Eine neue Hochschule für Informatik

In der Schweiz soll eine neue Hochschule für Informatik FHNW mit einem Standort in Brugg-Windisch und einem Standort nördlich des Jura (Basel-Landschaft und Basel-Stadt) gegründet werden. Sie soll ihren Studienbetrieb im Herbst 2025 aufnehmen und ab diesem Zeitpunkt die bestehenden Informatikstudiengänge der Hochschule für Technik FHNW übernehmen. In der Leistungsauftragsperiode 2025 – 2028 wird sie laut Plan weitere Aus- und Weiterbildungsangebote aufbauen sowie Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten entfalten. Ziel der neuen Hochschule ist es, in der Nordwestschweiz die von Wirtschaft und Verwaltung benötigten Informatiker aus- und weiterzubilden. Die Studiengänge und -angebote der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Wirtschaftsinformatik, Künstlicher Intelligenz und Robotik sind von dieser Neuerung nicht betroffen. Das Portfolio der HSW bleibt damit unverändert. Die Hochschule für Informatik FHNW wird die zehnte Hochschule unter dem Dach der Fachhochschule Nordwestschweiz sein. Berichtet haben über die Neugründung u.a. Nau und Inside IT.

Abb.: Informatik ist für unterschiedliche Branchen wichtig

Aus Oasis wird AISIS

Oasis war eine erfolgreiche britische Band, die 1991 gegründet und 2009 aufgelöst wurde. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz wurde sie nun wieder zum Leben erweckt. Das Projekt stammt von der Band Breezer. Sie nahm neue Lieder auf, die sie mit der KI-Stimme des Oasis-Frontmanns Liam Gallagher ergänzte. Dies berichtete Golem am 28. April 2023. Dabei wurde nach Angaben des Magazins das KI-System lediglich dafür eingesetzt, den Klang von Liam Gallaghers Stimme zu imitieren. Der Gesang samt den Modulationen stammt von einem anderen Sänger. „Das Ergebnis der KI-Bearbeitung, aber auch die Leistung der Musiker ist beeindruckend: Die Songs gehen ohne weiteres als Oasis-Songs der späten 1990er Jahre durch.“ (Golem, 28. April 2023) Das Album „AISIS – The Lost Tapes/Vol. 1“ kann u.a. über YouTube aufgerufen werden.

Abb.: Eine Band bei ihrem Auftritt

Ethische Implikationen von ChatGPT

Am 26. Mai 2023 hält Prof. Dr. Oliver Bendel einen Gastvortrag beim scil-Modul „Dialogorientierte Lern- und Assistenzsysteme“ an der Universität St. Gallen. Der Titel lautet „Ethische Implikationen von ChatGPT“. Aus Sicht von Informations- und Maschinenethik werden verschiedene Überlegungen zu ChatGPT angestellt. Zunächst ist die Frage, woher die Daten für das zugrunde liegende Sprachmodell kommen und unter welchen Bedingungen das Reinforcement Learning from Human Feedback abläuft. Zudem dürfte relevant sein, welche Daten man beim Prompt preisgibt und welche Prompts auf welche Art und Weise zurückgewiesen werden. Ein weiteres Problemfeld ist das Halluzinieren der Sprachmodelle bzw. der darauf basierenden Anwendungen. Diese verdrehen Fakten und erfinden Referenzen. Nicht zuletzt ergeben sich für zahlreiche Anwendungsfelder wie Aus- und Weiterbildung besondere Herausforderungen … Mit Visual ChatGPT soll man über Texteingaben Bilder generieren und dann einzelne Elemente editieren können. Solche und andere Bildgeneratoren wie DALL-E, Stable Diffusion und Midjourney werfen wiederum zahlreiche ethische Fragen auf. GPT-3 und GPT-4 bzw. ChatGPT sind nicht nur für bzw. als Chatbots und Contentgeneratoren relevant, sondern auch für Industrie- und Serviceroboter. In diesem Bereich hat indes vor allem das Sprachmodell PaLM-E Aufmerksamkeit erregt. Indem Bilddaten und Daten zu Zuständen und Ereignissen integriert werden, werden Virtualität und Realität verbunden. Konkret kann der Benutzer mit Hilfe eines Prompts einem Roboter eine Anweisung geben, die dieser dann in seiner Umgebung ausführt, die er vorher beobachtet hat und weiter beobachtet. Dabei sind wiederum Herausforderungen vorhanden, etwa mit Blick auf Verlässlichkeit und Haftung. Oliver Bendel hat vor einem Vierteljahrhundert an der Universität St. Gallen gearbeitet – als Leiter des CC E-Learning – und geforscht, zu Conversational Agents und Embodied Conversational Agents in Lernumgebungen, sogenannten Pedagogical Agents. Weitere Informationen zum scil über www.scil.ch.

