BMBF-Fachgespräch zur Robotik

Der Zukunftsrat des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz hat im Dezember 2022 Impulse für den Innovationsstandort Deutschland diskutiert. Man war sich laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einig, dass die Robotik hohe Potenziale bietet und die Beherrschung der damit zusammenhängenden Technologien auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit sowie der technologischen Souveränität ist. Man will nun zwei zentrale Handlungsempfehlungen des Zukunftsrats zur Robotik, nämlich „Spitzenforschung und Transfer stärken“ und „Talente gewinnen“, umsetzen. Um dies zu erreichen, lud das BMBF ausgewiesene Experten zu einem Fachgespräch ein, das am 27. März 2023 in Bonn stattfindet. Es gilt, Themen für Schwerpunkte in der Forschung und Ansätze zur Gewinnung von Spitzenkräften zu entwickeln. Auch Prof. Dr. Oliver Bendel, Philosoph und Wirtschaftsinformatiker aus Zürich, wurde angefragt. Da er zur gleichen Zeit in San Francisco bei den AAAI Spring Symposia zwei Vorträge hält (einen zu Barrobotern, zusammen mit Lea Peier, einen anderen zu Umarmungsrobotern), wurde er vom BMBF gebeten, seinen Input schriftlich zu formulieren. Auf sechs Seiten ging er auf Potenziale von Basistechnologien, die Integration von Robotern in komplexe Strukturen, aktuelle Forschungsfragen in der Robotik sowie Vertrauenswürdigkeit im Kontext robotischer Systeme ein. Sein Fokus lag dabei auf Servicerobotern und sozialen Robotern. Das Dokument liegt dem BMBF seit 15. März 2023 vor und wird beim Fachgespräch vor Ort ausgehändigt.

Abb.: Oliver Bendel bei einem Dreh mit 3sat (Foto: Sara Zarubica)

Launch of GPT-4

GPT-4 was launched by OpenAI on March 14, 2023. „GPT-4 is a large multimodal model (accepting image and text inputs, emitting text outputs) that, while less capable than humans in many real-world scenarios, exhibits human-level performance on various professional and academic benchmarks.“ (Website OpenAI) On its website, the company explains the multimodal options in more detail: „GPT-4 can accept a prompt of text and images, which – parallel to the text-only setting – lets the user specify any vision or language task. Specifically, it generates text outputs (natural language, code, etc.) given inputs consisting of interspersed text and images.“ (Website OpenAI) The example that OpenAI gives is impressive. An image with multiple panels was uploaded. The prompt is: „What is funny about this image? Describe it panel by panel“. This is exactly what GPT-4 does and then comes to the conclusion: „The humor in this image comes from the absurdity of plugging a large, outdated VGA connector into a small, modern smartphone charging port.“ (Website OpenAI) The technical report is available via cdn.openai.com/papers/gpt-4.pdf.

Abb.: Midjourney images can also be used

Was ist und kann ein Prompt?

„Ein Prompt ist bei generativer KI (Generative AI) ein Input des Benutzers, zu dem das System einen Output erzeugt. Ein textbasierter Prompt kann Wörter, Buchstaben, Sonderzeichen, Zahlen und Links enthalten. Um das gewünschte Ergebnis zu bekommen, muss der Prompt möglichst eindeutig und umfassend sein. Ein einfaches Beispiel im Falle von Bildgeneratoren ist ‚3 junge Frauen vor einem See, fotorealistisch‘, wobei der erste Teil den Inhalt angibt, der zweite den Stil. Wenn Dialoge vorgesehen sind, wie bei Textgeneratoren wie ChatGPT und Bildgeneratoren wie Visual ChatGPT, kann mehrmals eine Eingabe erfolgen, um das Ergebnis anzupassen. Auch das Verweisen auf Bilder ist möglich. Zuweilen sind negative Prompts erlaubt, die etwas ausschließen.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon, erschienen am 14. März 2023. In den folgenden Absätzen wird auf Prompt Engineering und Prompt-Plattformen eingegangen. Am Ende wird die Perspektive der Ethik eingenommen: „Dass generative KI bestimmte Anfragen ablehnt, aus moralischen, rechtlichen oder ideologischen Gründen, ist Thema von Informationsethik und Medienethik. Rechtsethik, Rechtswissenschaft und Rechtsprechung untersuchen, inwieweit Prompts schützenswertes geistiges Eigentum darstellen.“ Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/prompt-125087 abgerufen werden.

