieren. Wichtig ist, dass den Fähigkeiten bei der Wahrnehmung und Steuerung entsprechende Fähigkeiten der Motorik gegenüberstehen. Der Zweiseiter kann über www.wileyindustrynews.com/messtec-drives-automation/messtec-drives-automation-04-23 heruntergeladen werden.
Abb.: Ein Ausschnitt aus der ersten Seite des Artikels
Conversational Agents sind seit einem Vierteljahrhundert ein Forschungsgegenstand von Prof. Dr. Oliver Bendel. Ihnen widmete er seine Doktorarbeit an der Universität St. Gallen. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW entstanden sie von 2012 bis 2022 vor allem im Kontext der Maschinenethik und Sozialen Robotik. Der Technikphilosoph widmet sich nun verstärkt toten, ausgestorbenen und gefährdeten Sprachen. Nach @ve (2022), einem auf GPT-3 basierenden Chatbot für Latein, startete im März 2023 ein weiteres Projekt. Entwickelt wird der Chatbot @llegra von Dalil Jabou für das rätoromanische Idiom Vallader, das im Unterengadin zwischen Martina im Nordosten und Zernez im Südwesten sowie im Val Müstair auftritt und gefährdet ist. Der Benutzer kann Text eintippen und bekommt Text ausgegeben. Zudem spricht @llegra mit Hilfe eines Text-to-Speech-Systems der Firma SlowSoft, die das Projekt unterstützt. Das Sprachmodell GPT-3 brachte eher unbefriedigende Ergebnisse. Der Durchbruch kam dann mit der Verwendung von GPT-4. Die Wissensbasis wurde mit Hilfe von vier Kinderbüchern auf Vallader ergänzt. Das Projekt wird im August 2023 abgeschlossen. Die Ergebnisse werden danach veröffentlicht.
Die Shift, eine Tagung zu Fragen von Informations-, Roboter- und KI-Ethik, fand am 20. April 2023 zum fünften Mal statt. Initiatorin und Organisatorin ist Cornelia Diethelm. Moderatorin war wieder Patrizia Laeri. Die Keynote hielt Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich. Das Video dazu ist am 19. Mai 2023 erschienen. Oliver Bendel ging zunächst auf soziale Roboter ein und auf die Disziplinen Künstliche Intelligenz, Maschinenethik und Maschinelles Bewusstsein. Dann beschrieb er mehrere soziale Roboter, die auch als Serviceroboter im engeren Sinne eingesetzt werden. Auf dieser empirischen Basis stellte er ethische Überlegungen an. Am Ende behandelte er Sprachmodelle wie GPT-3 bzw. GPT-4 und PaLM-E. Er zeigte, wie soziale Roboter und Serviceroboter von diesen profitieren können, in ihrer Sprachfähigkeit und bei ihrer Wahrnehmung der Welt. Auch Ansätze der Maschinenethik waren ein Thema, von der Einpflanzung moralischer Regeln bis hin zur Nutzung von Moralmenüs. Das Video kann hier aufgerufen werden.
Abb.: Oliver Bendel bei der Shift (Foto: Shift/Louis Rafael)
„Der Optimus ist wieder da: Tesla hat eine überarbeitete Version des humanoiden Roboters vorgestellt. Sie soll über mehr Fähigkeiten verfügen. Ein von Tesla zum Anleger-Meeting veröffentlichtes Video zeigt fünf der Roboter in Aktion. Die Roboter laufen deutlich sicherer als zuvor und sind auch zu feinfühligen Interaktionen fähig.“ (Golem, 17. Mai 2023) Dies berichtete Golem am 17. Mai 2023. Der Redakteur bezieht sich auf eine frühere Demonstration, wo Optimus sehr unsicher unterwegs war. Die Fortschritte werden mit der Verbesserung der Aktoren und mit der Unterstützung durch Menschen erklärt: „Diese lernen laut dem Video die Roboter mit Hilfe von Datenhandschuhen, Sensoren und Kameras an.“ (Golem, 17. Mai 2023) Das Design dürfte nach wie vor viele Benutzer abschrecken. Insbesondere der Kopf ohne Gesicht ist gewöhnungsbedürftig. Vielleicht werden Augen und Mund samt Mimik aber später digital umgesetzt. Das Video kann hier aufgerufen werden.
On 5 June 2023, Prof. Dr. Oliver Bendel will give a talk on „Care robots from an ethical perspective“ at the Institute of Ethics, History and Humanities (iEH2) of the University of Geneva. The event will take place in room A04.2910 (CMU). Care and therapy robots can be understood as service robots and in many cases also as social robots. In the talk by Professor Dr. Oliver Bendel from Zurich, the goals, tasks, and characteristics will be clarified and, based on this, considerations will be made from the perspective of ethics. In the end, it should become clear which types of robots and prototypes or products exist in the healthcare sector, what purposes they serve, what functions they assume, and what implications and consequences this has for individuals and society. Care robots may contribute to personal autonomy while weakening informational autonomy. Therapy robots may enhance personal performance and satisfaction, but in individual cases they may also violate human dignity. It is important to design service robots and social robots in the healthcare sector in such a way that they meet as many requirements and needs as possible and are useful tools for caregivers and those in need of care. Disciplines such as machine ethics can help in this regard. Prof. Dr. Oliver Bendel is the editor of several relevant standard works, including „Pflegeroboter“ („Care Robots“, 2018) and „Soziale Roboter“ („Social Robots“, 2021). He has also advised the German Bundestag on this topic. More information via www.unige.ch.