Abb.: Auch Pepper hat man schon mit ChatGPT verbunden (Foto: Sara Zarubica)

SWISS nutzt Gesichtserkennung beim Boarding ohne ausdrückliche Zustimmung der Passagiere

Am 9. April 2023 versammelten sich die Passagiere am Flughafen von San Francisco an einem der Gates, um auf das Boarding eines SWISS-Flugs zu warten. Für viele Schweizer und Deutsche ging es – mit dem Zielflughafen Zürich – zurück in die Heimat. Beim Boarding mussten alle vor ein Gesichtserkennungssystem treten und ihre biometrischen Merkmale erfassen lassen. Dies ersetzte das Vorzeigen der Bordkarte. Es gab keinen Hinweis der Airline oder einer Behörde auf eine Alternative. Eine Anfrage eines Betroffenen an SWISS, auf welcher rechtlichen Grundlage dies erfolgte, wurde wie folgt beantwortet: „Ich habe mir Ihren Fall durchgelesen und möchte Ihnen mitteilen, dass das Gesichtserkennungssystem nicht obligatorisch ist. Es wird immer ein Mitarbeiter im Dienst sein, der die Sicherheitskontrolle auch manuell durchführen kann. Wenn Sie das nächste Mal in eine solche Situation kommen und nicht durch das Gesichtserkennungssystem gehen möchten, können Sie jederzeit einen Mitarbeiter bitten, Sie manuell durch die Kontrolle zu begleiten.“ Der Hinweis, dass die Nutzung des Systems nicht obligatorisch ist, müsste allerdings vor Ort gegeben werden. Man ist beim Boarding eines Rückflugs unter einem gewissen Druck, befindet sich auf fremdem Boden – und sieht sich mit einer unerwarteten Situation konfrontiert. All dies nutzt das Unternehmen oder sein Partner – die US-amerikanische Behörde – offenbar aus. Auch zur Datenerfassung und -verwendung gab es keinerlei Informationen, weder vor noch nach dem Vorgang. Ohne Zweifel wird die informationelle Autonomie verletzt. Insgesamt findet der Einsatz eines problematischen Systems ohne ausdrückliche Zustimmung der Passagiere statt. Laut einem Artikel von 2021 hat man das Verfahren bereits seit längerer Zeit getestet. „Die Swiss bestätigt den Einsatz der Technologie. Zusammen mit dem Mutterkonzern, der Lufthansa-Gruppe, engagiere man sich für den Einsatz der biometrischen Gesichtsfelderkennung. … Beim Projekt in San Francisco handle es sich in erster Linie um einen ‚übergeordneten Grenzkontrollprozess‘ der US-Behörden … Die Swiss und die Lufthansa seien aber bei der Umsetzung begleitend involviert gewesen, um eine Schnittstelle im Abfertigungsprogramm herzustellen.“ (Luzerner Zeitung, 8. September 2021)

Abb.: Mitten in San Francisco

Die tiefe Kluft zwischen Menschen und Maschinen

„Oliver Bendel antwortet im März auf eine Interviewanfrage aus San Francisco. Der Informationsethiker ist auf dem Weg an ein Symposium, wo er über Umarmungsroboter und Barroboter referieren wird. Vor einigen Jahren hat er an derselben Veranstaltung der renommierten Association for the Advancement of Artificial Intelligence (AAAI) annotierte Entscheidungsbäume für moralische Maschinen vorgestellt. Wenn sich Bendel nicht gerade auf einer seiner vielen wissenschaftlichen Reisen befindet, forscht er in beschaulicher Umgebung: Seit 2009 bekleidet der 55-Jährige eine Professur für Informationsethik, Maschinenethik und Soziale Robotik an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch.“ (Inside IT, 24. April 2023) Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Thomas Schwandener, der am 24. April 2023 in Inside IT erschienen ist. Weiter heißt es: „In seiner Arbeit geht es um das Zusammenleben von sozialen Robotern und Menschen, um die Potenziale künstlicher Intelligenz, aber auch um ethische Folgefragen. Bendel ist eine Autorität auf seinem Gebiet. Er hat mehrere Standardwerke verfasst, spricht an internationalen Fachtagungen und trat mehrfach vor dem Deutschen Bundestag als Sachverständiger auf.“ (Inside IT, 24. April 2023) Es folgt ein längeres Interview, das am Rande der Shift geführt wurde. Darin weist der Informations- und Maschinenethiker auf die tiefe Kluft zwischen Menschen und Maschinen hin. Der ganze Artikel kann hier aufgerufen werden.