Abb.: Midjourney generiert ein Bild mit drei jungen Frauen vor einem See

Mit Visual ChatGPT Bilder generieren und editieren

Forscher von Microsoft arbeiten an einer neuen Anwendung auf der Basis von ChatGPT und Lösungen wie Stable Diffusion. Mit Visual ChatGPT soll man man über Texteingaben Bilder generieren und dann einzelne Elemente editieren können. In ihrem Paper „Visual ChatGPT: Talking, Drawing and Editing with Visual Foundation Models“ schreiben Chenfei Wu und seine Mitautoren: „We build a system called Visual ChatGPT, incorporating different Visual Foundation Models, to enable the user to interact with ChatGPT by 1) sending and receiving not only languages but also images 2) providing complex visual questions or visual editing instructions that require the collaboration of multiple AI models with multi-steps“ – und, nicht zu vergessen: „3) providing feedback and asking for corrected results“ (Wu et al. 2023). Beispielsweise lässt man mit einem entsprechenden Prompt das Bild einer Landschaft erstellen, mit blauem Himmel, Hügeln, Wiesen, Blumen und Bäumen. Dann weist man Visual ChatGPT mit einem weiteren Prompt an, die Hügel flacher zu machen und den Himmel abendlicher und bewölkter. Zudem kann man das Programm fragen, welche Farbe die Blumen haben, und diese mit einem weiteren Prompt einfärben. Ein letzter Prompt lässt die Bäume herbstlicher erscheinen. Das Paper kann über arxiv.org heruntergeladen werden.

Abb.: Eine Landschaft mit Bäumen und Blumen

Wie Sprachmodelle für die Steuerung von Haushaltsrobotern genutzt werden können

Forscher von Google und der TU Berlin haben am 6. März 2023 ein verkörpertes, multimodales Sprachmodell mit dem Namen PaLM-E vorgestellt, das virtuelle und physische Welt verbindet. So kann man per Spracheingabe einen Haushaltsroboter steuern und ihn dazu bringen, bestimmte Gegenstände zu holen oder andere Tätigkeiten zu verrichten. Der Prompt kann dabei vom Benutzer spontan aus seiner eigenen Beobachtung der Umwelt abgeleitet werden. Die Idee der PaLM-E-Architektur besteht laut Projektwebsite darin, kontinuierliche, verkörperte Beobachtungen wie Bilder, Zustandseinschätzungen oder andere Sensormodalitäten in den Spracheinbettungsraum eines vortrainierten Sprachmodells zu integrieren. Im Beispielvideo lautet die Instruktion in deutscher Übersetzung: „Bring mir die Reischips aus der Schublade“. Golem schreibt in einem Artikel: „Dazu analysiert Palm-E die Daten der Roboterkamera, ohne dass eine vorverarbeitete Szenendarstellung erforderlich ist. Damit entfällt die Notwendigkeit, dass ein Mensch die Daten vorverarbeitet oder kommentiert, was eine autonomere Robotersteuerung ermöglicht.“ (Golem, 10. März 2023) Im Video fährt der Roboter – ein Roboterarm auf einer mobilen Plattform, ganz ähnlich wie Lio – zur Schublade und entnimmt ihr die Packung. In dem Paper „ChatGPT for Robotics: Design Principles and Model Abilities“ von Microsoft-Forschern wird eine ähnliche Strategie verfolgt, wobei ChatGPT verwendet wird, das wiederum auf GPT-3 basiert. Allerdings handelt es sich um einen indirekten Ansatz, bei dem Code generiert wird. Das Paper zu PaLM-E kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Ein Roboterarm (Foto: F&P Robotics)

Alpha Mini für die Schule

Alpha Mini ist ein sozialer Roboter, der sich durch geringe Größe (und damit gute Transportfähigkeit) und weitgehende natürlichsprachliche und motorische Fähigkeiten auszeichnet. Er kann im Schulunterricht eingesetzt werden, sowohl als Lehrer und Tutor als auch als Tool, mit dem man programmiert. Am 8. März 2023 startete an der Hochschule für Wirtschaft FHNW das Projekt „Little Teacher“, in dem Alpha Mini eine Hauptrolle spielt. Initiator ist Prof. Dr. Oliver Bendel, der seit einem Vierteljahrhundert über Conversational Agents und soziale Roboter forscht. Andrin Allemann trägt im Rahmen seiner Abschlussarbeit zum Projekt bei. Alpha Mini soll in eine Lernumgebung integriert werden und mit anderen Komponenten wie einem Display interagieren und kommunizieren können. Er soll mit Hilfe von Bildern und Texten einfachen Lernstoff vermitteln und die Kinder durch gestisches und mimisches Feedback motivieren. Es handelt sich also um einen kleinen Lehrer mit großen Möglichkeiten. Grundsätzlich soll er sich an das neue schweizerische Bundesgesetz über den Datenschutz (Neues Datenschutzgesetz, nDSG) halten. Das Projekt dauert bis August 2023. Die Ergebnisse werden im Anschluss daran veröffentlicht.

