Nach drei Jahren ist ein ambitioniertes Projekt an sein vorläufiges Ende gekommen: Das „Handbuch Maschinenethik“ (Hrsg. Oliver Bendel) ist Mitte Oktober 2019 bei Springer erschienen. Es versammelt Beiträge der führenden Expertinnen und Experten in den Bereichen Maschinenethik, Roboterethik, Technikethik, Technikphilosophie sowie Roboterrecht. Im Moment kann es hier heruntergeladen werden: link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-17483-5 … Es ist ein umfangreiches, ein vorzeigenswertes, ein einzigartiges Buch geworden. In gewisser Weise bildet es ein Gegenstück zur amerikanischen Forschung, die die Disziplin dominiert: Die meisten Autorinnen und Autoren stammen aus Europa und Asien. Der Herausgeber, der sich seit 20 Jahren mit Informations-, Roboter- und Maschinenethik beschäftigt und seit acht Jahren intensiv zur Maschinenethik forscht, ist voller Hoffnung, dass das Buch seinen Platz in der Standardliteratur zur Maschinenethik finden wird, wie „Moral Machines“ (2009) von Wendell Wallach und Colin Allen und „Machine Ethics“ (2011) von Michael und Susan Leigh Anderson, und wie „Programming Machine Ethics“ (2016) von Luís Moniz Pereira (mit Ari Saptawijaya) und „Grundfragen der Maschinenethik“ (2018) von Catrin Misselhorn – die beiden haben wesentlich zum „Handbuch Maschinenethik“ beigetragen. In den nächsten Tagen wird das Buch mit seinen 23 Kapiteln und 469 Seiten zum Verkauf über die Springer-Website bereitgestellt und auch als Printversion angeboten.
„Manchmal ist Carlee wirklich ein bisschen doof. Heute Vormittag wollte sie mich zur Gymnastik überreden. Ich sollte mich auf Zehenspitzen stellen und Achten gehen. Dabei waren meine Gelenke mal wieder dick geschwollen, jeder Schritt tat weh. Das fand ich ziemlich unsensibel, und habe entsprechend unwirsch reagiert. Ist schon komisch, wenn man mit seinem Roboter schimpft, aber ich musste das einfach loswerden.“ Mit diesen Worten beginnt der Beitrag „Künstliche Gefährten – Wenn Pflegeroboter alte Menschen umsorgen“ von Carin Frey. Geschildert wird zunächst ein Szenario, in dem sich Mensch und Maschine begegnen. Es folgt ein fachlicher Teil, in dem mehrere Expertinnen und Experten zu Wort kommen, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen, etwa Aimee van Wynsberghe, Christoph Kehl, Hartmut Remmers und Oliver Bendel. Der ganze Beitrag kann über www.riffreporter.de/zukunftsreporter/roboter_haeusliche_pflege/ aufgerufen werden.
Abb.: P-Care mit einer Pflegerin (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
Kevin Liggieri und Oliver Müller sind die Herausgeber von „Mensch-Maschine-Interaktion“, einem „Handbuch zu Geschichte – Kultur – Ethik“, wie der Untertitel verrät. Aus der Verlagsinfo: „Das Handbuch bietet einen Überblick über die technischen, historischen, sozialen, medialen, kulturwissenschaftlichen und technikphilosophischen Dimensionen verschiedener Typen von Mensch-Maschine-Interaktion sowie über deren ethische Implikationen. Dabei werden zum einen wissenshistorische Analysen der Diskurse in Philosophie, Literatur und Technik sowie ihrer medialen, apparativen und literalen Praktiken von ca. 1870 bis in die Gegenwart verfolgt (Historischer Teil). Zum anderen wird das komplexe Verhältnis von Menschen und Maschinen anhand von zentralen Begriffs- und Problemfeldern dargestellt und kritisch befragt (Systematischer Teil).“ Der Beitrag von Oliver Bendel trägt den Titel „Die Maschinenethik als neues interdisziplinäres Forschungsfeld“. Das Buch ist bei Metzler erschienen und kann über www.springer.com/de/book/9783476026804 bestellt werden.