Abb.: Oliver Bendel bei der Shift (Foto: Shift/Louis Rafael)

Der Avatar Jade als Wettermoderatorin

Beim Privatsender M Le Média ist seit Anfang April 2023 der Avatar Jade als Wettermoderatorin zu sehen. Dies sorgt für Aufregung bei den Schweizer Medien und ihren Rezipienten. Allerdings ist die Idee, einen Avatar als Nachrichtensprecher oder für die Durchsage des Wetterberichts einzusetzen, nicht gerade neu. Die ersten Versuche gab es bereits vor einem Vierteljahrhundert. Im Lexikon der Wirtschaftsinformatik von Springer aus dem Jahre 2001 ist ein Beitrag von Oliver Bendel zum Begriff des Avatars abgedruckt, der diese Passagen enthält: „Avatare finden zum einen Verwendung in kollaborativ genutzten virtuellen Räumen wie Chats, Internet-Spielwelten (MUDs und MOOs), webbasierten Lern- und Arbeitsumgebungen und kommerziellen 3D-Anwendungen (Virtual Reality). Sie fungieren dort als sichtbare und teils auch bewegliche und manipulierbare Stellvertreter eines Benutzers.“ Sie können „zum anderen eine beliebige Figur mit bestimmten Funktionen repräsentieren“. „Solche Avatare treten – beispielsweise als Kundenberater und Nachrichtensprecher – im Internet auf oder bevölkern als Spielpartner und -gegner die Abenteuerwelten von Computerspielen. Sie haben häufig ein anthropomorphes Äußeres und eigenständige Verhaltensweisen oder sogar regelrechte Charaktere.“ Der Beitrag ist bereits im Jahre 2000 entstanden und eingereicht worden und verweist auf Beispiele um die Jahrtausendwende. Von daher haben Avatare dieser Art eine lange Tradition. Beeindruckend ist Jade trotzdem – sie wirkt sehr natürlich und sympathisch und scheint durchaus in der Lage, Sprecher aus Fleisch und Blut zu ersetzen.

Abb.: Jade bei ihrer Moderation am 20. April 2023 (Foto: M Le Média/YouTube)

Erfolgreiche Durchführung der Shift 2023

Am 20. April 2023 fand die Shift statt, eine Tagung zu Fragen von Informationsethik, Roboterethik und KI-Ethik. Initiatorin und Organisatorin ist Cornelia Diethelm. Moderatorin war wieder Patrizia Laeri. Die Keynote hielt Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich. Er ging zunächst auf soziale Roboter ein und auf die Disziplinen Künstliche Intelligenz, Maschinenethik und Maschinelles Bewusstsein. Dann beschrieb er mehrere soziale Roboter, die auch als Serviceroboter im engeren Sinne eingesetzt werden. Auf dieser empirischen Basis stellte er ethische Überlegungen an. Am Ende behandelte er Sprachmodelle wie GPT-3 bzw. GPT-4 und PaLM-E. Er zeigte, wie soziale Roboter und Serviceroboter von diesen profitieren können, in ihrer Sprachfähigkeit und bei ihrer Wahrnehmung der Welt. Auch Ansätze der Maschinenethik waren ein Thema, von der Einpflanzung moralischer Regeln bis hin zur Nutzung von Moralmenüs. Ein Panel zur Regulierung von KI durch die EU fand am Nachmittag statt. Dabei stach die Schweizer Informatikerin und Unternehmerin Bea Knecht hervor, die nicht nur enorme fachliche Expertise hatte, sondern auch herausragende Reflexionsfähigkeiten – und eine genaue und anschauliche Sprache. Weitere Informationen zur Shift über digitalresponsibility.ch/digitaleethikkonferenz/ …

Abb.: Oliver Bendel im Gespräch mit Patrizia Laeri (Foto: Shift/Louis Rafael)