Abb.: Alpha Mini im Büro von Oliver Bendel

Siri, Roboter und Cyborgs im Zentrum Paul Klee

Im Rahmen des Themenwochenendes „Wenn der Mensch zur Maschine wird“ fanden am 5. März 2023 am Zentrum Paul Klee zur Ausstellung „Paul Klee. Vom Rausch der Technik“ zwei Gespräche statt. „Cyborgs – die besseren Menschen?“ war der Titel des ersten, zwischen Prof. Dr. Oliver Bendel (Wirtschaftsinformatiker und Technikphilosoph) und Fabienne Eggelhöfer (Chefkuratorin). Das zweite mit dem Titel „Siri spricht über Klee“ führte Jane Mumford (Kabarettistin, Komikerin, Musikerin und Illustratorin) mit dem Sprachassistenten von Apple. Sie bezog auch ChatGPT ein, wobei die Stimme von einem Schauspieler geliehen wurde. Im Zusammenhang mit dem System von OpenAI stellte sie drei Haikus aus dem Band „Dass es nur Kunst war, verdeckte die Kunst“ von Oliver Bendel vor. Mit Hilfe geeigneter Prompts hatte er ChatGPT erstaunliche Ergebnisse entlockt. Das Publikum spendete nach beiden Gesprächen lautstarken Applaus.

Abb.: Jane Mumford im Zentrum Paul Klee

Start des CAS Zukunftsorientierte Polizeiarbeit

„Das CAS Zukunftsorientierte Polizeiarbeit vermittelt das notwendige Wissen und Verständnis, um die moderne Polizeiarbeit in ihrer Komplexität zu erfassen und mitzugestalten, die sich wandelnden Anforderungen an den Berufsalltag mitzutragen und jederzeit professionell handeln zu können. Es legt die Basis zum Verständnis der heutigen digitalen Komponenten im Beruf und bereitet die Absolventinnen und Absolventen auf die digitale Zukunft vor. Es behandelt die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Polizeiarbeit und die polizeiliche Selbstreflexion. Die Teilnehmerinnen reflektieren Veränderungen, die sich für das Verständnis von Kriminalität im digitalen Raum ergeben.“ So lautet die Beschreibung der Weiterbildung an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, die am 3. März 2023 gestartet ist. Prof. Dr. Oliver Bendel verantwortet die Kurse „Sicherheit und Überwachung“ und „Künstliche Intelligenz“. Es wird u.a. auf Überwachungssysteme eingegangen, nicht zuletzt auf Überwachungsroboter, und eine ethische Reflexion vorgenommen. Auch digitale Selbstverteidigung wird ein Thema sein. Im August 2022 trug der Informations- und Maschinenethiker auf der Robophilosophy 2022 über Polizeiroboter vor. Sein Beitrag „Robots in Policing“ ist Ende des Jahres im Proceedingsband „Social Robots in Social Institutions“ erschienen. Weitere Informationen zum CAS über https://www.fhnw.ch/de/weiterbildung/wirtschaft/cas-zukunftsorientierte-polizeiarbeit.

Abb.: Bei der Robophilosophy 2022 (Foto: Robophilosophy)

Ein 3sat-Abend zu KI und Robotik

Am 2. März 2023 startete der 3sat-Abend Wissen hoch 2 zu KI und Robotik um 18.30 Uhr mit NANO. Oliver Bendel wurde mit folgenden Worten vorgestellt: „Im beschaulichen schweizerischen Brugg-Windisch forscht einer der wichtigsten Robotikexperten und Maschinenethiker, Prof. Oliver Bendel, Autor diverser Standardwerke, Sachverständiger für den deutschen Bundestag, Roboterfan.“ Ebenfalls im Interview mit der Sendung war Jonas Andrulis von Aleph Alpha, einem deutschen KI-Unternehmen. Nach der Tagesschau – ab 20.15 Uhr – wurde die Dokumentation „Mein Avatar und ich“ gezeigt. Ingolf Baur war u.a. zu Oliver Bendel nach Brugg-Windisch, zu Daniele Pucci nach Genua und zu Matt McMullen nach Kalifornien bzw. Nevada gereist. Ein ehemaliger Google-Ingenieur, der in LaMDA fälschlicherweise Bewusstsein vermutete, war online zugeschaltet. Den Abschluss bildete ab 21.00 Uhr eine Talkrunde bei Gerd Scobel mit Oliver Bendel, Doris Weßels (Fachhochschule Kiel) und Kristian Kersting (TU Darmstadt). Die Sprache kam auch auf den kleinen Haiku-Band „Dass es nur Kunst war, verdeckte die Kunst“ von Oliver Bendel. Produziert wurde er mit Hilfe von ChatGPT. Abgedruckt sind die Inputs (Prompts) und Outputs (hier die Haikus). Der Informations- und Maschinenethiker äußerte die Meinung, dass KI imstande ist, Schönheit zu produzieren. Nach dreieinhalb Stunden war der Abend, der viele herausragende Bilder und Geschichten lieferte, vorbei.