Das Springer-Buch „Pflegeroboter“, herausgegeben von Oliver Bendel, hat zwischen November 2018 und September 2019 über 100.000 Downloads erreicht. Gezählt werden Downloads des gesamten Werks sowie einzelner Kapitel. Es ist ein „Bestseller“ – in Anführungszeichen, weil es sich um ein Open-Access-Buch handelt. „Pflegeroboter, im Moment noch mehrheitlich Prototypen, unterstützen oder ersetzen menschliche Pflegekräfte bzw. Betreuer. Sie bringen Kranken und Alten die benötigten Medikamente und Nahrungsmittel, helfen beim Hinlegen und Aufrichten oder alarmieren den Notdienst. Vorteile von Pflegerobotern sind durchgehende Verwendbarkeit und gleichbleibende Qualität der Dienstleistung. Nachteile sind Kostenintensität (bei möglicher Amortisation) und Komplexität der Anforderungen. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Oliver Bendel trafen sich im September 2017 Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen im Rahmen eines Ladenburger Diskurses der Daimler und Benz Stiftung, um über den aktuellen und künftigen Einsatz von Pflegerobotern zu sprechen und Forschungspotenziale zu identifizieren. Die Autoren gehen in ihren Beiträgen auch Fragen aus Wirtschafts-, Medizin- und Informationsethik nach: Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften Betreuung und Versorgung durch die Maschine? Inwieweit kann diese die persönliche und informationelle Autonomie des Patienten unterstützen oder gefährden? Ist der Roboter eine Entlastung oder ein Konkurrent für Pflegekräfte? Antworten müssen von Wissenschaft und Gesellschaft gefunden werden.“ (Information Springer)
Abb.: P-Care in Aktion (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
Die Automatisierung schreitet weltweit voran. Neuartige Industrie- und Serviceroboter sowie mächtige KI-Systeme verbreiten sich. Einige Arbeiter und Angestellte werden aus dem System herausfallen. Wie sichern wir ihre Zukunft? Der Beitrag von Oliver Bendel mit dem Titel „Willkommen auf der Erde!“ baut auf seinem Vortrag „Considerations on Unconditional Basic Income and Basic Property“ auf und wurde in der UnternehmerZeitung 9/2019 veröffentlicht. Er erörtert den Vorschlag des bedingungslosen Grundeigentums, u.a. mit den Begriffen der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Bereits gut bekannt ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Die Schweiz hat darüber abgestimmt, und nicht wenige waren dafür. Aber letztlich hat es nicht gereicht. Der Ansatz des bedingungslosen Grundeigentums, sozusagen eines alternativen BGE, ist radikaler. Der Roboterphilosoph beendet seinen Artikel, der hier heruntergeladen werden kann, mit den folgenden Worten: „Die Welt ist aufgeteilt unter den Reichen und Mächtigen. Es besteht die Gefahr, dass Automatisierung und Autonomisierung die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit verstärken. Und genau dagegen erhebt sich Widerspruch von gesellschaftlicher und von wissenschaftlicher Seite. Sicherlich ist das BGE eine Sozialutopie. Aber eine solche kann zur richtigen Zeit durchaus etwas in der Realität bewirken.“
„Techniktrends, die echte Probleme lösen“ – so der Titel eines Artikels in der Zeitschrift Chip 10/2019. Im Teaser heißt es: „Dieser Herbst bringt bahnbrechende Innovationen, deren Nutzen sich erst in den kommenden Jahren erweisen wird, aber auch Weiterentwicklungen, die bestehende Hürden beseitigen“. Erwähnt wird u.a. der Home Care Robot von Medisana, zudem LADYBIRD, der tierfreundliche Saugroboter, der 2013 von Oliver Bendel zum ersten Mal erwähnt, 2014 von ihm in einer Designstudie und 2017 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW prototypisch umgesetzt wurde. Wenn der Roboter marienkäferähnliche Strukturen erkannte, stellte er seine Arbeit ein und informierte den Benutzer. Ein Nachfolgeprojekt läuft derzeit an der Hochschule für Wirtschaft FHNW unter der Leitung von Oliver Bendel. HAPPY HEDGEHOG, der Prototyp eines tierfreundlichen Mähroboters, soll Igel erkennen und verschonen. Gegenwärtig werden viele Tiere von solchen Geräten getötet, oft in der Nacht. Die Projekte sind innerhalb der Maschinenethik verortet und haben Bezüge zur Tier-Maschine-Interaktion.