Mit dem Chatbot @llegra auf Rätoromanisch plaudern

Chatbots und Sprachassistenten – sogenannte Conversational Agents – entstanden an der Hochschule für Wirtschaft FHNW von 2012 bis 2022 vor allem im Kontext der Maschinenethik und Sozialen Robotik. Prof. Dr. Oliver Bendel widmet sich nun verstärkt toten, ausgestorbenen und gefährdeten Sprachen. @ve für Latein war 2022 ein erster Versuch in dieser Richtung. Der Chatbot basiert auf dem Sprachmodell GPT-3. Die tote Sprache Latein wurde durch @ve ein Stück weit wieder lebendig. Im März 2023 startete auf Initiative des Technikphilosophen ein weiteres Projekt, in dem der Chatbot @llegra entwickelt wird. Dieser soll das Rätoromanische beherrschen, genauer gesagt das Idiom Vallader, das im Unterengadin zwischen Martina im Nordosten und Zernez im Südwesten sowie im Val Müstair gesprochen wird und gefährdet ist. Der Benutzer kann Text eintippen und bekommt Text ausgegeben. Zudem spricht @llegra mit Hilfe eines Text-to-Speech-Systems der Firma SlowSoft, die das Projekt unterstützt. Die Basis ist wieder, wie bei @ve, das Sprachmodell GPT-3. Für die Umsetzung konnte Dalil Jabou gewonnen werden. Für technische Aspekte steht zusätzlich Prof. Dr. Bradley Richards zur Verfügung. Das Projekt dauert bis August 2023.

Abb.: In Zernez wird das Idiom Vallader gesprochen

Yowai Robotto

How do social robots emerge from simple, soft shapes? As part of their final thesis in 2021 at the School of Business FHNW, 23-year-old students Nhi Tran Hoang Yen and Thang Hoang Vu from Ho Chi Minh City (Vietnam) have answered this question posed by their supervisor Prof. Dr. Oliver Bendel. They have submitted eleven proposals for novel robots. The first is a pillow to which a tail has been added. Its name is Petanion, a portmanteau of „pet“ and „companion“. The tail could move like the tail of a cat or dog. In addition, the pillow could make certain sounds. It would be optimal if the tail movements were based on the behavior of the user. Thus, as desired, a social robot is created from a simple, soft form, in this case a pet substitute. Petanion is soft and cute and survives a long time. It can also be used if one has certain allergies or if there is not enough space or money in a household for a pet. Last but not least, the ecological balance is probably better – above all, the robot does not eat animals that come from factory farming. The inspiration may have been Qoobo, a pillow with a tail, designed to calm and to „heal the heart“. Panasonic also believes in robots that emerge from simple, soft forms. It promotes its new robot NICOBO as a „yowai robotto“, a “weak” robot that has hardly any functions or capabilities. The round, cute robot has two separate displays as eyes and a tail that it constantly moves. According to the company, it is aimed primarily at singles and the elderly. There could well be a high demand for it, even beyond the target groups.

Fig.: NICOBO in the arms of its owner (Photo: Panasonic)

Grundlagen zu Conversational Agents

„Conversational Agents (CAs) sind computerbasierte Dialogsysteme mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten. Verwenden beide Seiten die Textform, liegen üblicherweise Chatbots oder Social Bots vor. Manche von diesen besitzen Sprachausgabe, wie Cor@ von der Deutschen Bank um die Jahrtausendwende. Nutzen beide Seiten gesprochene Sprache, handelt es sich üblicherweise um Sprachassistenten (auch Voice Assistants oder Voicebots genannt), die auf Smartphones, in Smartspeakers oder in Anwendungen des Smart Home vorkommen. Bekannte Beispiele sind Google Assistant, Siri und Alexa. Chatbots und Sprachassistenten kann man wiederum mit Avataren ergänzen oder in soziale Roboter wie Pepper oder NAO bzw. in Serviceroboter oder Industrieroboter integrieren …“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich. In einem zweiten Abschnitt wird auf Entwicklung und Merkmale eingegangen, in einem dritten die ethische Perspektive eingenommen. Der Beitrag ist am 18. April 2023 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/conversational-agent-125248 aufgerufen werden.