Abb.: Oliver Bendel bringt NAO zum Dreh (Foto: Sara Zarubica)

Unheimlich echt

Adrian Lobe stellte einige Fragen an Oliver Bendel, die sich auf Generative AI bezogen. Im Fokus waren KI-basierte Bildgeneratoren, die inzwischen fotorealistische Abbildungen erschaffen können. Solche legte der Journalist dem in Zürich lebenden Professor vor und wollte von ihm wissen, wie er diese Retortenmenschen aus ethischer Sicht bewertet. Die Antwort begann mit den folgenden Worten: „Es spricht zunächst nichts dagegen, mit Hilfe von KI-basierten Bildgeneratoren fiktive Frauen und Männer zu erschaffen, also Avatare oder Hologramme. Man schadet niemandem, wenn die Bilder auf dem Bildschirm oder in einem Gerät erscheinen. Problematischer sind Deep Fakes, die reale Personen teilweise oder gesamthaft abbilden. Sie können die Menschenwürde verletzen, vor allem bei sexuellen Darstellungen. Aus ästhetischer Sicht ist es interessant, Menschen auf die Welt zu bringen, die man selbst schön findet, die man aber weder in den Medien noch im Alltag antrifft. Es wird ein Mensch gemacht, hat Wagner in ‚Faust II‘ ausgerufen, als Mephistopheles zu ihm getreten ist. Allerdings war es nur ein kleiner Homunkulus. Nun kann man seinen Traum verwirklichen und eine realistische Figur nach seinen Wünschen kreieren. Das ist auch aus ethischer Sicht relevant – denn es kann zu einem guten, erfüllten Leben beitragen. Vielleicht werden einem bestimmte Wünsche auch erst klar. Man versteht besser, was man will und was man nicht will, was man schön findet und was nicht. Man lernt sich besser kennen und kann auch anderen mitteilen, was man will und schön findet. Nur werden sich nicht alle Wünsche erfüllen lassen. Und eine Partnerschaft ist auch kein Wunschkonzert.“ Es folgten durchaus kritische Anmerkungen zur Praxis des Bildergenerierens sowie weitere Antworten auf weitere Fragen. Einzelne Statements wurden in den Artikel „Sieht unheimlich echt aus!“ (auch: „Unheimlich echt!“) übernommen, der am 27. Februar 2023 in ca. 20 Schweizer Zeitungen erschienen ist, etwa in der Aargauer Zeitung, in der Luzerner Zeitung und im St. Galler Tagblatt, und auf den in der Folge etwa bei 20 Minuten Bezug genommen wurde.

Abb.: Ein viel gezeigtes KI-generiertes Bild

ChatGPT bei Scobel

Am 2. März 2023 sind Prof. Dr. Doris Weßels (Fachhochschule Kiel), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) und Prof. Dr. Kristian Kersting (TU Darmstadt) zu Gast bei Gerd Scobel. Die Sendung dreht sich um ChatGPT und das zugrundeliegende GPT-3. Aufgezeichnet wurde sie am Abend des 28. Februar 2023 im Studio in Köln. Erläutert werden die technologischen Grundlagen und die gesellschaftlichen Auswirkungen. Doris Weßels erwähnt die Veränderungen, die sich an den Hochschulen ergeben, und spricht sich gegen ein Verbot des Programms aus. Oliver Bendel geht darauf ein, dass sich die Kompetenzen der Studenten und Studentinnen verschieben. Sie nehmen den automatisch generierten Content und redigieren und strukturieren ihn. Die Sprache kommt auch auf den kleinen Haiku-Band „Dass es nur Kunst war, verdeckte die Kunst“ von Oliver Bendel. Produziert wurde er mit Hilfe von ChatGPT. Abgedruckt sind die Inputs (Prompts) und Outputs (hier die Haikus). Der Informations- und Maschinenethiker ist der Überzeugung, dass KI imstande ist, Schönheit zu produzieren. Weitere Informationen über www.3sat.de/wissen/scobel/scobel—kulturschock-durch-ki-100.html.