Fig.: Bendel as scientific director of the 23rd Berlin Colloquium (Photo: Daimler und Benz Stiftung)
Die Maschinenethik kennt ganz unterschiedliche Ansätze. Man kann moralische Regeln und Werte in Systeme und Maschinen einpflanzen. Sie können vom Entwickler stammen oder von einer Ethikkommission. Sie können auch in einem mehrstufigen Verfahren von verschiedenen Interessengruppen entwickelt worden sein. Die Maschinen halten sich strikt an die moralischen Regeln und Werte – dies ist der Normalfall und der Fall bei Maschinen wie GOODBOT, BESTBOT oder HAPPY HEDGEHOG – oder passen sie selbst an. Wenn sie sie selbst anpassen, kann Machine Learning zum Einsatz kommen. Eine Ergänzung der klassischen moralischen Maschinen ist das Moralmenü, das dem Benutzer oder Besitzer die Auswahl verschiedener Optionen erlaubt. Bei Sprachmodellen gibt es ebenfalls mehrere Umsetzungen. Dass sie bestimmte Prompts verweigern, wurde ihnen i.d.R. einprogrammiert. Dass sie in eine bestimmte Richtung tendieren, etwa was Atomkraft angeht, kann am Reinforcement Learning from Human Feedback (RLFH) liegen. Das Unternehmen Anthropic, gegründet von ehemaligen Open-AI-Mitarbeitern, trainiert laut The Verge seinen Chatbot Claude – der auf einem Sprachmodell basiert – mit Hilfe von ethischen Prinzipien. Es greift u.a. auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und die Nutzungsbedingungen von Apple zurück. Es handelt sich laut Mitgründer Jared Kaplan um Constitutional AI – im Grunde nichts anderes als eine spezifische Methode der Maschinenethik. Er gibt zur Auskunft: „The basic idea is that instead of asking a person to decide which response they prefer [with RLHF], you can ask a version of the large language model, ‚which response is more in accord with a given principle?'“ (The Verge, 9 May 2023) Im Paper „Constitutional AI: Harmlessness from AI Feedback“ erklärt eine Forschergruppe um Yuntao Bai: „We experiment with methods for training a harmless AI assistant through self-improvement, without any human labels identifying harmful outputs. The only human oversight is provided through a list of rules or principles, and so we refer to the method as ‚Constitutional AI‘. The process involves both a supervised learning and a reinforcement learning phase.“ Das Paper erwähnt Maschinenethik nicht einmal – aber diese Disziplin wird durch die Anwendung bei Sprachmodellen einen weiteren Aufschwung erleben.
Abb.: Anthropic sitzt in San Francisco (Foto: Stefanie Hauske)
In January 2023, Google announced MusicLM, an experimental AI tool that can turn text descriptions (text prompts) into music. From 10 May 2023, one can sign up to try it out in the so-called AI Test Kitchen. The company gives examples of how to use the programme on its blog: „Just type in a prompt like ’soulful jazz for a dinner party‘ and MusicLM will create two versions of the song for you. You can listen to both and give a trophy to the track you like better, which will help improve the model.“ (Google Blog, 10 May 2023) Not all types of music will be possible. TechCrunch wrote in an article: „The version of MusicLM in AI Test Kitchen won’t generate music with specific artists or vocals.“ (TechCrunch, 10 May 2023) This is certainly to avoid legal problems. An AI-generated song in the style of The Weeknd and Drake recently caused a stir. It is likely that AI-generated music will be heard around the world. Whether this will be to our advantage remains to be seen.
Fig.: AI-generated music will be heard around the world
Die interdisziplinäre Tagung „KI – Text und Geltung. Wie verändern KI-Textgeneratoren wissenschaftliche Diskurse?“ findet am 25. und 26. August 2023 an der TU Darmstadt statt. Der Call for Papers wirft Fragen dieser Art auf: „Worin unterscheiden sich menschengemachte und computergenerierte Texte und welche Geltungsansprüche können jeweils erhoben, bestritten oder eingelöst werden? Werden bestimmte Textverständnisse dadurch überlagert, dass Menschen der KI die Fähigkeit zur Textgenerierung zuschreiben? Produziert ein wissenschaftlicher Diskurs über KI-Textgeneratoren dieselbe Art von Texten wie die Generatoren selbst? Was erwarten, befürchten und erhoffen sich die einzelnen Wissenschaften, wenn in ihren Diskursen Texte rezipiert und berücksichtigt werden, die mit KI-gestützten Werkzeugen erstellt wurden? Und nicht zuletzt: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Kriterien von Wissenschaftlichkeit und Urheberschaft?“ (CfP) Abstracts zur Tagung bzw. zum Tagungsband sind in deutscher oder englischer Sprache im Umfang von max. 250 Wörtern zu verfassen und bis zum 15. Juni 2023 einzureichen. Eine Mitteilung über Annahme oder Ablehnung erfolgt bis zum 23. Juni 2023. Für die Präsentation auf der Tagung stehen jeweils 20 Minuten sowie 10 Minuten zur Diskussion zur Verfügung. Der CfP ist hier verfügbar.
Hawaiian Host is the largest manufacturer of chocolate-covered macadamias in the world, with millions of boxes of the treats distributed around the globe. According to its website, the company „combines premium ingredients – handcrafted milk chocolate, dark chocolate, Hawaiian honey, Kona coffee, to name a few – with dry-roasted macadamias to create its signature delights“ (Website Hawaiian Host). Hawaiian Host has now taken a big step forward in packaging. Watch a video of Chris Rabago getting his first look at Cama’s new equipment. The robot, which is protected by glass walls in the video, allows the chocolate-covered macadamias to be packaged at high speed in a small space. This is important because rental and construction costs in Honolulu are very high and factory expansions are difficult and expensive. It’s actually several robots working together – it’s very effective and looks fascinating. How many workers this new level of automation will replace is unknown.