Abb.: Cor@ stand um die Jahrtausendwende auf der Website der Deutschen Bank zur Verfügung

ICSR 2023 will Take Place in Qatar

Next to Robophilosophy, ICSR may be the most important conference on social robotics. The fourteenth edition took place in Florence at the end of 2022 and was dedicated to the health sector. „The 15th International Conference on Social Robotics (ICSR 2023) will bring together researchers and practitioners working on the interaction between humans and intelligent robots and on the integration of social robots into our society. ICSR 2023 will take place in Doha as a face-to-face conference on December 4-7, 2023. This will be the first time that the conference will be hosted in Qatar and in the Middle East and North Africa region.“ (Website ICSR) The theme of this year’s ICSR is „Human-Robot Collaboration: Sea, Air, Land, Space and Cyberspace“. According to the organizers, the theme emphasizes on all physical and cyber-physical domains where humans and robots collaborate. More information and CfP via icsr23.qa.

Fig.: A traveler at Doha airport

KI-generierter Song à la Drake und The Weeknd

Auf TikTok findet sich ein neuer Musikclip der beiden kanadischen Sänger Drake und The Weeknd. Golem meldete am 17. April 2023: „Der Titel wurde vom Kanal ghostwriter977 veröffentlicht und ist eigenen Angaben zufolge komplett mithilfe einer künstlichen Intelligenz erstellt worden.“ (Golem, 17. April 2023) Das einminütige Stück hat es inzwischen auf YouTube geschafft, in der ursprünglichen – nach zwei Tagen bereits mehr als tausendmal kommentiert – und in einer verbesserten Version. Beide hat man allerdings wohl aus Rechtsgründen entfernt. Golem schreibt weiter: „Für die Musikindustrie dürften derartige Musikstücke, die zumindest beim ersten und zweiten Hinhören sehr echt klingen, ein Problem sein. Drake hatte sich in der Vergangenheit bereits bei anderen KI-Songs mit seiner Stimme kritisch bis verärgert gezeigt. Der Produzent von Jay-Z, Young Guru, spricht von einem Geist, der aus der Flasche gelassen wurde. Zum einen könne man den technologischen Fortschritt nicht aufhalten, zum anderen müssten die Rechte der Kunstschaffenden geschützt werden.“ (Golem, 17. April 2023) Die individuelle Stimme, verbunden mit gesprochener Sprache, kann bereits seit einigen Jahren mit Hilfe künstlicher Intelligenz imitiert werden. Darauf geht etwa der Beitrag „The Synthetization of Human Voices“ von Prof. Dr. Oliver Bendel aus dem Jahre 2017 ein. Inzwischen stellt auch gesungene Sprache lebender und toter Künstler kein Problem mehr dar.

Abb.: Eine CD von The Weeknd

The Rebirth of Vector

During the first implementation of the elective module „Social Robots“ at the School of Business FHNW, orders were placed for Vector 2.0, the successor to Vector. After a year and a half, the company Digital Dream Labs has delivered the small social robot. The company had bought the rights from Anki, which had failed with its first versions of Cozmo and Vector, although they were very well made and sold a lot. Unlike its brother Cozmo, Vector listens to voice commands. The company writes on its website: „Say hey to Vector, the first home robot that will steal your heart, not your data. Smart right out of the box, Vector is more than a robot companion. Curious, independent and powered by AI and state-of-the-art robotics, he can read the room, share the weather forecast, set a timer (no overcooked dinner on his watch), take a snapshot and so much more. Vector is your sidekick who’s up for anything but mostly just wants to make you laugh.“ (Website DDL) About the robot’s technologies, the company writes: „Qualcomm 200 Platform, HD camera with 120 Ultra Wide FOV, Beamforming Four-Microphone Array, Infrared Laser Scanner, 6-Axis IMU, High-Res Color IPS Display, and WiFi connection.“ (Website DDL) The camera is connected with object recognition and face recognition, as in the case of Cozmo. Vector „can recognize people and objects while detecting and avoiding obstacles“ (Website DDL). The first impression is good. The companion robot is fast, agile, and funny. Edge detection works even on difficult surfaces like glass tables. The sounds are different from Cozmo, but also very appealing and cute. You have to formulate the voice commands very accurately. It helps if you are a native speaker of either American or British English. More Information via www.digitaldreamlabs.com/products/vector-robot.