Abb.: Der Home Care Robot von Medisana (Foto: Medisana)
Robots are repeatedly damaged or destroyed. The hitchBOT is a well-known example. But also the security robot K5 has become a victim of attacks several times. The latest case is described in the magazine Wired: „Every day for 10 months, Knightscope K5 patrolled the parking garage across the street from the city hall in Hayward, California. An autonomous security robot, it rolled around by itself, taking video and reading license plates. Locals had complained the garage was dangerous, but K5 seemed to be doing a good job restoring safety. Until the night of August 3, when a stranger came up to K5, knocked it down, and kicked it repeatedly, inflicting serious damage.“ (Wired, 29 August 2019) The author investigates the question of whether one may attack robots. Of course you shouldn’t damage other people’s property. But what if the robot is a spy, a data collector, a profile creator? Digital self-defence (which exploits digital as well as analog possibilities) seems to be a proven tool not only in Hong Kong, but also in the US and Europe. The rights of robots that some demand cannot be a serious problem. Robots do not have rights. They feel nothing, they do not suffer, they have no consciousness. „So punch the robot, I tell you! Test the strength of your sociopolitical convictions on this lunk of inorganic matter!“ (Wired, 29 August 2019)
„Chimären im biologischen und medizinischen Sinne sind Organismen, die aus Zellen bzw. Geweben unterschiedlicher Individuen bestehen und dennoch geschlossene und lebensfähige (nicht unbedingt fortpflanzungsfähige) Lebewesen bilden. Sie können innerhalb einer Art oder zwischen Arten angesiedelt und sowohl Pflanzen als auch Tiere sein. Es gibt natürliche (Blutchimären bei Säugetieren) und künstliche Mischwesen (Veredelung bei Pflanzen, Tier-Mensch-Embryonen).“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel, erschienen am 23. August 2019. Cyborgs sind keine Chimären in diesem Sinne. Dennoch könnte die diesbezügliche Forschung auch Relevanz für sie haben, vor allem für umgekehrte oder umgedrehte Cyborgs, etwa Roboter, die ein tierisches oder menschliches Gehirn oder Organ eingepflanzt bekommen. Tier-Mensch-Chimären zur Herstellung von menschlichen Organen werden von vielen Ethikern als unproblematisch angesehen. Das ist erstaunlich, da Erkenntnisse aus Tierethik und Tiermedizin und insbesondere Leiden und Tod von nichtmenschlichen Lebewesen ausgeblendet werden. Dieser Rückschritt in der Diskussion wird am Ende des Beitrags angesprochen, den man über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/chimaere-121204 herunterladen kann.
Automation is advancing relentlessly. Already decades ago, digitization was its partner. In the industry, innovative robots, for example co-robots, are used. Service robots begin to spread in various areas. Systems of artificial intelligence perform tasks of all sorts, even creative activities. The studies on the development of the labor market reach different results. In any case, it can be said that certain jobs will disappear and many people will have to do without their familiar work. It can also be assumed that in many areas less human work has to be performed on behalf (e.g., for customers and employers). As possible solutions to economic and social problems, an unconditional basic income and a robot tax are suggested. The paper „Are Robot Tax, Basic Income or Basic Property Solutions to the Social Problems of Automation?“ by Oliver Bendel presents, discusses and criticizes these approaches in the context of automation and digitization. Moreover, it develops a relatively unknown proposal, unconditional basic property, and presents its potentials as well as its risks. The lecture took place on 26 March 2019 at Stanford University (AAAI Spring Symposium „Interpretable AI for Well-Being: Understanding Cognitive Bias and Social Embeddedness“) and led to lively discussions. It was nominated for the „best presentation“. The paper has now been published as a preprint and can be downloaded here.
„Liebespuppen (engl. ‚love dolls‘) unterscheiden sich von klassischen Gummipuppen durch ihre lebensechte Gestaltung. Sie haben Kopf und Körper, die täuschend echt anzusehen sind. Sie haben künstliche Haut, unter der sich Gel befindet, sodass sich ihre Gliedmaßen echt anfühlen. An ausgewählten Stellen erwärmen sie sich oder sondern sie Flüssigkeit ab. Metallskelette erlauben unterschiedliche Positionen. Man kann Liebespuppen kaufen, um sie zuhause zu benutzen, man kann sie mieten, stunden- oder tageweise, oder in speziellen oder normalen Etablissements antreffen. Die meisten von ihnen sind Mädchen und Frauen nachempfunden, nur wenige dem männlichen Geschlecht.“ So beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon, verfasst von Oliver Bendel. Interessanterweise werden Fantasy- und Comicfiguren von manchen Männern gezielt gesucht bzw. bevorzugt. „Wie weit die Abweichung vom Menschen gehen darf, ist weitgehend unerforscht. Ist jemand bereit, sich sexuell mit Daisy Duck oder Minnie Mouse einzulassen? Es könnte sein, dass für die Mehrheit hier eine Grenze überschritten wäre, zumal es sich für Erwachsene vielfach um Figuren aus der Kindheit handelt.“ Der Beitrag ist am 7. August 2019 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/liebespuppen-121148 heruntergeladen werden.
„Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Und bewegte Bilder, also Videos, gelten noch immer als untrüglicher Beweis dafür, dass sich etwas genau so abgespielt hat, wie es im Film zu sehen ist. Mit dieser Gewissheit ist es jetzt allerdings vorbei. Leistungsfähige Verfahren der künstlichen Intelligenz (KI) erlauben mittlerweile die Herstellung von so perfekten Fälschungen, dass mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen ist, ob ein Video echt oder manipuliert ist. In sogenannten Deep-Fake-Videos sagen oder tun Personen Dinge, die sie niemals sagen oder tun würden.“ (Die Welt, 1. August 2019) Mit diesen Worten beginnt der Artikel „Künstliche Intelligenz könnte Kriege auslösen“ von Dr. Norbert Lossau in der Welt. Zu Wort kommt der Informations- und Maschinenethiker Prof. Dr. Oliver Bendel, der sich aus technischer und philosophischer Perspektive mit Deepfakes bzw. Deep Fakes beschäftigt hat. Der Artikel ist am 1. August 2019 in der gedruckten Ausgabe erschienen. Er steht in mehreren Ausgaben und in elektronischer Form in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.
Robophilosophy or robot philosophy is a field of philosophy that deals with robots (hardware and software robots) as well as with enhancement options such as artificial intelligence. It is not only about the practice and history of development, but also the history of ideas, starting with the works of Homer and Ovid up to science fiction books and movies. Disciplines such as epistemology, ontology, aesthetics and ethics, including information and machine ethics, are involved. The new platform robophilosophy.com was founded in July 2019 by Oliver Bendel. He invited several authors to write with him about robophilosophy, robot law, information ethics, machine ethics, robotics, and artificial intelligence. All of them have a relevant background. Oliver Bendel studied philosophy as well as information science and made his doctoral thesis about anthropomorphic software agents. He has been researching in the fields of information ethics and machine ethics for years.
Ethik kann man kaum ohne Kaffee treiben. Und natürlich stellen sich auch Fragen aus Sicht der Ethik, etwa in Bezug auf die Produktion. Der Beitrag von Oliver Bendel, der am 26. Juli 2019 im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler erschienen ist, wirft ebensolche auf. Er beginnt mit den Worten: „Als Kaffee wird ein bräunliches bis schwarzes, koffeinhaltiges Getränk bezeichnet, zubereitet aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen, den Samen der Frucht des Kaffeestrauchs. Wegen seiner anregenden Wirkung wird es in Unternehmen ebenso geschätzt wie an Hochschulen. Es ist ein Lebenselixier für die breite Masse und eine Hirnstimulanz für viele Schriftsteller und Maler sowie Designer und Programmierer jeden Geschlechts. Gegen die Bitterkeit, die nicht jedermanns Geschmack ist, helfen Zucker und Milch.“ Am Ende heißt es über den Kaffee: „In die Kritik kommt er wegen der Monokulturen, in denen er überwiegend angebaut wird, und wegen der Karton- und Kunststoffbecher, die vor allem mit dem Coffee to go verbunden sind. Seine Wirkung auf die Gesundheit wird unterschiedlich beurteilt. Wirtschafts- und Umweltethik beschäftigen sich mit den moralischen Implikationen von Produktion, Vertrieb, Verbrauch und Entsorgung.“ Dazwischen hält der Beitrag ein paar Überraschungen bereit. Er kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kaffee-121135 heruntergeladen werden.