Abb.: In Köln

Generative KI im Überblick

„Generative KI (‚KI‘ steht für ‚künstliche Intelligenz‘) ist ein Sammelbegriff für KI-basierte Systeme, mit denen auf scheinbar professionelle und kreative Weise alle möglichen Ergebnisse produziert werden können, etwa Bilder, Video, Audio, Text, Code, 3D-Modelle und Simulationen. Menschliche Fertigkeiten sollen erreicht oder übertroffen werden. Generative KI kann Schüler, Studenten, Lehrkräfte, Büromitarbeiter, Politiker, Künstler und Wissenschaftler unterstützen und Bestandteil von komplexeren Systemen sein. Man spricht auch, dem englischen Wort folgend, von Generative AI, wobei ‚AI‘ die Abkürzung für ‚Artificial Intelligence‘ ist.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag, der am 22. Februar 2023 im Gabler Wirtschaftslexikon erschienen ist. Es werden Informationen zu Entwicklung und Hintergrund sowie einige Beispiele für Anwendungen gegeben. Am Ende wird die Perspektive der Ethik eingenommen, unter besonderer Berücksichtigung der Informationsethik. Der Beitrag von Oliver Bendel kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/generative-ki-124952 abgerufen werden.

Abb.: Midjourney generiert ein Bild einer Schnorchlerin im Meer

Das LLaMA kommt auf die Welt

Wie Golem am 25. Februar 2023 meldete, hat Meta das Sprachmodell LLaMA angekündigt. Dieses soll in Konkurrenz zu GPT-3 von OpenAI (ChatGPT) und LaMDA von Google (Bard) treten. „LLaMA ist nach Angaben von Meta für die Erstellung von Texten, die Führung von Chat-Gesprächen, die Zusammenfassung von schriftlichen Materialien und für komplexere Aufgaben wie das Lösen von mathematischen Problemen oder die Vorhersage von Proteinstrukturen geeignet. Das Modell wurde von Metas Fundamental AI Research Team entwickelt.“ (Golem, 25. Februar 2023) Das neue Sprachmodell werde derzeit nicht bei Plattformen wie Facebook oder Instagram verwendet. „Stattdessen solle es ausschließlich auf KI spezialisierten Forschern zur Verfügung gestellt werden, um diese bei ihrer Arbeit zu unterstützen.“ (Golem, 25. Februar 2023) Der Artikel „Facebook steigt in den KI-Markt ein“ kann hier abgerufen werden.

Abb.: Lamas in Peru

KI-generierte Stimme ermöglicht Einbruch in Bankkonto

Einige Banken erlauben beim Kontozugang die Authentifizierung durch die Stimme des Kunden. Dazu gehört z.B. PostFinance in der Schweiz. Auf der Website heißt es: „Im Kontaktcenter von PostFinance können wir Sie anhand Ihrer Stimme authentifizieren. Nachdem wir einmalig von Ihnen einen Stimmabdruck angelegt haben, erkennen wir Sie bei allen folgenden Anrufen anhand Ihrer Stimme. Das unterstützt die Sicherheit und spart Zeit.“ (Website PostFinance) Seit einigen Jahren kann man mit wenigen Minuten der Aufnahme einer individuellen Stimme eine synthetische Stimme generieren und sie beliebige Inhalte sagen lassen. Auch die Sprechweise wird imitiert. Dafür stehen kostenpflichtige und kostenlose KI-Tools zur Verfügung. Auch bei Sprachassistenten verbreitet sich die Funktion – man denke etwa an Bixby von Samsung. Oliver Bendel veröffentlichte im Juli 2017 in AI & Society seinen Artikel „The Synthetization of Human Voices“ und beschrieb genau solche Verfahren. Joseph Cox berichtete in seinem Artikel „How I Broke Into a Bank Account With an AI-Generated Voice“ (Vice, 23. Februar 2023), dass er erfolgreich das System ausgetrickst hat: „I couldn’t believe it – it had worked. I had used an AI-powered replica of a voice to break into a bank account. After that, I had access to the account information, including balances and a list of recent transactions and transfers.“ (Vice, 23. Februar 2023) Fingerabdruck und Iriserkennung zur Authentifizierung sind seit längerer Zeit problembehaftet. Inzwischen sollte man sich auch den Einsatz seiner Stimme gut überlegen.