Fig.: Vector in action

CfP for the Tenth International Conference on Animal-Computer Interaction

The Tenth International Conference on Animal-Computer Interaction will be held December 4-8, 2023, in Raleigh, North Carolina, hosted by North Carolina State University. „ACI is the leading International Conference on Animal-Computer Interaction. It is a highly multidisciplinary event drawing researchers and practitioners from diverse backgrounds to share and discuss work and topics related to the research and design of computing-enabled and interactive technology for and with animals.“ (Website ACI) The Ninth International Conference on Animal-Computer Interaction was held in Newcastle upon Tyne at the end of 2022. Also this year the organizers are interested in a variety of topics in animal-computer interaction and animal-machine interaction, as the call for papers (CfP) reveals: „Submissions might address topics such as: the role of technology in shaping human-animal relationships; studies and/or analysis of large-scale technology for animal deployments; considerations on the wider context of technology for animal use; methods and reflections on studying the next generation of technology for animals; or how to conduct ACI research in a world where commercial design and deployment of technology for animals outpaces academic thought.“ (Website ACI) The CfP can be accessed at www.aciconf.org/aci2023.

Fig.: The William B. Umstead State Park in North Carolina

New Yorker Polizei setzt auf K5 und Spot

Das New York City Police Department (NYPD) sieht Serviceroboter „für Straßenpatrouillen und Überwachung“ (Golem, 14. April 2023) vor. „Neben dem Roboterhund Spot soll künftig zusätzlich ein eigenständiges Modell vom Typ Knightscope K5 eingesetzt werden.“ (Golem, 14. April 2023) Dies schreibt Oliver Nickel in Golem unter Berufung auf Aussagen des New Yorker Bürgermeisters Eric Adams bei einer Pressekonferenz. Sowohl Spot als auch K5 sind Thema des Papers „Robots in Policing“ von Prof. Dr. Oliver Bendel, das in den Proceedings „Social Robots in Social Institutions“ der Robophilosophy 2022 erschienen ist. Mit Sicherheits- und Überwachungsrobotern wie dem K5 beschäftigt sich der Technikphilosoph aus Zürich seit Jahren. In dem Artikel „Mehr Unsicherheit mit Sicherheitsrobotern?“, erschienen 2016 in der Zeitschrift SicherheitsForum, nahm er u.a. die ethische Perspektive ein. Bereits ein paar Monate vorher veröffentlichte Inside IT den Beitrag „Blechpolizisten mit Elektroschockern: Beobachtungen zu Überwachungsrobotern“. Ohne Zweifel gewinnt das Thema in diesen Tagen an Bedeutung, wegen der Einsätze in den USA, aber auch der Pläne in Deutschland – das Innovation Lab der Polizei Nordrhein-Westfalen in Duisburg testet derzeit Modelle wie Spot.

Abb.: Motorräder der New Yorker Polizei

Self-driving Vehicles Blocked Traffic in Frisco

„Five self-driving vehicles blocked traffic early Tuesday morning in the middle of a residential street in San Francisco’s Balboa Terrace neighborhood, apparently waylaid by fog that draped the southwestern corner of the city.“ (San Francisco Chronicle, 11 April 2023) The San Francisco Chronicle reported this in an article published on April 11, 2023. The fact that fog is a problem for Waymo’s vehicles has been known to the company for some time. A blog post from 2021 states: „Fog is finicky – it comes in a range of densities, it can be patchy, and can affect a vehicle’s sensors differently.“ (Blog Waymo, 15 November 2021) Against this background, it is surprising that vehicles are allowed to roll through the city unaccompanied, especially since Frisco – this name comes from sailors – is very often beset by fog. But fog is not the only challenge for the sensors of self-driving cars. A thesis commissioned and supervised by Prof. Dr. Oliver Bendel presented dozens of phenomena and methods that can mislead sensors of self-driving cars. The San Francisco Chronicle article „Waymo says dense S.F. fog brought 5 vehicles to a halt on Balboa Terrace street“ can be accessed at www.sfchronicle.com/bayarea/article/san-francisco-waymo-stopped-in-street-17890821.php.

Fig.: San Francisco in April 2023

Von Halluzinationen befreit?