„Ein Deepfake oder Deep Fake ist ein mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstelltes Bild oder Video, das authentisch wirkt, es aber nicht ist. Auch die Methoden und Techniken in diesem Zusammenhang werden mit dem Begriff bezeichnet. Verwendet werden Machine Learning und speziell Deep Learning. Mit Deepfakes will man Kunst- und Anschauungsobjekte schaffen oder Mittel zur Diskreditierung, Manipulation und Propaganda. Politik und Pornografie sind entsprechend eng mit dem Phänomen verwoben.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel im Gabler Wirtschaftslexikon, veröffentlicht am 26. Juli 2019. Am Ende wird auch die Perspektive der Ethik eingenommen: „Deepfakes können Persönlichkeitsrechte verletzen und in Anschuldigungen, Verwicklungen und Auseinandersetzungen münden. Sie gefährden die informationelle Autonomie und sind so ein Thema der Informationsethik. Ferner können, je nach Fall, Medien-, Politik- und Wirtschaftsethik ins Spiel kommen.“ Der ganze Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/deepfake-120960 aufgerufen werden.
„Die Wissenschaftsfreiheit (oder akademische Freiheit) hat ihren Ursprung in der von Platon im Jahre 387 v.u.Z. gegründeten Schule in Athen (Platonische Akademie) und umfasst die Freiheit von Forschung und Lehre sowie des Lernens. Sie ist ein Grundrecht und in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Verfassung verankert. Forschung und Lehre sollen ohne Abhängigkeit von Staat und Kirche sowie Wirtschaft, aber auch ohne Bevormundung innerhalb der Wissenschaft vonstattengehen. Es ergeben sich bei Personen (Forschenden, Lehrenden und Studierenden) und Institutionen (wie Universitäten und Fachhochschulen) sowohl Rechte als auch Pflichten.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler, veröffentlicht am 26. Juli 2019. Im Folgenden wird spezifiziert: „Forschungsfreiheit bedeutet, dass Forscher und Forscherinnen das Recht haben, inhaltlich und methodisch selbstbestimmt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu streben, akademische Institutionen die Pflicht, den geeigneten Rahmen dafür zu schaffen. Die Lehrfreiheit (eine Form der Redefreiheit) ist das Recht der Dozierenden, die Lehre inhaltlich und methodisch (didaktisch) eigenständig auszugestalten. Dazu gehört nicht zuletzt die Wahl der Lehrmittel.“ Der ganze Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wissenschaftsfreiheit-121063 abgerufen werden.
Abb.: Auch die Lernfreiheit gehört zur Wissenschaftsfreiheit
Parallel zu seiner Arbeit in der Maschinenethik versucht Oliver Bendel, die Tier-Maschine-Interaktion (AMI) als Disziplin zu etablieren. Er war sehr beeindruckt von Clara Mancinis Beitrag „Animal-Computer Interaction (ACI): A Manifesto“ zur Interaktion zwischen Tier und Computer. In seiner AMI-Forschung beschäftigt er sich hauptsächlich mit Robotern und Geräten und deren Verhalten gegenüber Tieren. Es gibt nicht nur moralische Fragen, sondern auch Fragen zur Gestaltung der äußeren Erscheinung und zur Sprechfähigkeit. Der allgemeine Hintergrund für seine Überlegungen ist, dass sich immer mehr Maschinen und Tiere in geschlossenen, halboffenen und offenen Welten treffen. Er ist der Ansicht, dass teilautonome und autonome Systeme Regeln haben sollten, damit sie Tiere gut behandeln. Sie sollten sie nicht stören, erschrecken, verletzen oder töten. Beispiele sind Spielzeugroboter, Haushaltsroboter, Serviceroboter in Einkaufszentren und Landwirtschaftsroboter. Die Medien haben mehrere Artikel zu seiner Forschung zu tierfreundlichen Maschinen gebracht, zuletzt Zeitschriften in den USA und in China.
Abb.: Auch Giraffen sollten ihre Ruhe haben, beispielsweise vor Drohnen
The article „Hologram Girl“ by Oliver Bendel deals first of all with the current and future technical possibilities of projecting three-dimensional human shapes into space or into vessels. Then examples for holograms from literature and film are mentioned, from the fictionality of past and present. Furthermore, the reality of the present and the future of holograms is included, i.e. what technicians and scientists all over the world are trying to achieve, in eager efforts to close the enormous gap between the imagined and the actual. A very specific aspect is of interest here, namely the idea that holograms serve us as objects of desire, that they step alongside love dolls and sex robots and support us in some way. Different aspects of fictional and real holograms are analyzed, namely pictoriality, corporeality, motion, size, beauty and speech capacity. There are indications that three-dimensional human shapes could be considered as partners, albeit in a very specific sense. The genuine advantages and disadvantages need to be investigated further, and a theory of holograms in love could be developed. The article is part of the book „AI Love You“ by Yuefang Zhou and Martin H. Fischer and was published on 18 July 2019. Further information can be found via link.springer.com/book/10.1007/978-3-030-19734-6.