Abb.: Die eigene Stimme kann schnell synthetisiert werden

The Voice Assistant that Speaks with Your Voice

The Korean company Samsung Electronics announced new updates to its voice assistant Bixby that are designed to improve user experience, performance, and capabilities of the intelligent assistant and platform. One of the most interesting innovations concerns the voice of the users. According to Samsung, they „can personalize their Bixby Text Call voice“. „Using the new Bixby Custom Voice Creator, users can record different sentences for Bixby to analyze and create an AI generated copy of their voice and tone. Currently available in Korean, this generated voice is planned to be compatible with other Samsung apps beyond phone calls“ (Samsung, 22 February 2023). As early as 2017, Oliver Bendel wrote with respect to Adobe VoCo: „Today, just a few minutes of samples are enough to be able to imitate a speaker convincingly in all kinds of statements.“ In his article „The synthetization of human voices“, published in AI & Society, he also made ethical considerations. Now there seems to be a recognized market for such applications and they are being rolled out more widely.

Fig.: A Samsung building in Warsaw

ChatGPT und Co. als Münchhausen-Maschinen?

Der Lügenbot wurde 2013 von Prof. Dr. Oliver Bendel im Kontext der Maschinenethik ausgedacht und 2016 von seinem damaligen Projektmitarbeiter und Studenten Kevin Schwegler umgesetzt. Vorgestellt wurde er auf KI-Konferenzen an der Stanford University und in Krakau. Der LIEBOT, wie sein englischer Name lautet, suchte auf eine Frage des Benutzers eine wahre oder richtige Antwort und manipulierte diese nach einer von sieben verschiedenen Strategien. Er behauptete z.B. im Sommer 2016, dass Donald Trump der Präsident der USA sei. Oliver Bendel sprach auch von Münchhausen-Maschinen. Heutzutage gibt es Chatbots und Generative-KI-Systeme wie ChatGPT, die auf Machine Learning beruhen und die immer wieder die Unwahrheit sagen, allerdings ohne dass ihnen die Absicht dazu vermittelt wurde. So werden Angaben zu Personen hinzugedichtet und Quellen erfunden. Zu diesem Thema befragte Technology Review den Informations- und Maschinenethiker aus Zürich. Dabei ging es auch um seine damalige Forschung zu Münchhausen-Maschinen. Mit Chatbots, Sprachassistenten und sozialen Robotern befasst sich Oliver Bendel bereits seit einem Vierteljahrhundert. Sie waren auch der Gegenstand seiner Doktorarbeit, die er an der Universität St. Gallen verfasste und die Ende 2002 abgeschlossen und Anfang 2003 angenommen wurde. Das Interview wurde am 22. Februar 2023 veröffentlicht und kann hier abgerufen werden.

Abb.: Oliver Bendel bei einem Panel der Deutschlandstiftung (Foto: Deutschlandstiftung Integration)

Kleiner Versuch über die Schönheit

„Schönheit (engl. ‚beauty‘) im allgemeinen Sinne ist eine visuelle, akustische, haptische oder ideelle Kategorie, die etwa das Schönsein des Himmels am Tag und in der Nacht, der Natur, eines Körpers, eines Gesichts, eines Gegenstands, eines Kunstwerks oder einer Formel umfasst.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel. Mehrere Abschnitte widmen sich der Schönheit aus Sicht der Philosophie und anderer Disziplinen und dem Zusammenhang zwischen Kunst und Schönheit. Auch auf Wirtschaft und Schönheit wird eingegangen. So heißt es etwa mit Blick auf die Technik: „Cyborgs gefallen sich mit äußerlich sichtbaren technischen Strukturen. Humanoide und soziale Roboter überzeugen auf den ersten Blick mit ihrer künstlichen Schönheit, wobei bei Androiden das Uncanny Valley im Wege ist, das unheimliche Tal. So wirken Sophia, Harmony und Erica trotz oder gerade wegen ihrer perfekten Gesichter unheimlich, wenn sie lächeln. Avatare und (Pseudo-)Hologramme können fotorealistisch und hochattraktiv sein.“ Im letzten Abschnitt wird wiederholt die Perspektive der Ethik eingenommen. Der Beitrag ist am 22. Februar 2023 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/schoenheit-124971 aufgerufen werden.