„Das Heidelberger KI-Start-up Aleph Alpha hat nach eigenen Angaben erstmals einen Meilenstein auf dem Weg zu inhaltlich korrekter, erklärbarer und vertrauenswürdiger künstlicher Intelligenz erreicht. Eine nun verfügbare Erweiterung des hauseigenen Sprachmodells Luminous sei in der Lage, Zusammenhänge in Informationen und faktische Korrektheit auf Basis von gesicherten Fakten nachzuvollziehen …“ (Spektrum, 13. April 2023) Dies schrieb Spektrum der Wissenschaft am 13. April 2023 unter Berufung auf das Unternehmen. „Gleichzeitig sei das System in der Lage, darzustellen, welche Textstellen in einer Quelle die generierte Antwort verursacht haben oder im Widerspruch dazu stehen.“ (Spektrum, 13. April 2023) ChatGPT ist dafür bekannt, dass es nicht nur in seinen Aussagen halluziniert, etwa wenn es Falschinformationen zu Personen liefert, sondern auch in seinen Verweisen – so werden URLs generiert, die auf den ersten Blick plausibel aussehen und deren Domain oft korrekt ist, die dann aber – da der Pfad erfunden ist – ins Leere verweisen. Grundsätzlich ist die Behauptung von Faktizität und der Erfüllung von Anforderungen der Explainable AI und der Trustworthy AI in diesem Zusammenhang mit Vorsicht zu genießen – aber es wäre erfreulich, wenn Luminous weniger eine Münchhausen-Maschine wäre als der eine oder andere Konkurrent und von Halluzinationen befreit werden könnte.

Abb.: Von Halluzinationen befreit?

Roboter und KI-Systeme bei der Shift

„Die Shift ist eine exklusive Plattform zur Digitalen Ethik. Was begeistert uns bei neuartigen Angeboten, die dank Big Data, Künstlicher Intelligenz & Co. möglich sind? Was akzeptieren Kundinnen und Kunden sowie die Gesellschaft, was nicht? Und wo sind Grenzen nötig? Diese Fragen stehen im Zentrum der Shift. Es geht um aktuelle Kundenerwartungen sowie Akzeptanz und Vertrauen im digitalen Raum.“ (Website Shift) So steht es auf der Website der Tagung, die 2023 bereits in die fünfte Runde geht. Die Keynote hält Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich. Er geht zunächst auf soziale Roboter ein und auf die Disziplinen Künstliche Intelligenz, Maschinenethik und Maschinelles Bewusstsein. Dann beschreibt er mehrere soziale Roboter, die auch als Serviceroboter im engeren Sinne eingesetzt werden. Auf dieser empirischen Basis stellt er ethische Überlegungen an. Am Ende behandelt er Sprachmodelle wie GPT-3 bzw. GPT-4 und PaLM-E. Er zeigt, wie soziale Roboter und Serviceroboter von diesen profitieren können, in ihrer Sprachfähigkeit und bei ihrer Wahrnehmung der Welt. Auch Ansätze der Maschinenethik sind ein Thema, von der Einpflanzung moralischer Regeln bis hin zur Nutzung von Moralmenüs. Weitere Informationen zur Shift über digitalresponsibility.ch/digitaleethikkonferenz/ …

Abb.: ARI von PAL Robotics

Der Totalitarismus der Hannah-Arendt-Tage

„Mit den seit 1998 stattfindenden Hannah-Arendt-Tagen erinnert Hannover an die 1906 in Linden geborene, bedeutende Tochter der Landeshauptstadt.“ (Website Stadt Hannover) Die jüdische Vertreterin der Politischen Theorie, die aus Nazideutschland floh, forschte u.a. zum Totalitarismus. „Ein Kuratorium mit Mitgliedern aus Wissenschaft, Politik, Kunst, Stiftungen und Verwaltung wählt jährlich ein aktuelles Thema aus und stellt es einem breiten Publikum zur Diskussion.“ (Website Stadt Hannover) Dies wird ermöglicht mit Hilfe von Experten und Expertinnen, die von Dr. Sabine Meschkat-Peters – vom Büro des Oberbürgermeisters, der Vorsitzender des Kuratoriums ist – nach Hannover eingeladen werden und dort einen Vortrag halten. Sie müssen zudem ein Manuskript abgeben, das in den jeweiligen Sammelband aufgenommen wird. Allerdings nicht unbedingt im originalen Wortlaut, denn die Herausgeberin Prof. Dr. Franziska Martinsen greift in die Texte ein, auch gegen den ausdrücklichen Willen der Autoren. Sie ist eine Verfechterin gegenderter Sprache und fügt Gendersternchen ein, die in der deutschen Sprache nicht vorgesehen sind. Damit verursacht sie Rechtschreib- und Grammatikfehler in fremden Texten und macht diese missverständlich und unlesbar. Zudem verletzt sie Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht und Wissenschaftsfreiheit der Autoren. Diese erhalten von der Stadt Hannover auf Anfrage keine Hilfe in dieser Sache und werden lediglich an die Herausgeberin und die Presseabteilung der Stadt verwiesen. Auch der Verlag Velbrück nimmt seine Verantwortung nicht wahr und diskreditiert sich selbst als Wissenschaftsverlag. Dass dies alles ausgerechnet im Namen einer Totalitarismusforscherin geschieht, die sich nicht mehr wehren kann, gibt zu denken.