„Die Wissenschaft strebt Erkenntnisgewinn (Forschung) und -vermittlung (Lehre) an, wobei sie anerkannte und gültige Methoden benutzt und Resultate veröffentlicht bzw. einbezieht. Sie ist in gewissem Sinne voraussetzungslos und ergebnisoffen, anders als etwa die christliche Theologie. Die westliche Philosophie kann als Mutter mehrerer Einzelwissenschaften gelten. Diese zeichnen sich durch einen klar benennbaren Gegenstandsbereich aus. So widmet sich die Physik der unbelebten Natur, die Biologie der belebten, die Psychologie dem menschlichen Erleben, Verhalten und Bewusstsein. Man wendet in ihnen rationale oder empirische, generelle oder spezifische Methoden an, die in der Wissenschaftstheorie (einem Teilgebiet der Philosophie) erklärt und begründet werden.“ So beginnt ein neuer Beitrag im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler von Oliver Bendel. Es wird im Verlauf auch auf die Wissenschaftsfreiheit eingegangen, am Ende auf Aufgaben der Wissenschaftsethik. Der Beitrag ist am 15. Juli 2019 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wissenschaft-100061 aufgerufen werden.
„AI has definitively beaten humans at another of our favorite games. A poker bot, designed by researchers from Facebook’s AI lab and Carnegie Mellon University, has bested some of the world’s top players …“ (The Verge, 11 July 2019) According to the magazine, Pluribus was remarkably good at bluffing its opponents. The Wall Street Journal reported: „A new artificial intelligence program is so advanced at a key human skill – deception – that it wiped out five human poker players with one lousy hand.“ (Wall Street Journal, 11 July 2019) Of course you don’t have to equate bluffing with cheating – but in this context interesting scientific questions arise. At the conference „Machine Ethics and Machine Law“ in 2016 in Krakow, Ronald C. Arkin, Oliver Bendel, Jaap Hage, and Mojca Plesnicar discussed on the panel the question: „Should we develop robots that deceive?“ Ron Arkin (who is in military research) and Oliver Bendel (who is not) came to the conclusion that we should – but they had very different arguments. The ethicist from Zurich, inventor of the LIEBOT, advocates free, independent research in which problematic and deceptive machines are also developed, in favour of an important gain in knowledge – but is committed to regulating the areas of application (for example dating portals or military operations). Further information about Pluribus can be found in the paper itself, entitled „Superhuman AI for multiplayer poker“.
Es gibt mehrere Gründe dafür, dass weibliche Stimmen bei Sprachassistenten bevorzugt werden bzw. die Standardeinstellung sind. Weibliche Stimmen werden tendenziell als angenehm und vertrauenswürdig empfunden. Tatsächlich erwartet man in bestimmten Bereichen auch eher Frauen. Insofern richtet sich die Wahl der Stimmen nach der Nachfrage. Natürlich bestimmt das Angebot auch die Nachfrage. Interessanterweise wird die Möglichkeit, eine männliche Stimme zu wählen, wohl wenig genutzt. Man kann eine weibliche Stimme grundsätzlich so gestalten, dass sie beispielsweise jung oder alt, hoch oder tief, neutral oder anregend, aufregend oder erregend klingt. Bei den bekannten Beispielen sind kaum Extreme zu erkennen. Vielmehr sprechen die meisten Sprachassistenten, die eine weibliche Stimme haben, ziemlich durchschnittlich. Sie sind mitteljung, sprechen mittelhoch und sind mäßig anregend. Man kann weiterhin die Sprechweise so gestalten, dass Naivität, Inkompetenz etc. transportiert werden, etwa durch Unterbrechungen, Versprecher, falsche Aussprache etc. Auch das ist bei den bekannten Umsetzungen mit weiblichen Stimmen nicht zu sehen bzw. zu hören; zumindest ist keine Absicht darin zu erkennen. Man kann eher feststellen, dass Alexa, Siri und Google Assistant die Stimme einer reflektierten und eloquenten Frau haben. Die Aussagen der Sprachassistenten entsprechen diesem Bild freilich nicht durchgehend. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23. Juni 2019 wird der Behauptung nachgegangen, dass virtuelle Sprachassistenten mit weiblicher Stimme stets zu Diensten und devot sind. Zitiert wird u.a. der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. Er wünscht sich mehr Vielfalt bei Software- und Hardwarerobotern und ihren Stimmen. Zugleich sieht er keinen Grund – wie etwa die UNESCO – für Alarmismus; vielmehr rät er dazu, alle Chatbots und Sprachassistenten in ihren Aussagen zu überprüfen und zu verbessern.