Abb.: Ein Bildgenerator versucht sich an Schönheit

Soziale Roboter und ihr Sprung in die Zukunft

„Was sollte Ihrer Einschätzung nach zum Thema ‚Bewusste Künstliche Intelligenz‘ diskutiert werden, geschehen oder unterbleiben? Welche Forschungsansätze und Narrative gehören weiterentwickelt, aufgelöst und ersetzt, welche Irrwege endlich beendet, und welche Ansätze und Nischen sollten deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten? Aus welchen Gründen wird derzeit überhaupt über Künstliches Bewusstsein gesprochen, und was halten Sie für vielversprechend, möchte man ‚Bewusstsein‘ künstlich bewirken?“ Diese Fragen stellte Ende 2020 das KIT – Karlsruher Institut für Technologie verschiedenen Experten auf dem Gebiet. Oliver Bendel reichte im Frühjahr 2021 den Beitrag „Soziale Roboter und ihr Sprung in die Zukunft“ ein. Er stellte die drei Disziplinen Künstliche Intelligenz, Maschinenethik und Maschinelles Bewusstsein (Künstliches Bewusstsein) in einen Zusammenhang und klärte, welchen Gegenstand sie jeweils haben und welchen Ursprung oder welches Vorbild dieser wiederum hat. Dann zeigte er auf, wie die Soziale Robotik die drei Disziplinen einbezieht und ausnutzt. Der Band soll 2023 bei KIT Scientific Publishing unter dem Titel „Künstliche Intelligenz und Bewusstsein – Statements 2021“ erscheinen. Der Beitrag kann hier als Preprint heruntergeladen werden.

Abb.: Alpha Mini im Büro von Oliver Bendel

Pepper zu Besuch im Spital

Sara Zarubica entwickelte 2022 im Rahmen ihrer von Prof. Dr. Oliver Bendel betreuten Abschlussarbeit an der Hochschule für Wirtschaft FHNW für ein Kinderspital eine auf einem sozialen Roboter laufende Lernanwendung. Das Ziel war es laut Abstract, aus Pepper einen interaktiven Lernpartner zu machen, mit dem die Kinder „das Schätzen von Kohlenhydratmengen in Mahlzeiten üben und so eine Grundlage für den täglichen Umgang mit Diabetes mellitus Typ 1 schaffen können“ (Abstract). Der Buchbeitrag „Pepper zu Besuch im Spital: Eine Lernanwendung für diabeteskranke Kinder und die Frage nach ihrer sozialen Angemessenheit“ von Oliver Bendel und Sara Zarubica stellt das Projekt vor und verbindet es mit Überlegungen zur sozialen Angemessenheit. Im ersten Kapitel wird in das Thema eingeführt. Das zweite legt Grundlagen zu sozialen Robotern und präsentiert exemplarisch deren Einsatz im Gesundheitsbereich. Das dritte beschreibt die Vorbereitung und Durchführung des Projekts, zudem die Tests mit den Kindergruppen im Spital. Im vierten Kapitel gehen die Autoren auf die soziale Angemessenheit der Gestaltung und Umsetzung ein, unter Berücksichtigung der bisherigen Ergebnisse und Erkenntnisse. Es wird dargelegt, wie physische Präsenz, humanoides Aussehen sowie verbales und gestisches Feedback den Lernerfolg und die Lernfreude unterstützen und wie sie Teil eines simulierten sozialen Settings in der Kinderklinik sind. Zugleich wird danach gefragt, welche technischen, pädagogischen und ethischen Herausforderungen resultieren und wie diesen mit unterschiedlichen Ansätzen begegnet werden kann. Ein fünftes Kapitel liefert eine Zusammenfassung und einen Ausblick. Der Buchbeitrag erscheint im Herbst 2023 bei Metzler im von Bruno Gransche, Jacqueline Bellon und Sebastian Nähr-Wagener herausgegebenen Band „Technik sozialisieren?“.

Abb.: Sara Zarubica mit Pepper

KI-generierte Haikus

Seit 2010 hat Oliver Bendel mehrere Bände mit Haikus und anderen Gedichten veröffentlicht, wobei meistens das Handy eine wichtige Rolle gespielt hat: Es handelte sich entweder um Handyliteratur wie bei „stöckelnde dinger“ (2010), oder im Buch waren 2D- oder 3D-Codes abgedruckt, die die Gedichte enthielten, wie bei „handyhaiku“ (2010) und „Die Astronautin“ (2020). Im Februar 2023 entstand der Band „Dass es nur Kunst war, verdeckte die Kunst“. Die Haikus sind der Output von ChatGPT, bei wechselndem Input. Sie greifen die Themen der vorangehenden Bände auf, erzählen von Avataren, Hologrammen, Robotern und Astronautinnen. „ChatGPT“ steht für „Generative Pre-trained Transformer“. Es handelt sich um einen Chatbot (bzw. ein System zum Produzieren von Content) von OpenAI, der seit Ende 2022 genutzt werden kann. Die Trainingsdaten stammen aus Foren, Artikeln, Büchern und gesprochener Sprache. Benutzt wird eine Form von Machine Learning, nämlich Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF) – der Mensch ist also im Spiel. Mit diesem Tool wurden, wie gesagt, die Haikus des Bands produziert. Manchmal wurden zu einem Input mehrere Resultate generiert und dann eines davon ausgewählt. Trotz der präzisen Anweisungen scheint ChatGPT nicht in der Lage zu sein, die Silbenanzahl durchgehend korrekt umzusetzen, übrigens auch nicht dann, wenn man ein Haiku als Vorbild eingegeben hat. Die Inputs und die Outputs, also die Haikus, wurden dann noch in JAB Codes umgewandelt. Der Band wurde am 20. Februar 2023 veröffentlicht und kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Das Cover des Bands