Abb.: Das Rathaus von Hannover

New Proceedings Website of the AAAI Spring Symposia

The AAAI Spring Symposia is a legendary conference that has been held since 1992. It usually takes place at Stanford University. Until 2018, the leading US artificial intelligence organization itself published the proceedings. Since 2019, each symposium is responsible for its own. Following a restructuring of the AAAI website, the proceedings can be found in a section of the new „AAAI Conference and Symposium Proceedings“ page. In 2016, Stanford University hosted one of the most important gatherings on machine ethics and robot ethics ever, the symposium „Ethical and Moral Considerations in Non-Human Agents“ … Contributors included Peter M. Asaro, Oliver Bendel, Joanna J. Bryson, Lily Frank, The Anh Han, and Luis Moniz Pereira. Also present was Ronald C. Arkin, one of the most important and – because of his military research – controversial machine ethicists. The 2017 and 2018 symposia were also groundbreaking for machine ethics and attracted experts from around the world. The papers can be accessed at aaai.org/aaai-publications/aaai-conference-proceedings.

Fig.: The Stanford University campus

 

A Face Recognition System for Bears

The ACI took place from 5 to 8 December 2022 in Newcastle upon Tyne. It is the world’s leading conference on animal-computer interaction. The proceedings were published in the ACM Library on March 30, 2023. They include the paper „A Face Recognition System for Bears: Protection for Animals and Humans in the Alps“ by Oliver Bendel and Ali Yürekkirmaz. From the abstract: „Face recognition, in the sense of identifying people, is controversial from a legal, social, and ethical perspective. In particular, opposition has been expressed to its use in public spaces for mass surveillance purposes. Face recognition in animals, by contrast, seems to be uncontroversial from a social and ethical point of view and could even have potential for animal welfare and protection. This paper explores how face recognition for bears (understood here as brown bears) in the Alps could be implemented within a system that would help animals as well as humans. It sets out the advantages and disadvantages of wildlife cameras, ground robots, and camera drones that would be linked to artificial intelligence. Based on this, the authors make a proposal for deployment. They favour a three-stage plan that first deploys fixed cameras and then incorporates camera drones and ground robots. These are all connected to a control centre that assesses images and developments and intervenes as needed. The paper then discusses social and ethical, technical and scientific, and economic and structural perspectives. In conclusion, it considers what could happen in the future in this context.“ The proceedings can be accessed via dl.acm.org/doi/proceedings/10.1145/3565995.

Fig.: A resting bear

In den Armen des Roboters

Der 28. März 2023 war der zweite Tag des Symposiums „Socially Responsible AI for Well-being“ im Rahmen der AAAI 2023 Spring Symposia. Veranstaltungsort ist normalerweise die Stanford University. Aus personellen Gründen wurde die Konferenz in diesem Jahr ins Hyatt Regency in San Francisco verlegt. Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW stellte am Morgen das Paper „Increasing Well-being through Robotic Hugs“ vor, das von ihm, Andrea Puljic, Robin Heiz, Furkan Tömen und Ivan De Paola verfasst wurde. Das Team hatte einen Umarmungsroboter namens HUGGIE gebaut und an über 130 Probanden getestet. Wärme und Weichheit – dies betonen auch Kuchenbecker und Block – sind wesentlich für die Akzeptanz. Stimme, Geruch und Herzschlag werden sehr unterschiedlich bewertet. Eine weibliche Stimme könnte die Akzeptanz bei einer Umarmung durch den Roboter verbessern. Danach hielten Lea Peier und er ihren Vortrag „How Can Bar Robots Enhance the Well-being of Guests?“. Sie gingen auf zwei Barroboter ein, die in der Schweiz im Betrieb sind bzw. waren. Informationen zur Konferenz sind über aaai.org/conference/spring-symposia/sss23/ erhältlich.

Abb.: Oliver Bendel bei seinem Vortrag zu Umarmungsrobotern (Foto: Lea Peier)