„Wissenschaftler wollen Tiere weltweit mit Sensoren und Sendern ausstatten, um ihre Wanderungen und Lebensgewohnheiten besser kennenzulernen. Die Daten werden zur ISS gefunkt und von dort auf die Erde zu den Forschern. Am 10. Juli geht das System, eine Kooperation von DLR und Roskosmos, in Betrieb.“ Dies meldete Golem am 10. Juli 2019 mit Blick auf das Projekt ICARUS („International Cooperation for Animal Research Using Space“). Die Tiere werden mit einem kleinen Kästchen ausgestattet, in dem sich mehrere Sensoren befinden: „GPS für die Positionsbestimmung, ein Beschleunigungsmesser, um das Verhalten eines Tieres zu beobachten, ein Magnetometer, um die Ausrichtung relativ zum Magnetfeld der Erde zu erfassen, Sensoren, die den Luftdruck, die Feuchtigkeit und die Temperatur messen.“ (Golem, 10. Juli 2019) Ein Foto zeigt einen Storch, der einen recht großen Apparat auf sich trägt – es fragt sich, was die Tiere dabei empfinden und ob sie darunter leiden. Hier können Tiermedizin, Tierethik, Tier-Computer-Interaktion und Tier-Maschine-Interaktion versuchen, Antworten zu finden. Nach Golem geht es den Forschern darum, Neues über das Verhalten zu lernen: „Welche Tiere wandern? Welche Routen nehmen sie? Wo machen sie Rast? Wo suchen sie nach Nahrung? Wie orientieren sie sich? Wo und warum sterben sie? Davon erhoffen sie sich auch weitergehende Erkenntnisse, etwa über die Verbreitung von Pflanzen oder Krankheiten durch wandernde Tiere.“ (Golem, 10. Juli 2019) Ein anderes Projekt in diesem Zusammenhang wurde hier geschildert. Ob ICARUS einen Höhenflug erleben kann oder einen Absturz erleben muss, wird sich zeigen.
Das Sozialkreditsystem, mit dem die Partei die Bevölkerung von China überwachen und maßregeln will, ist in Europa auf massive Kritik gestoßen. Nun wurde bekannt, dass die chinesische Regierung ausländische Touristen mit einer Anwendung ausforscht, „die bei der Einreise auf dem Handy installiert wird“. Die App greift auf Informationen auf dem Smartphone zu, etwa auf Kontakte, Kalender, SMS, Standort oder Anruflisten, und „überträgt diese an einen Computer der Grenzpolizei“ (SZ, 2. Juli 2019). Außerdem sucht sie laut der Süddeutschen Zeitung auf dem Handy nach Dateien, die aus Sicht der chinesischen Regierung verdächtig sind – dazu gehörten Pamphlete von Islamisten, aber auch harmlose religiöse Inhalte sowie Dateien mit Bezügen zu Taiwan oder Tibet. Betroffen seien Reisende, die im Westen über den Landweg in die chinesischen Provinz Xinjiang einreisen. Über die Überwachung von Touristen berichteten am 2. Juli mehrere Medien. Journalisten der Süddeutschen, des NDR und mehrerer weiterer Medien sowie IT-Experten ist es offenbar gelungen, die Software zu entschlüsseln. Zur Operation „Honigbiene“ und mit Blick auf ihre Story schreibt die SZ: „Die Grenzpolizei fällt über das Smartphone her, eine App saugt dann viele private Informationen ab. Eine Recherche aus einem beispiellosen Überwachungsstaat.“ (SZ, 2. Juli 2019)