Studenten und Studentinnen in der Schweiz begeistern sich für soziale Roboter

Vom 16. bis zum 18. Februar 2023 fand das Wahlmodul „Soziale Roboter aus technischer, wirtschaftlicher und ethischer Sicht“ am Campus Brugg-Windisch der Hochschule für Wirtschaft FHNW statt. Die ca. 30 Studenten und Studentinnen stammten von den Standorten Basel, Olten und Brugg-Windisch und aus den Studiengängen International Management, Wirtschaftsinformatik und Betriebsökonomie. Prof. Dr. Oliver Bendel vermittelte ihnen zunächst Grundlagen zur Robotik und zur Sozialen Robotik. Zudem gab es Exkurse in die Servicerobotik, wobei die These belegt wurde, dass diese immer mehr von der Sozialen Robotik beeinflusst wird: Transportroboter und Servierroboter bekommen Augen und Mund, Sicherheitsroboter natürlichsprachliche Fähigkeiten. Zudem wurden ethische Überlegungen angestellt, für die vorher empirische Grundlagen erarbeitet worden waren. Anwesend waren Pepper, NAO, Alpha Mini, Cozmo und Hugvie sowie für kurze Zeit der kleine EMO. Gastvorträge gaben Marc Heimann (CARE-MOMO) und Lea Peier (Barroboter in der Schweiz). Die Studenten und Studentinnen waren hochmotiviert und konzipierten am Ende in Gruppenarbeiten eigene soziale Roboter mit unterschiedlichen Aufgaben. Es handelte sich um die dritte Durchführung des Wahlmoduls und um die erste am Standort Brugg-Windisch. Im November 2023 findet die vierte am Standort Olten statt.

Abb.: Lea Peier bei ihrem Gastvortrag

Postdoc-Stelle am KIT in Karlsruhe im Bereich der Mensch-Roboter-Interaktion

Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT – Karlsruher Institut für Technologie sucht einen promovierten Mitarbeiter oder eine promovierte Mitarbeiterin für eine Tätigkeit an der Schnittstelle von Sozialwissenschaften und Informatik. Die Tätigkeitsbeschreibung lautet wie folgt: „Selbstlernende, KI-gestützte Robotertechnologien und -systeme werden gegenwärtig für zahlreiche Anwendungsfelder, etwa für die Pflege und Assistenz, die Arbeitswelt oder den Mobilitätsbereich, entwickelt. In allen Feldern müssen sie in Zukunft vielseitige Aufgaben in der realen Welt in enger Interaktion mit Menschen erfüllen. Dieses erfordert nicht nur große Entwicklungsanstrengungen für die Techniken und Systeme selbst, sondern auch ein vertieftes Verständnis für die Veränderungen in den Interaktionen und Beziehungen zwischen Menschen und Robotern. Diesbezügliche Erkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung dafür, robotische Lösungen so gestalten zu können, dass Menschen mit ihnen kooperieren wollen, sie nutzen und aktiv in entsprechende Anwendungskontexte integrieren.“ (ITAS) Im Rahmen dieses Forschungsfelds soll der Postdoc neue Forschungsansätze zur sozialen bzw. psychologischen Dimension der Mensch-Roboter-Interaktion und -Kooperation entwickeln. Hierbei wirkt man zum einen in bereits begonnenen Forschungsprojekten zur Technikfolgenabschätzung von KI-basierten robotischen Systemen mit. „Zum anderen ist damit die Möglichkeit der Entwicklung eines eigenen Forschungsprofils an der Schnittstelle von TA und Robotik verbunden. Dies beinhaltet u.a. die konzeptionelle Ausrichtung wie auch die Auswahl und Untersuchung empirisch relevanter Fragestellungen in diesem Feld, aber auch das eigenständige Entwickeln und Umsetzen weiterer Forschungsideen.“ (ITAS) Die Bewerbungsfrist wurde bis zum 24. Februar 2023 verlängert. Weitere Informationen sind hier erhältlich.

Abb.: In Karlsruhe